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F.A.Z.-Gespräch: Matthias Graf von Krockow und Friedrich Carl Janssen, Privatbankiers von Sal. Oppenheim & Cie.
"Wir sind überzeugt, dass die IKB ein gesundes Kerngeschäft hat"



12. Februar 2008 KÖLN, 12. Februar


Eigentlich möchte Matthias Graf von Krockow "entspannt und re-laxt" über das sich bei Europas größter Privatbank abzeichnende Rekordergebnis sprechen. Aber der neuerliche Kapitalbedarf der in der Existenz bedrohten Mittelstandsbank IKB stellt andere Fragen in den Vordergrund: Ist der Mittelstandsfinanzierer, an dem das Bankhaus Sal. Oppenheim & Cie. nach Bekanntwerden der Krise im Sommer die Beteiligung auf fünf Prozent aufgestockt hat, noch zu retten?

"Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass die IKB ein gesundes Kerngeschäft besitzt", erklärt der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Oppenheim. Man sage auch immer wieder den Vertretern der Großaktionäre, dass es eigentlich besser sei, dieses Kerngeschäft positiv darzustellen. "Wir sind überzeugt, dass zwar nicht das Verbriefungsgeschäft, aber das Kreditgeschäft und die strukturierten Finanzierungen eine vernünftige Grundlage darstellen", ergänzt Mitgesellschafter Friedrich Carl Janssen. "Mit deren Kundenbasis können wir uns Lösungen vorstellen, dieses Geschäft auf Dauer nach vorn zu bringen", erklärt Janssen.

Wertkorrekturen von 35 Millionen Euro bei der IKB-Beteiligung, also fast zehn Prozent des Vorjahresergebnisses, wie Krockow erläutert, sind die einzige nennenswerte Belastung im Abschluss 2007. Würde Oppenheim noch einmal bei einer Kapitalerhöhung mitwirken? Janssen will das nicht ausschließen. "Aber was wir nicht tun werden: einfach an einer Kapitalerhöhung ohne Lösung für die Bank teilnehmen." Welche Lösungen gibt es denn noch? Die IKB benötige Finanzierungszusagen und Risikoabsicherungen. Sie habe lange durch ihre Aktionäre - zunächst die Allianz und später durch die staatliche Förderbank KfW - ein erstklassiges Rating und damit günstige Refinanzierungskosten gehabt. Das ist vorbei. "Deshalb sind für eine Übergangszeit, bis das Risiko der IKB neu adjustiert ist, Finanzierungsgarantien erforderlich", sagt Janssen, der im Führungsgremium unter anderem für den Bankbetrieb und das Risikomanagement zuständig ist.

Schnelligkeit sei jetzt entscheidend. Auch wenn sich bisher trotz des breiten Angebots an Mittelstandsfinanzierungen im privaten wie öffentlichen Bankensektor kaum Firmenkunden von der IKB abgewendet hätten, könne sich das ändern, wenn in den nächsten Monaten immer mehr IKB-Berater das Haus verließen. "Die Rettung ist kein Thema für den Sommer, das muss bis Ostern oder früher geklärt werden", drängt Janssen. Dabei spiele die Psychologie eine große Rolle. "Wenn die Botschaft herüberkommt, dass irgendein anderes Finanzinstitut die IKB glaubhaft begleiten wird, ist die technische Umsetzung sekundär", meint Janssen.

Die Verkaufsunterlagen für das KfW-Paket an der IKB hat sich Oppenheim angeschaut. Aber aktiv wurde man nicht. "Wir glauben, dass es nur eine Lösung mit den Aktionären gibt, sind aber noch nicht angesprochen worden", sagt Krockow. "Wir haben kein Interesse daran, die Beteiligung abzugeben. Es sei denn, ein inländischer Erwerber träte dort mit denselben Zielen wie Oppenheim an", formuliert Janssen. Die Bank war Anfang 2003 mit der IKB eine Kooperation eingegangen, mit dem Ziel, sich gegenseitig Kunden zu den komplementären Geschäften der beiden Institute zuzuführen.

So eine globale Finanzmarktkrise gehe natürlich nicht spurlos an einer Bank vorbei. "Auch wir haben ein paar Schrammen abbekommen, obwohl wir nie in Subprime-Papiere investiert waren", räumt Krockow mit Blick auf das eigene Geschäft ein. Im zweiten Halbjahr wurde es in einigen Abteilungen sehr ruhig. Aber dennoch: Getragen von einem sehr starken ersten Halbjahr, hat die größte konzernunabhängige Privatbank Euro- pas nach seinen Worten im Krisenjahr 2007 das Vorsteuerergebnis nochmals steigern können und damit ein neues Rekordjahr in der 219-jährigen Unternehmensgeschichte hingelegt. Konkrete Zahlen will Janssen zwar noch nicht nennen. Aber der Vorjahreswert sollte schon um mindestens fünf Prozent übertroffen werden. Hilfreich war ein Buchgewinn aus dem Verkauf weiterer zehn Prozent IVG-Aktien, der der Wertanpassung bei der IKB-Beteiligung gegenübersteht.

Oppenheim selbst hat in den turbulenten Monaten von der Vertrauenskrise eher profitiert. "Selbst große Adressen der internationalen Bankenwelt werden gemieden", beobachtet Krockow, der seine ersten beruflichen Stationen bei Chase Manhattan und der Citibank absolviert hat. Gerade die vermögenden Kunden, darunter viele Unternehmer, bevorzugten jetzt eigentümergeführte Institute. "Der Unternehmer geht zum Unternehmer, weil dieser mit dem eigenen Geld haftet." Das ist einer der Gründe, warum es der Bank gelungen ist, im vergangenen Jahr betreute Vermögen kräftig von 138 Milliarden Euro auf 160 Milliarden Euro aufzustocken. Aber hauptsächlich führen die Gesellschafter diesen Sprung in der Vermögensverwaltung auf die Mitte 2007 umgesetzte Entscheidung zurück, den Sitz der Bank nach Luxemburg zu verlegen. "Über den Platz Luxemburg gewinnen wir Kunden, an die wir von Deutschland aus nicht herangekommen wären", erläutert er. Seine Aussage gilt nicht nur für auf äußerste Diskretion bedachte deutsche Privatkunden, sondern auch für Klienten aus Österreich, Frankreich oder Italien. Auch die Tatsache, dass Oppenheim in der Schweiz stark gewachsen ist, resultiert nach seiner Einschätzung daraus, dass die Obergesellschaft inzwischen eine Luxemburger Bank ist.

Eine Abkehr von Deutschland bedeutet die Sitzverlegung gleichwohl nicht, wie beide versichern. "Im Gegenteil, wir geben hier richtig Gas." Von den rund 400 neuen Mitarbeitern, die die Bank im vergangenen Jahr gewonnen hat, entfällt rund die Hälfte auf Deutschland. Derzeit wird kräftig in der Heimatstadt Köln investiert und das bundesweite Niederlassungsnetz gestärkt und verdichtet. Denn vor allem das Geschäft mit den vermögenden Kunden ist ein sehr lokal geprägtes Geschäft, wie Krockow betont. "Der Niederlassungsleiter ist der Privatbankier Oppenheim vor Ort." Für die integrierte Vermögensverwaltungs- und Investmentbank soll der Finanzplatz Luxemburg vor allem die Plattform für den weiteren Ausbau des internationalen Geschäfts bilden. Nach den Worten Janssens soll in zwei bis drei Jahren rund die Hälfte der Erträge aus dem internationalen Geschäft stammen. Derzeit ist es rund ein Drittel. "Mit Ausnahme von Deutschland schauen wir uns derzeit alles an, was im Privatbankenlager von Interesse sein könnte", sagt Krockow zu möglichen Zukäufen. Obwohl die Bank mit Eigenmitteln von rund 2 Milliarden Euro gepolstert ist, einiges darüber hinaus stemmen könnte und das Marktumfeld für Käufe günstig erscheint, ist für ihn eine größere Akquisition derzeit aber kein Thema. "Wir sehen großes Potential für organisches Wachstum", pflichtet ihm auch Janssen bei. So wird Oppenheim noch in diesem Frühjahr eine neue Repräsentanz in Warschau eröffnen, weitere Niederlassungen beispielsweise in Budapest und in Lugano sollen folgen. Zu Jahresbeginn ging ein auf die Verwaltung großer Familienvermögen spezialisiertes, sogenanntes Family Office in Hongkong an den Start. Es soll Kunden aus Europa verschiedenste Beteiligungsmöglichkeiten in den aufstrebenden asiatischen Ländern eröffnen. In der Schweiz kooperiert Oppenheim mit der Dr. Landert-Gruppe bei der Vermögensberatung und der Betreuung von Familien und kann damit das internationale Family-Office-Netzwerk weiter ausbauen. Eine weitere Stärkung beispielsweise des Geschäfts mit Fusionen und Übernahmen (M&A) planen die Bankiers auch in Frankreich, wo im vergangenen Jahr der Vermögensverwalter Financière Atlas vollständig übernommen wurde und ein Team im neuen Pariser Büro die Arbeit im Bereich Wertpapierhandel aufgenommen hat.

Hochzufrieden zeigt sich Krockow mit der Entwicklung der 2004 übernommenen, damals in äußerst schwierigem Fahrwasser manövrierenden BHF-Bank. "Drei Jahre nach dem Erwerb befindet sich die Bank in einer ertragsreichen Wachstumsphase." Auch diese Frankfurter Tochtergesellschaft hat keinen direkten Schaden aus der Subprime-Krise genommen, weil sie nach seinen Worten in diesen Geschäften nicht engagiert war. Wiederholt auftauchenden Spekulationen, Oppenheim werde sich von der zum Buchwert von 600 Millionen Euro übernommenen BHF-Bank wieder trennen und das Institut möglicherweise als Tauschpfand gegen einer größere Beteiligung im Ausland einsetzen, erteilt er eine klare Absage. "BHF steht nicht zum Verkauf." Und er fügt noch scherzend hinzu: "Klar, dass so mancher anklopft. Aber wir würden sie nicht für das Doppelte hergeben." Die beiden Banken ergänzten sich mit ihren Kunden und Produkten ideal, Überlappungen gebe es so gut wie keine.

Der Start in das neue Jahr sei für die Bank zwar ruhiger als sonst üblich verlaufen, aber operativ "ganz ordentlich", wie beide feststellen. Bei Oppenheim stellt man sich darauf ein, dass die von einer anfänglichen Bewertungskrise über eine Vertrauenskrise inzwischen zu einer Eigenkapitalkrise mutierte Situation in der Finanzbranche noch andauern wird. "An Schmitz Backes sind wir noch nicht vorbei." Da spricht der Wahl-Kölner in Krockow, wenn er an den mittelalterlichen Strafvollzug der Domstadt erinnert, bei dem Gefangene mit Knüppeln bis zur Backstube der Familie Schmitz getrieben wurden.

Das Gespräch führten

Brigitte Koch und Werner Sturbeck.



Text: F.A.Z., 13.02.2008, Nr. 37 / Seite 14


Ich denke obere nachrichten ist wichtigste für Rettung.
 
aus der Diskussion: IKB - Jetzt ist es raus: Die amerikanischen Kreditnehmer sind Schuld !
Autor (Datum des Eintrages): solarsemi45  (12.02.08 19:35:55)
Beitrag: 13 von 18 (ID:33346077)
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