alles steigt oder fällt mit den Neutronen also.
Ja, so ist es. Gerade darüber wird halt nicht viel
geredet. Und da ich selber 2 Space Shuttles verglühen bzw.
explodieren gesehen habe (eines davon LIVE im TV), bin ich da
sehr skeptisch, was aber eine reine subjektive Gefühlsempfindung
meinerseits dazu ist. Das wird ein Tanz auf der Rasierklinge.
Oder das eben, NASAs Artemis Programm: Artemis 1: Nach vier
Verschiebungen startete Artemis 1 am Mittwoch, den 16. November
2022 um 1:47 Uhr EST (6:47 Uhr GMT). Artemis 2: Artemis 2
startete erfolgreich am 1. April 2026 um 18:35 Uhr EDT (23:35 Uhr
BST), nachdem der Start von Februar und März 2026 verschoben
worden war. Artemis 3: Ende 2027. Artemis 4: Anfang 2028.
Die tun beim Weltraumprogramm alle grade so, als ob wir hier bei
"Star Wars" oder "Raumschiff Enterprise" wären, tatsächlich
gleicht das eher einem Seifenkistlrennen mit Raketen als einem
Hollywood-Kinoepos - darum haben auch Astronauten meinen
VOLLSTEN Respekt, die spielen sich jedesmal mit dem eigenem
Leben.
Schafft Rocket Labs Neutron es wirklich, 2026
abzuheben?
Rocket Lab hat sich auf einen ersten Neutron-Start bis Ende 2026
ausgerichtet, und ich wollte diesen Zeitplan anhand dessen, was
noch passieren muss – und wie sich ähnliche Raketen historisch
entwickelt haben – auf den Prüfstand stellen.
Auf hohem Niveau hat Neutron echte Fortschritte gemacht
(Triebwerksarbeit, einige Stufenqualifizierungen, Startplatz
usw.), aber es gibt noch einige risikoreiche, eng gekoppelte
Meilensteine bis zum Erstflug:
• Stufe 1 Tank-Neukonstruktion + Re-Qualifizierung (nach dem
Bruch 2026)
• Vollständige Fahrzeugintegration
• Stufe 2 statischer Brand
• Stufe 1 9-Triebwerks-Cluster-Statischer Brand
• Wet Dress Rehearsal (WDR)
Aus Systemperspektive wird es jetzt knifflig:
Das sind keine unabhängigen Aufgaben – man kann davon nicht viel
parallelisieren. Eine Verzögerung oder ein Problem in einem
Schritt (insbesondere bei Struktur- oder Clustertests der Stufe
1) führt direkt zu einer Terminverschiebung.
⸻
Was die Geschichte anderer Raketen nahelegt - Betrachtet
man aktuelle mittelgroße/schwere Trägerraketen:
• New Glenn:
Letzter integrierter Heißbrand → Start in ~3 Wochen
(schnelles Finale, sobald alles funktionierte)
• Ariane 6:
Großer Heißbrand → Start dauerte ~7–8 Monate
WDR → Start ~3 Wochen
• Vulcan:
Vollständiger Test → Start dauerte ~7 Monate
WDR → Start <1 Monat
Wichtiges Muster:
Sobald eine Rakete die letzten integrierten Tests (Statischer
Brand + WDR) erreicht, kann der Start schnell erfolgen.
ABER genau bis zu diesem Punkt kommt es zu den meisten
Verzögerungen – oft dauert es
Monate länger als erwartet.
⸻
Wo Neutron wahrscheinlich auf dem kritischen Pfad steht - Meiner
Meinung nach ist der eigentliche Engpass nicht WDR – es ist diese
Reihenfolge:
- Erfolgreicher Abschluss des ersten
Cluster-Statischen Brands
Dieser dritte Schritt ist riesig. Hier validierst du zum ersten
Mal:
• Triebwerksinteraktionen
• Verhalten des Einspeisesystems
• Belastungen der Schubstruktur
• Anfahrvorgänge
• Steuerungssoftware
Historisch gesehen ist dies genau der Punkt, an dem neue Raketen
oft Überraschungen erleben.
⸻
Szenarien für den Zeitplan - Angesichts all dessen hier eine
grobe, nicht-Weltuntergangs-aber-realistische Aufschlüsselung:
Best Case (alles läuft glatt):
• Stufe 1 statischer Brand bis Spätsommer 2026
• WDR kurz danach
• Start im Q4 2026
Dies setzt voraus, dass es nach dem Tankproblem im Wesentlichen
keine größeren Überarbeitungen gibt.
⸻
Basisszenario (am wahrscheinlichsten IMHO):
• Ein oder zwei Iterationen nach Tank + statischem Brand
erforderlich
• Integration / Tests dauern länger als geplant
• Start verschiebt sich auf Q1 2027
Das entspricht dem, was wir bei Ariane 6 / Vulcan gesehen haben.
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Pessimistisches Szenario:
• Zusätzliche Probleme während des Cluster-Brandes oder der
Integration
• Mehrere Testiterationen
• Start Mitte 2027 oder später
DAS wäre gar nicht so ungewöhnlich für ein Fahrzeug, das das
erste seiner Art ist !!
⸻
Mein Fazit
Ich glaube nicht, dass das Ziel 2026 unrealistisch ist – aber ich
würde es eher als aggressiv und von der Ausführung abhängig
bezeichnen als wahrscheinlich.
Das größte Risiko ist nicht „zu viele Checklistenpunkte“ – es
ist, dass die verbleibenden Punkte die schwierigsten und eng
gekoppelten sind:
• neuer Tank (nach dem Ausfall)
• erster vollständiger Brand der Stufe 1
• erste vollständige Tests des integrierten Fahrzeugs
Wenn das reibungslos läuft → 2026 ist machbar
Wenn nicht → selbst kleine Verzögerungen summieren sich schnell
auf 2027
Rocket Lab Aktie: Neutron als Schicksalsflug
Der Jungfernflug der Neutron-Rakete im vierten Quartal 2026
entscheidet über die Zukunft von Rocket Lab und die Nutzung des
Milliarden-Auftragsbestands.
Rocket Lab steht vor der wichtigsten Bewährungsprobe seiner
Firmengeschichte. Der Jungfernflug der neuen Neutron-Rakete,
angesetzt für das vierte Quartal 2026, entscheidet darüber, ob
aus einem Auftragspolster von über 2,2 Milliarden US-Dollar
tatsächlich Umsatz wird. Die Aktie hat diese Unsicherheit
längst eingepreist: Sie notiert bei 66,99 US-Dollar, mehr als 55
Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 151 US-Dollar.
Ein wichtiger technischer Meilenstein ist bereits geschafft. Der
Archimedes-Antrieb, der die zweite Stufe der Neutron antreiben
soll, hat kürzlich einen Brenntest über die volle Branddauer
absolviert. Das Timing bleibt trotzdem ambitioniert. Ursprünglich
sollte die Rakete schon Ende 2025 abheben, dann verschob sich der
Termin auf die erste Jahreshälfte 2026. Im Januar riss zudem ein
Tank der Haupstufe während eines Tests.
Die entscheidende Frage
Schafft Neutron den erfolgreichen Erstflug im vierten Quartal
2026 und sichert sich Rocket Lab damit den Zugang zu lukrativen
Verträgen im Sicherheitssektor der US-Regierung? Von der Antwort
hängt ab, ob das Unternehmen seinen Rückstand auf etablierte
Anbieter aufholen kann.
Das bullische Szenario
Ein geglückter Erstflug würde Rocket Lab als ernstzunehmende
Alternative im Markt für mittelschwere Trägerraketen etablieren.
Die Neutron ist mit ihrer breiten "Hungry
Hippo"-Nutzlastverkleidung und dem Fokus auf Wiederverwendbarkeit
gezielt für den Einsatz bei Megakonstellationen konzipiert. Genau
solche Kapazitäten sucht der Markt aktuell händeringend.
Der Zugang zum "National Security Space Launch"-Programm der US
Space Force wäre der größere Preis. Dieses Programm kann bis 2029
ein Volumen von bis zu 5,6 Milliarden US-Dollar erreichen. Rocket
Lab gilt zwar bereits als zugelassener Bieter für die
Lane-1-Kategorie. Einzelne Aufträge kann das Unternehmen aber
erst gewinnen, wenn Neutron einen erfolgreichen ersten Flug
vorweisen kann.
Schon jetzt signalisiert der bestehende Auftragsbestand von über
2,2 Milliarden US-Dollar starkes Kundenvertrauen. Darin enthalten
sind ein Fünf-Flug-Vertrag für Neutron sowie eine weitere
Mehrfachvereinbarung über fünf Neutron- und drei
Electron-Missionen, beide bis 2029 verplant. Die Quartalszahlen
für das erste Quartal 2026 lagen über der eigenen Prognose, mit
Rekordumsatz und einem gewachsenen Auftragsbestand.
Das bärische Szenario
Die Risiken konzentrieren sich fast vollständig auf die
Entwicklung und den Erstflug der Neutron. Terminverschiebungen
und der Tankriss im Januar zeigen, wie schwierig die Entwicklung
einer komplett neuen Trägerrakete ist. Solche Rückschläge sind in
der Raumfahrtbranche keine Seltenheit, sie bleiben aber ein
reales Risiko für den Zeitplan.
Jede weitere Verzögerung oder gar ein Fehlschlag beim
Jungfernflug würde das Vertrauen der Investoren belasten. Der
milliardenschwere Auftragsbestand ließe sich dann nicht in Umsatz
verwandeln. Ohne erfolgreichen Neutron-Flug bleibt Rocket Lab von
den NSSL-Aufträgen ausgeschlossen, unabhängig vom Status als
zugelassener Bieter.
Auch der Wettbewerb schläft nicht. SpaceX kam 2025 auf 165 Starts
und dominiert den Markt fast nach Belieben. Neutron tritt gegen
erprobte Systeme an und muss als später Marktteilnehmer nahezu
fehlerfrei funktionieren, um überhaupt Anteile zu gewinnen.
Hinzu kommt eine finanzielle Komponente. Der Neutron-Erstflug
soll vor dem Abschluss einer bedeutenden Übernahme stattfinden,
die für Mitte 2027 angepeilt ist. Verzögert sich Neutron oder
scheitert der Flug, könnte das Unternehmen unter finanziellen
Druck geraten. Refinanzierungsbemühungen wären erschwert, eine
stärkere Verwässerung der Aktionäre würde wahrscheinlicher.
Der Kursverlauf spiegelt diese Nervosität bereits wider. Auf
30-Tage-Sicht hat die Aktie fast 38 Prozent verloren, der RSI von
29,6 deutet auf eine überverkaufte Situation hin. Der Markt
preist hier sichtbar Unsicherheit ein, nicht Zuversicht.
Ausblick
Gelingt der Neutron-Erstflug im vierten Quartal 2026 wie geplant,
dürfte das den Weg zu erheblichen Umsatzströmen aus dem bereits
gesicherten Auftragsbestand ebnen. Der Zugang zu den nationalen
Sicherheitsverträgen der USA würde Rocket Lab zusätzlich als
verlässlichen Partner für Regierungs- und Kommerzkunden
positionieren.
Scheitert der Flug oder verschiebt sich der Termin erneut, dürfte
sich die Marktdurchdringung deutlich verzögern. Der finanzielle
Druck im Vorfeld der für Mitte 2027 geplanten Übernahme würde
sich in diesem Fall zusätzlich verschärfen. Der nächste konkrete
Prüfstein für Investoren bleibt der offizielle Starttermin der
Neutron im vierten Quartal 2026 — und dessen Ausgang.