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Dazu ein Artikel aus www.heise.de

Die verrückten Briten


Das politische und kulturelle Leben auf der Insel erschien uns Kontinentaleuropäern immer schon chaotisch und schwer durchschaubar, das Verhalten der Briten selbst als "spleenig", als etwas seltsam eben und mehr von Ideologien, Aberglauben und Medienmythen getrieben als von Rationalität. Die Regierung Thatcher hat das auf die Spitze getrieben. Ein politisch aufmerksamer Zeitgenosse, wie Richard Barbrook, Hypermedia Research Centre an der Westminster University, meint, Thatcher-Britannien sei von purer Ideologie angetrieben gewesen und nicht von pragmatischem, vernunftorientiertem politischem Handeln. Mit missionarischem Eifer hat sie neoliberale Politik durchgesetzt.




Von "Sozialabbau" zu sprechen, derzeit ein Lieblingsschlagwort der deutschen Medienlandschaft, wäre ein zu schwaches Wort. Die Tories haben privatisiert, wo und wie sie nur konnten und dabei kein Tabu ausgelassen. Gas, Strom, Telefon, Eisenbahn, Altersvorsorge, all das wurde weitgehend in private Hände übergeben. Selbst "Public Health Care", so etwas wie ein öffentliches, allen gleichermaßen zugängliches Gesundheitssystem, existiert nicht mehr. Doch erst als Thatcher die "Poll Tax" einführen wollte, vergleichbar nur einer mittelalterlichen Kopfsteuer, eine Art "Wahlsteuer", nach der nur die das Wahlrecht behalten, die diese Steuer bezahlen können und wollen, mußte sie gehen. Die Poll-Tax brachte das Faß zum Überlaufen. Der Mob tobte in den Straßen des chicen West End, Rolls Royce Luxuslimousinen wurden zerkratzt, Nobelläden geplündert. Thatcher ging, doch die Tories blieben.

Wenn sich das Land nun langsam erholt hat, dann ist das sicher nicht deren Verdienst. Es ist eher ein Aufwärtstrend, der nach langen Jahren der Rezession und Stagnation einfach kommen mußte. Wie die Erholungsphase nach einem Krieg. Und es hat auch wirklich einen Krieg gegeben, nicht Falkland und auch nicht "Operation Desert Storm", an der sich die Briten so erfolgreich beteiligten, sondern ein Krieg von Reich gegen Arm. Die Spuren dieses Krieges haben sich sichtbar ins Stadtbild eingegraben, vor allem in den ärmeren Vierteln.


Nur zur Erinnerung an unsere neoliberalen Götzenanbeter :laugh:
 
aus der Diskussion: Kommt nach der Vermögenssteuer die Kopfsteuer ?
Autor (Datum des Eintrages): Punk24  (10.12.02 16:00:24)
Beitrag: 10 von 15 (ID:8059850)
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