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Das große Sterben beginnt Blase geplatzt: Tausende bereits gefeuert, 9.000 Geschäfte machen dicht

10.04.2017, 14:48  |  12602   |   |   

In den USA werden 2017 fast 9.000 Einzelhandelsgeschäfte schließen, so die jüngste Prognose von Credit Suisse. Ganz teure Geschäfte werden ebenso schließen, wie die großen Billigmarken. Die Blase im stationären Handel ist geplatzt.

In der vergangenen Wochen vermehrten sich die schlechten Nachrichten vom Einzelhandel in den USA wie ein Lauffeuer. Die Luxusmarke Ralph Lauren wird ihren Flagshipstore von Polo auf der New Yorker Fifth Avenue noch diesen Monat schließen. Dafür will das Unternehmen in den Onlinehandel weiter investieren, siehe hier.

Die Discount-Schuhkette Payless ShoeSource hatte letzte Woche Konkurs angemeldet - das Unternehmen wurde 1956 gegründet. Es hatte 2012 insgesamt 4.496 Filialen und kündigte die Schließung von circa 400 Geschäften in den USA und Puerto Rico für 2017 an (“Bloomberg”). Es werden 22 Geschäfte in New York, zehn in Michigan und sieben in New Jersey geschlossen, was jedoch nur der Anfang sein könnte. Jüngst wurde von Moody’s die Bonität des Unternehmens herabgestuft, denn Payless ShoeSource muss in den nächsten fünf Jahren ein 100 Millionen Dollar Darlehen begleichen. 

Eine Bauchlandung wird auch der Bekleidungshändler Rue21 hinlegen. Das Unternehmen kündigte seine Konkursanmeldung für April 2017 an. Seit 2009 legte der Bekleidungshändler ein rasantes Wachstum hin. Jedes Jahr vergrößerte Rue21 die Verkaufsfläche um 20 Prozent und steht nun vor einem immensen Schuldenberg (“Fortune”). Die Marke betreibt über 1.000 Geschäfte und versucht nun so schnell wie möglich aus den Mietverträgen raus zu kommen.

Pro Kopf gibt es in den USA sechsmal mehr Verkaufsfläche als in Europa, jedoch liegt die Kaufkraft nicht sechsmal höher. Laut einer aktuellen Studie der Credit Suisse Group AG werden 2017 in den USA circa 8.640 Geschäfte schließen. Damit wird ein neuer Rekord aufgestellt, denn vormals lag dieser bei 6.200 in 2008.

Quelle: https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-04-07/stores-are-closing-at-a-record-pace-as-amazon-chews-up-retailers.

Aktuell sieht es so aus, dass in den USA zehn Prozent der Gewerbefläche aufgegeben, verändert oder günstiger vermietet werden müssen - eine Milliarde Quadratmeter. Dazu kommen Massenentlassungen - rund 30.000 Stellen wurden im März gekündigt. Der Stellenabbau betrug im Februar ebenfalls circa 30.000 Positionen und somit waren es die schlimmsten Monate seit 2009.  

Bereits in den ersten drei Monaten 2017 haben neun große Einzelhandelsunternehmen in den USA Konkurs angemeldet, was die höchste Rate seit 2009 war und ein echtes Krisenanzeichen darstellt (”CNBC”). In der jüngsten Vergangenheit haben Aérostale, American Apparel, PacSun, Wet Seal und The Sports Authority Konkurs angemeldet. Daneben gab Moody’s im März 19 Unternehmen an, die sich in ernsten finanziellen Schwierigkeiten befinden - u.a. Sears, J. Crew und Gymboree. Es werden jedoch nicht nur die Unternehmen Gewerbefläche freigeben die Konkurs angemeldet haben, sondern auch all jene, die sich verkleinern wollen. 

Wie die “Financial Post” schrieb, befindet sich der stationäre Einzelhandel in den USA in einer Abwärtsspirale und Nordamerika sei “over-stored”. In den 1990er und 2000er Jahren eröffneten wohl so viele neue Geschäfte und Einkaufszentren, dass der Einzelhandel nun übersättigt sei und es nur noch im Online-Bereich Wachstumspotenzial gebe. Daneben breitet sich das Problem aus, dass es Ladenflächen in Gegenden gibt, die absolut unattraktiv seien. Der aktuelle Trend lautet: Zurück in die Innenstädte. Die Menschen möchten in den Städten einkaufen und nicht in irgendwelchen Kleinstadtmalls. Ob sich Einkaufszentren nochmals neu erfinden können, bleibt ungewiss - vielleicht ist die Ära-Einkaufszentrum endgültig abgelaufen. Für die nahe Zukunft wird erwartet, dass sich die Luxusmalls noch halten, während circa 1.200 Einkaufszentren im mittleren und unteren Segment, welche 30 Prozent ausmachen, große Überlebensprobleme haben werden. Daneben sind die meisten Geschäfte in den USA in einem schlechten Zustand, was sich auf die Neuvermietung negativ auswirken wird.

Neben dem Flächenüberschuss gibt es ein massives Sortimentsproblem. Es verkaufen zu viele Geschäfte die immer gleichen Produkte. Insgesamt hat der Einzelhandel in den USA eine Blase geschaffen die nun platzt, so Richard Hayne von Urban Outfitters. Hayne rechnet damit, dass sich der Trend noch beschleunigen wird und innerhalb kürzester Zeit noch mehr Geschäfte schließen.  

Die Effekte auf den Immobilienmarkt sind bislang nicht absehbar, denn trotz sinkender Mieten kann es passieren, dass keine Mieter gefunden werden. Sind die Immobilien stark belastet, kann es zu einer neuer Immobilien- und Finanzkrise kommen. Diesmal nicht ausgelöst vom Wohnungsmarkt und dem Verbraucher, sondern vom Gewerbeimmobilienmarkt und den überschuldeten Unternehmen.

Wertpapier: Credit Suisse Group, Ralph Lauren (A)


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Der nächste Gründlinksschwindel...

...Schweinebucht (Panama)
...Western Pacific Railways
...Stroußberg'ische Eisenbahn (Orban-Tingelbahn)
...Berliner Banken & Gründungsschwindel
...Darienprojekt (Costa Rica)
...Achillisverse (Versa'ille > ESM+LISBOA+MAASTRICHT - Bad Banks mit geplatzten Krediten von den Südlichen Heißspornen)
...und und und

Die sotzenköppe sollen sich mal was neues einfallen lassen - es langweilt nur noch - wollen die wieder in die Geschlossene zu Frau Mahlzahn auf Station 13 oder warum machen die das mal wieder?
Da nützt auch Trump nichts, wenn es schon wieder wie im Jahre von 1966 leere Läden gibt. Amerika hat sich offensichtlich überschätzt und nichts besseres gelernt, als den Markt nach oben zu pushen. Natürlich will Amerika wieder einmal einen grösseren Krieg haben, wo sie anschliessend das Land zu ihren Gunsten besetzen können. Die Sklavenhaltung ist doch schon lange verboten also ist nur noch Krieg möglich. Verhindern wir es gemeinsam. NiNa
Es muß alles immer größer und schneller daraus resultiert auch das sich der Abstand von Krise zu Krise reduziert hier gibt es eine direkte Proportionalität.

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