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Der Beginn war viel sagend: Die Versteigerung der UMTS-Frequenzen war für 10 Uhr angesetzt. Nach der kurzen Einleitung der Veranstaltung in Mainz durch den Präsidenten der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, begaben sich die autorisierten Abgesandten der Bieter in ihre jeweiligen Räume.

Die Presse wartete gebannt – und nichts passierte. Fast zwei Stunden brauchten die geschulten Unternehmensvertreter, um „grünes Licht“ für den Beginn der ersten Runde der Auktion zu geben. Die Spannung stieg nicht nur in den Räumen in Mainz: Die beiden Server, die die Ergebnisse auch für die Öffentlichkeit verfügbar machen sollen, „schmierten ab“, was angesichts von 5000 Zugriffsversuchen pro Sekunde weniger über die technische Vorbereitung als vielmehr über das unerwartet große Interesse sagt.

Um 12.50 Uhr – nach der maximal zulässigen Bedenkzeit von 40 Minuten – kam dann das mit Spannung erwartete Ergebnis der ersten Runde: Kein Gebot für vier der insgesamt zwölf zu versteigernden Frequenzblöcke! Fünfmal kam nur das Mindestgebot von 100 Millionen Mark pro Frequenzblock, dreimal allein von T-Mobil. Allem Anschein nach wollten die Bonner gleich zu Beginn signalisieren, dass sie sich nicht mit zwei Frequenzblöcken begnügen werden. Für die größte Überraschung sorgte jedoch Mobilcom-Chef Gerhard Schmid: Mit gleich zweimal 501 Millionen Mark machte er klar, dass er keinesfalls ohne UMTS-Lizenz nach Schleswig zurückkehren würde.

Die Runden zwei bis sieben machten dann deutlich, welche Strategie zu Beginn gefahren wird: Bis auf Mobilcom tasten sich die Bieter vorsichtig voran – niedrige Anfangsgebote, kleine Erhöhungen, und gerade mal so viel Aktivität, dass man nicht aus dem Rennen geworfen wird.

Doch das muss nicht so bleiben. Strategiewechsel sind Bestandteil einer klugen Planung. Die ersten Spielzüge werden sorgfältig interpretiert – also kann man damit auch gezielt Verwirrung stiften. Ein Schachspiel ist für Spieler und Zuschauer spannend, weil man die Strategie im Kopf des Gegenspielers nicht kennen kann. Die UMTS-Versteigerung ist noch spannender: Es sind sieben Spieler, und das Brett ist zum Teil verdeckt. Denn lediglich die zwölf höchsten Gebote werden allen Beteiligten zugänglich gemacht.
 
aus der Diskussion: UMTS-Versteigerungsergebnis
Autor (Datum des Eintrages): 2711  (31.07.00 19:07:58)
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