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aus dem SMAX/Nebenwerte-Board zur Aktie
DTA Digitale Telekabel AG entnommen:



von Kabelkenner 08.09.00 14:02:17
betrifft Aktie: DTA DIG. TELEK. DM 5 ADR

Hallo an Alle!


In der gestrigen Ausgabe des Tele-Börsenhefts ist ein hochinteressanter Artikel zur Telekom mit dem Titel Der Kabel-Schatz zu finden, daraus hier ein paar Auszüge:



Im Frühjahr 1999 kündigte Telekom-Chef Ron Sommer an, das telekom-eigene Fernsehkabelnetz in neun Regional-Teile zu zerlegen und den größten Teil zu verkaufen.

Seit eineinhalb Jahren laufen Verhandlungen mit Interessenten wie Callahan, Deutsche Bank, Klesch, Primacom, TSS, UPC und einer weiteren Heerschar von Finanzinvestoren.

In den nächsten Tagen soll jetzt endlich ein Agreement mit Callahan unterzeichnet werden: Die US-Amerikaner überneehmen für 2,3 Milliarden Euro 55 Prozent des nordrhein-westfälischen Kabelnetzes, die Telekom bleibt mit einem Anteil von 45 Prozent im Hintergrund.

Noch in diesem Jahr soll, ebenfalls mit Callahan, das Kabelnetz Baden-Württemberg ausgegliedert werden. Gleichfalls entschieden scheint, dass der Finanzinvestor Klesch in Hessen zum Zuge kommt.

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Analysten wie Holger Grawe bei WestLB-Panmure für Telekommunikationswerte zuständig, kalkulieren bisher in ihren Untersuchungen mit 15 Milliarden fürs Kabelnetz. Allerdings werden
in den nächsten Wochen erstmals konkrete Zahlen über die Wertansätze bei den Ausgliederungen bekannt, so dass die Analysten ihre Bewertungen erheblich nach oben korrigieren müssen.

Bei der ersten Ausgliederung, dem NRW-Kabelnetz, hat Ron Sommer offensichtlich gut verhandlet: Callahan sind 55 Prozent der Anteile 2,3 Milliarden Euro wert - im Klartext: Durch die Ausgliederung und rechtliche Verselbständigung des NRW-Kabelnetzes realisiert die Telekom einen Shareholder Value von 4,2 Milliarden Euro.

Das bundesweite Kabelnetz ist sechsmal so groß wie das NRW-Kabelnetz. Fachleute rechnen damit, dass bei kompletter Ausgliederung und den anstehenden Teilverkäufen der Shareholder Value der Telekom um rund 25 Milliarden Euro steigt.

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Die Schätzungen, welchen Wert ein Kabel-Kunde haben wird, gehen noch weit auseinander. Konservative Rechnungen sprechen dem Kabelnetz ein Potenzial von 1.000 bis 2.000 Euro je Kunde zu, in den USA stieg die Bewertung pro Kabelkunde zeitweise auf 5.000 Euro (Comcast, Media One), in Großbrittanien gar auf knapp 10.000 Euro (Telewest, CWC). Umgesetzt auf die deutsche Kabellandschaft reicht der Wertansatz des Telekom-Kabelneztes demnach von knapp 40 bis über 100 Milliarden Euro.

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Kannibalisierung: Nach Ausbau der Kabelnezte können die Kunden darüber telefonieren. Die Telekom unterminiert, wenn sie mit dem Ausbau die Fernsehkabel rückkanalfähig macht, ihr eigenes Kerngeschäft. Die Kabel-Blockade Mitte der 90er Jahre hatte vor allem auch dieses Motiv. Mittlerweile hat Sommer umgeschwenkt, weil klar wurde, dass der Ausbau auf lange Frist nicht zu verhindern ist. Seit Mitte vergangenen Jahres gilt denn auch telekom-intern das Motto: kannibalisiere dich selbst, bevor es andere tun.

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Kabelkonkurrenz: Die Telekom beherrscht zwar zu neunzig Prozent die zentralen Kabelstränge. Auf der sogenannten Netzebene IV, wo es um den direkten Anschluss beim Endkunden geht, konkurriert sie mit zahlreichen anderen Kabelgesellschaften - die Telekom erreicht direkt nur 6,2 Millionen Kabelkunden. Den direkten Zugang zum Endkunden braucht die Telekom aber für ihr zukünftiges Schlüsselinstrument, die Set-Top-Box, sozusagen der multimediale Steuerknüppel. Um ihn profitabel einsetzen zu können, muss die Telekom-Tochter MSG direkt mit den Kunden abrechnen. Wie schwer eine Einigung mit den Kabel-Zwergen zu erreichen ist, bekommt die Telekom gerade in Berlin zu spüren. Die Bundeshauptstadt soll komplett in Telekom-Hand belieben, so dass der Ausbau rasch erfolgen könnte. Bei rund Hunderttausend Kabelhaushalten beharren bisher die lokalen Kabelverteiler auf eine eigene Abrechnung mit dem Endkunden. Die Gegenstrategie aus Bonn: In den internen Unterlagen heißt es dazu Übernahme der Netzebene IV. Aber da andere kapitalkräftige Konzerne die Schlüsselrolle der Kabelbetreiber erkannt haben, ist hier der Markt heiß umkämpft. Vor allem bei der zweitgrößten deutschen Kabelnetz-Gesellschaft Telecolumbus fliegen zur Zeit die Fetzen. Die Deutsche Bank hatte Telecolumbus von Otelo gekauft, während sie angeblich gleichzeitig den Kabelkonzern UPC beim Telecolumbus-Kauf beraten sollte.UPC fordert vor einem Londoner Gericht die Herausgabe von Telecolumbus oder Schadensersatz in Milliardenhöhe. Die Deutsche Bank hat andererseeits für Telecolumbus Kaufangebote für eineinhalb Milliarden Euro von anderen Kabelkonzernen. Noch wichtiger für die Deutschbänker ist allerdings, dass bei einem Verkauf an Calahan die DB Investor doch noch irgendwie mit ins Kabelboot kommt: Zumindest beim bayrischen Konsortium dürfte dann Platz für eine Beteiligung sein.

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In Nordrhein-Westfalen soll die Aufrüstung der Kabelhaushalte rasch über die Bühne gehen: Bis zum Frühjahr werden in Düsseldorf mit Motorola-Technologie rund 100.000 Haushalte multimedia-tauglich. In den nächsten Wochen soll zudem ein von Nortel DASA und Siemens angeführtes Konsortium damit beginnen, für eine halbe Milliarde Euro ganz Nordrhein-Westfalen mit High-Speed-Anschlüssen zu beglücken. Ende 2001 sollen die ersten Callahan - oder vielleicht doch die ersten Telekom-Produkte - übers NRW-Kabelnetz laufen.

ZIEL BÖRSE - Für Ende 2002 steht dann die Krönung des Masterplans an: Börsengang von Callahan NRW, bei dem ein Teil des generierten Shareholder Values realisiert werden soll. Dann wäre der NRW-Ableger, wenn die Telekom-Pläne Wirklichkeit werden, mindestens zehn Milliarden Euro wert.

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Partnerwahl bei der Telekom: Im Vorstandspapier der Telekom wird gefordert, dass UPC ausgebremst und Callahan gefördert wird:

Eine Minderheitsbeteiligung an Callahan oder deren Muttergesellschaft ist anzustreben. Callahan sollte beim Verkauf einzelner Kabelnezte in Deutschland bevorzugt werden. UPC sollte komplett herausgehalten werden, da es nicht erworben werden kann. Die Deutsche Telekom sollte Callahan beim Kauf von Telecolumbus unterstützen. Die Duetsche Telekom sollte Callahan bei der NE4-Integration in D unterstützen. Eine Beteiligung an Callahan durch die Deutsche Telekom ist zu erwägen. Bei einem späteren IPO kann somit profitiert werden.

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Soviel fürs erste; werde, wenn zeitlich möglich, ein paar Kommentare meinerseits, insbesondere zur besonderen Situation der Digitalen Telekabel AG, hierzu posten.


Kabelkenner
 
aus der Diskussion: PRIMACOM Thread 84
Autor (Datum des Eintrages): Kabelkenner  (08.09.00 14:14:50)
Beitrag: 48 von 117 (ID:1779712)
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