FuW-Einschätzung zum Zusammenschluss
Relief fusioniert mit NeuroX – Zeit, die Aktien zu
verkaufen
Das neue Unternehmen wird wie der NeuroX-Vorläufer MindMaze
Therapeutics heissen. Es entwickelt Softwarelösungen für
neurologische Erkrankungen wie Parkinson.
Einschätzung von Rupen Boyadjian um 8.30 Uhr
Relief Therapeutics und NeuroX, die die Aktivitäten der
konkursiten MindMaze Therapeutics übernommen hat, machen Ernst
mit dem angekündigten Reverse Takeover. Bereits im Dezember soll
es über die Bühne gehen. Das kombinierte Unternehmen soll
MindMaze Therapeutics heissen. Relief will zu ihren bestehenden
knapp 14,1 Mio. Aktien 140 Mio. neue ausgeben, um die Übernahme
durchzuführen. Sie und ihre Aktionäre werden dabei mit einem
Anteil von einem Elftel der Juniorpartner sein.
Der Transaktion wurden Bewertungen von 1 Mrd. Fr. für NeuroX und
100 Mio. Fr. für Relief zugrunde gelegt. Mit dem Schlusskurs vom
Dienstag bei 3.33 Fr. weist Relief einen Börsenwert von 47 Mio.
Fr. auf. Die Bewertungen sollen das Potenzial der digitalen
Therapeutika von MindMaze spiegeln. Sie entwickelt Programme, mit
denen Patienten Bewegungen trainieren können, indem sie über
Hardwareelemente videospielähnliche Figuren steuern. Die Software
soll Menschen nach Schlaganfällen oder mit Parkinson helfen und
bedient sich künstlicher Intelligenz. Mehr als 250 Kliniken und
Tausende Patienten von zu Hause aus setzen sie gemäss den Angaben
bereits ein.
Anleger sollten sich davon nicht blenden lassen. Einerseits haben
die beiden Geschäfte von Relief und MindMaze nichts miteinander
zu tun. Andererseits ist MindMaze bisher nicht auf einen grünen
Zweig gekommen, obschon mehr als 350 Mio. Fr. investiert wurden.
Auch andere Start-ups haben die Erwartungen mit ihren digitalen
Therapien nicht erfüllt und sind teilweise trotz Kooperationen
mit grossen Pharmaunternehmen wie Novartis bankrottgegangen (Pear
Therapeutics). MindMaze konnte von der US-Gesundheitsbehörde FDA
allerdings eine spezielle Zertifizierung erhalten, die die
Vergütung ihrer Software durch Versicherer erleichtert.
Dennoch muss MindMaze, die auch künftig von ihrem Gründer Tej
Tadi geführt werden soll, erst beweisen, dass sie das angebliche
kommerzielle Potenzial auch heben kann. Im Hintergrund zieht wie
bei Relief der US-Hedge-Fund Gem Global die Fäden. Wahrscheinlich
werden die Promotoren des Deals versuchen, die KI-Werbetrommel
heftig zu rühren. Mit der Ankündigung der definitiven
Vereinbarung zum Reverse Takeover befanden sie es aber wie schon
bei der ursprünglichen Mitteilung nicht für nötig, eine
Analysten- und Medienkonferenz anzusetzen. Vorherige
Gesprächsanfragen wurden ausgeschlagen. Anleger sollten die
Finger von den Aktien lassen und sich rasch von ihren
Relief-Papieren trennen.