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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war heute auf dem „Seminar“ von Markus Frick in München und möchte ein Statement dazu abgeben.

Zunächst einmal zu mir: Ich bin seit fast 10 Jahren an der Börse aktiv, und handle so ziemlich alles. Von Standardtiteln, über spekulative Aktien, Anleihen, Optionen, Waves bis Futures.

Grund meines Besuchs: Ich hatte die Email Hotline abonniert, da es mich einfach interessiert hat, und ich die Kosten steuerlich geltend machen kann. Die daraufhin folgende Einladung, das „Seminar“ zu besuchen, konnte ich kaum ablehnen, und da Sonntags sowieso keine Börse offen hat bin ich einfach mal mit einem Kollegen vorbeigefahren.

Zunächst zur Lokation: Arabella Sheraton, 5 Sterne Hotel in München
Ich bin mit meinem schicken Sportwagen angereist, und habe das Parkhaus genutzt. Das Ambiente des Hotels ist erstklassig, wirklich ein top laden.

Zum Publikum: Wenige Junge Leute die wichtig in Anzug gekleidet waren, noch weniger junge Leute die relaxt in Freizeitkleidung wie ich erschienen sind. Überwiegend Menschen älteren Alters. Ich schätze ein Durchschnittsalter von ~45Jahren.

Zum Seminar: Dies fand ich ein wenig verwunderlich. Einerseits wurden nur absolute Anfängerproblematiken behandelt. Es wurde z. B. thematisiert, wie man eine Ausstiegsstrategie fährt, (bei 10% minus 50% des Anteils raus, danach in weiteren Schritten abverkaufen).Es wurde z. B. ca. fünf mal erwähnt, dass man SL setzen sollte. Besonders amüsant fand ich die Anmerkungen von Hr. Frick. Er erhalte über seine Email Hotline öfters Anfragen bezüglich Lesern, die vergessen hatten einen SL zu setzen, oder Aufgrund z. b. eines Urlaubs keine SL setzen konnten. Auch wurden sehr „exotische“ Finanzseiten wie aktiencheck.de oder yahoo.com erwähnt. Besonders spassig fand ich die Frage eines „Seminar“teilnehmers, ob man auf yahoo.com die Nachrichten auch auf Deutsch erhalten könne. Herr Frick sagte darauf „Ja, wenn Sie es übersetzen“. Auf die Frage ob man kein Englisch könne, antwortete der Gast „Hab ich schon lange vergessen“ Als langjähriger, erfolgreicher Investor kam ich hierbei aus dem Lachen kaum heraus. Besonders gut fand ich die Hinweise, dass Börse sehr einfach sei, und doch jeder Geld verdienen könne, wenn man sich nur an die vorgegebenen Regeln halten würde. Hier vergas Herr Frick einen Hinweis, dass die meisten Anleger an der Börse Geld verlieren – dies habe ich durch jahrelange Gespräche mit etlichen Investoren herausgefunden. Selbst in meiner Arbeit (Eigenhändler in einer Bank) verlieren ein Großteil der Leute – trotz Bloomberg, Reuters und Co. Auch ist diese Aussage kaum haltbar, da das Geld dass man verdient ja auch irgendwer verlieren muss.

Auch wurde erklärt, dass 7 mal 15% Plus auch 100% Plus bedeuten würden (inklusive Zinseszinseffekt). Mit solch simplen, mathematischen Beispielen waren die Teilnehmer meist überfordert. Eine Dame die aussagen konnte, dass man nach 80% Minus wieder 400% Plus erzielen muss, um auf pari zu kommen, erhielt für ihr kalkulatorisches Geschick sogar ein Buch geschenkt. Ein Großteil des Seminars war mit der Werbung für Börsenbriefe oder den „tollen’“ Broker Fimatex durchgeplant (mindestens 50% der Zeit). Bei Firmatex wurde darauf hingewiesen, dass man zu 5€ ordern könne. Dass Fimatex jedoch jede Teilausführung mit 5€ extra berechnet, wurde hingegen verschwiegen. Dass man im Falle einer Orderaufgabe in normalen Investmentregionen (in meinem Fall ~ 50k), auf weit höhere Kosten wie bei Standardbrokern kommt, wurde auch nicht erwähnt. Fair fand ich hingegen die Darstellung seiner 10K€ Anlage. Frick sagte, dass keiner die Kurse bekommen kann, zu denen er die Werte aufnimmt. Dies liegt daran, dass er die Aktien entdeckt hätte. Leider fehlte ein Hinweis darauf, dass er nur ein virtuelles Depot führt, und z. B. der Umsatz an einer Börse nicht relevant ist, wobei jeder kluge Mensch weiß, dass man bei den kleinen Werten selbst mit einer 50k€ Order den Kurs hochziehen würde.

Neben den allgemeinen Anfängertipps und der andauernden Werbung, haben sich 5 Unternehmen vorgestellt: Gofisch, Urex, MCC, Star und Viaspace. Alle Unternehmen haben nur „Luft“ von sich gegeben. Bis auf MCC (positiver Net Income) ging keines auf die aktuelle Ergebnissitutation ein. Bei Star wurde lediglich der Umsatz erwähnt. Meist verwies man auf „tolle Projekte“. Sonst wurden überwiegend langweilige Standardtitel erwähnt, die einem jedermann aufgrund des niedrigen KGV von seinem Bankberater empfohlen bekommt – Beispiele wären Allianz (übrigens die Seminar Kursrakete), Continental oder Klöckner.

Sehr mager fand ich, dass auf gängige Unternehmensbewertung wie Discounted Cash Flow verfahren oder die Multiplikatormethode überhaupt nicht eingegangen wurde.

Fazit: Für den absolut unerfahrenen Anleger eignet sich das Seminar ein wenig. Aber Tipps wie erstmal Papertrading machen oder einen SL setzen rechtfertigen keinen Preis von fast 100€ für eine Eintrittskarte, dies kann man in 2 Minuten am telefon erklärt bekommen. Als erfahrener Anleger führt man sich eher „verarscht“. Da ist eine solche Veranstaltung von 0 Wert.

Ich finde es insbesondere sehr grotesk, unerfahrenen Anlegern solche hochspekulativen Aktien vorzustellen ohne sie auf ein Totalverlustrisiko hinzuweisen. Aber gut, nun weiß ich von welchen Leuten ich die Kohle kassiere wenn ich direkt nach Musterdepotaufnahme kaufe und die Schrottwerte 10,20 oder 50% höher ins Ask stelle.

Beste Grüße aus München

PS: Aussagen zu den einzelnen Unternehmen (welche ich ein wenig gelöchert habe in den Pause) teile ich ihnen gerne auf Anfrage per BM mit.
 
aus der Diskussion: Gofish A0LBT6 - Zukunftsbranche Videoplattformen
Autor (Datum des Eintrages): mikxx  (13.11.06 00:34:02)
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