Restwertbörse - Der Autofriedhof nach dem Totalschaden
Des Deutschen Liebling, also das Auto, landet auf der Restwertbörse, wenn es einen Totalschaden erlitten hat. Hier werden alle unversehrten Teile verwertet oder doch noch zu etwas Geld gemacht.

Die Restwertbörse ist eine Art Auktionshaus oder Salon, wo die Wracks angeboten werden und Käufer Angebote abgeben können. Das höchste Angebot ist dann der Ermittelte Restwert, während der Beschaffungspreis für ein ähnliches, intaktes Fahrzeug der Wiederbeschaffungspreis ist.
Es gibt tausende solcher Restwertbörsen, auch im Internet. Das können spezialisierte Auktionshäuser für Recycling, Ausschlachtung, Ersatzteilverkauf oder Auslandsexporte, aber auch lokale, autohausähnliche Firmen.
Erstere haben bis jetzt weniger Erfolg, weil Versicherungsvertreter letztere Bevorzugen. Sie sind die Haupt-Auftraggeber und kommen zum Zuge, wenn ein Versicherter den Totalschaden hervorruft und die Schuld daran trägt. In diesem Fall kann die Versicherung den Restwert vom Wiederbeschaffungswert des geschädigten Autos abziehen und entsprechend weniger Entschädigung zahlen, weil der Besitzer sein Unfallfahrzeug noch verkaufen kann. Restwertbörsen werden also auch als „Gutachter“ eingesetzt, indem man überprüft, wie hoch das größte Gebot der Händler ist. Ein Verkauf ist noch nicht sicher, weil das Auto möglicherweise anderweitig verkauft wird.
Einen Boom erlebten jene Restwertbörsen, die Altfahrzuge aufkaufen, ins Ausland exportieren und dort mit billigen Arbeitskräften sanieren, oder die Ersatzteile gewinnen. Jene, oft in modernsten Werkstätten, sanierte Autos werden dann als Gebraucht-Unfall-Fahrzeuge oder Ersatzteile zurück in den Westen verfrachtet und dort verkauft. Diese erhöhte Effizienz beim „Ausschlachten“ oder „Restaurieren“ verursachte, gemeinsam mit steigenden Rohstoffpreisen, eine regelrechte Explosion der Restwerte. Die Verwertung von Unfallfahrzeugen ist also längst ein internationales Geschäft, in dem die „klassische“ Restwertbörse ein aussterbender Dinosaurier ist.
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