Fenster schließen  |  Fenster drucken

[posting]35419118[/posting]Stimmt, die Banken stehen in einer moralischen Verpflichtung. Über Rechtsfragen zu streiten (auch vor Gericht) dürfte im Ergebnis wenig bringen. Dafür haben sich die Banken zu gut abgesichert.
Deswegen sollte es darum gehen, immer wieder über Moral und Anstand zu sprechen. Denn die Grundlage des Finanzsystems sind nicht Gesetze, sondern Vertrauen. Vertrauen, dass die Banken, bei mir war es die Citibank, verspielt haben. Dass die Banken auf die einwandfreie Rechtslage verweisen, zeigt doch nur, wie perfide die Sache von Anfang bis Ende durchdacht und eingefädelt war. Solche ausgeklügelten Spitzfindigkeiten mögen vor Gericht Bedeutung haben, aber nicht für diejenigen Menschen, die Ihrem Danken und Handeln ganz einfache (aber deswegen gewiss nicht falsche) Maßstäben zugrunde legen: Es gibt Dinge, die man nicht tut. Jeder mit einem Funken Anstand im Leib hat dafür ein natürliches Empfinden. Mit Juristerei hat das freilich wenig zu tun. da genügt es völlig, nicht gegen das Gesetz zu handeln. Doch im Namen und in Einheit von geltendem "Recht und Gesetz" geschah und geschieht in manchen Staaten (auch in Deutschland!) menschlich Verabscheuungswürdiges.
Wer das Gesetz und/oder die Machtmittel auf seiner Seite hat, ist moralisch deswegen also noch lange nicht im Recht. Die Banken mögen vielleicht die anzustregenden Prozesse gewinnen, aber das Vertrauen und in der Konsequenz ihre Kunden würden sie unweigerlich verlieren.

Auch ich würde den Vermögensberatern keine Alleinschuld vorwerfen. Aber die Art und Weise, wie sich die Banken verhalten, ist zutiefst schändlich. Erst ziehen sie Ihre Kunden über den Tisch. Und dies mit einer Geschwindigkeit, dass die dabei enstehende Reibung vom Kunden als menschliche Wärme mißverstanden wird. Dann lassen sie in der schlimmsten Finanz-Krise Bestehen der Bundesrepublik ihre Kunden, denen sie diese verhängnisvollen Investments empfohlen haben, allein in der Misere zurück - ohne Infos, ohne Beistand. Stattdessen schicken sie nun ihre Berater über die Planke, um sie den Medien- und Kunden-Haien zum Fraß vorzuwerfen. Ja, wie mies ist das denn!?

Wie ich höre, fliehen die Vermögensberater in Scharen von der Citibank. Warum wohl: Weil das so eine tolle Spitzenbank ist, oder weil diese Leute es leid sind, das Vertrauen ihrer Kunden zu mißbrauchen zu sollen, bzw. hinterher genau dafür von der Citibank offiziell zum Abschuss frei gegeben zu werden? Die Citibank stellt sich vor niemanden - nicht einmal vor ihre eigenen Mitarbeiter, die auf Anweisung tätig geworden sind. Und die Citibank übernimmt für gar nichst die Verantwortung. Aber wie heißt es doch so ganz richtig: Wer schreibt, der bleibt. Und damit wären wir wieder beim juristisch einwandfreien Kleingedruckten.
 
aus der Diskussion: Lehman Brothers Chapter 11 -> Auswirkung(en) auf deren Zertifikate
Autor (Datum des Eintrages): kaesekuchen  (05.10.08 12:26:56)
Beitrag: 1,004 von 2,327 (ID:35420378)
Alle Angaben ohne Gewähr © wallstreet:online