H&R: Erster Spezialfonds positioniert
Mit Veröffentlichung des Erwerbsangebots für die H&R-Aktien
waren Nils Hansen 61,45% und Wilhelm Scholten 6,06 % der Aktien
zuzurechnen, die Bietergesellschaft kam also auf 67,51%
Anteilsbesitz. Bis zum 11.08.25 wurden von der Bietergesellschaft
weitere 649.133 Aktien (1,74% des Grundkapitals) zugekauft und es
gingen Annahmeerklärungen für 1.115.098 Aktien (3,00% des
Grundkapitals) ein. Somit hat sich die Gesamtquote von anfänglich
67,51% auf 72,25% per 11.08.2025, mithin um 4,74 Prozentpunkte
erhöht. Je mehr Annahmeerklärungen bis zum Fristende (25.08.2025)
noch eingehen, desto unwahrscheinlicher wird unseres Erachtens
eine Erhöhung des aus unserer Sicht ungenügenden Angebotspreises
innerhalb des laufenden Angebots, denn je mehr Stücke Hansen zu
5,00 Euro einsammeln kann, desto eher lohnt es sich für ihn,
lieber mit einem späteren Angebot zu einem höheren Preis weitere
Stücke einzusammeln, anstatt auch jenen Aktionären, die aktuell
bereit sind, ihre Stücke zu 5,00 Euro abzugeben mehr als nötig zu
zahlen, nur um ein paar weitere Aktionäre auch noch zum Verkauf
zu bewegen.
Andererseits steigt mit einer höheren Annahmequote auch die
Wahrscheinlichkeit dafür, dass der nächste, bzw. übernächste
Schritt (Delisting, bzw. nachfolgend der Squeeze-Out) zeitnäher
erwartet werden kann, wenn Hansen nach Abschluss des laufenden
Angebots gute Chancen sieht, sich durch weitere Zukäufe der für
einen verschmelzungsrechtlichen Squeeze-Out nötigen
Anteilsbesitzschwelle von 90% nähern zu können. Insgesamt bleibt
schwer einschätzbar, ob Hansen eher versuchen wird, die
verbleibenden Aktionäre nach Abschluss des laufenden Angebots am
langen Arm aushungern zu lassen oder ob er die nächsten Schritte
hin zum finalen Squeeze-Out zügig angehen will. Im ersten Fall
könnte der Aktienkurs nach Abschluss des aktuellen
Erwerbsangebotes durchaus auch in ein längeres Siechtum
übergehen, insbesondere dann, wenn sich hier nur wenige auf
Spezialsituationen fokussierte Akteure positionieren.
Es gibt durchaus ähnliche Fälle, in denen die betreffenden
Aktienkurse nach Ablauf der Angebotsfristen erst einmal wieder
deutlich gefallen sind. Andererseits gibt es auch viele
vergleichbare Fälle, in denen auf Spezialsituationen fokussierte
Anleger nach Ablauf solcher Angebote jegliche Kursrückgänge unter
den vorherigen Angebotspreis sofort nutzen, um weitere Positionen
aufzubauen. Läge ein solches Szenario vor, wären die 5,00 Euro
bei H&R zukünftig eher als Boden anzusehen, wobei
gleichzeitig erhebliches Potenzial nach oben bestünde.
Interessanterweise hat gemäß Informationen von Morningstar
zuletzt bereits ein Spezialfonds (Mainberg Special Situations
Fund) eine Position von 176.235 H&R-Aktien (Stand:
30.06.2025) aufgebaut.
Es mag für eher kurzfristig und taktisch ausgerichtete Anleger
gute Gründe geben, das H&R-Angebot jetzt zu nutzen, um sich
von diesem Investment zu verabschieden. Für uns bleiben aber die
gebotenen 5,00 Euro je Aktie Gegenleistung in zu großer Diskepanz
zu dem von uns gesehenen deutlich höheren fairen Wert, so dass
wir mit unserer Empfehlungsliste hier investiert bleiben und das
Angebot nicht annehmen.