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Der Nein-Sager

Autor: Eurams exklusiv | 26.12.2009 | 12:20 | 3275 mal gelesen

Cleverer Geschäftsmann: Buffett sollte viele Unternehmen vor der Pleite retten, meist legte er aber schnell den Hörer auf. Börsenlegende Warren Buffett war wählerisch, was große Deals anging - von Scott Patterson, The Wall Street Journal.



Waren die Investments, die er nicht getätigt hat, seine besten? Das glaubt zumindest Warren Buffett, der während der größten Wirtschaftskrise seit 1929 viele Anlagemöglichkeiten ausgelassen hat. „Es wird gar nicht genug honoriert, bei wie vielen Gelegenheiten Buffett sich nicht engagiert hat“, sagt Paul Howard, Analyst bei Janney Montgomery Scott. Etliche Investoren haben während der Finanzkrise große Deals abgeschlossen – oft zu ihrem Nachteil. Buffett bewahrte sich dagegen durch Absagen den finanziellen Spielraum, um im November 2009 zuzuschlagen: Er kaufte die Eisbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) für 26,3 Milliarden US-Dollar. Hier einige abgelehnte Offerten.



Lehman-Brothers-Chef Richard Fuld rief am 28. März 2008 bei Berkshire-Boss Buffett an und wollte wissen, ob der rund vier Milliarden Dollar in die Bank pumpen würde, um Verluste auszugleichen. Buffett studierte den Finanzbericht von Lehman und notierte auf dem Deckblatt die Seitenzahlen, wo er beunruhigende Angaben gefunden hatte. Am Ende war das ganze Deckblatt voll, Buffett biss nicht an, und Lehman ging sechs Monate später pleite. Als dann im September Barclays Lehman Brothers kaufen wollte, kam man wiederum auf Buffett zu. Er sollte gegen eine entsprechende Prämie Lehmans Geschäftsbasis bis zum Abschluss des Deals garantieren, um die Akzeptanz der Aktionäre für die Übernahme zu sichern und eine Panik der Geschäftspartner der maroden Investmentbank zu vermeiden. Buffett bat um die Zusendung eines Faxes mit den ihm zugedachten Aufgaben und ging zu einem Konzert. Als er zurückkam, fand er kein Fax vor. Der Deal hatte sich damit erledigt. Erst zehn Monate später entdeckte Buffetts Tochter, dass man ihrem Vater an diesem Tag auf die Mailbox gesprochen hatte. Der Großinvestor benutzt sein Mobiltelefon nur selten – und den Deal hätte er ohnehin nicht abgeschlossen.




Nach dem Zusammenbruch des Hypothekenmarkts traten Banker von Morgan Stanley, die Freddie Mac vertraten, wegen eines Investments an Buffett heran. Er war jedoch überzeugt, die finanziellen Probleme bei der Hypothekenbank seien zu groß. „Da habe ich sehr schnell Nein gesagt“, erinnert er sich. Das US-Finanzministerium übernahm dann Freddie Mac und das Schwesterunternehmen Fannie Mae.Den Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 hat Buffett als einen der hektischsten Monate seiner Karriere in Erinnerung. Es begann mit einer Anfrage von Robert Steel, dem damaligen Wachovia-Chef. Er wollte wissen, ob Buffett mit zehn Milliarden Dollar einsteigt. Buffett dachte, Wachovia habe übermäßig in Subprime-Hypotheken investiert, und lehnte ab. Wachovia wurde später an Wells Fargo verkauft, an der Berkshire beteiligt ist.



AIG-Chef Robert Willumstad fragte am 12. September an, ob sich Buffett mit rund fünf Milliarden Dollar an dem tief in Problemen steckenden Versicherer beteiligen wolle. „Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit mir“, antwortete Buffett, der um den Zeitdruck für eine Rettung von AIG wusste. Noch am selben Wochenende wurde um einen weiteren AIG-Deal gerungen. Berkshire-Vorstand Ajit Jain führte Gespräche mit einer Investorengruppe um den New Yorker PE-Riesen Kohlberg Kravis Roberts & Co. Doch auch dieser Deal platzte, weil AIGs Finanzprobleme zu groß und komplex waren. Ein paar Tage später gewährte die Fed dem Konzern einen Kredit über 85 Milliarden Dollar und übernahm im Gegenzug 79,9 Prozent der Aktien.Die Finanzkrise hielt für Investoren viele Schnäppchen, aber auch große Risiken bereit. Buffett hielt sich am Wühltisch zurück. „Ich habe viele Möglichkeiten, die das Chaos geboten hat, verstreichen lassen“, sagt der clevere Investor. „Am Ende stellte sich aber heraus, dass ich damit nicht schlecht gefahren bin.“




Abgelehnte Deals - Wer Buffett anrief

Im März 2008 schlug Buffett zwei Angebote aus: Eine Übernahme der Investmentbank Bear Sterns kam für ihn ebenso wenig infrage wie der Einstieg bei Lehman Brothers. Auch Freddie Mac konnte Buffetts Interesse nicht wecken. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 kamen der Versicherer American International Group (AIG) und die Bankkette Wachovia auf den Investor zu – auch diese hatten keinen Erfolg. Erst ein Jahr später schloss Buffett einen Megadeal ab: den Kauf der Eisenbahnlinie BNSF.




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12:20 | 26.12.2009
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