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[posting]60932767[/posting]@Abbivie + Allergan
An alle die der Meinung sind, das ist eine "gute Geschichte", möchte ich erinnern, das gerade mal vor 4 Jahren Teva, Teile von Allergan übernommen hatte, und sich für teuer Geld eine Menge Luft in die Bilanz und eher wenig substanzielles ins Unternehmen geholt hat. Die Auswirkung davon sehe ich gerade in meinem Depot. Was ist jetzt an diesem Deal besser ? Man stelle sich vor die Zinsen steigen, in den nächsten Jahren in den USA um 2 % ! Was hätte das für eine Auswirkungen auf ein Unternehmen mit dann mehr als 100 Mrd. US $ Schulden , sowie mehr als 100 Mrd. US $ Luft (intangibles & Goodwill) in der Bilanz ?





Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich bin hier nicht der Statthalter von Abbvie, aber man kann jetzt auch wirklich nicht Äppel mit Birnen vergleichen :D

Der Unterschied zwischen Teva und Abbvie ist, dass Teva dicke Verluste schreibt und Abbvie dicke Gewinne und damit Cashflow einfährt. Und der Deal mit AGN steigert natürlich die Schuldenlast, aber zum anderen sorgt er auch dafür, dass CF und Umsätze nicht nur hoch bleiben, sondern Gewinn und Umsätze steigen.
Hier nochmal die 3 Hauptgründe, weshalb ich den Deal etwas anders einschätze als offenbar die meisten hier:

1. Als Aktionär erwarte ich, dass "mein" Unternehmen Risiken die durch eine einseitige Abhängigkeit von einem Produkt entsteht, versucht zu korrigieren.
Dies hat das Management durch den Zukauf von CF getan und hat sich damit die notwendige Zeit gekauft um die eigene Pipeline zu entwickeln.
Abbvie hat sich dafür entschieden, dies durch den Zukauf einer Cashmaschine zu machen. Und Botox steht nicht in der Gefahr politischen Wahlkämpfen oder Regularien zum Opfer zu fallen, da es nicht von Kassen bezahlt wird. Das hat den Nachteil, dass man sich kein Wachstum einkauft, hat aber auch den Vorteil, dass es nicht spekulativ ist wie es z.B. Gilead mit bisher sehr überschaubarem Erfolg gemacht hat.

2. Ich erwarte eine stabile, am besten steigende Dividende.
Dies sollte durch den Deal gegeben sein, das Management von Abbvie hat sich zudem zu einer stabilen Dividendenpolitik bekannt. Auf Basis der vorliegenden Zahlen sollte auch in den kommenden Jahren eine kleine Dividendensteigerung möglich sein, zusätzlich ist das Unternehmen auch in der Lage die Schulden zu reduzieren. Auch dazu hat sich das Management bekannt.

3. Ich erwarte Umsatz- und Gewinnsteigerungen.
Auch das hat sich Abbvie mit der Übernahme von AGN eingekauft. Natürlich sind hier auch die größten Fragezeichen zu machen, denn der Anstieg von Schulden und Goodwill sind natürlich immens.

Außerdem sehe ich aktuell keine Gefahr für weiter steigende Zinsen in den USA (eher im Gegenteil).

Das alles sind für mich die Gründe Abbvie aktuell zu halten. Bis 2023 (Ablauf des Patents von Humira in den USA) wird sich herauskristallisieren wie der Deal läuft. Es ist z.B. durchaus auch denkbar, dass es Abbvie gelingt, den Verkauf von Botox wieder zu steigern, denn Abbvie hat durch die Präsens in 170 Ländern eine erheblich größere Vertriebskraft als AGN, und solche möglichen Synergieeffekte sind nicht berücksichtigt. Weiterhin ist bis dahin auch klar ob es dem Abbvie Management tatsächlich ernst mit der Schuldenreduzierung ist.

Abschluss:
Wie vorgestern schon geschrieben, halte ich die aktuellen Risiken auf Basis der vorliegenden Zahlen für beherrschbar.
Die Entscheidung darüber wie sich Abbvie langfristig entwickeln wird sehe ich genauso wie @Investival :
Das wird nicht über diesen Deal entschieden, sondern über die Pipeline und welche möglichen Blockbuster sich dort ergeben.
 
aus der Diskussion: Timburgs Langfristdepot 2012-2022
Autor (Datum des Eintrages): Spielderspiele  (02.07.19 11:02:46)
Beitrag: 38,012 von 39,349 (ID:60934933)
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