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Guten Abend.

Es ist an der Zeit, auf Eure Beiträge einzugehen.
Meine Antworten sind Euren Texten in Fettschrift eingeschoben.

von VINCAM 29.11.00 21:53:08 3812270638 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

Hallo glaubnichtalles,
natürlich kann ich mit der Metapher etwas anfangen, auch ich
bin ein "Landei" mit Leidenschaft, habe allerdings selbst
nichts mit Landwirtschaft am Hut.
Das eine ganz besondere Verbundenheit Deines Berufsstandes
zum Land und der Tätigkeit die Ihr ausführt besteht
kann ich aus eigenen Erfahrungen nachvollziehen.
Mir stellt sich halt nur die Frage ob
der Gegenwärtige Zeitpunkt nicht für die meisten Landwirte
schon zu spät gewählt ist um mit einem Umdenken und
vielleicht auch umstrukturieren zu beginnen.

Du kannst einen Landwirtschaftlichen Betrieb nicht mit einem Industriebetrieb vergleichen, der sich von heute auf morgen umstrukturieren kann. Von der Grundlage zu einem Produkt bis zu seiner Fertigstellung vergehen in der Natur eben längere Zeiträume

Ich habe lediglich versucht
die ganze Lage, vielleicht nicht ganz korrekt, unter
wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen.
Ich verfolge das Posting weiter..
Gruß

VINCAM

von ProMaiLer 29.11.00 22:40:57 3812270996 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

glaubnichtalles, ich glaub dir ja, das du ein ehrlicher bauer bist.
Danke!
aber andere leute Wer? haben dreck am stecken, und davon gewaltig. heute zählt doch nurnoch profit, profit und nochmals profit. Du kannst damit keine Landwirte meinen!
Das Durchschnittseinkommen der Landwirte liegt um 1/3 unter dem gewerblichen Vergleichslohn und dafür werden 60/Std pro Woche, in der Ernte nicht selten über 80, gearbeitet.
Was denkst Du, wieso immer mehr Landwirte aufhören? Weil sie zuviel verdienen? Oder weil sie so ein schönes Leben haben? Oder weil sie soviel Anerkennung von der Bevölkerung haben? Man sollte sich lieber fragen, wieso manche Landwirte trotzdem weitermachen. Wir sehen unseren Beruf noch als "Berufung". Glaub mir, mir würde es erheblich besser gehen, wenn ich alles an den Nagel hängen würde.
Außerdem finde ich es schon ein bißchen paradox, wenn sich Teilnehmer eines Börsendiskussionsforums über Profitsucht aufregen!


wären die menschen nicht so scheiß gierig, wäre alles so schön auf unserem planeten.

heute hab ich gelesen, durch den BSE skandal sind 10.000 arbeitsplätze gefährdet. ich frage, wen interessiert das?!?
erzähl das mal jemanden, der wegen der scheiß profitgier an BSE stirbt. was soll der noch dazu sagen?
"oh ja, das will ich echt nicht. ist eben blöd gelaufen, pech" *LOL*

pm

von mroth 29.11.00 22:55:29 3812271125 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

@glaubnichtalles:

Falsch ist: "Doch die haben kein BSE." (Schweine und Hühner an die Tiermehl verfüttert wurde)

Richtig ist: Bei Schweinen und Hühner konnte noch kein BSE nachgewiesen werden. Schöne Wortspielereien! Bravo! Auf dem Mond konnte kein Leben nachgewiesen werden, trotzdem wäre es also vermessen, zu sagen: Auf dem Mond gibts kein Leben!

In diesem Zusammenhang nöchte ich noch auf folgendes wichtige Detail hinweisen: BSE konnte bis jetzt an Rindern frühesten ab ca. 20 bis 24 Monaten nachgewiesen werden. (In der Schweiz war glaub das jüngste 20 Monate alt). Das Problem dabei ist eben, daß bei jüngeren Tieren die jetzigen chemischen Tests nicht ansprechen können da die Masse an Erregern zu gering ist. D.h. mit den jetzigen Tests kann eine Infektion nicht ausgeschlossen werden, sondern nur der Beweis erbracht werden, daß wenn ein Test Positiv ist, dieses Rind definitiv mit BSE Prionen verseucht ist. das heißt also, daß alles, was nicht ausgeschlosssen werden kann, trotzdem wahrscheinlich ist? Bei den Schweinen und den Hühner ist dann vermutlich das Problem, daß die Tiere nicht alt genug werden um genügen Prionen "anzureichern". Eine Zuchtsau kann durchaus 5 Jahre oder noch älter werden, Hühner allerdings nicht, da geb ich Dir recht! Bei Kälber übrigens genau das gleiche Problem. Die könnten BSE Erreger aufgenommen haben, aber das läßt sich zum Schlachtzeitpunkt momentan einfach nicht nachweisen.

Daher ist der Schluß, daß Kälber, Schweine und Hühner sich nicht mit BSE anstecken können nicht zu beweisen und reine Spekulation. (Jetziger Forschungsstand)

Desweiteren: Der Übertragungsweg der Infektion ist nicht wirklich bekannt. Richtig ist, daß man weiß, daß Hirn und Rückenmark die BSE-Prionen übertragen (nachgewiesen in Versuchen). Und genau aus diesem Grund müssen in Deutschland genau diese Organe und noch mehr nach der Schlachtung als sogenanntes "Risikomaterial" getrennt entsorgt werden, gelangen also nicht ins Tiermehl. Richtig ist auch, daß mit Muskelfleisch und mit Milch bis jetzt keine Übertragung gelungen ist. Wie ich unsere ehrgeizigen Forscher kenne, werden sie auch noch Wege finden, daß ihnen auch DAS im Labor gelingt! Dabei ist aber weiter ungeklärt, wie sich die Rinder auf der Weide anstecken. nicht "wie", sondern "ob"! Du suggerierst hier, "daß" sie sich auf der Weide anstecken! Ungeklärt ist in diesem Zusammenhang auch, warum oft nur ein paar wenige Rinder in einer Herde an BSE erkranken, und beim Rest der Herde keine Erreger nachweisebar sind. Kurzum: Der Übertragungsweg von Rind A nach B ist ungeklärt. Auch wie der Erreger beim Mensch durch die verschiedenen Barrieren durchkommt, ist ungeklärt.

Noch ein Problem: Bei der Traberkrankheit (vermutlich das Äquivalent zu BSE, aber noch nicht sicher) Das wiederum ist so gut wie sicher. Die meisten Experten gehen davon aus, daß sich die britischen BSE- Rinder durch an "Traberkranke" Schafe im Tiermehl infiziert haben ist beobachtet worden, daß auf einer Weidefläche auf der von erkranten Schafen auch bis zu 5 Jahre später andere Schafe wiederrum an der Traberkrankheit erkrankt sind. D.h. es könnte sich herausstellen, daß sich evtl. auch BSE über den Boden weiterverbreiten kann (alles noch am Anfang der Untersuchungen).

In diesem Zusammenhang lässt sich übrigens auch nicht folgern, daß ökologisch gehalte Rinder nicht an BSE erkranken können da die Übertragungswege nicht hinreichend verstanden und bekannt sind. Was bitteschön unterscheidet "ökologisch" gehaltene Rinder bezüglich ihrer Anfälligkeit überhaupt von konventionellen? Komm mir bloß nicht schon wieder mit Tiermehlfütterung. Diese wird in den konventionellen Betrieben genausowenig praktiziert. Vor schwarzen Schafen ist man allerdings nirgends sicher, auch nicht bei den Ökologischen Landwirten. Man erinnere sich nur an "Cindy", unser erstes BSE-Rind in Deutschland. Aufgewachsen angeblich auf einem Biobetrieb, und nachträglich stellte sich heraus, daß es ein eingedeutschtes britisches Importrind mit gefälschten Papieren war!

Weiter: Wie weiter oben schon mal erläutert, ist die Inkubationszeit bei BSE und/oder der neuen Form der Creuzfeld-Jackobs-Krankheit völlig unbekannt. Auch sind die Q-Faktoren unbekannt noch die lethale Dosis von BSE-Prionen.

Richtig ist, 1992 war in Königreich der Höhepunkt der BSE-Epidemie. Heute sind BSE-Fälle bei Rindern in England selten (oder gar nicht mehr existent? weiß ich nicht genau). Man weiß nun nicht, ob die heutigen 80 Todesfälle in England sich zur Anfangszeit der Epidemie angesteckt haben (so 1985), oder auf dem Höhepunkt der Epidemie (1992). Man weiß es schlichtweg nicht. Jede mutmaßungen darüber sind unseriös. Wenn die Inkubitationszeit 15 Jahre wären (also 1985 angesteckt), wäre das sehr fatal. Wenn sie nur 7 Jahre wäre (1992, Höhepunkt in England) wäre das super, dann wäre die ganze Sache nicht so gefährlich. Aber wie gesagt, man weiß es einfach nicht, wann sich die heutigen nCJK Patienten infiziert haben.


Wenn ich das Zusammenfasse: Mit einer hoher Wahrscheinlichkeit ist BSE der Auslöser der nCJK (gleiche strukturellen Zerstörungen im Gehirn, gleiche Eiweisse). Man kennt aber die Folgen der nCJK, nämlich absolut tödlich, momentan unheilbar. Unklar sind im Prinzip alle Parameter bezüglich der Qualität und Quantität der Übertragung der Prionen von Rind auf Mensch. Nur, daß es diesen Übertragunsweg gibt, scheint sicher zu sein. Also, meine konsequenz? Ich essen schon seit Jahren nicht mehr viel Fleisch. Seit letzter Woche esse ich erstmal überhaupt kein Fleisch mehr. Weder Rind, Schwein, noch Geflügel. Das werde ich die nächsten Wochen und vermutlich die nächsten 2 Jahre auch so machen. Vielleicht mal wieder Muskelfleisch vom Bauern vor Ort. Aber die nächsten 2 Monate sicher nicht. Erstmal muß sich bezüglich Fütterung und Umgang mit diesem Problem etwas ändern.

Im übrigen: Menschlich habe ich für die Raktionen der Bauern zwar verständnis, aber kein Mitleid: Die Fleischindustrie in Deutschland hätte in den vergangnen Jahren genügend Zeit gehabt, ein qualitativ hochweriges Testverfahren flächendeckend einzuführen, Qualitätskontrollmechanismen einzuführen bei dem der Kunde zweifelsfrei nachvollziehen und auch bei Bedarf überprüfen könnte, von welchem Rind sein Fleisch kommt, wo das Rind überall war, wo geschlachtet, was es zu fressen bekommen hat usw. Eben ein Qualitätsmanagement. Das hat die Industrie einschliesslich der Bauern nicht getan. Oh Mann, Du suggerierst hier absoluten Durchblick, und bist jetzt doch in ein gewaltiges Fettnäpfchen getreten! Seit vielen Jahren muß in der EU jedes Rind ab Geburt registriert und markiert werden. Wobei auf der Ohrenmarke das Geburtsland eingeprägt ist. Selbstverständlich kann man mit genügend krimineller Energie auch das umgehen, aber in welchem Bereich unseres Lebens kann man das nicht? Die Vorschriften dazu haben sich laufend verschärft! Heutiger Stand: (Seit 1999) Die Markierung hat bis zum 3. Lebenstag zu erfolgen. Jeder Zugang (Geburt, Zukauf, Pensionsweidegang) und Abgang (Verkauf zum Schlachten, zur Weitermast, zur Zucht, Verendung, Hausschlachtung, Verbringen auf Pensionsweiden, ja selbst die zeitweilige Abwesenheit der Tiere vom Hof bei Viehschauen) muß innerhalb von 8 Tagen an den Zentralcomputer in München gemeldet werden ! Die Ohrmarken haben einen Barcode, der es ermöglicht, das Fleisch zu etikettieren und dem Kunden die Möglichkeit zu geben, den Weg des Tieres bis zur Geburt zurückzuverfolgen. Die Bauern haben dies bewerkstelligt, Stunden unserer Zeit gehen allein für diese Registratursarbeiten drauf! Es gibt in ganz Deutschland Qualitätsprogramme. So zum Beispiel das HQZ-Zeichen in Baden Württemberg, nach dessen Richtlinien ich produziere.
HQZ verbietet den Einsatz von Tiermehl übrigens auch in der schweine - und Hühnerhaltung! Die Betriebe unterwerfen sich einer ständigen Kontrolle
Die Priorität war IMHO die Sache möglichst schnell zu Verdrängen. Nun kommt der Boomerang. Und das finde ich gut so. Denn nur der finanzielle Druck wird signifikante Bewegungen bezüglich des Qualitätsmanagement und der Sensibilität erzeugen. Freiwillig passiert da offensichtlich gar nichts.

Warum wird denn noch immer Tiermehl verfüttert (Schweine, Geflügel). Warum nicht Tiermehl generell verbrennen? Klar, die Kosten! Der Leiter einer der größten Tiermehlfabriken sagte in einem Interview, daß es ihm nichts ausmache, wenn Tiermehl in der EU verboten wird, da sowieso schon 90% in den Osten gingen! Da kommt übrigens schönes billiges lecker Fleisch rüber, aus dem Ostblock!! Keine Frage am Rande: Was wäre denn billiger gewesen? Ein vernüftigs System zu etablieren zu dem der Verbraucher vertrauen hat, welches sehr schwer zu manipulieren ist und welches transparent für den Verbraucher ist, oder jetzt innerhalb kurzer Zeit die Signifikanten Veränderungen im System und der Verbraucher ist (gerechtfertigerweise) auf lange Zeit verunsichert?!?!

Wer Fleisch essen will, kann es gerne tun. Aber diesen Dreck Dreck??? Hast Du Dir dieses Wort gut überlegt? den es momentan bei uns gibt, den soll fressen wer will. Ich tue das erst wieder, wenn sich bezüglich der Methoden einiges geändert hat! Und ich habe sehr gerne Fleisch gegessen. Aber das Risiko ist für mich momentan deutlich zu hoch. Denn nCJK ist absolut tödlich!

von ProMaiLer 29.11.00 23:15:28 3812271286 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

also, bei hamstern ist das erregerprion durch die nerven in der darmwand gelangt, hat sich durch das rückenmark hoch zum gehirn gearbeitet und getötet.

es gibt ja auch die vermutung, dass die anfälligkeit für das BSE prion beim menschen genetisch bedingt ist.
warum sollte das bei kühen anders sein?

so, eine andere schlimme sache: heute in der wirtschaftswoche steht dazu, das es durchaus möglich ist, das sich die tiere durch verseuchtes gras anstecken.
wenn das so ist, gelangt der erreger auch mit hoher wahrscheinlichkeit ins grundwasser. schöne scheiße! Da gibts nur eins: Wandere aus!

naja, und was haben die engländer vor ein paar jahren gemacht, als die ihren genzen rinderbestand getötet und verbrannt haben?
na klar, da waren einige ganz schlaue dabei und haben die asche der tiere als dünger verwendet, obwohl der erreger das feuer sehr wahrscheinlich überlebt hat. Folglich muß alle Tierasche nach Gorleben zum Atommüll! Und nur in Castor-Behältern!

ich sag euch was, die menschen sind so bescheuert, Anmerkung: die lassen sich so schnell verrückt machen sie haben es ja garnicht anders verdient!!!

gruß
pm

von DerHabicht 30.11.00 01:32:00 3812271866 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

@glaubnichtalles
Ökologischer Landbau wurde (und wird teilweise heute noch) von vielen, auch sogenannten "ehrlichen" Bauern als
"Spinnerei" abgetan. Die Masse der "ökologischen" und "konventionellen" Landwirte haben überhaupt keine Probleme miteinander!!
Ich habe mir die Postings von Dir sorgfältig durchgelesen, und ich gehe schon davon aus, daß Du zu den ehrlichen
Vertretern der Landwirtschaft zu rechnen bist.
Leider mußte ich jedoch festellen, daß Du die Massentierhaltung verteidigst, ???? Wo hab ich das? Massentierhaltung kann man unterschiedlich definieren. Für unseren Freund Berad z.B. ist alles Massentierhaltung, was sich in Ställen befindet und nicht für ihn jagbar draußen rumspringt! "Nicht artgerecht" wird bei weiter Auslegung jedes Haustier, ob Hund, Katze, Kanarienvogel, Aquariumfisch oder Pferd gehalten. Selbt die Wildtiere sind vom Menschen in ihrer Entfaltung eingeschränkt! In der Natur findet niemals eine Überpopulation statt, die regelt sich normalerweise selbst wieder ein. Eine Ausnahme macht der Mensch, der seine Intelligenz dazu nutzte, sich ungehemmt zu vermehren und natürliche Feinde, wie Krankheiten oder Hungersnot zu besiegen. Jetzt sind wir 6 Milliarden Menschen und haben den Salat! indem Du das Defizit der landwirtschaftlichen
Fläche als Argument anführst. Das Defizit herrscht bei uns, aber wir haben die Möglichkeit, überall auf der Welt einzukaufen und hier her zu transportieren. Unserer deutschen Umwelt zuliebe! Was woanders ist, geht uns nichts an!
Tierhaltung ist grundsätzlich von der landwitschaftlichen Fläche abhängig, sei es, daß wir die heimische Fläche für
die Futterproduktion nutzen, oder fremde Flächen, indem wir das Futter importieren.
Jede zusätzliche (kleinere) Produktionssteigerung macht die Tierhaltung zur Quälerei, zu enge Käfige--- Tiere
verbrauchen weniger Energie---- , artfremdes Futter etc.
Es besteht also überhaupt kein Grund, eine flächenmäßig überproportionale Mindeststückzahl an Rindern, Schweinen,
und Geflügel hier im eigenen Lande zu erreichen, wenn das Futter sowieso importiert werden muß.
Insofern bietet sich der ökologische Landbau doch an. Hä??? Ökologischer Landbau funktioniert nicht mit importiertem Futter! Das ist dort nicht erlaubt. Die Eigenversorgung würde noch viel geringer ausfallen und es würde eine Zweiklassengesellschaft geschaffen! Die einen, welche sich diese Produkte leisten können und die anderen, die auf billige importierte Nahrungsmittel angewiesen wären.
Ich könnte mir vorstellen, daß Du vielleicht gerade in diesen Zeiten eine gewisse Notwendigkeit zur Trendwende
erkennst, Dich aber nicht dazu bekennen willst. Die sind doch jetzt der Gwinner!
Ich gehe von einem Run auf Ökofleischereien aus, und endlich wird mal dieses ökonomische Risiko, die Mühe
und die freiwilligen Kontrollen belohnt. Ja, es wird jetzt allerdings geschickt vermarktet. Aber nicht von den Öko-Betrieben. Es stimmt, daß sie zur Zeit besser fahren. Aber ich kenne keinen Ökolandwirt, der die Krise bewußt für sich ausschlachtet! Allerdings die Ökofleischvermarkter! Ich gönne den Ökobauern, daß sie die Krise nicht so hart trifft. Denn ich weiß, daß auch sie oft schwer wirtschaftlich zu kämpfen haben, weil der Öko-Markt gesättigt ist. Ich kenne Öko-Betriebe, denen die Arbeit total über den Kopf wächst und denen trotzdem das Wasser bis zum Hals steht!
Ich bin der Meinung, Subventionierung der Landwirtschaft sollte nur dann erfolgen, wenn sie ökologisch ist, wenn
also zusätzliche Leistungen für das Wohl der Bevölkerung erbracht werden, die über die reine Ernährung
hinausreichen. Diese Leistung erbringen ALLE Landwirte durch die Pflege der Kulturlandschaft
Vielleicht wäre es eine Lösung, wenn verantwortungsbewußte Kleinbauern einen separaten Bauernverband
gründen, der ihre Interessen dann wirlich vertritt und nicht Massentierhaltung. Gegenüber wem vertritt? Wie sollen unsere paar übriggebliebenen Landwirte gegenüber einer ablehnenden Mehrheit ihre Interessen vertreten? Manche schimpfen uns Lobbyisten! Tatsache aber ist, daß wir überhaupt keine Lobby haben.
Stattdessen über die Presse zu wettern (die ja nur ihre Auflagen steigern will), und nicht "dem Feind im
eigenen Lager" Paroli zu bieten, ist da wenig hilfreich.
Der Mensch neigt dazu, leider erst durch Katastrophen dazuzulernen.
Die Quälerei in engen Käfigen wurde gewissenlos mangels "Vorkommnisse" geduldet. In der Schweiz wurde per Volksentscheid (80%) die Käfighaltung verboten. Die Eierproduktion ging drastisch zurück. Trotzdem werden in der Schweiz jetzt nicht weniger Eier gegessen. Das Ausland hat sich bedankt und seine Käfighaltung aufgestockt. Wären die 80% konsequent gewesen, würden sie jetzt die 30 - 50 Räppli für ein Ei bezahlen, die bei Bodenhaltung notwendig sind! Obwohl jeder halbwegs
intelligente Mensch weiß, daß die Krankheitsanfälligkeit solcher immunsystemgeschwächter Kreaturen extrem
höher als von Freilandtieren, Dazu würde ich gerne noch sehr viel schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen. Ich schlage vor, wir machen auf dem wallstreet-Sofa einen Landwirtschaftsthread auf. Bei Interesse kannst Du mir dort genau erklären, wie Du Dir eine Tierhaltung vorstellst. Ich werde dann darauf eingehen sodaß massiver Antibiotikaeinsatz erforderlich ist, um die Tiere bis zur
Schlachtreife "durchzubringen", wurde innerhalb der EU die Massentierzucht mit Fördergeldern versehen.
Ich jedenfalls, werde mir die Mühe machen, (trotz Umweg ) eine Ökofleischerei aufzusuchen, um mir dort ein
saftiges Steak zu kaufen. (falls der Laden nicht schon leergekauft wurde.) Ich finde das gut! Daß Du noch Fleisch essen willst. Und ich gönne es den Öko-Bauern wirklich!
Den Mehrpreis sehe ich als Subventionierung meiner eigenen Lebensqualität, einen Beitrag zu einer
natürlichen Umwelt und Förderung kreativer Bauern.
Gruß
DerHabicht

von johca 30.11.00 02:09:55 3812271929 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

Habe mir daß hier geschriebene mal durchgelesen.

Die Bauern bei der ganzen Sache derart zu beschuldigen
ist völliger Unsinn. Der Einsatz von Mischfutter war ja nicht verboten. Und ist nicht verboten und wird nie verboten werden. Denn Mischfutter ist nichts anderes, als industriell gefertigtes Futter, indem verschiedene Komponeneten so gemischt werden, daß sie den Ansprüchen des Tieres genügen. Leider herrscht die falsche Meinung vor : Mischfutter = Tiermehl! Die Komponeneten eines jeden industriellen Futters sind deklariert. Ich bin technisch ausgerüstet, aus verschiedenen Komponenten mein Mischfutter selbst zu erzeugen. Getreide muß gemahlen oder gequetscht werden und mit Rapsschrot, Rapskuchen, Zuckerrübenschnitzeln, Sonnenblumenschrot und ähnlichem vermischt werden. Nicht jeder Landwirt hat die notwendige Technik. Lagerkapazität für Getreide und die Verarbeitungstechnik sind unwahrscheinlich teuer, wenn sie nur für kleine Mengen ausgelegt sind. Deshalb ist es nicht richtig, die Futtermittelindustrie pauschal zu verdammen! Wenn in Mischfutter Tiermehl enthalten und nicht deklariert ist, so handelt es sich auch um kriminelle Machenschaften. Eine renommmierte Futtermittelfirma würde dieses Risiko nicht eingehen! Schuld daran ist die Überproduktion
und die massiven Importe ,letzendlich müssen sie zu
solchen Methoden greifen um bestehen zu können. Das
große Geld machen andere. Da helfen auch keine Subbventionen. Im Prinzip muß der Kunde alles doppelt und
dreifach bezahlen. Man stelle sich nur vor , die Landwirtschaft in den osteuropäischen Ländern wird genauso
intensiv wie hier (und daß wird sie auch ), wo liegen
dann die Preise für die Bauern ?,wie hoch müssen dann
die Subbventionen sein ?

Die ganze EU Agrarpolitik ist ein Desaster . Da hast Du vollkommen recht! Dabei sitzen die Hauptschuldigen aber garnichtmal in Brüssel. Die armen Beamten beugen sich nur dem Diktat der WHO, und damit den Amerikanern! Schließlich will unsere Industrie exportieren. Das sichert Eure Arbeitsplätze und guten (Naja, zur Zeit eher nicht) Börsenkurse!

Es kann in Zukunft nur eine ökologische Landwirtschaft geben
oder es gibt garkeine mehr ,zumindest in Deutschland . Und diese Landwirtschaft würde die Ernährung von höchstens 50% der Bevölkerung sicherstellen!

in diesem Sinne johca

von Gregor33 30.11.00 02:21:11 3812271945 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

Von mir auch noch etwas Senf dazu *g*
Bei Aldi gibt es LECKERE argentinische Rindersteaks, falls
Ihr trotzdem Rindfleisch essen wollt. BSE gibt es da meines
Wissens nach nicht . Ja, ess nur schön lecker argentinisches Steak! Besser oben im thread steht was dazu!
Mein Nachbar tut mir jetzt etwas leid, der baut grade ne
neue Halle für Rinder.Vielleicht sollte er noch schnell
umsteigen, noch steht nur das Fundament Er hat nur die Alternative, auszusteigen! Erstens lässt sich ein geplanter Rinderstall, der den Bedürfnissen von Rindvieh entsprechend gebaut wird, schlecht anderweitig nutzen. Und zweitens hat der Betrieb als Rinderhalter höchstwahrscheinlich Grünlandflächen, die sich auch nicht anderweitig nutzen lassen! (Allerdings gibt es auch Rindviehbetriebe ohne Grünland, die nur Ackerfutter verfüttern. Dies ist aber durchaus auch tiergerecht!)

MfG

Gregor

von genya 30.11.00 07:33:40 3812272086 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

In diesem Land ist man ziemlich schnell dabei, den Verantwortlichen zu suchen und dabei die Verantwortung von sich abzuwälzen.
Jetzt zieht die presse über die Politiker her , die dies und das nicht rechtzeitig verboten haben oder Richtlinien aufgestellt haben .
Die Bauern greifen die Presse an, daß sie durch gezielte Panikmache auch so genannten ehrlichen Bauern das geschäft verderben.
Die Politiker schieben die Schuld an den Versäümnissen entweder den anderen parteien oder der Bundesregierung oder der EU in die Schuhe.
Die Ökobauern sagen, in uns liege die wirkliche Alternative, unser Fleisch sei sicher und Schuld sind die konventionellen Tierzüchter. sagen sie nicht! Sie sind froh, wenn nicht zuviele einsteigen, und ihren ohnehin begrenzten Absatzmarkt auch noch zerstören!


Die Verbraucher machen alle verantwortlich und kaufen kein
deutsches Rindfleisch mehr, oder gar keins. Dafür weiterhin Schwein, Geflügel und Lamm.
Das ist die schöne deutsche Leitkultur, wenn man dieses Unwort dazu benutzen darf.
Alle Vorwürfe, die die oben erwähnten Parteien einander entgegenbringen, stimmen, aber nur teilweise.
Natürlich haben die Politiker versäümt, rechtzeitig BSE-Tests obligatorisch zu machen, u.Z. für jede Kuh.
Und EU-weit jegliche Verfütterung vom tierischen Futtermehl
an Rinder, Schweine, Hühner usw. zu verbieten.
Aber: es gibt bis heute keine eindeutig 100% gesicherten Tests, und jahrelang waren sich die "Experten", die die Politiker immer fragen, uneinig.
Natürlich betreibt die Presse Panikmache, genauso schnell wird sie dies wieder vergessen, der Schaden bleibt jedoch.
Da haben die bauern Recht. Aber:
sie sind alle in Verbänden organisiert, und haben es jahrelang versäümt, selbst zur Selbstkontrolle zu greifen und die schwarzen Schafe, die Tiermehl verfütterthaben, abzustrafen. Stattdessen wurde wie immer pauschal gesagt,
deutsches Fleisch sei sicher, nur die anderen sind schuld.
Auch kein Ökobauer kann nachweisen, daß die Muttertiere in der 2ten und 3ten Generation absolut tiermehlfrei gefüttert wurden. Also gibt es beim Ökobauern auch keine 100%tige
BSE-Sicherheit. Daß noch keine Fälle bekannt sind, sagt nicht, daß es nicht auch kommen wird. Was auch für Schwein-
geflügel- und lammzüchter gilt.
Am meisten schuld sind jedoch die Verbraucher selbst.
Wer immer billigere Lebesmittel möchte, der zahlt selbst die Zeche.
Jeder ist für sein Verhalten und die daraus resultierenden
Folgen selbst verantwortlich.
Wenn ich A sage, muss ich ich auch B sagen.
Wenn ich an der Börse investiere, muss ich mit Verlusten rechnen.
Wenn ich Fleisch essen will, muss ich die Gefahr einer
BSE-Infektion in kauf nehmen.
Ich war vor 4 jahren selbst in London und habe, obwohl des Risikos voll bewußt, genüsslich Lamm und Rind gegessen.
Für die möglichen Folgen bin ich selbst verantwortlich.
Und Vegetarier will ich nicht werden.
Auf argentinisches oder anderes Rindfleisch umsteigen?
Und wenn bei denen auch BSE gefunden wird? in Kürze?
Also werde ich selbst weniger Fleisch essen, dafür aus kontrolliertem Anbau, dafür mehr bezahlen, und trotzdem des Restrisikos bewußt sein. Den Kindern sollte man vielleicht keine Produkte geben, wo Fleisch enthalten ist, bis gesicherte BSE-Tests vorliegen. Ui, sag das bloß keinem seriösen Ernährungswissenschaftler!
Den Bauern sage ich, wenn ihr ehrlich seid, bleibt dabei,
startet eine gegenkampanie, schaltet eure schwarzen Schafe
selbst aus, Qualität wird sich immer auszahlen. Wo wir sie erkennen, machen wir ihnen die Hölle heiß! Glaub mir!
Den Presseleuten sage ich, bevor ihr die Politik verantwortlich macht, fragt euch selbst, warum ihr nicht schon vor 10 jahren nicht so ein Radau gemacht habt.
Den Politikern sage ich, jetzt nicht die Verantwortung auf andere abschieben, sondern handeln und rigoros vorgehen.
Kein tierisches Tierfutter, an keine Tiere, weltweit.
Wer Fleisch nach Deutschland einführt, muss sich rigorosen BSE-Kontrollen stellen.
@ Glaubnichtalles: ich kann mir denken, wie schwer es für dich ist, jetzt wirtschaftlich durzuhalten. Aber:
da du selbständig bist, muss du dir der Konsequenzen immer
bewusst sein. Jetzt nach Schuldigen zu suchen bringt nichts.
Analysiere die Risiken, die möglichen Fehler, und versuche
in zukunft zu vermeiden. Auch wenn es bedeutet, daß du
mit anderen Sachen geld verdienst. Es gibt bestimmt noch was anderes in deinem beruf außer Rinderzucht, wovon mann leben kann. Alles Gute! Ich habe Hunderttausende von Mark in die Produktionstechnik für Rindvieh gesteckt, habe Grünland, das ich nur über Rindvieh nutzen kann und habe Vorleistungen in die weiterproduktion gesteckt. In meinen Hallen und Silos lagert Rindviehfutter für Monate. Die meisten Kühe sind trächtig. Ich kann die Produktion nicht einfach stoppen, wie in der Industrie, und auf bessere Zeiten warten. Das Vieh muß einfach weitergefüttert werden.
Und ich habe nicht genügend Fläche, um von reinem Ackerbau leben zu können.

von F355 30.11.00 10:23:21 3812272926 EUROFINS SCIENTIF. EO 0,1

Es ist mir schon klar, daß Tiermehlverfütterung an Rinder
seit Jahren verboten ist!!

Aber warum wurde es vor Jahren verboten, Tiermehl an
Rinder zu verfüttern?

Wieso muß man etwas verbieten, daß angeblich sowieso
nie stattgefunden hat? Es war in England erlaubt und hat in England stattgefunden

Oder wurde es etwa verboten, weil unsere umweltbewußten,
tierliebenden Bauern Tiermehl an Pflanzenfresser (Rinder)
verfüttert haben, und Tiermehl in Verdacht steht BSE zu
verursachen?

Kein normal denkender Mensch kommt auf die Idee, Pflanzen-
fresser mit Fleisch zu füttern. Wieso machten es dann die
Bauern? Nur weil es nicht per Gesetz verboten war, war es
noch lange nicht richtig. Bist Du Engländer? Darf ich Dich darauf aufmerksam machen, daß dies ein deutsches Diskussionsboard ist und hier über die deutsche Landwirtschaft geschrieben wird?

Warum darf ich meinen Hund, der gerade verstorben ist, nicht
in meinem Garten begraben? Warum war es aber erlaubt, diesen
gerade verstorbenen Hund zu Tiermehl zu verarbeiten und ihn
an Tiere zu verfüttern? Vergrab ihn doch! Aber komm bloß nicht auf die Idee, Radieschen aus Deinem Garten zu verkaufen! Und erkundige Dich vorher, ob Dein Garten auch nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt. Verwesungsbakterien sind so ziemlich das Giftigste, was es gibt. Ein Kollege von mir verlor 3 Kühe, weil sich eine Katze zum Verenden in sein Getreidesilo verkrochen hatte!

Ich lebe in einem Gebiet, in dem es sehr viele Bauern gibt.
In einem Interview in unserer Tageszeitung sagte eine
Bäuerin wörtlich:

"Es ist eine Katastrophe, daß wir unsere Schweine und Hühner
nicht mehr mit Tiermehl füttern dürfen, wie sollen wir das
neue Futter bezahlen." Eine wirklich peinliche Aussage, freudig von der Presse aufgegriffen!

So unterschiedlich können Katastrophen aussehen. Für die einen
ist es eine Katastrophe, das BSE evtl. auf den Menschen
übertragbar ist, für die anderen ist es eine Katastrophe, weil
sie ein paar Mark mehr für Futtermittel ausgeben müssen.

Auf die Idee, daß die Mehrkosten an den Endverbraucher
weitergegeben werden können - es muß ja in ganz Deutschland
auf Tiermehl verzichtet werden und Fleisch wird daher
zwangsweise teuerer - kommt natürlich keiner. Hauptsache
unsere Lieben Bauern können wieder ein wenig winseln und
großzügige Entschädigungen fordern. Ei, kannst Du aber ironisch sein!!

Man könnte den Eindruck bekommen, unsere Bauern denken maximal
bis zur eigenen Stalltür. Sei froh, daß es definitiv nicht so ist!

Ich bin nach wir vor der Meinung, daß uns der Gesetzgeber
(leider) vor unseren Bauern schützen muß.Und wer schützt die Bauern vor soetwas, wie Dir? Die Vergangenheit
zeigt, daß alles was nicht ausdrücklich verboten ist auch
gemacht wird. Natürlich wird in der ges. Wirtschaftswelt
versucht, den anderen abzuzocken. Wenn´s dabei aber um
Lebensmittel geht, ist schluß mit lustig.

F355

PS: Könnt Ihr euch noch erinnern, als vor Jahren zwar billige
aber hochgiftige Holzschutzmittel verboten wurden und die
Holzverarbeitenden Betriebe auf teuere aber umweltfreundliche
Produkte umsteigen mußte? Es wurde einfach gemacht und keiner
hat gejammert. Wieso geht das nicht in der Landwirtschaft?
 
aus der Diskussion: BSE - Mir platzt der Kragen, wenn ich lese, was dazu für Sche** geschrieben wird!
Autor (Datum des Eintrages): glaubnichtalles  (01.12.00 22:10:50)
Beitrag: 49 von 462 (ID:2457714)
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