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DRESDNER-BANK-TIPP

Sex ist wichtiger als Reichtum

Von Michael Kröger

Mit einer Empfehlung ganz eigener Art hat James Montier von der Dresdner-Bank-Tochter Kleinwort Wasserstein, seine Kunden überrascht. Sie sollten das Geldverdienen nicht so wichtig nehmen, schreibt der Investmentberater. Der eigentliche Schlüssel zum Lebensglück sei gesunder Schlaf, Erfüllung im Job und Freude am Sex.

London - In seiner achtseitigen Studie setzt sich Montier eingehend mit den Thesen von Adam Smith auseinander. Doch Smith war nicht nur der Begründer der Politischen Ökonomie, sondern auch einer der bedeutendsten Moralphilosophen des 18. Jahrhunderts. Und viele der Thesen, die Smith in seinem Werk "Theorie der ethischen Gefühle" ("Theory of Moral Sentiments") zu Papier brachte, sind aktueller denn je.

In seiner "Theorie der ethischen Gefühle" zeigt Smith, dass "prudence" (Klugheit) - die das ökonomische Handeln bestimmt - nicht das einzige Leitmotiv menschlichen Handelns ist - Montier hakt genau an diesem Punkt ein und entwickelt daraus eine Reihe von Empfehlungen für seine Investoren, die für das persönliche Glücksempfinden wesentlich wichtiger seien, als die Jagd auf die möglichst große Rendite.

Zunächst gelte es, den Besitz von Reichtümern nicht mit Glückseligkeit zu verwechseln. Empirische Untersuchungen hätten gezeigt, dass Menschen sich sehr schnell an ein höheres Einkommensniveau gewöhnen würden. Deshalb sei das Gefühl der Zufriedenheit nie von langer Dauer.

Auch regelmäßiges Innehalten, die kritische Distanz gegenüber sich selbst und die Besinnung auf die eigenen Ziele würden die persönliche Zufriedenheit eher gewährleisten, als Geld. Ausreichend Schlaf und persönliche Fitness schafften die dafür nötigen Grundlagen. Im Job gewinne man mehr, wenn seine persönlichen Interessen und Talenten folge, anstatt nach höchstmöglicher Entlohnung zu streben.

Besonders wichtig, darauf weist Montier hin, sei ein erfülltes Sex-Leben. Für die Steigerung des persönlichen Wohlbefindens gäbe es praktisch keinen Ersatz.

Eine konkrete Anlageempfehlung verbindet Montier mit seinem Strategiepapier nicht. "Ich dachte, es wäre an der Zeit, meine Kunden daran zu erinnern, dass das Leben mehr ist, als täglich auf Bildschirme mit Aktienkursen zu starren".

Natürlich zielt der Anlageexperte mit seinen Empfehlungen keineswegs darauf ab, seine Kunden zu einem Lebenswandel frei von jedweden materiellen Wünschen zu bewegen. Denn auch dem Banker ist klar, dass ein Quäntchen Wohlstand sehr wohl zur Glückseligkeit beitragen kann. "Ich selbst weiß sehr wohl zu schätzen, was es heißt, ein schönes Auto zu fahren, oder in einem komfortablen Haus zu wohnen", sagt Montier. Entscheidend sei nur, dass sich all die erwähnten Elemente im Gleichgewicht befänden.

Der Ort, an dem man leben wolle, sei im Übrigen ein sehr gutes Beispiel. Europäer träumten davon, in Paris, London oder Rom zu leben. Amerikaner ziehe es nach Kalifornien. Doch beim Anblick eines romantischen Sonnenuntergangs am Strand von Los Angeles oder beim Spaziergang durch die Gassen von Montmartre könne Einsamkeit viel schmerzhafter spürbar werden als an weniger romantischen Orten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie, die der Nobelpreisträger Daniel Kahneman zusammen mit seinem Kollegen David Schade erstellt hat. Die Wissenschaftler gingen der Frage nach, ob ein Leben in Kalifornien die Menschen grundsätzlich glücklicher macht. Mit den untersuchten Fallstudien wiesen sie nach, dass auf lange Sicht andere Faktoren viel bedeutender für die persönliche Zufriedenheit sind, als der Ort, an dem man wohnt.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,305310,00.html
 
aus der Diskussion: Sex ist wichtiger als Reichtum
Autor (Datum des Eintrages): Honeymoon  (22.06.04 18:10:55)
Beitrag: 1 von 16 (ID:13504485)
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