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Auferstanden aus Ruinen? – Welche Zukunft hat Bristol Meyers Squibb?



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Aus meiner Sicht lohnt es sich, BMS (Ticker: BMY, ISIN: US1101221083) zu beobachten und sogar dort zu investieren. Ende Juli stand die Aktie noch bei 36 Dollar und ist seit dem deutlich gefallen, weil ein Programm gegen Hepatitis-C in der klinischen Prüfung gescheitert ist. Ich habe darin die Chance zum Einstieg gesehen. Deshalb eröffne ich diesen Thread, um hier Nachrichten und Analysen zum Unternehmen zu sammeln. Tradingtips und „charttechnische“ Aussagen wird man hier von mir hingegen nicht zu lesen bekommen.

Bewertung

Am 24.08.2012 beträgt der Aktienkurs 32,15 Dollar, was eine Marktkapitalisierung von ca. 54 Milliarden Dollar bedeutet.
Es wird für 2012 ein Gewinn von 1,92 Dollar / Aktie erwartet, der 2013 auf 1,88 Dollar zurückgehen soll.
Das KGV liegt demnach bei ungefähr 17 für das laufende und das kommende Jahr.

Der Umsatz soll 2012 knappe 18 Milliarden Dollar betragen und dürfte 2013 auf etwas über 17 Milliarden Dollar fallen.
Bis 2015 dürften die Umsätze dann in etwa stagnieren, während der Gewinn ab 2014 wieder moderat steigen und im Jahr 2015 eventuell bei ca. 2,40 Dollar liegen könnte.

Die Jahresdividende liegt bei 1,36 Dollar, was eine Dividendenrendite von ca. 4% vor Steuern ergibt.

Bei BMS handelt es sich also derzeit um ein stagnierendes Pharmaunternehmen mittlerer Größe, das sich mehr und mehr zum Biotech wandelt.

Für den Beobachter stellen sich hier vermutlich zwei Fragen.

1.) Warum stagniert BMS?
2.) Was soll an diesem Unternehmen eigentlich spannend sein?

Stagnation bis 2015/2016 – das „Patentcliff“ bei BMS

BMS hat im letzten Jahr ca. 21 Milliarden Dollar Umsatz generiert.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 verlieren indes 4 Medikamente ihren Patentschutz, die in 2011 zusammen für 12,3 Milliarden Dollar bzw. 58%(!) des Gesamtumsatzes standen. Allein Plavix (hemmt die Eigenschaft der Blutplättchen, verklumpen zu können und ist indiziert bspw. für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten), kam im letzten Jahr auf einen Umsatz von 7 Milliarden Dollar.

Der Patentschutz ist in den USA mittlerweile ausgelaufen. In Europa wird dieses im Februar 2013 geschehen. Der Plavix-Umsatz wird damit bereits 2013 von 7 Milliarden Dollar noch in 2011 auf vielleicht 0,2 Milliarden Dollar einbrechen.

Die ehemals 12,3 Milliarden Dollar Umsatz der Medikamente, die bis 2015 den Patentschutz verlieren (Plavix, Avapro, Abilify und Sustiva) werden in 2016 fast vollständig ausradiert sein.

Stagnation als Erfolg

Wer sich dieses enorme Wegbrechen von Umsätzen vor Augen führt, muss zu dem Urteil kommen, dass es ein beachtlicher Erfolg des BMS-Managements ist, dass das Unternehmen dennoch in etwa seinen Umsatz halten können wird. Der Markt geht davon aus, dass das Umsatztief des Unternehmens schon 2013 mit etwas über 17 Milliarden Dollar erreicht sein wird und die Umsätze dann wieder wachsen. Erst langsam und dann, nach der Bereinigung um die Patentabläufe ab 2016 wieder schneller. Bereits 2015 wird man voraussichtlich wieder in etwa auf dem Niveau von 2011 sein. Dies hängt aber auch von einer Zulassung des Wirkstoffes Eliquis ab. Dies wird weiter unten näher ausgeführt.

Neue Produkte

BMS hat es verstanden, neue Produkte an den Markt zu bringen, deren Umsätze schnell wachsen und die dabei sind, Blockbuster zu werden.
Die beständig wachsenden Umsätze aus diesen neuen Produkten werden bis 2015 die wegfallenden Umsätze der Altprodukte kompensiert haben.

Zu diesen neuen Produkten gehören insbesondere:

- Onglyza (Diabetes), geschätzter Umsatz in 2012: 704 Millionen
- Orencia (Rheumatoide Arthritis), geschätzter Umsatz in 2012: 1 Milliarde
- Yervoy (Melanom), geschätzter Umsatz in 2012: 1 Milliarde
- Sprycel (Leukämie), geschätzter Umsatz in 2012: 650 Millionen

Besonders Yervoy und Sprycel wachsen schnell und könnten bis 2015 jeweils einen Umsatz von 2 Milliarden Dollar erzielen.

Ein Hoffnungsträger

Durch die eben erst erfolgte Übernahme von Amylin hat BMS nun deren Hoffnungsträger Bydureon (Diabetes) im Portfolio. Analysten halten für das erst in diesem Jahr zugelassene Produkt mittelfristig Milliardenumsätze für möglich. Es wird interessant und kursrelevant sein, wie gut die Vermarktung des Produktes in der Zusammenarbeit zwischen BMA und AstraZeneca funktionieren wird. Ende 2013 wird man hier ein erstes Fazit ziehen können.

Der neue König?

Die bisher beschriebenen Neuentwicklungen reichen wohl lediglich aus, um einen regelrechten Absturz bei BMS zu verhindern.
Für eine wirklich positive Entwicklung des Unternehmens und des Aktienkurses in den nächsten Jahren ist aber eine weitere Neuentwicklung entscheidend, nämlich Eliquis (apixaban), ein Ko-Entwicklung mit Pfizer.

Apixaban ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der direkten Faktor-Xa-Inhibitoren. Es hemmt selektiv den Faktor Xa, ein Enzym, das in der Blutgerinnung eine zentrale Rolle spielt. Apixaban beugt der Entstehung von Thromben vor und wird zur Thromboseprophylaxe nach Knie- oder Hüftgelenksoperationen eingesetzt. Hierfür gibt es für den europäischen Markt bereits eine Zulassung.

Entscheidend ist aber, dass das Medikament bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) zum Einsatz kommen soll, um das erhöhte Schlaganfallrisiko der Patienten zu mindern.

Leider hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA im Juni den Zulassungsantrag für diesen Wirkstoff mit einem Complete Response Letter (CRL) zunächst auf das Abstellgleis geschoben.

Ein CRL ist zwar keine Ablehnung, kann aber im Einzelfall die Zulassung um Jahre verzögern oder letztlich zum Aus des Programms führen.
So schlimm dürfte es hier nicht kommen, denn die FDA hat wohl nicht verlangt, dass neue klinische Studien durchgeführt werden. Vielmehr wurde BMS und Pfizer „nur“ aufgegeben, weitere Angaben zum Datenmanagement des für die Zulassung entscheidenden „Aristoteles-Trials“ zu liefern. „Aristoteles“ umfasste 24.000 Patienten und hat Millionen von Datenpunkten generiert. Dass bei einem so komplexen Vorgang Klärungsbedarf zwischen Zulassungsbehörde und Antragsteller entstehen kann, sollte nicht zu kritisch gesehen werden.

Allerdings ist eines auch ganz klar: Die vollständige Zulassung von Eliquis ist essentiell für BMS, denn dem Wirkstoff wird langfristig ein Umsatzpotential wie Plavix zugetraut. Ein potentieller Mega-Blockbuster also.

Eine – wenn auch eher unwahrscheinliche – Ablehnung der Zulassung oder auch „nur“ die Notwendigkeit, zusätzliche Studien durchzuführen, wäre ein mittleres Desaster. In diesem Negativszenario wären Kurse über 25 Dollar für die nächsten 2 Jahre wohl nur schwer zu rechtfertigen.

Die Entscheidung über Eliquis wird aller Voraussicht nach bis spätestens Mitte 2013 gefallen sein. Mit sehr viel Glück könnte die Zulassung bereits Ende 2012 erfolgen. Wahrscheinlicher ist aber eine FDA-Entscheidung im Zeitraum Februar bis Mai 2013.

Persönlich gehe ich davon aus, dass das Mittel in 2013 die Zulassung erhalten wird und BMS dann sehr, sehr stark dastehen wird.
Sollte ich an diesem Punkt irren, werden zumindest die nächsten 2 oder 3 Jahre allerdings wirklich unschön.

Der kommende König der Könige? – Oder, was an BMS so spannend ist.

Während Eliquis auf die Indikation Herz-Kreislauferkrankungen zielt und damit die eine große Geisel der Menschheit adressiert, ist bei BMS noch ein weit weniger fortgeschrittenes Programm in der Entwicklung, das noch wenig bekannt ist, Fachleute aber elektrisiert hat. Es handelt sich um einen Antikörper gegen das Protein PD-1 (Programmed cell death protein 1). Das Programm trägt derzeit noch den Entwicklungsnamen „BMS-936558”.

Die – mittlerweile durch erste klinische Tests gestützte – Erwartung ist, dass durch die Blockade von PD-1 das Immunsystem in die Lage versetzt werden kann, selbst gegen Krebszellen vorzugehen (Immuntherapie).

In diesem Jahr tritt der Wirkstoff in die Phase III der klinischen Entwicklung ein, die um 2015 zu einer ersten Zulassung, möglicherweise bei Lungenkrebs, führen könnte. Tests in weiteren Krebsarten sind auf dem Weg oder werden demnächst beginnen.

Die bisher generierten Phase II-Daten waren überragend gut.

Ich will an dieser Stelle den Biotech-Analysten Ohad Hammer zitieren:

“The biggest news at this year’s ASCO came from BMS’ (BMY) PD-1 antibody, BMS-936558. This antibody belongs to a new class of antibodies that stimulate patients’ immune system to attack cancer. This approach has been recently validated with another BMS antibody, Yervoy, which was approved last year for melanoma.

Based on results presented at the meeting, BMS-936558 is superior to Yervoy by any measure. In fact, it is probably one of the most promising oncology drugs ever to be tested in humans. It induces tumor shrinkage in a substantial portion of patients, creates an immune response that keeps the disease under control for long periods and it does so with limited side effects. To make things even better, there might be a way to pre-select patients who are more likely to respond to this agent.”

Der Wirkstoff würde im Erfolgsfall mit Sicherheit ein Blockbuster, sehr wahrscheinlich ein Mega-Blockbuster, werden. Das Umsatzpotential liegt langfristig wohl deutlich jenseits der 5 Milliarden Dollar-Marke.

Ein Erfolg von BMS-936558 wäre für das Unternehmen transformativ. BMS hätte in diesem Falle viele Jahre eines schnellen Umsatz- und Gewinnwachstums vor sich, die das Unternehmen (und den Aktienkurs) in eine andere Liga führen würde.

Fazit

BMS macht derzeit aufgrund wichtiger Patentabläufe eine schwierige Phase der Unternehmensentwicklung durch.

Das Management hat das Unternehmen aber gut auf diese Zeit eingestellt und eine attraktive Pipeline aus neuen Produkten aufgebaut, die Stück für Stück die wegfallenden Umsätze ersetzen können.

Meine Kaufentscheidung beruhte im Wesentlichen aber auf meiner Erwartung, dass im nächsten Jahr Eliquis eine umfassende Zulassung erhalten und sich in der Folge zum Marktführer im Bereich der Antikoagulantien entwickeln und dass ab 2015/2016 die Zulassung von BMS-936558 das Unternehmen in eine neue Dimension führen wird.

Mit Eliquis und BMS-936558 hat BMS zwei potentielle Mega-Blockbuster in der Pipeline, die, falls sie beide zugelassen werden, ein Investment zu einem großen Erfolg werden lassen sollten. Ich schätze die Zulassungswahrscheinlichkeit für beide Wirkstoffe als überdurchschnittlich hoch ein, würde mir aber um Eliquis sogar etwas mehr Sorgen machen, als um BMS-936558.

Sollte nur einer dieser beiden Kandidaten die Zulassung erhalten, sollte sich ein Investment noch immer gut bezahlt machen, auch wenn, im Falle einer Nichtzulassung von Eliquis, die Jahre 2013/2014 recht bitter werden dürften.
da gibt es nur eine lösung bei guten biotechs gute produkte einzukaufen! :lick::lick:

vielleicht finden die auch berlin auf der landkarte ;)
BMS ist hoch spekulativ. In den USA und Europa verlieren sie die Blockbuster die aus dem Patent laufen, in Emerging Markets sind sie nicht stark aufgestellt.

Die Pipeline zeigt wenig hoffnungsvolle Kandidaten. Wie man hier von Koenig der Koenige sprechen kann ist schwer nachzuvollziehen.

Eliquis wird hoechstens im Premiumbereich Fuss fassen, Plavix und seine Nachahmer haben sich zum Golden Standard entwickelt. Bisher sehen die Daten auch noch nicht so gut aus.

Sollte sich BMS 936558 entwickeln wie geplant ergibt sich ein mittelfristiges Potential mit attraktiven Dimensionen.

Allerdings ist das wohl auch schon eingepreist (KGV).

Bei einem KGV ueber 17 wuerde ich jederzeit Roche, Sanofi und Novartis vorziehen. Alle drei stehen besser da, haben bessere Pipelines und eine gute Emerging Market Praesenz. Roche hat ebenso ein praesentes und potentielles Onkologieportfolio mit grossem Potential.

Ebenso sind alle drei dividendenstark.

Nur meine Meinung, keine Empfehlung.
Das Geld, das mir BMS für meine Medarex-Aktien gegeben hat, habe ich dann doch besser in den BMS-spin-off Mead Johnson investiert.
Offensichtlich wurde heute die Entwicklung von BMS986094 (Hepatitis C) eingestellt. Ein weiterer Megaverlust, das produkt war einlizensiert.

Ich werde diese Aktie nicht anfassen...
Antwort auf Beitrag Nr.: 43.532.366 von Norbi2 am 25.08.12 03:50:42Norbi, das ist richtig, das Hep-C-Programm ist jetzt offiziell tot und der goodwill aus der Inhibitex-Übernahme wird größtenteils abgeschrieben:

Biopharmaceutical company Bristol-Myers Squibb Co. (BMY:Quote) will take a charge of $1.8 billion in the third quarter related to the voluntarily discontinued development of an experimental hepatitis C drug. The New York-based drugmaker also "does not expect that the impairment charge will result in future cash expenditures."

The move comes just eight months after Bristol-Myers acquired the BMS-986094 drug through February's $2.5 billion all-cash acquisition of hepatitis C drug developer Inhibitex Inc.



Das kann man natürlich nur als Desaster bezeichnen. Klar war das schon seit dem 01.08.2012 als der Trial gestoppt wurde und einige Leute haben das schon lange vorher, nämlich bereits Anfang Mai, kommen sehen.

Siehe hier:

http://www.thestreet.com/story/11523381/1/bristol-myers-miss…


Das war sicher eine der schlechtesten Akquisitionen aller Zeiten. Eigentlich war da schon nach 3 oder 4 Monaten klar, dass das Geld in den Sand gesetzt worden war.

In der Folge hat es dann Anfang August den Kursrutsch von 36 Dollar auf 31,50 gegeben, den ich bei ungefähr 32 zum Einstieg genutzt habe.

Im Hep-C-Bereich ist Gilead nun der große Sieger.

Ich denke aber nicht, dass die Pipeline dadurch signifikant geschwächt ist und ich misstraue dem Hep-C-Hype generell etwas.

Ansonsten:

Zu Eliquis haben wir verschiedene Erwartungen, aber als eventuell kommenden "König der Könige" habe ich BMS 936558 bezeichnet.

Was das KGV angeht: Ich denke nicht, dass BMS 936558 eingepreist ist. Die bereits am Markt befindlichen Produkte + Eliquis haben jede Menge Wachstumspotential auch nach 2015.
Aus meiner Sicht hat BMS eine sehr gute Chance, nach 2015 dynamischer zu wachsen, als bspw. Pfizer oder J&J.
Kommt BMS 936558 noch hinzu, wird sich das natürlich noch viel klarer zeigen.

PS: Danke für die kritischen Kommentare. Ich ahnte schon, dass BMS ziemlich unbeliebt ist.
Mal sehen, ob ich hier recht behalte, mich gegen die allgemeine Meinung zu stellen. ;)
Antwort auf Beitrag Nr.: 43.530.408 von SLGramann am 24.08.12 16:26:47wieviel kaufkraft für biotech firmen sind da verfügbar? :confused:

gab es da einen großen lizensabschluss mit biotest?
SL,

BMS ist nicht unbeliebt. Darum geht es hier nicht. es ist einfach zur Zeit kein interessantes Investment. Ich habe Deinen Thread anfangs so verstanden dass Du relevante Informationen zur Aktie und zum Unternehmen zusammentragen wolltest und wollte Dir dabei helfen.

Nach Deinem PS (Danke für die kritischen Kommentare. Ich ahnte schon, dass BMS ziemlich unbeliebt ist.
Mal sehen, ob ich hier recht behalte, mich gegen die allgemeine Meinung zu stellen.) verstehe ich dass Du versuchen moechtestStimmen zu sammeln die Deine positive Einstellung wiederspiegeln.

Da kann ich Dir nun leider nicht helfen.

Viel Erfolg,
Norbi


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