Ich habe heute auch mehrere Magazine, Zeitschriften und Fernsehsender angeschrieben, weil mich die Art der Berichterstattung irritiert und verärgert hat. Den Text habe ich je nach Empfänger leicht angepasst. In dieser Form ging er unter anderem an den Spiegel. Ähnliche Schreiben gingen auch an weitere Redaktionen.
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Sehr geehrter Herr Müller,
ich habe Ihren Artikel zu BioNTech, den aktuellen Zahlen und den angekündigten Entlassungen aufmerksam gelesen.
Und ich musste schmunzeln, weil Sie aus meiner Sicht denselben Fehler machen wie viele andere Redaktionen …ob Heute Journal über die Tagesschau bis hin zu Wirtschaftsmedien wie n-tv. Alle schauen auf die Schlagzeile, aber kaum jemand auf den Plan dahinter.
Kurz gesagt: Bei BioNTech läuft im Kern genau das, wofür das Unternehmen gegründet wurde.
Das Ziel war nie, auf ewig Impfstoffe zu verkaufen. Das Ziel war immer, im Bereich Krebsonkologie zu einem der größten und wichtigsten Pharmakonzerne der Welt zu werden. Und ich bleibe dabei: Bis 2030 wird man sehr genau sehen, wohin diese Reise geht. Ich gehe sogar so weit und sage: BioNTech könnte eines Tages das wertvollste Unternehmen Deutschlands werden.
Der aktuelle Fokus liegt auf den 2000 Stellen. Natürlich ist das bitter für die Betroffenen. Keine Frage.
Aber man muss den Kontext sehen.
Im Impfstoffbereich wurde weiterhin Geld verdient. Gute Umsätze, solide Margen. Das Minus entsteht nicht, weil das Geschäft nicht funktioniert, sondern weil massiv in Forschung investiert wird. Und genau das ist der entscheidende Unterschied.
Während andere Unternehmen sparen müssen, investiert BioNTech.
Und das Cashpolster bleibt nicht einfach zufällig stabil. Dahinter stehen starke Partnerschaften und kluge Deals. Ein entscheidender Faktor ist die Zusammenarbeit mit Bristol Myers Squibb. Daraus fließen noch rund zwei Milliarden an sicheren Zahlungen. Zusätzlich stehen nahezu sieben Milliarden an möglichen Meilensteinzahlungen offen. Das ist Kapital, das die Stabilität weiter absichert und gleichzeitig Wachstum finanziert.
Hinzu kommt ein Punkt, über den kaum gesprochen wird: In Europa laufen weiterhin juristische Verfahren rund um alte Impfstoffverträge. Mehrere Staaten der Europäischen Union stehen hier noch in der Verantwortung. Auch daraus könnten weitere milliardenschwere Zahlungen an BioNTech entstehen.
Und jetzt kommt der Punkt, den erstaunlicherweise fast alle Medien außerhalb der Börsenwelt komplett übersehen:
Das Aktienrückkaufprogramm.
BioNTech hat einen Aktienrückkaufrahmen von einer Milliarde beschlossen. Das bedeutet nichts anderes, als dass Aktien aus dem freien Umlauf genommen werden. Weniger frei handelbare Aktien bedeuten bei gleichbleibender oder steigender Nachfrage fast immer steigenden Wert pro Aktie.
Das ist kein Nebensatz, das ist ein klares Signal.
Denn Hand aufs Herz: Welche Firma kauft in dieser Größenordnung eigene Aktien zurück, wenn sie selbst nicht überzeugt ist, dass diese in Zukunft deutlich mehr wert sein werden?
Genau dieses Signal fehlt in fast allen klassischen Medienberichten.
Da frage ich mich manchmal schon mit einem kleinen Schmunzeln: Verstehen viele Redakteure diese Kapitalmarktmechanik nicht oder ist die Schlagzeile über Stellenabbau einfach leichter zu verkaufen als die eigentliche Strategie dahinter?
Dazu kommt eine Pipeline, von der viele Pharmaunternehmen nur träumen können. Über 20 Programme in fortgeschrittenen klinischen Phasen, Fast Track Verfahren in den USA und reale Chancen auf erste Zulassungen in absehbarer Zeit.
Das ist keine Firma im Rückwärtsgang. Das ist eine Firma im Umbau auf die nächste Stufe.
Der Stellenabbau ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern von Fokus. Das hat man bei Meta gesehen. Dort wurden tausende Stellen gestrichen, Visionen korrigiert und Überkapazitäten abgebaut. Die Börse hat es zuerst abgestraft und später verstanden.Und während Stellen abgebaut werden, sucht BioNTech gleichzeitig hunderte neue Fachkräfte in Zukunftsbereichen. Das ist ungefähr so, als würde man beim Hausumbau das alte Dach abdecken und gleichzeitig schon die Solaranlage bestellen. Von außen sieht es chaotisch aus, innen folgt es einem Plan.
Was mich bei vielen Artikeln wundert: Warum wird fast ausschließlich über Entlassungen gesprochen, aber kaum über die wissenschaftliche Substanz, die strategischen Partnerschaften, das Aktienrückkaufprogramm und die klinischen Fortschritte?
Das ist ungefähr so, als würde man bei einem Formel 1 Wagen nur über den Reifenwechsel berichten und den Motor ignorieren.
BioNTech hat bewiesen, dass sie Geschwindigkeit, Wissenschaft und Umsetzung auf Weltklasse-Niveau beherrschen. Keine Firma der modernen Pharmageschichte hat in so kurzer Zeit ein Produkt entwickelt, zugelassen und global skaliert.
Und jetzt passiert das, was viele First Mover irgendwann tun müssen: Sie bauen um, fokussieren sich neu und bereiten den nächsten großen Sprung vor.
Vielleicht lohnt sich der Blick weniger auf die Schlagzeile und mehr auf das, was darunter entsteht.Denn aus meiner Sicht reden wir hier nicht über eine Firma im Niedergang, sondern über eines der innovativsten Unternehmen, die Deutschland aktuell zu bieten hat.
Und vielleicht schreiben wir in ein paar Jahren nicht mehr über Stellenabbau, sondern darüber, wie aus BioNTech einer der wertvollsten Pharmakonzerne Europas geworden ist.