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Conti bald wieder bei € 80 (Seite 285)


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10.08.2009

FTD: Schaeffler rückt von Koerfer ab

Bislang hält der Autozulieferer eisern am selbst eingesetzten Conti-Aufsichtsratschef fest. Doch nun bietet Schaeffler wohl die Ablösung Koerfers an - um den Konflikt zu entschärfen, und Conti-Chef Neumann loszuwerden.

Im Streit zwischen Continental und Schaeffler deutet sich nach FTD-Informationen ein Kompromiss an. Danach gibt Rolf Koerfer die Conti-Aufsichtsratsspitze mittelfristig ab und wird durch einen neutralen Chef von außen ersetzt. Diskutiert wird derzeit als Termin die übernächste Aufsichtsratssitzung. Es würde bereits über Namen gesprochen, heißt es.

Conti-Chef Karl-Thomas Neumann soll nach derzeitigem Diskussionstand durch Elmar Degenhart ersetzt werden. Zudem solle der Vorstand um einige operative Posten erweitert werden. Dafür sind nach aktuellem Stand der Diskussion Conti-Manager vorgesehen, "um das Gleichgewicht zu wahren". Der Finanzvorstand, den der Konzern immer noch sucht, solle aber von außen kommen.

Ob es tatsächlich zu dieser Lösung kommt, ist allerdings noch nicht sicher. Am Dienstagabend finden die Vorbesprechungen der Kapital- und Arbeitnehmerseite statt, erst da wird entschieden, ob der Kompromiss die Zustimmung findet. Zudem müsse der Garant der Investorenvereinbarung, Altkanzler Gerhard Schröder, seine Bedenken fallenlassen.

Aus dem Umfeld der Konzerne hieß es, der Konflikt werde sich am Montag oder Dienstag "in Wohlgefallen" auflösen. Am Mittwoch soll erneut der Conti-Aufsichtsrat zusammenkommen. Eine erneute Kampfabstimmung und ein Eklat wie bei der letzten Sitzung sollten verhindert werden, hieß es.

Mit der Ablösung Koerfers könnten die Arbeitnehmer wohl wieder ins Boot geholt werden, die die von Schaeffler betriebene Absetzung von Neumann bisher abgelehnt hatten. Die Mitarbeiter-Vertreter im Kontrollgremium hatten Koerfer vorgeworfen, nicht unabhängig zum Wohle Contis zu entscheiden, sondern zu stark die Interessen Schaefflers durchzusetzen.

Conti lehnte eine Stellungnahme ab, Großaktionär Schaeffler teilte mit: "Wir möchten uns zu Spekulationen im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung nicht äußern." Die FTD hatte bereits in der vergangenen Woche berichtet, Koerfer drohe die Ablösung. Dem hatte Schaeffler damals widersprochen. Koerfer habe "das uneingeschränkte Vertrauen der Schaeffler-Gruppe, hatte ein Sprecher gesagt. Eine Ablösung sei daher kein Thema

Mit der geplanten Auswechslung Neumanns durch den eigenen Manager Degenhart war Schaeffler bei einer Conti-Aufsichtsratssitzung am 30. Juli am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert. Sie hatten den Franken die nötige Zweidrittelmehrheit verweigert. Im zweiten Wahlgang an diesem Mittwoch hätte die Kapitalseite mit ihrer zusätzlichen Stimme zwar den Ton angeben können. "Zu einer Kampfabstimmung wird es aber nun nicht mehr kommen", sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Schröder könne sich wieder zurückziehen. Er hatte eine juristische Überprüfung der Vorgänge vom 30. Juli angeordnet, in deren Folge Formalien eine erneute Abstimmung hätten verhindern können.

Finanzkreisen zufolge wird Schaeffler in einem Kernpunkt der Auseinandersetzung mit Conti aber hart bleiben: der geplanten Kapitalerhöhung, deren Vorbereitung Neumann noch durchgedrückt hatte. "Es ist in jedem Fall wahrscheinlich, dass die Kapitalerhöhung später wieder kassiert wird", sagte ein Banker Reuters. Schaeffler wehrt sich gegen die Ausgabe neuer Conti-Aktien, da das den Anteil der Franken an dem hannoverschen Autozulieferer verwässern würde. Schaeffler hatte der Kapitalerhöhung aus rechtlich Gründen jüngst allerdings zähneknirschend zugestimmt.

Schaeffler hält knapp die Hälfte der Conti-Aktien, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt. Das Unternehmen war wegen des Erwerbs der Mehrheit an Conti in eine finanzielle Schieflage geraten. Continental und Schaeffler verhandeln seit Monaten über die Zukunft der beiden hoch verschuldeten Konzerne.

(c) FTD
Antwort auf Beitrag Nr.: 37.739.603 von Boersianer99 am 09.08.09 11:51:48Was bleibt Neumann anderes übrig?
Der Aufsichtsrat ist gespalten, wie die Abstimmung auch gezeigt hat. Da muss der Neumann den Weg gehen, den er (in eigener Verantwortung als Vorstand!) für richtig hält. Der AR hat den Vorstand zu kontrollieren, nicht zu kommandieren!
Antwort auf Beitrag Nr.: 37.732.217 von 24u@ndb am 07.08.09 13:38:41Wenn sich hier jemand verzockt hat, dann war es Contis-Ex-Vorstand Wennemer, der Siemens die VDO um einen enorm überhöhten Preis abgekauft hat. Die Siemensianer konnten sich damit sanieren und Conti wurde zum schwächelnden Übernahmekandidation für Schaeffler.

Dass sein Nachfolger Neumann innerhalb eines Jahres in Selbsherrlichkeit versinkt und glaubt, ein AG-Vorstand kann sich seinen Aufsichtsrat aussuchen, zeugt nicht von großer Realitätssicht. Davon abgesehen hat seine Performance die "Perle" Conti auch noch nicht zum Glänzen gebracht.

Es bleibt zu hoffen, dass die AR-Sitzung vom Mittwoch eine Trendumkehr bei Conti einleitet und den Weg für eine Fusion mit Schaeffler ebnet, sodass der gestärkte Zulieferkonzern sich in schwierigen Zeiten am Markt behaupten kann.
Antwort auf Beitrag Nr.: 37.747.165 von sascha13 am 10.08.09 18:01:40
Conti und Schaeffler einigen sich auf weitere Personalien
Düsseldorf (ddp). Der gefundene Kompromiss zwischen Schaeffler und
Continental um den Vorstandsumbau reicht offenbar weiter als bislang
bekannt. Wie das «Handelsblatt» (Dienstagausgabe) aus
Verhandlungskreisen erfuhr, stehen neben dem neuen Conti-Chef Elmar
Degenhart auch die weiteren neuen Conti-Vorstandsmitglieder bereits
fest. Drei neue Führungskräfte sollen demnach in den Conti-Vorstand
berufen werden. Dabei handele es sich um den Interimschef der
Pkw-Reifensparte, Nikolai Setzer, den Chef des Interior-Bereichs,
Helmut Matschi, und Ralf Cramer, Chef der Bremsen-Sparte Chassis &
Safety. Degenhart selbst übernehme die Zuständigkeit für den Bereich
Powertrain.
Für den vakanten Posten des Finanzchefs solle eine renommierte
Personalberatung einen Kandidaten suchen, hieß es in den Kreisen.
Schaeffler-Finanzvorstand Klaus Rosenfeld, der laut früheren Plänen
den Posten mit übernehmen sollte, sei damit offenbar aus dem Rennen.
Zwei Conti-Manager, Personalchef Heinz-Gerhard Wente und
Lkw-Reifenchef Hans-Joachim Nikolin, blieben im verjüngten Vorstand.
Damit stehen dem Schaeffler-Mann Degenhart fünf Conti-Manager
gegenüber. Laut Satzung entscheidet im Vorstand die einfache
Mehrheit, nur bei Stimmgleichheit gibt der Vorstandschef den
Ausschlag.
(ddp)
Kontakt:
financial.de AG

Seitzstrasse 23
80538 München
Wie es scheint, scheint sich die Situation nun in einem Kompromiss zu entspannen.

Zwar hat Wennemer nochmals medial versucht zu polarisieren, jedoch sind dank Bankvertreter die Beteiligten nun auf Kompromissweg.

http://www.handelsblatt.com/journal/presseschau/conti-schaeffler-koepfe-rollen-fuer-den-frieden;2443173
11.08.2009

AUSBLICK/Kompromiss im Streit zwischen Conti u Schaeffler in Sicht


FRANKFURT (Dow Jones)--In dem seit Monaten andauernden Machtkampf zwischen der Continental AG und dem Großaktionär Schaeffler zeichnet sich eine Kompromisslösung ab. Um die verfahrene Situation zu entschärfen, könnten auf der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Mittwoch zwei Reizfiguren ihren Hut nehmen, wie Dow Jones Newswires erfuhr: der Conti-Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann und der umstrittene Aufsichtsratschef und Schaeffler-Berater Rolf Koerfer.

Neumann hatte die Franken mit seinen Vorstellungen zur Lösung der Finanzklemme der Hannoveraner durch eine Milliarden-Geldspritze der Aktionäre und den Vorwurf, Schaeffler lähme Conti durch seine Hinhaltetaktik, gegen sich aufgebracht. Bei der turbulenten Aufsichtsratssitzung Ende Juli hatte nur das geschlossene Veto der Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium die von Schaeffler initiierte Abwahl verhindert.

Die Arbeitnehmer kritisierten dagegen zuletzt den Aufsichtsratsvorsitzenden Koerfer. Ihr Vorwurf: Der Schaeffler-Berater habe zu selten unabhängig zum Wohle der Conti agiert, sondern vielmehr die Interessen des Wälzlagerherstellers vertreten. Mit dem Zugeständnis an die Arbeitnehmerbank im Kontrollgremium hoffen die Herzogenauracher, sich die Zustimmung für den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart als neuen Vorstandsvorsitzenden des MDAX-Konzerns zu sichern.

Neben Degenhart stehen Medienberichten zufolge schon weitere Conti-Vorstände fest. Mit dem Interimschef der Pkw-Reifensparte, Nikolai Setzer, dem Leiter des Interior-Bereichs, Helmut Matschi, und dem Leiter der Bremsen-Sparte Chassis & Safety, Ralf Cramer, sollen drei weitere Führungskräfte in den Vorstand aufrücken, berichtete das "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Degenhart selbst übernehme die Antriebssparte Powertrain von Neumann. Personalchef Heinz-Gerhard Wente und der Lkw-Reifenchef Hans-Joachim Nikolin sollen im Vorstand verbleiben. Für das Finanzressort, das Neumann bislang in Personalunion führt, soll nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe) ein Kandidat gefunden werden, der nicht wie geplant aus dem Schaeffler-Lager kommt.

Sollte die Suche nach einem Kompromiss dennoch scheitern, könnte die Kapitalseite Neumanns Ablösung im zweiten Anlauf notfalls auch alleine mit einfacher Mehrheit und dem Doppelstimmrecht Koerfers durchsetzen. Allerdings lässt Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der die Einhaltung der Übernahmevereinbarung zwischen Conti und Schaeffler überwacht, derzeit prüfen, ob die Franken mit Neumanns Ablösung gegen die Investorenvereinbarung verstoßen. Schaeffler hatte sich darin unter anderem bis 2014 verpflichtet, nicht mehr als 49,9% der Anteile zu übernehmen, nicht in das operative Geschäft von Conti einzugreifen, nicht auf den Verkauf von Unternehmensteilen zu drängen und das Management zu unterstützen.

Die Herzogenauracher hatten sich bei der Übernahme der drei mal so großen Continental verhoben und stehen nun bei den Geldhäusern mit gut 11 Mrd EUR in der Kreide. Die Franken besitzen seit Januar knapp die Hälfte der Conti-Aktien und haben weitere 40% bei Banken geparkt. Conti selbst sitzt seit dem Kauf von Siemens VDO auf einem Schuldenberg von knapp 10 Mrd EUR und ist nach dem Kurssturz der Aktie nur noch ein Bruchteil dessen wert, was Schaeffler bezahlt hat.

Schaeffler strebt langfristig eine Fusion beider Konzerne an. Dabei sollen unter dem Dach einer Holding die vereinten Automobilsparten von Schaeffler und Conti, das Conti-Reifengeschäft sowie das Industriegeschäft von Schaeffler angesiedelt werden.




Webseiten: www.conti-online.com
www.schaeffler-gruppe.de
Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 112,
automotive.de@dowjones.com
DJG/kat/bam
Dow Jones Newswires
2009 Dow Jones & Company, Inc.
Der Aufsichtsrat der Continental AG hat sich in seiner heutigen außerordentlichen Sitzung auf folgende Veränderungen im Aufsichtsrat und im Vorstand verständigt:

Der Continental-Vorstandsvorsitzende Herr Dr. Karl-Thomas Neumann (48) scheidet mit sofortiger Wirkung einvernehmlich aus dem Continental-Vorstand aus. Als neuer Vorstandsvorsitzender der Continental AG wurde ebenfalls mit sofortiger Wirkung Herr Dr. Elmar Degenhart (50), bisher Vorsitzender der Geschäftsleitung Schaeffler Gruppe Automotive, berufen. Er übernimmt gleichzeitig die Leitung der Division Powertrain.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Herr Rolf Koerfer, hat die Bereitschaft erklärt, den Vorsitz des Aufsichtsrats der Continental AG abzugeben, nachdem die Neuordnung des Vorstands, insbesondere die Bestellung eines Finanzvorstands, vollzogen ist, und die Wahl eines neuen, von außen kommenden Aufsichtsrats zum Vorsitzenden in die Wege zu leiten. Herr Koerfer wird dem Aufsichtsrat als Präsidiumsmitglied weiterhin angehören.

Außerdem hat der Aufsichtsrat drei neue Vorstandsmitglieder berufen: Herrn Dr. Ralf Cramer (43, Leiter der Division Chassis&Safety der Continental AG), Herrn Helmut Matschi (46, Leiter der Division Interior der Continental AG) und Herrn Nikolai Setzer (38, Leiter der Division Pkw-Reifen der Continental AG).

Die Suche nach einem neuen Finanzvorstand, der weder aus dem Unternehmen noch aus der Schaeffler-Organisation rekrutiert werden soll, wird umgehend aufgenommen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 37.763.591 von Buecherwurm74 am 12.08.09 15:27:28Ich bin gespannt, wie sich die neue Situation entwickelen wird. Vor allem wie die neuen Vorstände das Vertrauen des Kapitalmarktes wiedergewinnen und ob es möglich wird das ein deutscher großer Automobilzulieferkonzern aus der Schaeffler/Conti-Gruppe hervorgeht.

Die nächsten Wochen werden zeigen, was nun umgesetzt wird und ob das Gewitter tatsächlich reinigend war.
13.08.2009


FTD: Krieg und Frieden bei Conti


Die Schlammschlacht zwischen Conti und Schaeffler ist vorerst beendet. Im Hintergrund sorgte vor allem Commerzbank-Chef Blessing sorgte für Ruhe: Mit- statt übereinander reden, lautete sein Rezept.

An dem Tag, als Ruhe einkehrt in zwei Firmen in Hannover und Herzogenaurach, ist einer der Helden nicht da. In Hannover haben sie sich getroffen, die Vertreter von Continental und Schaeffler, um kurz vor halb vier verkünden sie den Preis für den Frieden: Karl-Thomas Neumann, der Conti-Chef, muss gehen. Sein Chefaufseher Rolf Koerfer seinen Posten räumen. Frieden also. Vorerst.


Martin Blessing aber ist an diesem denkwürdigen Tag nicht in Hannover, sondern im Ausland. Er macht Urlaub. Viel Muße und Entspannung dürfte der Commerzbank-Chef bisher nicht gefunden haben, war er doch in den vergangenen Tagen ständig am Telefon. Verhandelte, vermittelte, versöhnte. "So etwas ist Urlaub unter erschwerten Bedingungen", feixt ein Beteiligter. Nur für den vorläufig letzten Akt im Schaeffler-Conti-Drama war seine Anwesenheit nicht mehr erforderlich. Auch telefonisch nicht.


Der Banker hat mit seiner Vermittlung maßgeblich zu dem Ergebnis beigetragen, das als historisch in die Firmengeschichte eingehen könnte: 13 Monate nach dem Start der Attacke von Schaeffler auf den Dax-Konzern Conti hat der noch vor zwei Wochen heillos zerstrittene Aufsichtsrat wichtige Eckpunkte abgesegnet, mit der die künftige Zusammenarbeit funktionieren soll. "Blessing hat in dem ganzen Prozess eine ausgezeichnete Rolle gespielt", lobt ihn ein Aufsichtsrat. "Dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Noch vor zwei Wochen hatte sich auf einer Aufsichtsratssitzung die ganze aufgestaute Wut aller Beteiligten über die monatelangen Zänkereien und Intrigen entladen. Schaeffler glaubte, Neumann einfach absetzen zu können - der Conti-Chef hatte sich vor allem durch seine Kampagnen gegen den Großaktionär unbeliebt gebracht. Die Arbeitnehmervertreter jedoch fühlten sich vorgeführt und schimpften über Schaefflers Rambo-Manieren.


Elmar Degenhart wartete damals schon vor der Sitzungstür. Der Schaeffler-Manager, der Neumann nun nachfolgt, wollte sich vorstellen. Doch er kam gar nicht erst dazu. Auch Neumann durfte den Saal nicht mehr betreten, aber er blieb.

Traurige Bilanz der Sitzung: Ein Chef auf Abruf, ein bei den Conti-Betriebsräten völlig verbrannter Großaktionär - und ein mahnender Hilferuf der Arbeitnehmerseite: Warum nur duldet Blessing dieses Chaos? Schließlich haben die Bank und andere Kreditinstitute dem Wälzlagerkonzern 11,5 Mrd. Euro geliehen, die derzeit kaum von dessen Vermögen gedeckt sind. "Blessing hat da ein ziemliches Klumpenrisiko", sagt ein Investmentbanker. "Der hat selbst ein großes Interesse, dass dieses Thema endlich in ruhige Bahnen kommt."

Der oberste Commerzbanker wurde von seinem Kreditkunden selbst düpiert. Blessing hatte die Schaefflers gebeten, die Situation zu deeskalieren. "Der Putsch war gegen die Absprachen", berichten Eingeweihte.

Und er kam für viele überraschend: Schaeffler-Chef Jürgen Geissinger und Neumann waren sich mit ihren Fusionskonzepten schon näher gekommen. Doch statt über die Strategie zu diskutieren, beharkten sich die Aufsichtsräte um Verfahrens- und Personalfragen.

Kaum war der Pulverdampf verzogen, nahm Blessing einen neuen Anlauf. Er redete mit allen. Mit der Arbeitnehmerseite um den stellvertretenden Aufsichtsratschef Werner Bischoff. Mit IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. Mit Geißinger. Mit Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler. Und dem ausgeschlossenen, aber designierten Conti-Chef Degenhart. Er brachte die entscheidenden Leute zusammen. "Das hat er gut gemacht", sagt ein Aufsichtsrat.

So startete eine Woche nach dem großen Zerwürfnis Maria-Elisabeth Schaeffler den großen Befreiungsschlag: Sie rief Bischoff an und fragte den Arbeitnehmerführer, ob man nicht gemeinsam Wege zu einer Lösung finden könne. Danach gab es mehrere vertrauliche Gespräche in engstem Kreis. "Blessing war dabei eine wichtige Hilfe Er war ein erfolgreicher Moderator", sagt ein Aufsichtsrat.


Parallel machte Degenhart, bis dato Leiter der Schaeffler-Automotive-Sparte, seine Tour, stellte sich bei Bischoff und einigen Kapitalvertretern vor. Mit Erfolg: Am Mittwoch wählten ihn die Aufsichtsräte bei einer Gegenstimme von der Arbeitnehmerseite. Degenhart mache einen guten Eindruck, sagte Bischoff danach. "Er hat eine echte Chance, seine Arbeit gut zu machen." Noch vor zwei Wochen hatten die Arbeitnehmer geschlossen Neumann gestützt und damit Schaefflers Putsch vereitelt. Den aufgebrachten niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff besänftigte Degenhart während eines Abendessens.

Blessings schwierigster Knackpunkt waren jedoch die Schaefflers. Er musste sie überzeugen, dass sie auf ihren langjährigen Berater Koerfer an der Aufsichtsratsspitze verzichten sollen. Seine Ablösung sei kein Thema, hatten die Franken direkt nach der letzten Sitzung noch trotzig verkündet. Obwohl der Partner der Kanzlei Allen & Overy da schon von allen Seiten wegen seiner chaotischen Leitung der Aufsichtsratssitzung heftig kritisiert wurde. Koerfer habe immer in erster Linie die Interessen des Großaktionärs statt die von Conti vertreten, hieß es. "Irgendwann haben die Schaefflers eingesehen, dass es in dieser Situation nicht mehr geht: Dass sie alles wollen und keine Zugeständnisse machen", sagt einer der Beteiligten.

Am vergangenen Sonntag fand dann die Schlüsselsitzung statt - am Telefon. Teilnehmer: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler sowie Bischoff und Meine. "Das waren sozusagen Zwei-plus-Zwei-Verhandlungen" , sagt ein Insider. "Der Schlüssel war, dass endlich einmal miteinander gesprochen wurde statt immer nur übereinander. Die Gespräche waren erstaunlich konstruktiv und sachlich - das glatte Gegenteil der Aufsichtsratssitzung eine Woche vorher."

Kampf in PalästenAbgelöst Vor einem Jahr übernahm der damalige Technologievorstand Karl-Thomas Neumann die Führung bei Continental. Er eckte mit seinen Attacken immer wieder bei Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger und Matriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler an. Nach langem Streit setzten sie seine Ablösung durch. Angezählt Er gilt als einer der Strippenzieher hinter der Übernahme von Continental. Dafür wurde der Allen & Overy-Partner Rolf Koerfer im Januar zum Conti-Chefaufseher gewählt. Nun müssen die Schaefflers ihren langjährigen Vertrauten opfern.Ausgesöhnt Er ist Wortführer der Gläubigerbanken, denen Schaeffler 11,5 Mrd. Euro schuldet. Als der Streit um die Macht bei Continental Ende Juli eskalierte, ergriff Commerzbank-Chef Martin Blessing die Initiative. Er forderte einen Neuanfang und die Absetzung der Streithähne. Koerfer muss nach der Aufsichtsratssitzung im September seinen Posten als Chefaufseher räumen.

Auch Koerfer war involviert, die Einigung aber kam zwischen den Schaefflers und den Gewerkschaftern zustande. Mit dem telefonisch zugeschalteten Blessing als letzter Instanz: "Blessing musste das Konstrukt absegnen," heißt es im Umfeld der Verhandlungen. Seine schärfste Waffe - die Drohung mit der Fälligstellung der Kredite - musste er deswegen auch gar nicht ziehen. "Das war eher theoretisch, es gab viele andere gute Argumente"


Das schwere Zerwürfnis Ende Juli hat den Leidensdruck für alle Beteiligten erhöht, zu einer Einigung zu finden. "Alle waren der Meinung: So kann das nicht weitergehen" , sagt ein Beobachter. "Vielleicht brauchte es den ganz großen Knall vorher sogar, und das Gewitter hat jetzt die Luft bereinigt."

Doch wie lange hält der Sonnenschein wohl diesmal an? Viele Fragen und Details sind ungeklärt: Wer kann die Integrationsfigur sein, die künftig als Aufsichtsratschef das Machtstreben der Schaeffler-Seite mit den Interessen der Mitarbeiter, freien Aktionäre und Banken von Continental in Einklang bringen kann? Ist ein qualifizierter Finanzvorstand für Conti derzeit überhaupt anzuwerben - obwohl Schaeffler weiter eine Fusion anstrebt? Wird Schaeffler die dringend benötigte Kapitalerhöhung wirklich unterstützen, und kann mittelfristig auch eine Fusion gelingen? Und: Welcher der Anteilseignervertreter gibt seinen Posten freiwillig auf, um für den neuen Chefaufseher Platz zu machen?

Über Ex-Dresdner-Vorstand und Multi-Aufsichtsrat Bernd Voss wird spekuliert. Ein anderer Verhandlungsteilnehmer vermutet, dass der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel gehen könnte - so mancher findet, er habe eine unglückliche Figur abgegeben. "Henkel hat auf der Sitzung eine überschwängliche Laudatio auf Neumann gehalten", sagt eine eingeweihte Person. Er habe Neumanns großartige Leistung gelobt. Dennoch zeigte sich Henkel zuletzt als Schaeffler-Verbündeter. In einem Zeitungsinterview stimmte er bereits den Abgesang auf Neumann an: "Neumann war hervorragend. Aber wir brauchen einen Mann an der Spitze, der sowohl bei den Schaefflers sowie bei Conti Vertrauen genießt."

Der Schaeffler-Vertraute Koerfer jedenfalls wird nicht aufs Abstellgleis geschoben - sondern bleibt Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums und so in alle wichtigen Entscheidungen zwischen Schaeffler und Conti an oberster Stelle miteingebunden.

Doch das alles ist Zukunftsmusik. Und bevor man sich wieder streitet, wer nun wem Platz machen muss, machen die Beteiligten nun auf Feierstimmung. "Die heute gefassten Beschlüsse machen den Weg frei für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Interesse der Kunden", freut sich Geißinger. "Wir setzen darauf, dass der neue Vorstand konstruktiv und sachorientiert zusammenarbeiten wird."

Und IG-BCE-Vorstand Bischoff befindet: "Es war eine ziemliche Rauferei, aber ich denke, dass wir eine gute Chance haben, jetzt wieder vernünftige Politik zu machen. Das ist ein Kompromiss, der steht." Martin Blessing sagte am Mittwoch nichts. Er genoss den neuen Frieden im Stillen.

Autor/Autoren: Angela Maier (München), Kristina Spiller und Sven Clausen (Hamburg)

(c) FTD
Antwort auf Beitrag Nr.: 37.766.448 von Boersianer99 am 12.08.09 20:21:32schaeffer besitzt 49% der conti anteile, 40% sind bei den banken... werden diese 40% überhaupt nicht gehandelt? wurden diese 40% auch für 70€ per share gekauft?
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