Mercedes-Doppeldecker in der Vorkriegszeit und heute
Mercedes Doppeldecker-Busse sieht man heute nur noch auf der Landstraße. In deutschen Städten, wo noch (oder wieder) zweistöckige Busse im Einsatz sind, greift man auf Modelle anderer Marken zurück.
Bei Doppeldecker-Bussen denkt man meist an den öffentlichen Verkehr in Großstädten wie London, Berlin oder Hongkong. Die zweistöckige Bauweise hat tatsächlich große Vorteile: Fahrzeuge mit großer Kapazität können relativ viele Haltestellen in geringer Distanz bedienen, und sparen Platz im Stadtverkehr. Seit der Einführung von Gelenkbussen können sich zwar auch längere Busse durch den dichten Stadtverkehr schlängeln, doch sie benötigen mehr Straßenfläche pro Passagier. Und das Stadtpanorama, das man von einem Doppeldeckerbus aus genießen kann, können Gelenkbusse erst recht nicht bieten. Deshalb werden Liniendoppeldecker später oft noch lange für Stadtrundfahrten weiterverwendet.
Mercedes-Doppeldecker waren in den zwanziger und dreißiger Jahren keine Seltenheit auf den Straßen deutscher Städte. Doch seit dem Zweiten Weltkrieg wurde vom Stuttgarter Hersteller kein zweistöckiger Omnibus mehr verkauft.
Dafür entwickelte sich ein anderes Segment in eine günstige Richtung: Reisebusse wurden in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts immer komfortabler. Diese waren schon immer etwas höher gebaut worden, damit man das Gepäck unter dem Fahrgastraum verstauen konnte; immer häufiger hatten Reisebusse auch Panoramafenster, die es den Fahrgästen erlaubten, die Aussicht zu genießen. Schließlich kann so eine Busreise mehrere Stunden dauern; da war es ein Geschenk an die Fahrgäste, dass sie diese Zeit nicht "unten" im Autobahn-Verkehr verbringen mussten, sondern in die Weite blicken durften. Auch wurde so die bei Unfall entstehende Gefahr für die Passagiere minimiert.
Von diesen hohen Bussen war es nur noch ein kleiner Schritt zum Doppeldeckerbus. Die Fahrgast-Etage wurde weiter angehoben, sodass der Gepäckraum mehr vertikalen Raum hatte und nicht mehr die ganze Länge des Busses benötigte. Im vorderen Teil des unteren Stockwerks wurde Platz frei für weitere Sitzplätze oder für eine Küche und Toiletten. So waren, ein halbes Jahrhundert nach den Doppelstock-Omnibussen wieder Mercedes-Doppeldecker im Straßenbild vertreten, die sich unabhängig von ihren Verwandten in der Stadt entwickelt hatten.
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