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<p align=justify><snapshot>Frage: Herr Treichl, viele Banken leiden unter den schwachen Finanzmärkten und vor allem unter faulen Krediten durch spektakuläre Pleiten. Wie steht es nach den ersten sechs Monaten um die Erste Bank</snapshot> und um Ihre strategische Positionierung in Europas Bankenlandschaft?<p>Andreas Treichl: Wir haben vor fünf Jahren bewusst nach Zentraleuropa expandiert, um von den unterschiedlichen volkswirtschaftlichen Entwicklungen zu profitieren. Während die Wirtschaft in Westeuropa und somit auch in Österreich stagniert, haben wir ein beachtliches Wachstum in den Ländern Zentraleuropas. Das kommt uns natürlich zugute. Wir sind eine Sparkasse und konzentrieren uns auf das Geschäft mit Klein- und Mittelbetrieben sowie auf das Massenkundengeschäft. Und in diesen Bereichen gibt es keine spektakulären Pleiten, die uns Löcher in die Bilanz reißen. Strategisch sind wir sicherlich bestens positioniert. 70 Prozent unserer Kunden sind im einzigen Wachstumsmarkt Zentraleuropas angesiedelt. Gleichzeitig haben wir aber nur 30 Prozent unseres Kapitals in dieser Region veranlagt, den Rest in Österreich. Ein Investor profitiert demnach zu 70 Prozent von den Chancen in Zentraleuropa, hat aber die Sicherheit eines Landes, das gerade vor ein paar Tagen wieder das Tripple-A Rating erhalten hat. Dazu kommt, dass wir in Tschechien und der Slowakischen Republik klarer Marktführer im Retail-Banking sind, in Kroatien zu den drei führenden Banken zählen. In Ungarn haben wir noch eine kleine Bank, die in den letzten Jahren mit über 60 Filialen aber ein beachtliches Wachstum hingelegt hat.<p>Frage: Wie hoch ist bei Ihnen das Risiko im Kreditgeschäft eine erhöhte Risikovorsorge vorzunehmen und sind in Ihrem Hause dubiose Kredite im großen Stil Fehlanzeige, beispielsweise bei Ihren letzten Übernahmen?<p>Andreas Treichl: Wir haben die Ceska sporitelna nur übernommen, weil uns der Staat die gesamten Kreditrisiken der Vergangenheit garantiert hat. In der Ceska finden sie keinen einzigen „Risikokredit“ mehr. Die Bank ist in dieser Beziehung sauber, was in Zukunft an Risken anfällt, sind unsere eigenen Kreditentscheidungen. Ähnlich sind wir auch bei der Slovenska sporitelna vorgegangen. Auch hier haben wir keine Kreditrisiken aus der Vergangenheit übernommen.<p>Frage: Kommen Sie mit der Integration der jüngsten Zukäufe zurecht?<p>Andreas Treichl: Die Frage ist berechtigt und gut. Wir haben bei all unseren Zukäufen darauf geachtet, dass wir eine partnerschaftliche Integration vornehmen. Wir haben im Vorstand immer auf die Erfahrung des alten Managements vertraut, dazu auf unsere Experten gesetzt und von außen neues Know-How implementiert. Und das funktioniert prächtig. Jack Stack in der Ceska ist eine tolle Integrationsfigur. Ihm ist es sicherlich zu verdanken, dass die Bank heute nicht nur eine Ertragsperle ist, sondern innerhalb kurzer Zeit auch über eine Million neuer Kunden akquiriert hat. Ähnlich läuft es auch in der Slowakei. Von Problemen bei der Integration kann keine Rede sein. Wir gehen hier sehr partnerschaftlich, aber mit klaren Zielsetzungen für die Ergebnisbeiträge der Tochterbanken vor.<p>Frage: Durch eine Kapitalerhöhung haben Sie 642 Mio. Euro eingesammelt und bereits wieder rund 700 Mio. Euro für einen weiteren Teil der Ceska sporitelna Anteile wieder ausgegeben. Ist der Preis, den Sie insgesamt für die Bank bezahlen, nicht viel zu hoch und was versprechen Sie sich von dieser Akquisition?<p>Andreas Treichl: Wir haben die CS zu einem Preis/Buchwert von unter 2 übernommen. Das ist in der Region einmalig und hat uns international auch viel Beachtung beschert. Mit dem jetzigen Zukauf sichern wir uns rund 90 Prozent des Ertrages den unsere Tochter in der Tschechischen Republik erwirtschaftet. <p>Frage: Ist Ihr Expansionsdrang nun gestillt oder welche weiteren Schritte planen Sie?<p>Andreas Treichl: Wir haben unsere Kundenanzahl von 0,6 Millionen im Jahr 1997 auf über 10 Millionen gesteigert und unseren Mitarbeiterstand von knapp 3.000 auf über 30.000 erhöht. Das hat sonst glaube ich kein anderes Institut so gut verdaut. Trotzdem befinden wir uns nun in einer Phase, in der wir die Vorteile unserer Größe und unseres strategischen Fokus den Kunden näher bringen werden. Soll heißen: Vorerst gibt es keine weiteren Zukäufe.<p>Frage: Lassen Sie uns über Ihre Ziele in 2002 sprechen. Welchen Jahresüberschuss erwarten Sie und welche Ziele wollen Sie bis Ende des Jahres erreichen? Wo sehen Sie Ihr Unternehmen im Jahr 2005? Wie hoch schätzen Sie die Wachstumsraten ein und welche Kostenquote und Eigenkapitalrendite streben Sie an?<p>Andreas Treichl: Für das laufende Geschäftsjahr bleiben wir angesichts der herrschenden Unsicherheit auf der Makroebene vorsichtig. Für das Gesamtjahr 2002 wird aber weiterhin ein Ergebnis erwartet, das trotz der Vorsorgen im Hinblick auf die EU-Kartellverfahrensentscheidung hier ist ja noch das Verfahrenanhängig - über dem Ergebnis des Vorjahres liegen wird. Für 2005 wird ein Konzernüberschuss nach Steuern und Fremdanteilen von über 500 Mio. Euro erwartet. Dies entspricht einer Eigenkapitalverzinsung auf das seit Juli 2002 nunmehr deutlich erhöhte Eigenkapital von rund 15 Prozent. Die Kosten/Ertragsrelation wird 2005 unter 65 Prozent zu liegen kommen.<p>Frage: Ihr Aktienkurs hat sich in den letzten zwölf Monaten erfreulich entwickelt. Ist die Luft jetzt raus oder werden Ihre Aktionäre in der Zukunft weiterhin viel Freude mit Ihrem Engagement haben?<p>Andreas Treichl: Ich bin mir sicher, dass unsere Aktionäre in den kommenden Jahren noch viel Freude mit ihrem Investment haben werden. Es gibt im Moment keine andere Bank, die im einzigen Wachstumsmarkt der westlichen Welt derartig gut aufgestellt ist und von der EU-Erweiterung in einem derartigen Ausmaß profitieren wird, wie die Erste Bank.<p>Frage: Gibt es Risiken?<p>Andreas Treichl: Risken, naja, wenn die Erweiterung verschoben wird, freut uns das sicherlich nicht. Aber unsere Banken sind kerngesund, zählen zu den Marktführern im jeweiligen Land. Das heißt auch ohne Erweiterung kommen Erträge herein. Wenn Sie es so sehen wollen sind wir eine Call-Option auf die Osterweiterung.<p>Herr Treichl, vielen Dank für das Interview!<p>(Quelle: TradeCentre Börsenbrief)<br><br><b>Wertpapiere des Artikels:</b><br><a href=http://www.wallstreet-online.de/si/charts/chart.php?woid=16609& TARGET=wosi>1.BK OEST.SPARK.</a><br><br><br>Autor: (© wallstreet:online AG / SmartHouse Media GmbH),14:22 19.08.2002</p>
 
aus der Diskussion: Interview mit CEO von Erste Bank der österreichischen Sparkassen
Autor (Datum des Eintrages): Nachrichten  (19.08.02 14:30:06)
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