DAX-0,21 % EUR/USD-0,21 % Gold-0,35 % Öl (Brent)+0,02 %

Das Unternehmen, das Apple im Nacken sitzt

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
16.03.2017, 16:00  |  480   |   |   

Apple (WKN:865985) und Samsung (WKN:888322) sitzen beide an der Spitze des Smartphone-Markts, doch ihre Vorherrschaft wird bedroht. Langsam aber sicher lässt der chinesische Telekom-Gigant Huawei seine Muskeln spielen, mit dem festen Vorhaben, Apple und Samsung von der Spitze zu verdrängen.

Huaweis Ambition, die zweitgrößte Smartphone-Firma der Welt zu werden, hat 2016 nochmal Flügel bekommen, als die Smartphone-Absätze 27 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen waren. Im starken Gegensatz dazu verloren Apple und Samsung im gleichen Zeitraum Gartner zufolge 4,3 %. Das starke Wachstum hat dafür gesorgt, dass Huawei im Jahr 2016 8,9 % des weltweiten Smartphone-Markts für sich beanspruchen konnte, im Jahr davor waren es bloß 7,3 %.

Die Marktanteile von Apple und Samsung hingegen haben übel einstecken müssen. Apples Marktanteil fiel 1,5 % auf 14,4 %. Samsung fiel sogar 2 % auf 20,5 %. Huawei hingegen war in der Lage beständig zu wachsen:

Grafik vom Autor. Quelle: Strategy Analytics and Counterpoint Technology Market Research.

Da man bereits den dritten Platz besetzt, wird man nun alles daran setzen und den zweiten Platz einheimsen wollen. Im November 2016 hat der CEO der Huawei Consumer Group gegenüber Reuters gesagt, dass man binnen zwei Jahren der zweitgrößte Smartphone-Hersteller werden wolle. Aber wird Huawei auch in der Lage sein, diesen Plan umzusetzen?

Auftrieb durch China und Indien

Die Chinesen haben vor allem versucht, in der Heimat zu wachsen. Im letzten Jahr hat Huawei 76,6 Millionen Geräte ausgeliefert. Das war gut genug für den zweiten Platz und einen Marktanteil von 16,4 %. Apple hingegen hat in China heftige 23 % Rückgang erlitten und nur 44,9 Millionen Smartphones ausgeliefert. Das bedeutete einen Marktanteil von nur noch 9,6 %.

Das heißt, dass Huawei in China einen gewaltigen Vorsprung hingelegt hat. Und China wird auch der Schlüssel sein zu der weltweiten Herrschaft von Huawei, da es sich dabei um den weltgrößten Smartphone-Markt handelt und 21 % der weltweiten Absätze dort stattfanden.

Darüber hinaus wird aufgrund sich weiter ausbreitender LTE-Verbindungen in China die Nachfrage nach Smartphones dort stark bleiben. Prognosen von GSMA Intelligence zeigen, dass in China bis zum Jahr 2020 rund 1 Milliarde 4G-Verbindungen aktiv sein werden, Ende 2016 waren es derer noch 762 Millionen. Die verstärkte Nachfrage nach 4G bedeutet, dass Nutzer neue Smartphones brauchen werden – Schluss mit alten 2G- und 3G-Verbindungen.

Andererseits will sich Huawei auch auf dem indischen Markt etablieren. Im letzten Jahr hat man verlauten lassen, dass man bis Ende 2017 10 % des indischen Markts für sich beanspruchen kann. Dass Indien sehr wichtig für Huawei ist, erkennt man auch daran, dass die indische Endkundensparte direkt dem Hauptsitz in China untersteht.

Das ist überhaupt keine Überraschung, da für das Jahr 2020 erwartet wird, dass die jährlichen Absätze im Smartphone-Business in Indien auf über 200 Millionen Geräte steigen. (Im letzten Jahr waren es noch 102 Millionen Geräte.) Damit ist Indien der zweitgrößte Markt weltweit. Wenn Huawei es gelingt, dort 10 % Marktanteil zu bekommen, kann man nochmal 20 Millionen Geräte on top absetzen.

Das erscheint vielleiht wie ein Kampf gegen Windmühlen, da das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2016 gerade mal einen Marktanteil von 0,5 % in Indien hatte. Aber im September begann man mit der Herstellung von Geräten in Indien und plant, bis Ende 2017 3 Millionen Einheiten hergestellt zu haben. Wenn man jedes einzelne davon auch an den Mann bringen kann, dürfte man respektabel Marktanteile zulegen.

Dazu im Vergleich: Apple hat noch nicht mit der Herstellung von Geräten in Indien begonnen. Obwohl der Herstellungspartner Wistron im südlichen Teil des Landes eine Fabrik hat, wird man dort nur 300.000 bis 400.000 Exemplare vom iPhone SE herstellen. Das ist im Vergleich zu Huaweis Kapazität lächerlich.

Das Geheimnis hinter Huaweis Wachstum

Huawei verfolgt einen schlauen Plan, wie man Kunden in großen Märkten an sich bindet. Und zwar offline. In China plant man, 1.000 Verkaufsräume im ganzen Land zu eröffnen. Dazu kommen noch Partnerschaften mit Händlern. Außerdem sind 460 Service-Geschäfte in 45 Ländern geplant.

In Indien hat man weiterhin Partnerschaften mit 50.000 Verkaufspunkten und will 200 Servicecenter eröffnen. Damit kann man mehr Sichtbarkeit erlangen und letztenendes mehr Absätze verzeichnen.

Die Offline-Offensive in Ländern wie Indien war für chinesische Unternehmen bislang noch immer die erfolgversprechendste Vorgehensweise. Kunden waren in der Lage, die Geräte vor dem Kauf auszuprobieren. Im letzten Jahr hatten auch nur 35 % der indischen Bevölkerung überhaupt Zugang zum Internet, was ein weiterer Grund für Huawei sein dürfte, ganz klassisch auf den Offline-Handel zu setzen, vor allem in kleineren Städten.

Ganz ähnlich geht es in China zu. Dort nehmen offline gekaufte Smartphones zu. Antwort von Huawei: Man baut verstärkt auf Läden, die direkt dem Unternehmen gehören.

Weltweit hat man bis Ende Mai 2016 35.000 Läden – das ist ein Zuwachs von 116 % gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen hat seine Offline-Präsenz gestärkt, wollte außerdem noch in der zweiten Jahreshälfte 2016 15.000 Läden nachlegen. Ungefähr die Hälfte der Geschäfte sind in China, der Rest im restlichen Asien sowie ein Teil auch in Europa.

Zum Vergleich: Apple hat weltweit 491 Läden, die Hälfte davon in den USA. Im Vergleich zu Huawei ist die Ladendichte in China ein schlechter Witz. Apple hatte Ende Juni 2016 rund 40 Läden in Gesamt-China, Huawei unterdessen 11.000 allein auf dem chinesischen Festland. Andererseits fiel es Apple nicht leicht, Läden in Indien zu eröffnen, Schuld waren strenge Regularien. Allerdings sind drei neue Stores für dieses Jahr geplant.

Außerdem kongruent mit Huaweis starker Offline-Präsenz: die Tatsache, dass man hoch- und niederpreisige Geräte anbietet. So kostet das Honor 5C, das von einigen Experten als Top-Budget-Phone erachtet wird, in Indien bei derzeitigen Wechselkursen rund 150 Euro. Zum Vergleich: der durchschnittliche Smartphone-Preis liegt weltweit bei etwa 220 Euro.

Huawei verkauft in manchen Märkten sogar noch sehr einfache Smartphones (sogenannte „Feature Phones“) für unter 100 Euro. Man ist aber drauf und dran, mehr ins mittel- bis hochpreisige Segment vorzustoßen, was die durchschnittlichen Verkaufserlöse pro Smartphone verbessern sollte.

Fazit

Starke Offline-Präsenz sowie ein breites Produkt-Portfolio sind bislang die Triebfedern hinter Huaweis Wachstum. Diese janusköpfige Strategie hat das Unternehmen nach oben geführt: der Wertzuwachs im Jahr 2016 betrug 28 %, und das geschah dank Top-Geräten und Marketing-Kampagnen.

Apple und Samsung haben also einen starken Rivalen, der so wirkt, als gehöre er schon bald in die Top 2 der weltweit agierenden Smartphone-Hersteller.

Die Apple Aktie: Kaufen, Verkaufen oder Halten?

Apple ist eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Aber sollten Anleger diese Aktie jetzt noch kaufen? Klick hier, um unseren kostenlosen Sonderbericht über Apple herunterzuladen.

Mehr Lesen

The Motley besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Gartner.

Dieser Artikel von Harsh Chauhan erschien am 12.3.2017 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Apple, Samsung Electronics


Verpassen Sie keine Nachrichten von The Motley Fool

Die Mission von The Motley Fool ist: Der Welt zu helfen, besser zu investieren. Fool.de zeigt den Menschen, bessere finanzielle Entscheidungen zu treffen. Um dieses Ziel zu erreichen, bietet Fool.de Kommentare und Tipps zum Aktienmarkt, allgemeinen Investmentthemen und Investitionsmöglichkeiten. The Motley Fool ist Verfechter des Shareholder Value und setzt sich unermüdlich für den individuellen Investor ein.

Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel