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Politiker fordern bezahlbare Flatrate
Samstag, den
02.09.00 15:51


aus den Bereichen Telcos, Provider, Internet / WWW



Kaum sind sie in Deutschland eingeführt, da scheint auch schon das Ende
der Flatrates in Deutschland bevorzustehen. Doch diesmal scheint sich die
Öffentlichkeit, scheinen sich Politiker und die betroffenen Unternehmen nicht
mehr mit der Rolle des Zuschauers begnügen zu wollen. So scheint sich
nach CDU-Internetsprecher Thomas Heimann auch FDP-Chef Dr. Wolfgang
Gerhardt plötzlich darauf zu besinnen, daß User und Internet Provider auch
Wähler sind, denn er fordert fordert verbesserte Rahmenbedingungen fuer
Internetprovider.

Gerhardt wörtlich: "Flaschenhälse und Hürden für den Zugang zum Internet
müssen aus dem Weg geräumt werden!" Gerhardt ist seit neustem Mitglied
der vor wenigen Wochen gegründeten Internetkoalition für eine
Großhandelsflatrate in Deutschland. Die vor acht Wochen von Vertretern der
deutschen Internetwirtschaft gegründeten Vereinigung setzt sich für einen
pauschalen Einkauf von Ortsnetzkapazitäten für alle
Internet-Service-Provider ein.

"Wir müssen uns verabschieden von der alten Telefonwelt. Deutschland
braucht neue Tarife für ein neues Medium", forderte der liberale Politiker vor
dem Besuch der Online-Sendung AOL Live! "Centerstage" bei AOL
Deutschland. Ziel der Koalition ist eine spürbare Senkung der Internetkosten
durch eine Weitergabe kalkulierbarer Großhandelspreise von der Deutschen
Telekom an die Wettbewerber.

Noch immer verhindern die derzeitigen Abrechnungsstrukturen zwischen der
Deutschen Telekom und den Providern in Deutschland die Einführung einer
für die Unternehmen wirtschaftlichen und für die Endverbrauchern preislich
akzeptablen Flatrate. Der Grund: Die bisherige Minutentaktung für die
Provider macht die Flatrate für diese Anbieter zu einem unkalkulierbaren
Risiko. Das Uhrenticken während der Nutzung der Telekom-Ortsnetze
gleicht für viele Unternehmen dem Ticken einer Zeitbombe, die die eigene
Wirtschaftlichkeit sprengt. Nur die Einführung einer Großhandelsflatrate -
dabei zahlen die Provider einen Pauschalpreis für Netzkapazitäten an die
Deutsche Telekom - kann dieses Risiko aus dem Weg räumen.

"Wenn die Provider nicht bald selbst pauschal Ortsnetzkapazitäten von der
Deutschen Telekom einkaufen können, werden erschwingliche Flatrates in
Deutschland eine Utopie bleiben," so Gerhardt, "Eine Flatrate auf der Basis
eines minutenbasierten Einkaufs anbieten zu wollen, bedeutet gerade für
den Mittelbau der deutschen Provider den sicheren Ruin." Zu dem Beitritt
von Wolfgang Gerhardt erklärt der Vorsitzende der Geschäftsführung von
AOL Deutschland, Uwe Heddendorp: "Eine Flatrate auf der
Großhandelsebene wird mit darüber entscheiden, welches Land den
Wettlauf um die europäische Spitzenstellung im Internet gewinnen wird.
Daher wäre Deutschland gut beraten, sich endlich mit aller Kraft und einem
geeigneten Wettbewerbsrahmen daran zu beteiligen."

Deutschland hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt und will durch die "New
Economy" einen deutlichen Beschäftigungszuwachs und hohe
Produktivitätsraten erzielen. Noch aber liegen die Zugangskosten zum
Internet in Deutschland deutlich höher als der OECD-Durchschnitt. "Die
Internetkoalition macht zu Recht auf dieses Innovationshemmnis
aufmerksam, zu dessen Überwindung auch die Politik aktiv beitragen
muss", so Wolfgang Gerhardt.

Nach Ansicht der Internet-Experten sollte sich die Regulierungsbehörde die
Beispiele Großbritannien und Niederlande zum Vorbild nehmen und die
Gewährung von pauschalen Großhandelspreisen überprüfen. In beiden
Nachbarstaaten müssen die ehemaligen Monopolisten seit Neuestem
konkurrierenden Wettbewerbern den Zugang zum Ortsnetz auf der Basis
einer Großhandelsflatrate gewähren - ein Schritt, der erschwingliche
Internetkosten unmittelbar zur Folge hat.

Der Sprecher der Initiative "Internet ohne Taktung", Philipp Sudholt, freut
sich über den Beitritt von Wolfgang Gerhardt. Mit Gerhardt habe die
Internetkoalition erneut einen engagierten Mitstreiter aus der Politik
gefunden. In der Koalition könnten Vertreter von Verbrauchern, Politik,
Wirtschaft und Wissenschaft ihre Aktivitäten zugunsten einer Änderung der
für den deutschen Telekommunikationsmarkt politisch und wirtschaftlich
relevanten Rahmenbedingungen wirkungsvoll bündeln, so Sudholt.
Außerdem werde sie wertvolle Anregungen für die weitere Entwicklung von
Internet und E-Commerce in Deutschland geben können.

In der Koalition, die sich auf Anregung der Bürgerinitiative "Internet ohne
Taktung" kürzlich in Berlin gegründet hat, sind bislang die
Internet-Service-Provider AOL Deutschland und freenet.de AG, das
Start-up-Unternehmen dooyoo.de, das Europäische Institut für Internationale
Wirtschaftsbeziehungen der Universität Potsdam (EIIW) sowie SPD und
CDU vertreten. Die Koalition engagiert sich für eCommerce freundlichere
Bedingungen in Deutschland und setzt sich insbesondere für eine
Großhandelsflatrate ein, damit sich das Internet hierzulande tatsächlich zu
einem Massenmedium entwickeln kann.

Kommentar:
Es scheint sich etwas zu tun in Sachen Internet und Flatrate. Offenbar sind
die Politiker endlich aufgewacht und versuchen nun die Versäumnisse der
Vergangenheit ungeschehen zu machen. Natürlich ist hier auch ein gutes
Stück Eigeninteresse und Selbstprofilierung mit im Spiel, denn die nächste
Wahl kommt bestimmt. Aber man sollte hier auch den Druck der Wirtschaft
und Medien nicht vergessen, die ebenfalls großes Interesse an verbilligten
Zugängen ins Internet haben. E-Commerce ist hier ein großes Thema, denn
gerade in diesem Bereich verspricht man sich neue Einnahmequellen.

Nun wird ein Surfer der monatlich hunderte von Mark für seinen
Internetzugang ausgeben muß aber kein großes Interesse mehr haben,
auch noch Online einzukaufen, daher ist die Absicht der Anbieter klar und
nachvollziehbar. In der Tat solle sich Deutschland endlich vom überholten
Modell der minutenabhängigen Gebührenmodelle verabschieden. Obwohl die
Zukunft des Internet nicht mehr im telefonischen Zugang liegen wird, so wird
die analoge oder auch digitale Einwahl noch eine Zeitlang parallel zu den
neuen Breitbandtechniken wie xDSL, TV-Kabel oder Funk bestehen, die ja
nicht dem minutenabhängigen Modell unterliegen. Und genau für diese Zeit
gilt es verbesserte Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Pleiten wie
die von Surf1, oder Massenkündigungen wie bei anderen Flatrate-Providern
nicht wiederholen.

(rsi)


......aufgeschnappt auf http://www.onlinekosten.de

CB

http://www.kabelinfo.de
 
aus der Diskussion: PRIMACOM Thread 84
Autor (Datum des Eintrages): Cyberbob  (03.09.00 13:09:42)
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