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Janet Yellen bereitet die Märkte auf eine Zinserhöhung vor

Gastautor: Daniel Saurenz
08.03.2017, 11:00  |  684   |   |   

Börse_EZB_Frankfurt_3Eine erste Bilanz des laufenden Jahres aus volkswirtschaftlicher Sicht zeigt: Die Konjunkturdaten stützen die zahlreichen Jahresausblicke, in denen ein Inflationsanstieg in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Währungsunion erwartet worden war. Zudem kommen von der US-Notenbank deutliche Signale, dass die Leitzinsen demnächst steigen werden. Dr. Ralf Wiedenmann und Dr. Reto Cueni von Vontobel, wagen einen Ausblick auf Zinspolitik der FED und die politische Situation in der EU.

Das Basisszenario «Reflation» wird von den jüngsten Inflationsdaten gestützt und das nicht nur durch die seit Februar 2016 stetig gestiegenen Ölpreise. Auch die seit Ende 2014 rückläufigen Produzentenpreise sind in den USA und in der Europäischen Währungsunion (EWU) auf Ende 2016 erstmals wieder im Steigen begriffen. Im Januar sind die Produzentenpreise in den USA um 3.8 Prozent und in der EWU um 1.2 Prozent im Jahresvergleich angestiegen, während Japan gerade noch in der Deflation verharrt.

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Generell erwarten Wiedenmann und Cueni, dass diese Entwicklung, allen voran in den USA, eine preistreibende Wirkung entfalten wird. Dies insbesondere dann, wenn die Warenhäuser und Dienstleistungsanbieter die gestiegenen Preise an die Konsumenten weitergeben werden und anschliessend die Arbeitnehmer in den Tarifverhandlungen einen Inflationsausgleich fordern. Die Steigerung der Löhne ist in den USA mit 2.5 Prozent (im Jahresvergleich) schon deutlich weiter fortgeschritten als in der Eurozone mit knapp 1.3 Prozent, während sie in Japan sogar nur knapp über null liegt. Dies obwohl Japan mit gut 3 Prozent die tiefste Arbeitslosenrate der drei Regionen ausweist (USA 4.8 Prozent und EWU 9.6 Prozent).

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Selbst «Fed-Taube» hält nun drei Zinsschritte für möglich

Ein relativ deutliches Anziehen der US-Zinsschraube im laufenden Jahr wird deshalb immer wahrscheinlicher. Janet Yellen, die Präsidentin der US-Notenbank Fed, hat in ihrer jüngsten Rede im amerikanischen Kongress die Fortschritte der Wirtschaft in Richtung Vollbeschäftigung und Preisstabilität betont. Gleichzeitig warnte sie vor einer zu späten Normalisierung der Geldpolitik. Eine solche berge das Risiko, dass künftig die Zinsen stärker erhöht werden müssten, was eine Rezession und Finanzmarktturbulenzen provozieren würde. Ausserdem plädierten zwei Fed-Mitglieder explizit für drei Zinserhöhungen im Laufe dieses Jahres. Selbst der hinsichtlich Leitzinserhöhungen bisher eher skeptische US-Notenbanker Charles Evans hält nun drei Schritte für möglich.

Börse_Konjunktur_Hafen2Nach diesen Äusserungen erwarten die Zinsterminmärkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 (Anfang Februar: 30) Prozent, dass die Fed die Zinsschraube in diesem Jahr mindestens dreimal anzieht.  Die erste Gelegenheit hierzu bietet sich am 15. März, wenn die US-Notenbank an ihrer regulären Sitzung auch neue Prognosen zu Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation und Leitzinsen veröffentlicht. Wir erwarten weiterhin drei Erhöhungen der Federal Funds Rate bis Ende 2017.

Was die Märkte sonst noch bewegt, spannende Hintergrundanalysen und weitere Informationen rund um das Thema Geldanlage finden Sie weiter  im Blog von Vontobel.

Eurozone von politischer Unsicherheit geplagt

Die steigenden Renditen der Staatsanleihen der Euroländer spiegeln die momentan unsichere politische Situation. Frankreich wird bereits mit einem Zinsaufschlag von über 70 Basispunkten gegenüber Deutschland bestraft, verglichen mit weniger als 30 Punkten im vergangenen September. Die Finanzmärkte scheinen dabei das Risiko vorwegzunehmen, dass die rechtsnationale Politikerin Marine Le Pen die französische Präsidentschaftswahl gewinnt. Damit wären die Weichen gestellt für einen Ausbau des Subventions- und Sozialstaats, und die Angst vor einem Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union und dem Euro würde steigen. Dies würde den bereits heute hohen Schuldenstand des Landes (fast 100 Prozent des BIP) noch weiter erhöhen.

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Sorgen bereiten Wiedenmann und Cueni auch die politische Situation in den Niederlanden und in Italien. Falls im kommenden März die EU- feindliche Partei der Freiheit des niederländischen Populisten Geert Wilders die meisten Stimmen erhalten sollte, wäre dies für die Märkte wohl ein Alarmzeichen. Die Zinsaufschläge der Staatsanleihen verschiedener Euroländer im Vergleich zu jenen Deutschlands dürften in diesem Fall weiter anwachsen. Zur Beruhigung der Nerven trägt ausserdem wenig bei, dass Italien noch dieses Jahr Neuwahlen abhalten könnte. Zusätzlich wird die EZB in 2017 einen – wenn auch langsamen – Ausstieg aus ihrem Anleihenkaufprogramm diskutieren müssen. Insofern prognostizieren wir für die kommenden zwölf Monate steigende Zinsen in der Eurozone und den USA.

Quelle: Vontobel Research

Wertpapier: USD/JPY Endlos Turbo Short 120,3294 Open-End (DB)


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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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Die Zinswende wird wahrscheinlicher und wahrscheinlicher und wahrscheinlicher und...

Wie wahscheinlich ist eine Zinsanhebung, die ihren Namen auch verdient hat, denn tatsächlich?

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