Fazit
Lektoratsarbeit umfasst heute eine Vielzahl unterschiedlicher Dienstleistungen für den Verlags- und Medienbereich, der einen immer bedeutenderen Teil der Gesamtwirtschaft darstellt. Das Berufsbild der Lektorinnen/ Lektoren hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Außer der Arbeit am Text sind Aufgaben wie Projektkonzeption, Projektmanagement, Producing und Ghostwriting hinzugekommen. Diese Entwicklung deutet die Tendenz vieler Verlage an: Lektoratsarbeit muss heute im Sinne des Produktmanagements organisiert werden. Es sind weniger wissenschaftliche als vielmehr anagementqualifikationen wie strategisches Denken und effektive Zeitplanung erforderlich (vgl. KEUCHEN 1986, S. 15).
Allerdings sollte man differenzieren: Ebenso wie beispielsweise ein genau kalkulierender Produktmanager ist je nach Verlagszielsetzung auch der traditionelle Typ des Lektors notwendig. In der heutigen Zeit noch mehr, da durch den permanenten Termindruck der Lektoren nicht nur das Niveau vieler Produkte abflacht, sondern auch die Programmqualität und somit die Umsätze gemindert werden. Daher sind natürlich solche Lektoren ideal, die ihre Arbeit wirtschaftlich beurteilen und beeinflussen können ohne den Inhalt zu vernachlässigen.
Die Arbeit eines Lektors gestaltet sich durch die Entwicklung virtueller Arbeitsformen, Medien und Geschäftsfelder immer komplexer. Neben den klassischen Print- und Tonmedien gibt es nun weitere Tätigkeitsfelder wie Internetpräsenzen, CD’ s, Firmenbroschüren und Werbetexte.
Weiterhin hat sich auch die berufliche Stellung der Lektorinnen/ Lektoren gewandelt. Immer mehr Lektorinnen/ Lektoren arbeiten freiberuflich. Dieser neue Status der Selbstständigkeit bringt Chancen und Herausforderungen gleichermaßen. An Lektoratskosten sparen, heißt oftmals am falschen Ende sparen, denn schafft nicht erst die Einbindung in den Verlag ein „Wir-Gefühl“ und Verantwortung fürs Ganze? (vgl. KERLEN 2003, S. 96)
Sicherlich ist die Versuchung, selbst zu chreiben, für den Lektor nicht gerade gering, aber „wie der Arzt sich nicht selbst behandelt, kaum seine Krankheit erkennt, wird auch der Lektor die Techniken seines Berufs nicht auf sich selbst anwenden wollen. So gibt es Schriftsteller, die Lektoren sind, aber kaum Lektoren, die auch chriftsteller wären“ (RITTER 1989, S. 183).
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