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Börsenweisheiten “Sell in May and go away“ – gilt diese Regel noch für den Anleger?

Gastautor: Stephan Witt
03.05.2017, 09:22  |  350   |   |   

„Sell in May and go away, but remember to come back in September”, fast jedes Jahr aufs Neue hört man diese alte Börsenweisheit. Auch deswegen haben sich viele Studien mit dieser Thematik beschäftigt und schaut man sich die Statistiken an, sind die Ergebnisse doch recht eindeutig: bis auf wenige Ausnahmen stimmte diese Börsenregel nie.

So gab es in den letzten 10 Jahren für den DAX nur drei Fälle in denen Anleger im Mai Verluste hinnehmen mussten. Daher gilt: Einfach aufgrund einer alten Börsenweisheit eine ganze Strategie abzuleiten, ist wohl kaum ratsam, da diese Weisheit eher selten eintrifft.

Anleger sollten sich also lieber nicht von schönklingenden Sprüchen beeindrucken lassen, da die Aussicht auf Erfolg einfach zu gering ist. Statistisch gesehen ist es für Anleger sogar eher besser gewesen, die Monate August und September zu meiden. Doch auch hier lohnt sich ein genauer Blick: Viele externe Effekte (wie zum Beispiel der Anschlag am 11. September 2001 oder die Lehman-Pleite 2008) haben die Statistiken verfälscht und waren für den Anleger schlicht unvorhersehbar.

Für den privaten Anleger ist es sehr wichtig an seiner persönlichen Strategie festzuhalten. Der ebenfalls sehr bekannte (und deutlich zutreffendere) Spruch „hin und her macht Taschen leer“, sollte dabei eine große Rolle spielen. Häufiges Umschichten, je nach aktueller Marktsituation, ist nicht nur sehr zeitaufwändig und stressintensiv, es schmälert auf Dauer auch die erwartete Rendite.

Besser ist es sich von vornherein für eine Strategie zu entscheiden und diese beizubehalten. Über einen längeren Zeitraum fährt der Privatanleger damit besser und vor allem denkt man dadurch nicht permanent an das eigene Depot. Oftmals sind es gerade diese häufigen Überlegungen, die zu einer Art Aktionismus führen, da man ja „schon seit einiger Zeit“ nichts mehr unternommen hat und man müsse nun wieder etwas verändern, um mit der Zeit zu gehen. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass es nicht doch immer mal wieder etwas am eigenen Portfolio zu optimieren gäbe.

Wie oft Bauernregeln tatsächlich zutreffen, kann man wohl kaum beziffern, dennoch verhält es sich ähnlich wie mit den Börsenweisheiten. Wenn diese denn mal zutreffen, werden sie danach oft zitiert, obwohl es viele andere (teilweise auch unvorhersehbare) Gründe für die Kursentwicklung gab. Eine exakte Kursprognose aufgrund solcher Weisheiten ist nahezu unmöglich und zudem äußerst unseriös.

Anleger sollten sich davon sicher nicht beeindrucken lassen. Als kleiner Aufhänger für eine fundierte Prognose eignen sie sich aber allemal. Grundsätzlich sollte jeder Sparer lieber seine eigene Strategie verfolgen und auch daran festhalten. Gemeinsam mit einem professionellen Anlageberater kann sich jeder eine eigene Vorgehensweise schaffen, welche zum Anleger passt und auf längere Sicht Erfolg hat. Und das ganz ohne alte Weisheiten.

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