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abwarten !!!

schon von gestern, aber immer noch aktuell:


Barclays filetiert kollabierte Lehman-Bank
Mittwoch, 17. September 2008, 18:44 Uhr Diesen Artikel drucken[-] Text [+]
1 / 1VollbildLondon (Reuters) - Die drittgrößte britische Bank Barclays sichert sich für 1,75 Milliarden Dollar Filetstücke der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers.

Dabei handelt es sich um die Sparten Investmentbanking sowie den Handel mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren in Nordamerika. Für den Schnäppchenpreis von 250 Millionen Dollar in bar erwirbt Barclays damit Vermögenswerte im Volumen von 72 Milliarden Dollar. Der größte Teil der Kaufsumme entfällt auf die prestigeträchtige Zentrale der Traditionsbank in New York und zwei Datenzentren. Im Rahmen der Übernahme sollen rund 10.000 der 26.000 Lehman-Mitarbeiter zu Barclays wechseln.

Barclays hatte Verhandlungen über einen vollständigen Kauf von Lehman am Wochenende platzen lassen, weil die US-Regierung keine Garantien übernehmen wollte. Dies hatte zum Lehman-Zusammenbruch beigetragen. In der Nacht zum Mittwoch betonte Barclay-Konzernpräsident Bob Diamond: "Das ist eine im Leben einmalige Gelegenheit." Diamond verfolgt schon seit längerem das Ziel, die US-Investmentbanken direkt in ihrer Hochburg Wall Street anzugreifen. Die jetzt gekauften Lehman-Teile wollen die Briten in der von Diamond geführten Sparte Barclays Capital aufgehen lassen.

Einige Barclays-Aktionäre hätten als Zeichen ihrer Unterstützung bereits Interesse an einer Aufstockung ihrer Anteile erklärt, teilte die britische Bank weiter mit. Dies könne zu einer kleineren Kapitalerhöhung von mindestens einer Milliarde Dollar führen. Barclays schloss zudem eine Übernahme von Lehman-Geschäften in Europa und Asien nicht aus. Sollte sich eine günstige Gelegenheit im Aktien- und Kapitalmarktgeschäft ergeben, wolle der Konzern sie nicht verpassen, erklärte die Barclays-Führung. Die übernommenen Lehman-Teile, bei denen es überraschend wenig Überschneidungen mit dem eigenen Geschäft gebe, wirkten sich umgehend positiv auf das Konzernergebnis aus.

Die Vereinbarung bedarf noch der Genehmigung eines Konkursgerichts und kann abgesagt werden, wenn der Kauf nicht bis zum 24. September vollzogen wird. Lehman hatte am Montag Gläubigerschutz beantragt. Seitdem wenden sich immer mehr Kunden von dem Traditionshaus mit deutschen Wurzeln ab, ein Vorgang, der durch eine schnelle Übernahme der Geschäftsteile gestoppt werden soll.

Die Ratingagentur S&P warnte vor einem neuen empfindlichen Schlag für die ohnehin gebeutelten europäischen Banken durch den Lehman-Kollaps. Auch wenn das direkte Engagement in Papieren oder Derivaten der Investmentbank gering sei, drohten über den Preisverfall an den Märkten bedeutende Abschreibungen, erklärten die Bonitätswächter. Besonders Häuser mit einem starken Kapitalmarktgeschäft wie etwa die Deutsche Bank müssten sich auf neue hohe Belastungen einstellen.

Die deutschen Banken halten sich bislang weitgehend bedeckt, was ihr direktes Engagement in Lehman-Papieren betrifft. Die Finanzaufsicht hatte zu Wochenbeginn betont, dass die Auswirkungen auf die Bankenbranche in Deutschland überschaubar und verkraftbar seien. Grundsätzlich sieht S&P die europäischen Banken aber gegenüber vielen US-Wettbewerbern im Vorteil, da sie neben dem Investmentbanking auch ein starkes Privatkundengeschäft haben.



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aus der Diskussion: Lehman Brothers Chapter 11 -> Auswirkung(en) auf deren Zertifikate
Autor (Datum des Eintrages): tdwzb  (18.09.08 23:17:41)
Beitrag: 57 von 2,327 (ID:35177688)
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