Schweizerische Nationalbank AG - ein Bewertungskuriosum



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Die Schweizerische Nationalbank, snb.ch, hat ein Grundkapital von 100.000 Aktien. Beim aktuellen Kurs von 2.155 CHF ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 215,5 Mio. CHF. 2016 war das 109. Geschäftsjahr – siehe den Geschäftsbericht:

https://www.snb.ch/de/mmr/reference/annrep_2016_komplett/sou…

Das Eigenkapital beträgt Ende 2016 84,527 Mrd. CHF.

Die SNB schreibt ihren Aktionären zur Einordnung ihrer Aktie:

Die SNB-Aktie gleicht bezüglich Kursentwicklung (wegen der gesetzlichen Dividendenbeschränkung auf 6%) eher risikolosen langfristigen Obligationen als sonstigen Aktien.

Da die Rendite langfristiger Anleihen in der Schweiz zwischen 0,3% und 0,5% liegt:

https://de.investing.com/rates-bonds/switzerland-government-…

kann man die Dividende der SNB von 15 CHF mit 0,3% - 0,5% kapitalisieren, dies sind die Renditen der Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen 15 und 30 Jahren. Die SNB Aktie hätte als Anleihe einen Wert zwischen 3.000 CHF und 5.000 CHF, wobei der kleinere Wert der 30-jährigen langfristigsten Anleihe entspricht.

Man kann den Charakter der SNB Aktie aber auch als den einer Aktie mit Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag beschreiben. Langfristig ist das Eigenkapital der SNB trotz der Vorab-Ausschüttungen an die Kantone deutlich gestiegen. Allein im Fünfjahreszeitraum 2012 bis 2016 von 58,1 CHF auf 84,5 Mrd. CHF.

Dir Rechte der Aktionäre sind gleichwohl beschränkt durch das Nationalbankgesetz, welches die SNB folgendermaßen für ihre Aktionäre zusammenfasst:

Die Schweizerische Nationalbank ist eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft. Die Rechte der Aktionäre werden durch das Nationalbankgesetz (www.admin.ch) bestimmt; das Aktienrecht findet nur ergänzend Anwendung (Art. 2 NBG).

Die Aktionärsstruktur weist mit vier Kantonen und einem Düsseldorfer Privatinvestor fünf meldepflichtige Aktionäre aus:

https://snb.ch/de/mmr/reference/shares_structure/source/akti…

Alle öffentlich rechtlichen Aktionäre halten zusammen 52,1% der Aktien und verfügen aufgrund einer Stimmrechtsbeschränkung auf 100 Aktien für alle übrigen Aktionäre, über 74,7% der stimmberechtigten Aktien.

Die öffentlich rechtlichen Aktionäre teilen sich auf in Kantone mit 39,0%, Kantonalbanken mit 12,8% sowie 21 Gemeinden und andere öffentlich rechtliche Körperschaften mit 0,3% des Aktienbestands von 100.000 Stück.

Aufgrund unterschiedlicher Interessen der einzelnen Kantone ist eine Änderung der Dividendenzahlung an die Aktionäre von 15 CHF nicht für alle Zeit auszuschließen. Geld, besonders die möglicherweise bald 3-stelligen Mrd. Beträge des Eigenkapitals der SNB, könnte die Fantasie der Kantone und ihrer Bürger wecken, zumal die Schweiz ein System der direkten Demokratie aufweist.

Die bisherigen Höchstkurse datieren aus dem Jahr 1997 mit einer Preisspitze von 2.645 CHF. Das Eigenkapital Ende 2016 betrug, allerdings eher theoretische, 845.000 CHF pro Aktie. Der aktuelle Kurs berücksichtigt davon lediglich 0,26% sowie 71,8% der Bewertung als 30-jährige Anleihe.

Neben der SNB sind die Notenbanken von Belgien, Griechenland und Japan börsennotiert mit folgenden Börsenwerten:

Schweizerische Nationalbank 192 Mio. EUR
Banque nationale de Belgique 1.160 Mio. EUR
National Bank of Greece 3.230 Mio. EUR
Bank of Japan 39 Mrd. Yen bzw. 300 Mio. EUR

Wenn man die BoJ aufgrund ihrer Verlustsituation und der Abhängigkeit von der Regierung nicht in die Betrachtung einbezieht, vergleichen sich die Notenbanken von drei Ländern, die eine etwa vergleichbare Bevölkerung haben. Belgien 11 Mio., Griechenland 11 Mio. und die Schweiz mit 8,4 Mio. Einwohnern. Der Vorteil der SNB ist, dass sie nicht Teil des Euro-Systems ist und neben Währungsanlagen und Gold (39 Mrd. CHF) auch Aktien (130 Mrd. CHF) hält. Der Aktienbestand wurde in 2016 um 31 Mrd. CHF aufgestockt. Mit diesem Anlagemix ist zukünftig mit tendenziell weiter steigenden Eigenkapitalwerten in Schweizer Franken zu rechnen.

Wie könnte die SNB Aktie bewertet werden?

Die Wertuntergrenze sollte die Bewertung anhand der 30-jährigen schweizerischen Staatsanleihe darstellen: 3.000 CHF.

Langfristig wäre eine deutliche Anhebung der Dividende denkbar. Darüber hinaus könnte die Wahrnehmung der SNB Aktie als Substanzaktie zunehmen. Zumindest die Bewertung der belgischen Notenbank mit 1,16 Mrd. EUR wäre hierbei eine Hilfsgröße. Dies impliziert einen Vergleichskurs der SNB von zumindest 13.000 CHF.
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.432.623 von Merger-one am 01.08.17 10:53:13
SNB : Bewertungskuriosum durch inverse Börsenkapitalisierungsreihenfolge

Der Wechsel vom letzten auf den ersten
Börsenkapitalisierungsplatz
wuerde wohl die
Bewertungskuriosität beenden.

Aktuell

1)Belgien 13.300 chf
2)Japan 3.400 chf
3)Griechenland 3.100 chf
4)Schweiz 2.100 chf

Das Investmentinteresse besteht wohl eher in der Erwartung einer
adäquaten Börsenbewertung
und weniger in dem dem Privataktionär
so häufig nachgesagten Dividendeninteresse.
Kursschwankungen i.H.v. drei Jahresdividenden
-gelegentlich mit nur einem Stück-
lassen den Dividendengesichtspunkt als Anlagekriterium
eher als ungeeignet erscheinen.
Würde dennoch verfehlterweise der Barwert der Dividende unter Zugrundelegung
der Dividende einer zehnjährigen Anleihe herangezogen,
so führte selbst dieser unpassende Vergleich von Eigenkapital
mit Fremdkapital bei einem Zinssatz von 0,04 %
zu einem Kurs
von 37.500 CHF pro Aktie ( 15 CHF : 0,04 x 100 ) .
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.444.854 von InvestorWissen am 02.08.17 17:05:53Was wollen Sie uns eigentlich jetzt damit sagen?
SNB : Richtige Einschätzung des Unternehmenswertes

https://de.wikipedia.org/wiki/Investor_Relations
Die Aufgabe der Investor Relation eines börsennotierten Unternehmens ist,
Investoren, Analysten und Finanzmedien die richtige Einschätzung
des Unternehmenswertes
zu ermöglichen.
Zudem besteht das strategische Ziel der IR in der Steigerung der Börsenumsätze,
um damit zu starke Kursschwankungen und eine Unterbewertung
zu vermeiden.
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.432.623 von Merger-one am 01.08.17 10:53:13auf das Vermögen der SNB wird der Aktionär vermutlich nie Zugriff bekommen:

Art. 32 Liquidation
1 Die Aktiengesellschaft Schweizerische Nationalbank kann mittels Bundesgesetz
aufgelöst werden. Dieses regelt auch das Liquidationsverfahren.
2 Wird die Nationalbank liquidiert, so erhalten die Aktionärinnen und Aktionäre den
Nominalwert ihrer Aktien sowie einen angemessenen Zins für den Zeitraum nach
dem Inkrafttreten des Auflösungsbeschlusses ausbezahlt. Weitere Rechte am Vermögen
der Nationalbank stehen ihnen nicht zu. Das übrige Vermögen geht in das
Eigentum der neuen Nationalbank über.


https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20021117/…

ich bin kein Jurist. Ich würde das aber so verstehen, dass nur der Bund etwas an der aktuellen Spezialform ändern kann. D.h. auch wenn es bei den Kantonen/Gemeinden/Kantonalbanken Begehrlichkeiten gibt, die Dividenden zu erhöhen oder die Assets zu verteilen, so hätten die aktuellen Aktionäre keine Handhabe. Im schlimmsten Fall könnte man obigen Absatz auch so lesen, dass der Bund in der Lage ist, sich der teuren Aktionäre zu entledigen indem sie den Nennwert zurückzahlen (250 CHF), sobald ihnen danach ist. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das ein realistisches Szenario ist, da das Affront gegen die Kantone wäre.
Es bleibt daher nur, die Aktie wie eine Anleihe zu bewerten. Es stellt sich dann noch die Frage, was der korrekte Zins ist den man unterstellen kann. Immerhin gab es auch schon mal einen Dividendenausfall. Und man müsste meiner Meinung nach einen Zins nehmen, der höher liegt als der der 30-jährigen Anleihen, da es nie eine Rückzahlung gibt, d.h. es handelt sich um eine ewige Anleihe. Vor einem Jahr war ein Investment ziemlich lukrativ und offenbar ist der Markt hier auch nicht sehr effizient, denn im letzten Jahr hat sich bezüglich der Zinserwartungen nicht so viel geändert wie der Kursanstieg suggeriert. Meine persönliche take home message ist, das man mit der SNB eine interessante Alternative zu Anleihen hat, da man auch kleinere Beträge investieren kann als üblicherweise bei Anleihen und zu niedrigen Gebühren als beispielsweise in einem Anleihen ETF. Ich werde den Kurs auf jeden Fall im Auge behalten und bei attraktiveren Preisen die SNB Aktie potenziell zum Cash parken nutzen.

Abgesehen davon scheint mir die Belgische Nationalbank auch nicht uninteressant. Diese zahlen die Hälfte ihrer Nettoerlöse aus (abzüglich Steuern). Nach einer Überschlagsrechnung komme ich hier auf einen fairen Wert von 3600€ pro Aktie:
- ca. 4 Mrd Assets für 400.000 Aktien = 10.000€ Assets pro Aktie
- die Hälfte davon sind 5.000€ minus ca 34% Steuern plus
- eine garantierte Dividende (soweit ich verstanden habe) von 1.50€ die man daher zu sagen wir 0,5% abdiskontieren kann -> 300€
= 3600€

Allerdings finde ich keine aktuellen Informationen zu den Assets. Die 4 Mrd sind eher geraten. 2010 lag der Wert bei 3,9 Mrd.

Im Gegensatz zur Schweiz wurde in Belgien aber wohl schon gelegentlich an den Bestimmungen gewerkelt, d.h. hier könnten sich die Regeln auch in Zukunft noch ändern, sowohl pro als auch contra Kursentwicklung.

Die Bank of Japan werde ich mir bei Gelegenheit auch noch anschauen. Sind auf jedenfall alles interessante Aktien, die offenbar wenig Beachtung im Mainstream finden.
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.476.795 von InvestorWissen am 08.08.17 07:33:04Hallo fallencommunist,

vielen Dank, du hast/schreibst wenigstens deine eigene Meinung zur SNB !
Für mich ist der Wert total unterbewertet.
Die einzigste Möglichkeit einen faire Bewertung hier zu bekommen scheint m. E. nur über Verknappung der Umlaufenden Anteile zu erzeugen.
Damit meine ich jeder sollte seine Aktien bei der SNB eintragen lassen!
Hier wurde auch auf der letzten HV schon ein schöner Antrag zur Dividende gestellt.
Nachdem ich mir die HV angesehen habe war ich schon etwas geschockt wie mit den Aktionären umgegangen wird.
Man bräuchte nur 501 eingetragene Aktionäre dann würde Ihnen der A.... auf Grund gehen.


Beste Grüße
SNB : Kontrastierende Bewertungsperspektiven,
doch nur eine herrscht vor



Das Bewertungskuriosum resultiert wohl aus vor allem
zwei gegenläufigen "Einzelwahrheiten" :

1
Zum einen der stimm- und dividendenbeschränkte
Privataktionär, eben deshalb seine Aktie einen geringen Wert
hätte.
2
Zum anderen ein milliardenschweres börsennotiertes Unternehmen,
dessen Börsenkapitalisierung 210 Mio CHF beträgt.

Trotz dieser zwei Einzelwahrheiten wird die zweite mit
fortwährender Ignoranz behandelt, während der ersten
die einzige Bedeutung zuzukommen scheint.

Das wiederum führt zu einem börsennotierten
Milliardenunternehmen mit
Millionenwert
und ruft bei damit Konfrontierten ungläubiges Staunen
hervor, es wohl keine zweite Aktie weltweit dieser Art
geben dürfte.

Allerdings sind die Privataktionäre mit 25 % der Stimmrechte
in der Minderheit und reduzieren aus diesem Minderheitenstatus
das Milliardenvermögen der Kantone, Kantonalbanken und
weiterer ö-r Aktionäre auf Millionen.
Übliche Bewertungskriterien für börsennotierte Unternehmen,
wie Vermögen und Schulden, Gewinn und Verlust,
vorbildliche oder unfähige Geschäftsführung bleiben
völlig unberücksichtigt.
Der Privataktionär ist nämlich die Bewertungskonstante.
Diesem wird üblicherweise ein Dividendeninteresse
nachgesagt.
Das ist schwerlich nachvollziehbar, es doch nicht selten zu
Kursschwankungen mit nur einem Stück i.H.v.
drei Jahresdividenden kommt.

Zudem geht ein Aktionär wohl selten ein Engagement mit Blick
auf einen Liquidationserlös ein.
Das Investmentinteresse dürfte bei der SNB wohl eher
in der Erwartung einer adäquaten Börsenbewertung liegen
,
denn nur über den Privataktionär ist eine angemessene
Börsenkapitalisierung möglich.
Die jetzige dürfte wohl kaum bei einem hypothetischen Delisting
fortgeführt werden können, und auch dann träte der wirkliche Wert
zu Tage.
SNB : An der Börse werden Börsenwerte gehandelt,
keine Privataktionäre...

...und weil das bei der SNB nicht so ist,
werden aus US-Aktien i.H.v. 80 Mrd USD
weniger als 250 Mio USD ,
weil ja
der minderheitliche Privataktionär
die Börsenbewertung bestimmen soll.

Würde sie den gesamten Devisenbestand i.H.v.
700 Mrd. CHF
in US-Aktien umwandeln,
würden eben US-Aktien i.H.v.
700 Mrd. USD zu 250 Mio. USD .

Würde die ohnehin schon äusserst wohlhabende SNB
über noch mehr Mittel verfügen und
weit mehr US-Unternehmensanteile kaufen,
werden auch diese zu 250 Mio USD .

Alles ist und wird zu 250 Mio USD.
Schliesslich ist ja der Privataktionär beschränkt.
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