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Guten Morgen,

Kein Bauer kann zur Zeit ruhig schlafen!

Umfrage in meiner Gemeinde:

Aufgrund der Ereignisse wollen 4 von 12 viehhaltenden Betrieben (die 3 kleinsten und der Größte) die Viehhaltung so schnell wie möglich aufgeben. Als Grund wurde in keinem Fall die wirtschaftlichen Einbußen genannet, sondern immer die Verbitterung, über die Nichtanerkennung ihrer Knochenarbeit und der soziale Außenseiterstatus, in den man gedrängt wurde.
Ich selbst werde meinem Kind empfehlen, einen außerlandwirtschaftlichen Beruf zu erlernen. Was unsereinem an Mißachtung wiederfährt, möchte ich keinen Nachkommen zumuten! Ich selbst könnte sofort mit der Landwirtschaft aufhören und würde wirtschaftlich kaum schlechter dastehen. wenn ich trotzdem weitermache, dann nur, weil ich an meinem Beruf hänge.
Soviel zum Einfluß der Krise auf die bäuerliche Struktur.
In der Schweiz (zweithöchste BSE-Dichte in europa) sind die Bauern nach wie vor einer der geachtetsten Berufsstände in der Bevölkerung.Soviel zur unterschiedlichen Mentalität in Nachbarländern!
Habicht, es ist schön, daß Du Dir so viele Gedanken machst.
Dein Wissen und Deine zweifellos vorhandenen Vorurteile hast Du offensichtlich aus den Medien. Ich empfehle Dir, einmal einen vielerorts veranstalteten "Tag des offenen Hofes" zu besuchen.
Die von Dir gewünschte Dreiteilung der Produktionsmethoden ist real vorhanden. Es liegt nicht an der Umsetzung, sondern an der Akzeptanz.
Ein Beispiel, das Dir Deine Informationsdefizite zeigen soll:
Die von Dir angesprochenen "Gitterrosthaltung" ist in vielen kleineren Betrieben die Standardhaltungsform. Die Tiere sind - wie seit Menschengedenken - angebunden und der Kot fällt durch diie Gitter. In der ökologischen Landwirtschaft soll diese Haltungsform abgeschafft werden. Und das stellt viele Biobetriebe vor ein großes Problem, weil die Tierzahl einen UM- oder Neubau nicht lohnt. Auch in der konventionellen Landwirtschaft werden diese Betriebe in den nächsten 20 Jahren automatisch aus wirtschaftlichen Gründen das Stalltor schließen.
Hast Du schon einmal einen modernen Kuhstall besichtigt?
Ich schätze, daß mittlerweile 2/3 der Tiere in Laufställen gehalten werden. Das Schlagwort zur Zeit (und nicht von den Bauern den Verbrauchern gegenüber, sondern der Offizialberatung und der Industrie den Landwirten gegenüber) ist "Kuhkomfort". Und das zu Recht. Wieso ist keinem Verbraucher bewußt, daß die verpönten hohen Leistungen, die wir unseren Tieren in der Tat abverlangen, optimaler Haltungsbedingungen und sich wohlfühlender Tiere bedürfen? Neue moderne Kuhställe bedeuten viel Licht, Auslauf ins Freie und viel Luftvolumen.
Ein Stall in dieser Art kostet mit allem Drum und dran für bestände mit ca 20 bis 30 Tieren 12000 bis 16000 DM pro Stallplatz.
Wirtschaftlich indiskutabel!! Deshalb laufen diese Betriebe von selbst aus.
Erst in Größenklassen ab 60 - manche sprechen von 100 - tieren wird ein Neubau eines Stalls erst wirtschaftlich.
Und es ist unbestritten, daß es gerade in dieser Größenordnung - vom dummen Volkspöbel als Massentierhaltung bezeichnet- die tiergerechtesten Ställe gibt!
Dir als Laie unterstelle ich, daß Du mit "Gitterrost" auch die Betonspaltenböden (Perforierter Beton) in diesen Ställen meinst. Lass dir gesagt sein, daß diese so ausgelegt sind (breite Trittfläche, schmale Spalte), daß sie allgemein - auch von Bioverbänden - als tiergerecht anerkannt sind.

Das alles schreib ich, um Dir zu zeigen, daß Du Dich vielleicht nicht nur aus einer Ideologierichtung über Landwirtschaft informieren solltest.
Seit es Menschen gibt, stellen die Bauern deren Ernährung sicher. Und schon immer in der Geschichte gab es Zeiten, in denen die Bauern unterdrückt wurden. Regelmäßig hat sich das an der nächsten Generation gerächt.
Falls unsere Gesellschaaft so weiter macht, werden uns unsere Nachkommen einmal dafür verdammen!
Was man am weitesten wegwirft, muß man am weitesten wieder herholen!
 
aus der Diskussion: BSE - Mir platzt der Kragen, wenn ich lese, was dazu für Sche** geschrieben wird!
Autor (Datum des Eintrages): glaubnichtalles  (18.12.00 06:42:26)
Beitrag: 77 von 462 (ID:2547960)
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