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Wien (aktiencheck.de AG) - Die schwelende Finanzkrise trifft die Kreditinstitute in Deutschland mit voller Wucht, so die Experten von "e-fundresearch.com".

Da sei es keine Überraschung, dass die von Kreditinstituten begebenen Genussscheine und auch Genussscheinfonds ebenfalls stark unter Druck gekommen seien - so stark, dass die Fondsmanager eine attraktive Einstiegschance sehen würden.

Eigentlich seien Genussscheinfonds ein interessantes Investment. Die Fonds hätten sich in den vergangenen Jahren recht konstant entwickelt, mit niedrigen Wertschwankungen, die im Schnitt gerade mal zwischen zwei und drei Prozent gelegen hätten. Zudem würden Genüsse zu nachrangigen Papieren zählen, weshalb Genusscheininhaber im Fall eines Konkurses des Schuldners zwar nach allen anderen Gläubigern aus der Konkursmasse bedient würden. Doch würden diese Papiere dafür eine im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen höhere Rendite bringen. Zudem seien bislang alle Genüsse von Emittenten besserer Bonität am Ende ihrer Laufzeit auch zurückbezahlt worden.

Doch auch wenn diese attraktiv seien, bei Anlegern spiele diese Gattung eine untergeordnete Rolle. Dies möge zunächst einmal daran liegen, dass kaum jemand wisse, wie sie funktionieren würden. Genussscheine seien zwischen Aktien und Anleihen angesiedelt. Sie würden das Recht verbriefen, am Geschäftserfolg des Schuldners teilzuhaben und das eingesetzte Kapital am Ende der Laufzeit zurückzuerhalten. Die aufgelaufenen Stückzinsen würden nicht wie bei anderen Anleihen ausgewiesen, sondern seien zeitanteilig im Kurs enthalten. Die Ausschüttung erfolge jedes Jahr zur Hauptversammlung.

Das Problem dabei aber sei, dass es für die Ausgestaltung von Genüssen grundsätzlich keine gesetzlichen Beschränkungen gebe, was diese zu einer recht komplexen Anlageklasse mache. Denn aus diesem Grund könne die Ausgestaltung der einzelnen Papiere, zum Beispiel hinsichtlich Kündigungsrecht oder der Regelungen für die Ausschüttung, stark voneinander abweichen.

Dazu komme, dass der Markt für diese Papiere, die ein spezifisches Element des deutschen Kapitalmarktes seien, eng und wenig liquide sei. Genusscheine seien deshalb eine Anlageklasse, bei der sich ein Investment über Fonds, bei denen ein Fondsmanager die Titelauswahl treffe, anbiete. Allerdings hätten auch sie nicht verhindern können, dass es bei ihren Fonds Mitte dieses Jahres zu deutlichen Kursverlusten gekommen sei. Im Durchschnitt würden die Körbe auf Sicht von sechs Monaten mit über sechs Prozent im Minus liegen.

"Für die Wertentwicklung ist entscheidend, ob die Emittenten, das sind zu über 90 Prozent Banken und Versicherungen, zukünftig Gewinne erwirtschaften oder nicht", erläutere Ulrich Teutsch, Manager des COMINVEST GENUSSSCHEINFONDS (ISIN DE0009786913 / WKN 978691). Falle kein Gewinn an, dann entfalle auch die Ausschüttung. Zwar gebe es meist eine Nachzahlungsverpflichtung. Das heiße, dass in Folgeperioden, in denen dann wieder Gewinne anfallen würden, die ausgefallene Ausschüttung nachgeholt werde.

Dennoch scheine es so zu sein, dass die Befürchtungen über die Folgen der Finanzkrise für die deutschen Banken bei den Genussscheininhabern groß seien. "In Erwartung sinkender Bankengewinne, wozu die Probleme bei der IKB, bei der WestLB und der Sachsen LB beigetragen haben, sind die Renditeabstände von Genüssen zu sicheren Staatsanleihen deutlich gestiegen, die Kurse brachen zum Teil stark ein", meine Teusch.

So stark, dass er die Reaktion des Marktes in manchen Fällen für übertrieben halte. "Zum Beispiel bei einem Genussschein der Dresdner Bank, der Mitte 2008 ausläuft, liegt der Renditespread aktuell bei rund 600 Basispunkten", so Teutsch. Offensichtlich würden einige Marktteilnehmer erwarten, dass es bei der Rückzahlung des Genussscheins Probleme geben könnte. "Völlig übertrieben", sage der Experte. "Ich bin überzeugt davon, dass die Allianz, als Mutter des Kreditinstituts, den Schein zurückzahlen wird."

Sein Optimismus bezüglich der Anlageklasse gründe sich auch auf Erfahrung. So sei die Lage 2002 und 2003 zwar nicht ganz so unübersichtlich wie zurzeit, aber zumindest doch ähnlich gewesen. Die Banken hätten in den Jahren davor recht freizügig Kredite vergeben und deshalb massive Probleme bekommen. Die Erträge seien zurückgegangen, einige Finanzinstitute hätten gar Verluste ausgewiesen, und das habe sich am Genusschein-Markt niedergeschlagen. "In diesem Umfeld im Jahr 2002 machte unser Fonds nur ein Prozent Plus", sage Teutsch.

Doch 2003 habe sich der Markt bereits wieder erholt. Das Eigenkapital sei damals durch Kapitalerhöhungen gestärkt worden, Not leidende Kredite seien veräußert und unprofitable Geschäftsfelder geschlossen worden. Davon hätten Genussscheine und die entsprechenden Fonds profitiert. Im Jahr 2003 habe es zum Beispiel beim cominvest Genussscheinfonds ein Plus von zehn Prozent gegeben, 2004 seien es acht Prozent gewesen.

Dass die Banken ihre Probleme in den Griff bekommen dürften und sich damit der Markt für Genüsse wieder erholen werde, davon würden Experten wie Kerstin Terhardt, Managerin des HSBC Trinkaus Genüsse International (ISIN DE0009756569 / WKN 975656) ausgehen. "Wir sind in einer Phase der Neubewertung von Risiken", sage sie. Die aktuelle Situation basiere im Wesentlichen auf einer Liquiditäts- und Vertrauenskrise.

"Ein wirkliches Bonitätsrisiko liegt beim Gros des ausstehenden Genussrechtskapitals nicht vor", sage Terhardt. "Die momentane Höhe der Ausweitung der Risikoprämien bei Genussscheinen entspricht - bezogen auf den Gesamtmarkt - nicht dem langfristig fairen Niveau. Bei einer aktuell ausgewiesenen Nachsteuerrendite von acht Prozent sehen wir dieses Marktsegment attraktiv bewertet", fasse sie zusammen.

Doch selbst wenn die Erholung nicht ganz so schnell stattfinden sollte, gebe es einen weiteren Grund, warum die Anlageklasse interessant sei. Aus steuerlicher Sicht würden nur Kursgewinne und keine Zinszahlungen anfallen. Wer vor 2009, dem Start der Abgeltungssteuer, dort investiere, für den seien die Kursgewinne dieser Fonds nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei. Doch auch wer nach 2009 einsteige, habe noch einen Vorteil: "Da die Kursgewinne anders als bei manchem Rentenfonds, wo jährlich Zinserträge anfallen, nicht jedes Jahr ausgeschüttet werden, müssen diese erst am Ende beim Verkauf des Fonds versteuert werden", erläutere Teutsch. Dies komme einer Steuerstundung gleich.

Genussschein-Fonds würden nicht nur aktuell die Chance auf hohe Renditen bieten, sondern seien ganz grundsätzlich mit ihrer geringen Volatilität eine Alternative zu Rentenfonds. Den steuerlichen Vorteil gebe es als Bonus dazu. (Ausgabe vom 18.12.2007) (19.12.2007/fc/n/s)

Jetzt wissen wir IKB braucht nicht viele hilfe.
IKB kann leben und Aktie soll steigen.

 
aus der Diskussion: IKB - Jetzt ist es raus: Die amerikanischen Kreditnehmer sind Schuld !
Autor (Datum des Eintrages): solarsemi45  (19.12.07 12:38:16)
Beitrag: 6 von 18 (ID:32813524)
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