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UNO-KINDERGIPFEL

Konservative Moralvorstellungen der USA gefährden Erfolg

Von Nicole Janz

Der Weltkindergipfel droht an der starren Haltung der US-Delegation zu scheitern. Im Abschlussdokument dürften keine Formulierungen enthalten sein, die Abtreibung bei Minderjährigen gutheißen. Streit gibt es auch um ein Mindestalter für die Todesstrafe.


DPA

Weltkindergipfel: Während Kinder ihre Wünsche formulieren, stellen sich die USA in geschlossener Sitzung gegen Abtreibung


New York - "Abstinenz ist der einzig sichere Weg, durch Sex übertragbare Krankheiten und frühe Schwangerschaften zu verhindern", hatte Tommy Thompson, Gesundheitsminister der USA, bereits zu Beginn des Weltkindergipfels in New York gesagt. An der konservativen Haltung der US-Delegation hat sich bis Freitag, dem letzten Tag des Treffens, nichts geändert. Die Amerikaner beharren auf ihrer Forderung, ins gemeinsame Abschlussdokument der Konferenz die Missbilligung von Abtreibung hineinzuschreiben.
Im Abschlussdokument sollen mehr als 20 Ziele formuliert werden. Sie sollen die Situation von Kindern verbessern. Dazu gehört etwa die Absicht, bis ins Jahr 2010 die Kindersterblichkeit und Mangelernährung um ein Drittel zu reduzieren und die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen können, zu halbieren. Die Delegation der USA dagegen will in der Abschlusserklärung die Zielvorgaben der Kinderrechtskonvention von 1989 abschwächen.

Während des Gipfels hatten die US-Delegierten hinter verschlossenen Türen kritisiert, dass in einem Entwurf für das Abschlussdokument Formulierungen enthalten seien, die indirekt die Abtreibung bei Minderjährigen ermöglichen würden. Die Worte "Gesundheitsfürsorge im Fortpflanzungsbereich" etwa seien ein verschlüsselter Hinweis darauf.

Streit gibt es auch bei der Frage, ob Kindern gewährleistet werden soll, ihre Menschenrechte einzuklagen. Nach Meinung der USA schwäche das die Position der Eltern. Ebenso strittig ist das Ziel einer großen Mehrheit unter den Uno-Mitgliedsstaaten, dass ein Mindestalter für die Verhängung der Todesstrafe eingeführt werden soll, das weltweit gelten soll.

Die Länder der Europäischen Union weigern sich standhaft, im Aktionsplan des Gipfels auf niedrigere als bisher erreichte Standards zurückzugehen. Der Leiter der Verhandlungen, der deutsche Uno-Botschafter Hanns Schumacher, äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass es im letzten Moment noch eine Einigung geben werde. Die Direktorin des Kinderhilfswerks Unicef, Carol Bellamy, hatte bereits im Vorfeld gesagt: "Es kommt nur darauf an, Worte zu finden, mit denen jeder leben kann."

Solche Worte haben die Vertreter der Israelis und Palästinenser auf dem Weltkindergipfel offensichtlich noch nicht gefunden. Sie warfen sich gegenseitig vor, die Rechte von Kindern zu verletzen. Der israelische Justizminister Meir Scheetrit sagte, die palästinensischen Organisationen missbrauchten Kinder und Jugendliche als Selbstmordattentäter - der palästinensische Vertreter beschuldigte die israelische Armee, unzählige Kinder seines Volkes getötet zu haben.

Erste Erfolge gab indes der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, Ruud Lubbers, am Rande des Weltkindergipfels bekannt. Nach Berichten über sexuellen Kindesmissbrauch durch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Afrika seien die Regeln verschärft worden. So sollten künftig nur noch weibliche Helferinnen in Flüchtlingslagern Essen an Mädchen und Frauen verteilen - um zu verhindern, dass Männer Sex verlangen. Auch wurde Mitarbeitern des Flüchtlingshilfswerks UNHCR jeglicher sexueller Kontakt zu Flüchtlingen verboten, wer das nicht befolge, werde entlassen.

Die USA sind neben Somalia das einzige Land, das die 1989 verabschiedeten Uno-Kinderrechtskonventionen noch nicht ratifiziert hat.
 
aus der Diskussion: US-Wahl: Die Dumpfbacken haben gewonnen
Autor (Datum des Eintrages): Stormy  (10.05.02 15:41:50)
Beitrag: 96 von 176 (ID:6377868)
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