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"App nur etwas für reiche Leute" Mit dieser Bemerkung hat Snap-Gründer Evan Spiegel seiner Firma keinen Gefallen getan

18.04.2017, 17:17  |  3139   |   |   

Mit einem einzigen Kommentar hat der Gründer und Firmenchef der Social-Media-Plattform Snapchat, Evan Spiegel, mal eben ein ganzes Land gegen sich aufgebracht. Dass es sich dabei um das zweit-bevölkerungsreichste Land der Welt handelt, macht die Sache für die App-Betreiber nicht gerade einfacher. Der Boykott wächst...

Die glanzvollen Tage von Snapchat sind vorbei, schon lange denkt keiner mehr an den Traum-Börsenstart vom März dieses Jahres zurück. Stattdessen brennt es bei dem sozialen Netzwerk an allen Ecken und Enden. Der Erzrivale Facebook zögert nicht, seine Foto-App Instagram mit einer Funktion auszustatten, die erstaunliche Ähnlichkeit mit den sogenannten "Snapchat-Stories" hat - und sorgt somit für kräftigen Nutzer-Zuwachs. Die eigene Gewinnung neuer User läuft dagegen eher schleppend, der Aktienkurs der Mutterfirma Snap kennt zudem nur eine Richtung: nach unten. 

Snap Inc

Nun kommt auch noch ein vom Firmenchef Evan Spiegel höchstpersönlich herbeigeführter Shitstorm auf die Liste der Baustellen. Und der hat es in sich, wird er doch von einem Land aus in die Welt getragen, in dem mittlerweile 300 Millionen Leute ein Smartphone besitzen. Die Rede ist von Indien. Mit einem Markt für mobile Internetdienste, der größer als jener der USA ist, eigentlich keine unrelevante Volkswirtschaft für Online-Riesen.

Firmen wie Amazon, Uber und Facebook haben das bereits erkannt - schon jetzt investieren sie Milliardensummen in das Schwellenland. Spiegel hingegen sieht das ganze offenbar ein wenig anders. Dem US-Unterhaltungsmagazin "Variety" zufolge soll er sich bereits im Jahr 2015 gegen mögliche Wachstumspläne ausgesprochen haben.

Was viele irritiert, ist die von ihm angeführte Begründung. „Die App ist nur etwas für reiche Leute. Ich will nicht in arme Länder wie Indien oder Spanien expandieren“, soll er laut der Klageschrift eines ehemaligen Snapchat-Managers in einem Meeting gesagt haben. Spiegel selbst bestreitet, solch eine Aussage jemals getroffen zu haben. "Das ist lächerlich" heißt es bei der Pressestelle von Snap. Selbstverständlich sei die App für jeden da und könne weltweit heruntergeladen werden ("Handelsblatt").

Bis zur Veröffentlichung des Dementis war der Drops allerdings schon gelutscht. Längst sind es nicht mehr nur die Inder, welche den Hashtag "Uninstallsnapchat" fleißig teilen. Auch in den App- und Play-Store-Bewertungen spiegelt sich die globale Empörung über Spiegels Bemerkung wieder. Im Minutentakt erscheinen neue, wütende Kommentare mit jeweils nur einem Stern. „Die schlechteste App, die ich je benutzt habe“, schreibt da der eine, der andere findet: „Das ist eine dumme App für dumme Leute.“ 

Selbst beim indischen Premier Narendra Modi dürfte die Sache mittlerweile angekommen sein, gehört er doch zu den 80.000 Followern von Twitter-Nutzer Gaurav Pradhan. Auch dieser hat seinem Ärger bereits mit einem Tweet Luft gemacht, und schrieb: "„Wenn Inder noch ein wenig Selbstachtung haben, dann deinstallieren sie jetzt Snapchat und verpassen diesem arroganten, kopflosen Huhn einen Tritt!“

Wertpapier: Amazon.com, Facebook (A), Snap Inc

Themen: BIZ, Leu


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Unfassbar aus was heutzutage alles ein Skandal gemacht wird: Da behauptet ein (enttäuschter?) Ex-Manager etwas, was sein Ex-Chef angeblich in irgendeiner Konferenz irgendwann mal gesagt hat, ohne es belegen zu können und dann wird daraus plötzlich ein Riesending gemacht. Und Portale wie w:o verbreiten es dann weiter, damit die Aufregung noch größer wird und noch mehr das Gerücht auf Facebook und sonstwo teilen. "Postfaktisch" ist nicht umsonst zum Wort des Jahres gewählt worden...

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