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Verbrauchervertrauen
US-Mittelschicht verliert Hoffnung
Bei den Armen in den USA wächst die Zuversicht. Dagegen lässt ausgerechnet die Mittelschicht die Köpfe hängen. Das zeigen Zahlen zur Konsumentenstimmung. Schuld ist ein Streit im Kongress um Steuergeschenke. An den Finanzmärkten kommt das schlecht an.
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Die Stimmung der amerikanischen Verbraucher hat sich im September unerwartet verschlechtert. Der vorläufige Index von Thomson Reuters und der Universität von Michigan fiel auf 66,6 Punkte und damit den tiefsten Stand seit August 2009. Im August dieses Jahres hatte er noch bei 68,9 Zählern gelegen.
Der Grund für den unerwarteten Rückgang liegt bei Haushalten mit Einkommen von mehr als 75.000 Dollar: Das Minus geht vollständig auf eine schlechtere Stimmung in dieser Bevölkerungsgruppe zurück. Der Index verlor hier 7,1 Punkte. Familien mit geringeren Einkommen blicken optimistischer in die Zukunft, für sie kletterte das Barometer um 2 Zähler. Richard Curtin, der die Umfrage betreut, sagte, die Diskrepanz habe wahrscheinlich mit der Unsicherheit über die mögliche Verlängerung von Steuervergünstigungen zu tun. Ähnlich äußerte sich Tom Simons, Geldmarktökonom bei Jefferies & Co, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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Damit flammen Sorgen um die Erholung der US-Konjunktur wieder auf. Zuletzt waren sie etwas abgeebbt, nachdem einige Daten etwas besser ausgefallen waren als erwartet. Das Vertrauen der Verbraucher ist wichtig für die amerikanische Konjuktur - der private Konsum steht für etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung. Investoren reagierten daher enttäuscht auf die Daten. Aktienindizes gaben nach, Anleihen legten zu. Der S&P 500 verzeichnete leichte Einbußen, deutsche Leitindex DAX verlor 0,8 Prozent auf 6199 Zähler.
"Das zeigt einen Verbraucher, der seine eigenen Lebensumstände im Verhältnis zu den makroökonomischen Bedingungen höchst skeptisch betrachtet", sagte Mark Luschini, Chef-Investmentstratege bei Janney Montgomery Scott, Reuters. "Das deutet darauf hin, dass wir schwache Konsumausgaben sehen werden, was wiederum für ein weiter blutarmes Wachstum spricht."
Streit um Steuervergünstigungen
Im Kongress wird derzeit über eine Verlängerung von Steuervergünstigungen diskutiert, die unter dem früheren Präsidenten George W. Bush eingeführt worden waren. Eigentlich sollen sie Ende 2010 auslaufen. Die Regierung und viele demokratische Abgeordnete wollen angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage die Vergünstigungen für jene verlängern, die weniger als 250.000 Dollar im Jahr verdienen. Für wohlhabendere Amerikaner soll es hingegen keine Erleichterungen mehr geben. Viele Republikaner wollen alle Steuergeschenke verlängern, zumindest für ein Jahr. Im Wahlkampf vor den Kongresswahlen im November ist der Steuerstreit zu einem heißen Thema geworden.
Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal war jüngst von 2,4 auf 1,6 Prozent herab korrigiert worden. Die Notenbank Fed hat aus Sorge um die Konjunktur wieder damit begonnen, durch Käufe von Staatsanleihen Geld in die Wirtschaft zu pumpen.

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:verbrauchervertrauen-u…
 
aus der Diskussion: Lufthansa AG: Wie geht`s weiter?
Autor (Datum des Eintrages): Andrasadam  (18.09.10 11:50:50)
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