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Tag.
Ich halte keinen Winterschlaf. Eher bin ich in die Frustrationsstarre gefallen.

Habe aber heute was in der SZ gefunden:

SZ vom 31.01.2001 Wirtschaft


Kirchs TV-Allianz gefährdet


o.k. Berlin – Die von den Medienkonzernen Kirch und Telekom geplante Allianz für das Kabelfernsehen und das Internet wird voraussichtlich nicht zu Stande kommen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will das Bundeskartellamt das Vorhaben nicht genehmigen. Die Kirch-Gruppe würde dadurch rund eine Milliarde DM verlieren. Diesen Betrag will die Deutsche Telekom für den Einstieg in die Kirch-Tochtergesellschaft Beta Research bezahlen.

Das Kartellamt befürchtet, durch das Zusammengehen der beiden Konzerne bei Beta Research werde der Wettbewerb sowohl beim Fernsehen wie auch bei der Telekommunikation gefährdet. Die Kirch-Tochter Beta Research nimmt mit der von ihr entwickelten d-box eine Schlüsselstellung in diesen Märkten ein. Die d-box ermöglicht den Empfang und die Abrechnung von Abonnementprogrammen (Pay TV) sowie von digitalen TV-Kanälen und soll auf Dauer auch Zugang zum Internet via Kabel bieten.

Beim Pay TV ist Kirch mit seinem Sender Premiere World Beinahe-Monopolist in Deutschland. Premiere World ist auch der größte Anbieter im digitalen Fernsehen, das Platz für mehrere hundert Kanäle schafft und bis Ende des Jahrzehnts Standard sein soll. Die Telekom wiederum ist Marktführer beim Kabelfernsehen; an ihre Übertragungsnetze sind fast 20 Millionen Haushalte angeschlossen.

Gegen die geplante Allianz von Kirch und Telekom haben Fernsehsender wie die ARD und kleinere Kabelnetzbetreiber wiederholt Bedenken vorgetragen. Sie befürchten, in ihren Märkten von den dann gemeinsamen Dienstleistungen der beiden Konzerne abhängig zu werden. Bei der Verbreitung von TV-Programmen und Multimedia-Angeboten wären die Konkurrenten der beiden Konzerne auf Dauer auf deren d-box angewiesen.

Das Kartellamt teilt die Bedenken. Nach SZ-Informationen will das Amt den Einstieg der Telekom bei Beta Research nur zulassen, wenn die Telekom sich von ihren Kabelnetzen weitgehend trennt. Innerhalb der Prüfungsfrist, die bis Ende Februar läuft, ist das aber nicht zu bewerkstelligen. Die Haltung der Wettbewerbshüter läuft damit auf ein Verbot der Allianz hinaus. Die Konzerne sind über die Auffassung des Kartellamtes im Bilde. Nach außen hält sich das Amt derzeit noch bedeckt. „Wir haben nach wie vor Bedenken, sind aber weiterhin für Gespräche mit den beiden Konzernen offen“, sagte Kartellamtssprecher Stefan Siebert auf Anfrage. Konkreter wollte sich das Amt wegen des noch laufenden Verfahrens nicht äußern.

Die Telekom hat bislang nur in drei Bundesländern ihre Kabelnetze mehrheitlich verkauft, ist dort aber jeweils noch Minderheitsgesellschafter mit großen Rechten. In den anderen Ländern ist der Verkaufsprozess ins Stocken geraten. Das Kartellamt will die Allianz mit Kirch nur genehmigen, wenn die Telekom sich bei den Kabelnetzen bundesweit auf reine Kapitalbeteiligungen unter 25 Prozent zurückzieht.


Ciao, walrus
 
aus der Diskussion: Primacom Thread 91
Autor (Datum des Eintrages): walrus  (31.01.01 13:08:32)
Beitrag: 8 von 166 (ID:2810579)
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