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Anleihemarkt Das Einmaleins der Zinsstrukturkurven

Gastautor: Marc-Oliver Lux
12.05.2017, 08:19  |  374   |   |   

Unter dem Wort „Zinsstrukturkurve“ können sich Laien nicht viel vorstellen. Doch am billionenschweren Markt für Staatsanleihen sind sie das Thema. Banken, Versicherer und Fondsmanager wissen, wovon die Rede ist: die Renditeabstände zwischen festverzinslichen Wertpapieren. Anleihen mit kurzer Laufzeit bringen in der Regel weniger Zinsen als solche mit langer Laufzeit. Verbindet man die Renditen je nach Laufzeit in einem Diagramm, zeigt sich eine Linie, die sogenannte Zinsstrukturkurve.

Eine flache Zinsstrukturkurve beschreibt eine Phase an den Märkten, in der die Renditeunterschiede zwischen zum Beispiel zwei- und zehnjährigen Anleihen nur gering sind. Das waren sie lange Zeit - zum Unglück von Banken und Versicherungen. Denn eine flache Zinsstrukturkurve schmälert die Margen von Banken. Denn sie verdienen Geld damit, sich kurzfristig Geld zu niedrigen Zinsen zu leihen und es über längere Fristen teurer zu verleihen. Die Bankbranche litt zuletzt unter einer sehr flachen Zinsstrukturkurve. Das gilt auch für Versicherer, die ihre langfristigen Auszahlungsverpflichtungen mit ihren Einnahmen in Einklang bringen müssen. Und das funktioniert nur, wenn die Renditen von langlaufenden Anleihen ausreichend hoch sind.

Doch derzeit ändert sich die Lage. Die Renditen langlaufender amerikanischer und deutscher Staatsanleihen sind seit Mitte letzten Jahres gestiegen. Investoren rechnen damit, dass sich der Trend auch in 2017 fortsetzt. Die Anleihenmärkte stehen vor einer Zeitenwende.

Für die höheren Renditen sorgte zunächst der gestiegene Ölpreis, der Inflationserwartungen anheizte. Und der designierte US-Präsident Donald Trump will die US Wirtschaft über Steuersenkungen und mit einem Infrastrukturprogramm ankurbeln. Der Motor der US-Wirtschaft läuft jedoch schon praktisch bei Vollbeschäftigung, von daher dürften zusätzliche Investitionen die Löhne und so die Inflation nach oben treiben.

Inflation gilt als Gift für Anleihen, weil sie an den mageren Zinserträgen zehren. Und weil die Inflationsgefahr gerade in der Zukunft steigt, fallen die Kurse langlaufender Anleihen besonders deutlich. Im Gegenzug ziehen ihre Renditen an, die Zinsstrukturkurve wird steiler. Denn die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe ist seit ihrem Tief bei 1,3 Prozent auf zuletzt etwa 2,3 Prozent in die Höhe geklettert. Die Rendite zweijähriger US-Papiere erhöhte sich dagegen nur um 0,6 Prozent auf 1,2 Prozent.

Dass auch die Renditen der Kurzläufer in den USA gestiegen sind, liegt an der US-Notenbank. Sie hat den Leitzins erhöht und visiert weitere Erhöhungen in diesem Jahr an.

In der Eurozone sieht die Sache anders aus. Die europäische Zentralbank (EZB) dürfte den Leitzins zunächst weiter bei null Prozent halten. Der Einlagensatz liegt sogar bei -0,4 Prozent. Das hält auch die Anleiherenditen im Euroraum am kurzen Ende sehr niedrig. Die Rendite dreijähriger deutscher Bundesanleihen liegt nach wie vor bei historisch tiefen minus 0,7 Prozent. Die langlaufenden Anleihen können sich dagegen dem Renditeanstieg in den USA nicht entziehen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stieg seit ihrem historischen Tief von minus 0,2 Prozent auf zuletzt plus 0,25 Prozent. Die Anleiherenditen im Euroraum sollten auch künftig deutlich unter denen ihrer US-Pendants liegen. Aber die deutsche Zinsstrukturkurve scheint noch steiler zu werden als die in den USA.



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