Fenster schließen  |  Fenster drucken

Eben im Netz gefunden:

Tucholsky,­ 1930, veröffentl­icht in "Die Weltbühne"­


Wenn die Börsenkurs­e fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkau­f.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:­
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert­.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,

und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulante­nbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?­
Da muss eingeschri­tten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilu­ng pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
 
aus der Diskussion: Wirecard - Top oder Flop
Autor (Datum des Eintrages): crimson  (19.02.19 20:42:16)
Beitrag: 34,971 von 166,150 (ID:59913845)
Alle Angaben ohne Gewähr © wallstreetONLINE