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Das kleine “5×1″ der Geldanlage

Gastautor: Daniel Saurenz
19.04.2017, 09:00  |  474   |   |   

FrankfuDer fünfte und letzte Teil unserer Reihe “Das kleine 1×1 der Geldanlage”. Heute unter anderem im Fokus: Knock-outs. Diese locken mit hohen Gewinnen, haben aber auch ein hohes Verlustrisiko. Wir schauen uns beispielhaft den Turbo DGR0N1 auf den DAX aus unserer ISIN-Liste an. Für weniger risikoaffine Anleger wägen wir die Vor- und Nachteile von zwei klassischen Anlageinstrumenten ab: Immobillien und Gold. Beginnen wollen wir nun aber zunächst mit Stufenzinsanleihen und einer kleinen Empfehlung.

Bevor wir heute wieder in die Materie einsteigen, noch ein kleiner Hinweis: Es ist vollkommen klar, dass unsere kleine Reihe nur eine erste Info sein kann und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Deswegen möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf die Anleger-Handbücher von BNP Paribas hinweisen. Die Bücher sind einfach und verständlich geschrieben und ideal für den Einstieg. Darüber hinaus solltet ihr euch ein wenig “up to date” halten was das Geschehen an den Märkten angeht. Hierfür gibt es neben unserer Seite noch viele verschiedene Online-Zeitschriften und Blogs, wie zum Beispiel den Blog von Vontobel oder auch den Daily-Newsletter von HSBC.  Und jetzt genug der Vorrede, kommen wir zu Stufenzinsanleihen.

 Stufenzinsanleihen

Frankfurt_Banken_1Zinsen klingen schonmal gut. Zinsen in mehreren Stufen, die natürlich auch noch nach oben zeigen, klingen noch besser. Diese Produkte sind im Moment ein Verkaufsschlager, doch beachtet bitte ein paar Dinge. Zum einen ist mit Stufenzinsanleihen  nicht viel mehr zu holen als auf dem Tagesgeldkonto. Zum anderen verkauft Ihr damit die Perspektive auf in den nächsten Jahren steigende Zinsen, denn deutlich niedrigere Zinsen sind kaum möglich.

Zum dritten sollte man darauf achten, ob für die Papiere ein Ausgabeaufschlag anfällt. Dieser lief uns schon häufiger über den Weg wenn wir in den Filialen mal auf die Prospekte geschaut haben. Stufenzinsanleihen bergen ein sehr kleines Risiko, dafür aber auch nur sehr kleine Chancen. Die verbeamteten Lehrer kennen das – der Job birgt nur kleine Entlassungsrisiken aber auch nur kleine Gehaltschancen nach oben.

Knock-Outs

“Wie jetzt – 40 Prozent Gewinn in einem Tag mit der Apple-Aktie?” Manchmal wird nur die Hälfte gelesen, wenn es um Finanzprodukte geht. So wurde ich schon gefragt, warum nicht jeder mit Hebel handeln würde, wenn man damit so gut verdienen kann. Der Hebel wirkt natürlich immer in beide Richtungen und aufgrund der Konstruktionsweise kann es sein, dass Euer Geld an einem bestimmten Punkt ganz verloren ist. Einfaches Beispiel: Bei einem Hebel 50 auf den DAX ist das Geld weg, wenn sich der DAX um 2 Prozent nach unten bewegt.

Frankfurt_Börse_11Geht’s zwei Prozent aufwärts, habt Ihr einen Verdoppler. Mit Aussitzen ist da also wenig, man muss sich schon stündlich mit dem Markt beschäftigen oder zu sogenannten Ordertypen greifen. Wer einen DAX mit Hebel 3 handelt, kann theoretisch hohe zweistellige Verluste aussitzen, denn eigentlich wäre erst bei 33 Prozent Verlust die Kohle weg und bei 33 Prozent Plus der Verdoppler da. Das Risiko beim Knock-out reicht also von extrem hoch bis einigermaßen hoch. Für alle Freunde bei Autoherstellern – je näher Ihr den Motor während der Entwicklung an die Belastungsgrenze bringt, desto größer das Risiko des Totalschadens, desto größer aber auch der Spaß wenn`s klappt.

Schauen wir uns als Beispiel das Papier mit der WKN DGR0N1 auf den Dax mit einer Knock-out Schwelle bei 11.510 Punkten an. Bei momentanen Stand des DAX beträgt der Abstand zur Knock-out Schwelle 4,33 Prozent und der Hebel liegt bei knapp 23. Das bedeutet: Kauft ihr das Papier und sinkt der Dax um 4,33 Prozent, ist das Geld weg. Steigt der Dax um denselben Wert, habt ihr euren Einsatz verdoppelt.

Betongold

“Aktien sind doch reine Zockerei, ich will was Handfestes.” Auch diesen Satz hört man ja gerne und dann muss man mittelmäßig genervt gegenhalten, sofern man die Aktienkultur verteidigen möchte. Ich sage nur soviel: Fast jeder von Euch hat schon einmal überlegt, ob mieten oder kaufen die bessere Alternative ist, was so ein Haus oder eine Wohnung als Wertanlage bringt. Die Immobilie für die eigene Nutzung ist eine gute Sache, Immobilien als Investment sind ein ganz anderes Thema. Meine Faustregel: Kalkuliert wirklich alle(!) Kosten mit ein, vom Makler über den Notar und die Küche. Dann nehmt einen Abschlag für möglichen Mietausfall vor und nehmt dann noch einmal einen deutlich Abschlag für den Faktor “Nerven und Zeitaufwand”. Wenn sich das Investment dann rechnen soll, dann kann man es angehen. Ach ja – ob der Kauf der Immobilie dann ein Erfolg ist, wisst Ihr nicht unbedingt.

Frankfurt_Immobilien_4Denn der große Nachteil (für manche Vorteil, wenn man die Verluste nicht schwarz auf weiß sieht) gegenüber Aktien ist, dass es keine minütlichen Preisupdates gibt. Aktien halten Euch täglich den Spiegel vor aber Ihr wisst wenigstens, was im Depot drin ist. Bei Immobilien konkurriert Ihr zudem als Amateure mit Profis, da ist der Aktienmarkt doch fairer. Der Kauf einer Immobilie kann also so sein wie der Besuch eines Privatpatienten beim Zahnarzt oder beim Orthopäden – das Gegenüber kann mir viel erzählen und man kann`s glauben oder nicht.

Gold

Wo Betongold ist, darf Gold nicht fehlen. Gold ist sicher, wertbeständig und in Krisenzeiten ist es die beste Anlage. Ja, kann sein. Muss aber nicht sein. Der Nachweis wurde noch nie erbracht, denn wir hatten in den letzten 50 Jahren keine wirklichen Krisenzeiten. Gold als Beimischung ist o.k, aber wesentliche Teile des Vermögens dort hinein investieren – warum? Wenn es einen Krieg gibt braucht Ihr vermutlich eher eine gute und funktionsfähige Waffe um Euch zu schützen. Oder glaubt Ihr ernsthaft, wenn Gold das einzig wahre Zahlungsmittel wäre, man würde nicht Jagd darauf machen. Hinzu kommt – viele investieren Gold in Finanzprodukte, die mit Gold unterlegt sind. Aber wer glaubt, dass bei der Mega-Krise das Gold des Anbieters in den USA wirklich geliefert würde.

goldbarren12Gold ist vielfach auch Glaube, auch Werterhalt aber eben auch Spekulation. Der Goldpreis schwankte in den letzten fünf Jahren zwischen 900 und 1.900 US-Dollar – ein unspektakuläres Investment sieht anders aus. Gold ist also ebenso risikoreich wie Aktien mit einem Vorteil – sein Wert wird wohl niemals auf 0 fallen, dies kann bei einem einzelnen Unternehmen theoretisch natürlich immer vorkommen.

Beachtet aber auch – Gold kann im Depot liegen wie Blei und wirft dann keine Dividende, also jährliche Auszahlung ab. Eine Aktie wie die Allianz bringt fast fünf Prozent Dividende, jedes Jahr. Kaufen könnt Ihr Gold über Eure Bank via Goldzertifikaten oder aber physisch, sprich Ihr sucht einen Goldhändler auf. Problem dabei – Gold will gut aufbewahrt sein. Wer das Ganze verknüpfen möchte mit ein wenig Sammlerfreude schaut sich bei der Verkaufsstelle für deutsche Sammlermünzen um. Die Münzen richten sich nach dem Goldpreis, bringen aber mitunter eine nette Rendite aufgrund der begrenzten Stückzahlen.

Empfehlung für alle Neueinsteiger beim Thema Geldanlage

Mein genereller Rat bei Finanzanlagen lautet unabhängig von dem, was Ihr gerade kaufen möchtet: DIE einmalige Gelegenheit gibt es nicht. Wenn Euch jemand in etwas reinquatschen möchte, sei es eine Immobilie, ein Aktienfonds, eine neue Stufenzinsanleihe (gerade sehr beliebt), das Gold-Investment oder eine super günstige Aktie – schlaft drüber, schlaft dreimal oder zehnmal drüber und prüft alles genau. Selbst wenn die Gelegenheit toll war und nun verstrichen ist, die nächste Chance kommt bestimmt und im Zweifel bietet nach Bank A dann eben Bank B das Produkt an, offeriert Makler B statt Makler A eine Wohnung.

Unter Zeitdruck trifft man die schlechtesten Anlageentscheidungen, so die Erfahrung. Und schaltet bitte die Gier aus und nehmt die Dollarzeichen aus den Augen wenn die Wörter “Griechenland, Zinsen, Gewinn oder todsicher” fallen. Umsonst gibt es rein gar nichts und wer mehr Rendite will als der Markt momentan risikolos hergibt, der muss eben Risiken eingehen. Mal mehr, mal weniger. Dazu sollte logisch sein, dass bei einem Verkauf in der Bankfiliale auch der Berater mitverdienen möchte, dieses Honorar wird Euch als Rendite fehlen, aber manchen ist es das wert.

 



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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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