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FEI: Reise nach Angstrom (EuramS)

Die Elektronenmikroskope von FEI sind die Werkzeuge der Nanotechnologie

von Thorsten Schüller

Ein Angstrom ist ziemlich klein. Es mißt einen 100millionstel Zentimeter, man braucht eine Million Stück davon, um die Dicke eines Blatts Papier darzustellen.

Was für unser Gehirn unvorstellbar winzig ist, kann für das menschliche Auge sichtbar gemacht werden. Im holländischen Eindhoven hat sich die FEI Company darauf spezialisiert, mittels Elektronenmikroskopen solch zarte Materialien zu durchleuchten und dabei bis in den Angstrom-Bereich vorzustoßen. In diesen Dimensionen bekommt selbst die Hautzelle der Nase plötzlich ein Gesicht. Tecnai F20 ST Transmission Elektronenmikroskop heißt eine der Supermaschinen des Unternehmens, das seinen Hauptsitz im US-Bundesstaat Oregon hat. "Damit stoßen wir in Bereiche vor, wo wir atomare Strukturen darstellen können", sagt Steven Berger, Chief Operating Officer der seit 1995 börsennotierten Firma. Die Ausflüge in die sogenannte Sub-Angstrom-Welt liefern zudem Bilder bislang ungekannter Qualität. Durch spezielle Linsen vermeidet FEI Verzerrungen, die den Blick durchs Mikroskop bisher vielfach getrübt haben.

Den industriellen Anwendern dieser bis zu mehrere Millionen Euro teuren Apparate eröffnen sich vollkommen neue Möglichkeiten. Die Ionen- und Elektronenstrahlgeräte können atomare Bauteile dreidimensional darstellen, sie erlauben Echtzeit-Beobachtungen bei gleichzeitiger Veränderung der Temperatur oder dem Einfluß chemischer Substanzen. Die strahlenden Spione von FEI haben auch die ersten Ansichten des Sars-Virus geliefert.

Vor allem für Nanotechnologie-Unternehmen werden die Maschinen immer wichtiger. "Wir bauen die Apparate, die diese wachsende Branche braucht", sagt Vahe Sarkassian, Vorstands-Chef von FEI. Zu den Anwendern zählen Biotech- und Pharmafirmen, Forschungsinstitute oder die Chiphersteller Infineon und AMD. Durch die hochauflösenden Einblicke in das Innenleben ihrer Chips können sie feststellen, ob und wo die Bauteile Defekte haben. Das wiederum beschleunigt die Produktion. "Mit Hilfe unserer Mikroskope können die Unternehmen die Zeit bis zur Markteinführung deutlich reduzieren", betont Berger. "Außerdem müssen sie weniger Probemodelle herstellen, auch die Zahl der Testreihen sinkt deutlich."

Trifft die Erwartung von Marktbeobachtern zu, stehen der Nanotechnologie und damit auch FEI glänzende Zeiten bevor. "Wir glauben, daß dies die nächste große technologische Welle ist", sagt Steve Jurvetson, Managing Director der Venture-Capital-Firma Draper Fisher Jurvetson. Während vor ein, zwei Jahren um diese Technologie noch ein regelrechter Hype aufgebaut wurde und selbst die Kurse verlustreicher Firmen in die Höhe schossen, scheint nun Rationalität einzukehren.

Die Branche ist dabei, sich den Weg aus den Labors auf die Märkte zu bahnen. Forscher arbeiten an hocheffizienten Nanotech-Medikamenten, Nanotech-Golfbälle sollen künftig unbeirrt ihre Flugbahn ziehen, und von Nanotech-Autoscheiben soll das Wasser abperlen, ohne daß ein Wischer nachhelfen muß. Mike Roco, Chef der US-amerikanischen National Nanotechnology Initiative: "Die gesamte Halbleiterindustrie wird innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht mehr ohne Nanotechnologie auskommen."

Doch obwohl die Branche das Laufen lernt, will ein Investment nach wie vor gut überlegt sein. Laut Research-Spezialistin Maria Custer von Credit Suisse haben Anleger im Grunde nur die Wahl zwischen kleinen Nanotechnologie-Firmen, die ein hohes Risiko in sich bergen. Oder sie setzen auf etablierte Konzerne, deren Nanotech-Geschäfte in Relation zum Gesamterlös oft schwer meßbar sind.

Unternehmen wie FEI bieten da eine interessante Alternative. Als einer von vier führenden Produzenten von Elektronenmikroskopen – neben Carl Zeiss, Hitachi und der japanischen Jeol – ist FEI selbst zwar kein Nanotechnologie-Spezialist. Weil die Apparate aber für viele Nanotech-Firmen wichtiges Arbeitswerkzeug sind, profitiert das Unternehmen vom Potential der Branche.

Die technologische Sonderstellung des Unternehmens schlägt sich auch in der Bilanz nieder. 2004 erwirtschaftete FEI einen Rekordumsatz von 466 Millionen Dollar, der Gewinn summierte sich auf 16,6 Millionen Dollar. "Vor allem die Ergebnisse des vierten Quartals 2004 übertrafen bei weitem unsere Planungen", sagt FEI-Boß Sarkassian.

Um den Schwung zu halten, hat das Unternehmen 2004 in Eindhoven den NanoPort gegründet, ein Produktions- und Anwendungszentrum, in dem FEI-Entwickler und externe Forscher technische Herausforderungen meistern sollen. Darüber hinaus arbeitet FEI kontinuierlich an neuen Produkten. Erst Anfang März gab das Unternehmen die Markteinführung eines Elektronenmikroskops bekannt, das Forschern noch tiefere Einblicke in die Welt der Miniaturen ermöglichen soll. FEI-Boß Sarkassian: "Wir stehen erst am Vorabend der Nanotechnologie-Ära."
 
aus der Diskussion: ■■■ TRADING-CAFÉ ● März 2005 ● Kalenderwoche 11 ■■■
Autor (Datum des Eintrages): HSM  (13.03.05 11:37:49)
Beitrag: 32 von 1,261 (ID:16077975)
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