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Wie Qualcomm mit billigen Smartphones viel Geld verdienen kann

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
04.04.2017, 15:49  |  590   |   |   

Im Bereich der Smartphone-Prozessoren musste Qualcomm (WKN:883121) jüngst MediaTek Anteile abgeben. Es könnte zu noch weiteren Schwierigkeiten führen, weil man in China mithilfe der Regierung drauf und dran ist, eine eigene Smartphone-Chip-Branche aufzustellen – und 100 Milliarden US-Dollar investiert. China ist für den US-Hersteller Qualcomm bislang ein wichtiger Markt.

Mit diesen Herausforderungen war Qualcomm gezwungen, in der Bepreisung etwas runter zu gehen und günstigere Telefone anzubieten. Sonst könnte es eng werden mit den Marktanteilen. Es ist also nicht überraschend, dass man sich jetzt auf das niederpreisige Segment konzentriert.

Günstige Feature-Phones werden immer bedeutender

Man geht davon aus, dass Feature Phones (günstige und abgespeckte Varianten von richtigen Smartphones) in den kommenden Jahren rasenden Absatz finden werden. Qualcomm will diesen Trend nicht verschlafen. Die Marktforscher von Counterpoint Research schätzen, dass 2016 400 Millionen Feature Phones verkauft wurden, besonders in Südostasien und Afrika, wo LTE immer verbreiteter wird.

Das Marktforschungsunternehmen schätzt auch, dass in diesem Jahr 60 Millionen Feature Phones mit 4G-Kapazität verkauft werden, die Hälfte dieser Zahl in Indien. Diese günstigen Geräte könnten in Indien, wo im vergangenen Jahr allein 135 Millionen Feature Phones verkauft wurden, für die größten Absatzzahlen sorgen. Darüber hinaus könnten in den kommenden fünf Jahren in Indien über 200 Millionen 4G-Geräte verkauft werden, ein Markt von geschätzt 6 Milliarden US-Dollar.

Afrika ist ein weiterer fruchtbarerer Markt für diese Art Gerät. Im letzten Jahr sind die Absatzzahlen für Feature Phones 14 % gestiegen, weit mehr als die 6 % des restlichen Smartphone-Sektors. So ein Feature Phone kostet durchschnittlich 20 Dollar und weniger, was für Schwellenländer ideal ist. Für ein Smartphone hingegen wollen im Durchschnitt über 250 Dollar auf den Tisch gelegt werden.

Somit hat sich Qualcomm gut aufgestellt, indem man eine Chip-Plattform gestartet hat, die sich am untersten Ende des Markts orientiert und dabei kluge Partnerschaften eingeht, um einen noch größeren Teil des Markts zu bedienen.

Qualcomms Plan

Die von Qualcomm jüngst gestartete 205 Mobile Platform soll LTE und andere Fähigkeiten auf Telefone bringen, die weniger als 50 Dollar kosten. Die Hersteller können damit den Endkunden Features wie Datentelefonie und digitale Bezahlvorgänge bringen, die man sonst nur in teureren Telefonen findet.

Qualcomm schafft es, interessantere Feature-Phone anzubieten. So unterstützt man 2G, 3G und 4G, bietet außerdem einen schnellen Dual-Core-Prozessor, HD-Video-Streaming, Location Services und einen Grafikprozessor. Noch wichtiger: Qualcomm hat diesen Chip rechtzeitig rausgebracht, bevor anderen Herstellern so richtig bewusst wird, wie wichtig die Feature Phones für den Absatz sind.

So hat neulich Nokia (WKN:870737) die Wiederauflage des legendären Modells 3310 auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt, was zu einem kurzen Hype führte. Die Finnen wollten ursprünglich nur ihre älteren Fans damit glücklich machen, hat dann aber doch noch ernstere Pläne. Das Unternehmen will das 3310 in insgesamt 120 Märkten im Q2 anbieten, will man doch einen Teil vom Feature-Phone-Kuchen abhaben.

Allerdings wird Nokia sich wohl auch bei der Qualcomm 205 Plattform bedienen müssen, um den Endkunden 4G-Kapazität mit dem Gerät zur Verfügung zu stellen. Die nämlich ist mehr als wichtig für Nokia, wird doch in manchen Ländern bald das leistungsschwache 2G-Netz abgestellt. Wenig überraschend also, dass die Gerüchte, nach denen sich Nokia Qualcomms 205-Plattform bedienen will, zunehmen.

Qualcomm hat einen schlauen Marketing-Move gemacht, in dem man sich Neu-Delhi für den Produktlaunch ausgesucht hat. Indien hat nämlich das Potenzial, der wichtigste Markt zu werden. Dort konnte man Partnerschaften mit indischen Telekom-Anbietern wie Micromax und Reliance Jio schließen können, die für den Erfolg vor Ort unerlässlich sein dürften.

Micromax ist vom Umsatz her Indiens drittgrößter Smartphone-Anbieter. Man bereitet wohl ein Android-basiertes Smartphone für unter 50 Dollar vor, außerdem ein Feature Phone für unter 30 Dollar. Reliance Jio hingegen hat in Indien die Telekom-Landschaftet auf den Kopf gestellt, indem man 4G-Dienste umsonst anbietet. So konnte man innerhalb 6 Monate auf fast 100 Millionen Kunden kommen.

Man munkelt, dass Qualcomm an einem 4G-fähigen Feature-Phone arbeitet, das nochmal die Absatzzahlen für das Unternehmen ankurbeln wurde. Gründe: die große Nutzerbasis von Jio und Qualcomms sehr robusten Marktanteilen von 30 % in Indien. Sollte der US-Chiphersteller also in der Lage sein, für sein günstiges Smartphone einen ähnlichen Anteil zu erlangen, könnte man allein in den nächsten fünf Jahren über 60 Millionen Chips nach Indien ausliefern.

Allerdings ist die frühe Bewegung in die Sparte von 4G-fähigen Feature-Phones klug gewesen, hat Qualcomm dadurch doch einen größeren Marktanteil. Die Absatzzahlen sollten weltweit noch einmal zulegen – die Bilanzen für das Unternehmen dadurch natürlich ebenso.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Qualcomm.

Dieser Artikel von Harsh Chauhan erschien am 1.4.2017 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Nokia, Qualcomm


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