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Jahrelang zog Warren Buffett über Fluglinien her, bevor er Milliarden in sie investierte

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
07.03.2017, 13:00  |  422   |   |   

1989 entschied sich der CEO von Berkshire Hathaway (WKN:A1YJQ2), Warren Buffett, die Vorzugsaktie von USAir, einem Vorläufer von American Airlines (WKN:A1W97M), zu kaufen. Diese Investition lief aber nicht besonders gut. In den folgenden 25 Jahren kritisierte Buffett wiederholt die gesamte Industrie. Er meinte, sie wäre eine furchtbare Investition.

Die meisten Investoren waren daher schockiert, als Berkshire Hathaway veröffentlichte, dass man im letzten Sommer in mehrere solcher Unternehmen investiert habe. Und Buffett setzte seinen Einkauf im Herbst fort. Berkshire Hathaway besitzt nun etwa 7-9 % der vier größten amerikanischen Fluglinien. Diese Investitionen sind zusammen etwa 9 Milliarden US-Dollar wert.

Warren Buffett bereute jahrelang seine Investition in USAir. Bildquelle: Pixabay.

Warren Buffett hatte diese Industrie in verschiedenen Punkten kritisiert, bevor er es sich im letzten Jahr auf einmal anders überlegte.

Fluglinien haben schon immer Geld verloren

Die schlimmste Art von Geschäft ist ein Geschäft, das schnell wächst, bedeutenden Kapitaleinsatz für dieses Wachstum benötigt und dann wenig oder kein Geld verdient. Denken wir nur an die Fluglinien. Hier gibt es seit den Tagen der Gebrüder Wright keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil. Wenn damals ein Kapitalist mit Weitblick in Kitty Hawk präsent gewesen wäre, dann hätte er seinen Nachfolgern einen Gefallen getan und Orville abgeschossen.
– Warren Buffett im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway 2007

Das ist wahrscheinlich Buffetts bekannteste Kritik an den Fluglinien. Von 2001 bis 2005 erlitten die amerikanischen Fluglinien einen Verlust von insgesamt 40 Milliarden US-Dollar.

Diese Zeit der großen Verluste war aber leider kein Einzelfall. Auf der ganzen Welt schwankten die Fluglinien jahrzehntelang zwischen Gewinnen und Verlusten hin und her. In den meisten Fällen wurden die Verluste im Lauf der Zeit jedoch von den Gewinnen wieder ausgeglichen.

Billiganbieter können den großen Rivalen schaden

Als sich die Kapazitäten der Billiganbieter erhöhten, zwangen sie mit ihren niedrigen Preisen die älteren Unternehmen dazu, ihre Preise zu senken. Damit hat mal wieder eine fundamentale Regel der Wirtschaft obsiegt: In einem regulierten Geschäft muss ein Unternehmen seine Kosten auf das Niveau des Wettbewerbs senken oder es droht auszusterben.
– Warren Buffett im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway 1994

Die amerikanischen Fluglinien wurden Anfang der 90er vom schnellen Wachstum der Billiganbieter aufgemischt. Diese waren einfach günstiger als die älteren Unternehmen, die daraufhin gezwungen waren, ihre Preise anzupassen. Hätten sie es nicht getan, hätten sie ihre Kunden verloren. Das hatte aber zu großen Verlusten in der ganzen Industrie zur Folge, da die Kosten der älteren Unternehmen einfach viel zu hoch waren.

In den letzten 25 Jahren konnten die Unternehmen aber ihre Kosten bedeutend senken. Doch diese Kosten steigen langsam wieder an. In der Zwischenzeit konnten die Ultra-Low-Cost-Anbieter, angeführt von Spirit Airlines (WKN:A1CX36), großes Wachstum verzeichnen, das die Kosten noch weiter nach unten getrieben hat. Ob die großen Fluglinien eine Neuauflage der Katastrophe der 90er-Jahre vermeiden können, werden wir sehen.

Spirit Airlines verzeichnet schnelles Wachstum unter den Ultrabilliganbietern. Bildquelle: Spirit Airlines.

Irrationaler Wettbewerb ist eine noch größere Gefahr

Seit unserem Kauf haben sich die Finanzen der Fluglinien mit alarmierender Geschwindigkeit weiter verschlechtert. Es wurde von den Kamikaze-Preistaktiken einiger Anbieter sogar zusätzlich verschlimmert. Das Problem, das diese Preispolitik bei allen Anbieter verursacht hat, zeigt einen wichtigen Punkt auf: In einem Geschäft, das ein leicht verfügbares Produkt verkauft, ist es unmöglich, deutlich klüger zu sein als der dümmste Konkurrent.
– Warren Buffett im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway 1990

Hier illustriert Buffett, dass einer oder zwei irrationale Wettbewerber eine ganze Industrie nach unten ziehen können. Die daraus resultierenden Preiskriege können nur schwer kontrolliert werden.

Das konnten wir in letzter Zeit auch beobachten. American Airlines senkte seine Preise auf das Niveau von Spirit Airlines, um keinen Marktanteil zu verlieren. Der daraus hervorgegangene Preiskrieg hat sich inzwischen auch auf andere Märkte ausgeweitet, in denen Spirit und weitere Ultrabilliganbieter arbeiten. Und das hat die Margen der älteren Unternehmen stark beschädigt.

Die Zeiten der Gewinne könnten sich als flüchtig herausstellen

Die Umsätze von USAir werden die Auswirkungen eines nicht regulierten und sehr wettbewerbsorientierten Marktes weiterhin zu spüren bekommen. Die Kostenstruktur des Unternehmens stammt nämlich noch aus früheren, profitablen Zeiten. Diese Kosten werden, wenn sie nicht im Zaum gehalten werden, dazu führen, dass sich die Vergangenheit wiederholt.
– Warren Buffett im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway 1996

Die Investoren von heute können sich aber darüber freuen, dass die ganze Industrie seit 2010 profitabel ist. Doch das ist nicht das erste mal, seitdem die Fluglinien profitabel sind. Um fair zu sein: die Gewinnmargen fallen deutlich höher aus als früher.

Die Fluglinien der 1980er-Jahre wiesen besonders hohe Kostenstrukturen auf. Doch auch heute, bei niedrigeren Kostenstrukturen, haben die Anbieter einen riesigen Kostennachteil. Im Durchschnitt sind die Nicht-Treibstoffkosten fast doppelt so hoch wie die von Spirit Airlines. Wenn die Kunden den mangelnden Service der Ultrabilliganbieter erst einmal akzeptiert haben, könnte das noch ein Nachspiel haben.

Wenn es bei den Fluglinien schlecht läuft, dann läuft es wirklich schlecht

Unglücklicherweise war das Jahr 1991 ein Jahr der Dezimierung: Midway, Pan Am und America West meldeten kollektiv Insolvenz an. (Wenn wir diesen Zeitraum auf 14 Monate ausweiten, dann gesellen sich noch Continental und TWA dazu.)
– Warren Buffett im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway 1991

Ein weiteres Problem in diesem Industriezweig ist, dass eine Insolvenz eine weitere nach sich ziehen kann. Wenn eine große Fluglinie Probleme hat, dann kann das Unternehmen den Insolvenzprozess dazu benutzen, die Kosten zu senken und sich der Schulden entledigen, die das Unternehmen aufgenommen hat, um zu expandieren. Diese niedrigere Kostenstruktur kann das Unternehmen dann benutzen, um noch günstigere Angebote als andere Fluglinien zu machen. So kann man diese quasi auch dazu zwingen, Insolvenz anzumelden.

Zu viele Variablen, um Vorhersagen zu treffen

Wir haben keinerlei Möglichkeit, die wirtschaftlichen Gegebenheiten der Fluglinien vorherzusagen.
– Warren Buffett im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway 1989

Die Volatilität der Gewinne ist ein weiterer Faktor, der die Investoren verwirren könnte. Selbst zu dem Zeitpunkt, als er in USAir investiert hatte, wusste Warren Buffett, dass er die zukünftigen Gewinne des Unternehmens nicht vorhersagen könnte. Er verließ sich dabei nur auf die Vorgeschichte des Unternehmens und die zusätzliche Sicherheit, die Vorzugsaktie zu besitzen.

Die Führungskräfte der Fluglinien sind bei der Vorhersage ihrer eigenen Gewinne allerdings auch nicht besser. Ich möchte hier nur ein Beispiel anführen: Der CEO von American Airlines, Doug Parker, sagt Ende 2015, die Gewinnmarge des Unternehmens würde 2016 vielleicht etwas nachgeben, bevor sie 2017 wieder zu alter Stärke zurückfinden sollte. Die bereinigte Vorsteuermarge sank im letzten Jahr um 2,7 Prozentpunkte. Die Analysten erwarten, dass 2017 die Gewinnmarge des Unternehmens noch einmal fallen wird.

Selbst die Bosse von American Airlines haben Schwierigkeiten damit, die zukünftigen Ergebnisse vorherzusagen. Bildquelle: American Airlines.

Konsolidierung ist nicht notwendigerweise die Lösung

Die Investoren haben 100 Jahre lang ihr Geld in Fluglinien gesteckt und dabei furchtbare Ergebnisse erzielt. … bisher war das eine Todesfalle für die Anleger.
– Warren Buffett bei der Jahresversammlung von Berkshire Hathaway im Jahr 2013

In den letzten Jahren sind die Fluglinien wieder etwas profitabler geworden, doch Buffett war nicht sonderlich davon überzeugt. Auf der Jahresversammlung von Berkshire Hathaway 2013 stellte er fest, dass jeder Aufschwung in diesem Industriezweig, von denen es übrigens viele gegeben hat, von einem Absturz in die roten Zahlen gekennzeichnet war.

Buffett war also nicht davon überzeugt, dass die Konsolidierung den langfristigen Ausblick dieses Industriezweiges fundamental geändert habe.

Ist es diesmal anders?

Warren Buffett hat seine Meinung in Bezug auf die Fluglinien geändert. Die Konsolidierung hat geholfen, den irrationalen Wettbewerb einzudämmen – zumindest zu einem gewissen Grad. Darüber hinaus gibt es in dieser Industrie heutzutage mehr Differenzierung, dabei spezialisieren sich die älteren Anbieter auf Business-Reisende, wohingegen sich die meisten Billiganbieter auf Urlaubsreisende konzentrieren.

Trotz der erwähnten Kritik gibt es diese Industrie aber immer noch. Vielleicht hat sich Warren Buffett im Jahr 1989 ja geirrt. Die Investoren sollten die Möglichkeit aber nicht ausschließen, dass er sich jetzt auch wieder irren könnte.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Hathaway (B shares). The Motley Fool empfiehlt Spirit Airlines.

Dieser Artikel wurde vonAdam Levine-Weinberg auf Englisch verfasst und wurde am 05.03.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Spirit Airlines, American Airlines Group


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