Nach zwei Wochen sind die Gedanken viel klarer.
Primäres Motiv des Delisting ist, dass sich FW -wie selbst
zugegeben - insbesondere den Transparenzanforderungen im
M:access, wonach wichtige Unternehmensnachrichten als "Corporate
news" zu veröffentlichen sind, entziehen möchte.
Es ist zu insofern zu vermuten, dass nach der Umstellung auf
Namensaktien sowie der Ankündigung des Delistings bei Funkwerk
offensichtlich wichtige Unternehmensentscheidungen anstehen, die
den MInderheitsaktionären vorenthalten werden sollen. Inwieweit
zu einem späteren Zeitpunkt - vielleicht bruchstückhaft über die
externe Analyse des Jahresabschlusses von FW oder auch Hörmann -
Erkenntnisse gewonnen werden können, bleibt davon unbenommen.
Es kann spekuliert werden, was geplant ist.
a) FW nimmt Darlehen auf und kauft eigene Aktien zurück, um diese
dann einzuziehen, sobald Hörmann danach zumindest die
Anteilsschwelle von 90 % erreicht. Letztendlich ein
nichtöffentliches intern beschlossenes Aktienrückkaufprogramm. Es
könnte dann zumindest ein verschmelzungsrechtlicher Squeeze Out
eingeleitet werden. Inwieweit auch die Schwelle für den
aktienrechtlichen Squeeze Out erreicht wird, dürfte davon
abhängen, wie schnell FW beim Aufkauf seiner Aktien vorankommt.
Seit der Ankündigung des Delistings wurden bis heute Aktien im
Gegenwert von etwas mehr als 5 Mio. EUR gehandelt. Und wenn man
die inzwischen konstanten Umsätze von 5.000-7.000 Aktien pro
Handelstag, wenn auch mit wahrscheinlich abnehmender Tendenz, in
die Zukunft rein rechnerisch fortschreibt, wäre die 90 % Schwelle
irgendwann Mitte 2026 erreicht. Soweit man die Käufe sämtlich
Funkwerk zurechnet. Wer sonst außer FW selbst sollte ansonsten in
den letzten beiden Wochen nach der Ankündigung des Delistings FW
Aktien in großem Stil EUR aufgekauft haben?
b) Ein Finanzdienstleister? Der Finanzdienstleister wird
vorgeschaltet und kauft bis zum Delisting die Aktien im eigenem
Namen, um sie danach an Funkwerk weiterzureichen/ zu verkaufen.
FW würde mit dieser Konstruktion zum jetztigen Zeitpunkt
vermeiden, eine Corporate News bezüglich des Rückkaufprogramms
veröffentlichen zu müssen. Und den Vertrag mit dem
Finanzdienstleister würde man tricky so abschließen und auslegen,
dass er keine bedeutsame Unternehmensmitteilung darstellt. Für
mich sind a) oder b) bzw. eine Kombination aus beiden
nahelliegendste Szenario.
c) Die Familie Hörmann? Keine Ahnung, wieviel Geld dort vorhanden
ist, aber da hätte man die Aktien bei der längeren Durstrecke
einem Kurs um die 20 EUR viel günstiger einsammeln können. Die
Alternative scheidet eher aus.
d) Ein strategischer Investor? Dann hätte es im Vorfeld eine
Investorenvereinbarung mit Hörmann einhergehend mit einem in
solchen Fällen üblichen Abfindungsangebot gegeben. Die
Alternative scheidet mit großer Wahrscheinlichkeit aus.
e) Hörmann Industries GmbH? Diese Alternative scheidet gänzlich
aus
Es gäbe noch weitere Alternativen wie zB , dass FW der
Muttergesellschaft Darlehen gewährt. Oder dass FW nach HKN
weitere Unternehmen von Hörmann übernimmt. Wobei die ja fast alle
eher Geld verbrennen als Geld verdienen. In diesen Fällen könnten
könnten sich Vorstand und Aufsichtsrat v on FW Klagen ausgesetzt
sehen. Eher schwieriges Thema, insofern zu vernachlässigen. Ein
Teilverkauf von FW zur Liquiditätsbeschaffung kann auch kein
Thema sein. Dafür braucht es kein Delisting.
Letztlich ist das Delisting eine logische Folge des
wirtschaftlichen Niedergangs des Hörmann Konzerns ex Funkwerk.
Mit dem Delisting und der damit einhergehenden Intransparenz wird
ein Weg gesucht, die Sprengung des Hörmanns Konzerns ex FW zu
verhindern.
Ich habe mir die Mühe gemacht, da noch einmal die Zahlen des
Hörmann Konzerns ex FW zum 30.06.2025 soweit es geht zu
analysieren. Hier nur einige für mich in Summe sehr
besorgniserregende Zahlen: anhaltende Verlustsituation mit einem
negativen Ergebnis nach Steuern von 3,2 Mio., Eigenkapital seit
Jahren rückläufig mit aktuell nur noch 38 MIo., freie Liquidität
nur 11,5 Mio. und auch seit Jahren rückläufig. Die
Liquiditätsenge zeigt sich auch daran, dass die
Lieferantenverbindlichkeiten die Foderungen aus Lieferungen und
Leistungen übersteigen. Sehr negativ auch die geringe
Umschlaghäufigkeit des Warenbestandes, der sich trotz deutlicher
Umsatzrückgänge auf Höchstsniveau bewegt. Inwieweit und in
welchem Umfang hier eventuell Bestandsbereinigungen erforderlich
wären vermag ich nicht zu beurteilen. Bereinigt werden müssten
auch die aktiv latenten Steuern von 14 Mio. EUR. bei all den
dauerhaft defizitären Töchtern. Bereinigt werden müssten
vielleicht - zumindesst teilweise -auch die sonstigen
Ausleihungen von rd. 15 Mio. , nachdem vor einigen Tagen die
Gesellschaft (Winning), die das Betriebsgelände in Penzberg
angemietet hat, in die Insolvenz gegangen ist. Und was ist mit
den Forderungen netto an verbundende Unternehmen von 20 MIo. EUR?
Für mich bliebe von Hörmann nach einer Bereinigung der Bilanz
nichts mehr übrig.
Die Details zu Hörmann zeigen, wie groß der Handlungsdruck für
Hörmann geworden ist, etwas zu "machen" bevor es knallt.
Vielleicht haben ja auch eine Investmentbank oder eine
Ratingagentur Hörmann empfohlen oder sogar aufgefordert, für mehr
Zugriffsmöglichkeiten auf das Vermögen von FW zu sorgen. Wo
Hörmann sich ja schon Mitte 2026 über die Prolongation der
Anleihe Gedanken machen muß. Vielleicht um das Ranking nicht zu
gefährden.
Es ist eben etwas anderes, ob Hörmann 5 Mio. Dividende p.a.
bekommt, oder Zugriff auf geschätzt 60 Mio. Liquidität Ende 2025
bzw. 80 MIo. Ende 2026 hat.
Die Sachlage ist momentan nicht wirklich klar. Deshalb gibt es
immer noch eine ganze Reihe von Anlegern, die mit der Ankündigung
des Delistings einen Schüttelfrost bekommen haben. Die werden
sich irgendwann die Augen reiben. So wie die Anleger, die damals
ihre Aktien zu 2,55 EUR an Hörmann abgegeben haben.
Irgendwann - sehr viel hat Hörmann nicht mehr - wird es zu einer
Unternehmensbewertung von Funkwerk kommen. Und da sehe ich dann
einen ganz anderen Unternehmenwert als den, den die Börse derzeit
bepreist.