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Tagebuch eines jungen Devisenhändlers 2.0


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Liebe Community,
Sehr verehrte Traderinnen und Trader,
und alle die es noch werden wollen,

Ist Trading nicht einfach?

Wir benötigen doch eigentlich nur einen Markt in einer Situation, in der ein Kurszuwachs um n Prozent wahrscheinlicher ist als ein Kursverlust um n Prozent. Und schon sind wir - langfristig zumindest, Drawdowns gehören nun mal dazu - profitabel.

Genau das schaffen der mentalen Gegebenheiten wegen nur sehr, sehr wenige Trader. Ich aber werde eines Tages dazugehören!

In diesem Thread hier auf w:o möchte ich meinen eigenen Fortschritt dokumentieren und anderen Händlern eine Hilfestellung geben.
In meinen ersten Beiträgen werde ich meine eigene Vergangenheit im Börsenhandel skizzieren, um einen Einblick in meine Erfahrungen und Persönlichkeit zu geben. Einige von mir ausgebildete Glaubenssätze, Herangehensweisen usw. dürften dadurch verständlicher werden.
Anschließend werde ich zum einen meine Trades hier posten und zum anderen allgemeine Gedanken zum Trading (die werden mitunter etwas ausführlicher) posten, also das was ich normalerweise in meinem eigenen Trading-Tagebuch niederschreibe.

Ich freue mich auf den Austausch und hoffe, dass Ihr hier etwas lernen könnt.

Viel Erfolg, man sieht sich spätestens im Orderbuch wieder.


Anmerkung: Dies ist mein zweiter Versuch, diesen Thread zu starten. Mein erster scheiterte wegen Komplikationen mit den Betreibern dieses Forums. Der alte Thread sollte zeitnah gelöscht werden.
Biographie, die Erste
1. Beginn der Odyssee

Der erste Post auf diesem Blog soll auch den ersten Schritt meiner Karriere im Trading wiedergeben, den Beginn einer ganz langen Odyssee.

Die Meisten von uns werden sich nicht wirklich an ihren allerersten Schritt in Richtung Börsenhandel erinnern können. Aufgrund von nie vergessenden Servern kann ich meine Anfänge im Trading bis auf die erste Sekunde zurückverfolgen - Google sei Dank!

Es war ein Dienstagabend im Juli, genauer genommen mein Geburtstag. Warum es ausgerechnet an diesem Tag geschah und warum ich um alles in der Welt zu dieser Zeit nichts besseres zu tun hatte, weiß ich auch nicht. Aber es ist geschehen.

Ich suchte in Google gegen 21 Uhr nach den Stichworten "Handel Btc" - ja, Bitcoins gab es bereits vor 2017!
Wo ich landete war nicht eine in Google gefundene Seite, sondern ein als Werbung gekennzeichneter Link vom seriösesten Broker überhaupt: Plus500.

Auch wenn ich nicht einen blassen Schimmer hatte, worum es dabei ging, worauf ich mich einließ, ich eröffnete das Demokonto.



Das Abenteuer setze sich dann 8 Tage später am 30.Juli fort. Mit der Google Suchanfrage Plus500.
Plus500 bot damals noch die Desktop Trading Station an, die ich mir an diesem Nachmittag installierte und mein Demokonto aktivierte.
Das Erste, was der blinde Neuling im Trading beim Öffnen der Software sieht, ist ein Chart in der Mitte, unten die Positionsleiste und links oben eine Kursliste. Aufgelistet war der Dax und danach folgend deutsche Aktien alphabetisch sortiert.
Mein erster Trade fiel nicht schwer. Ich kaufte die erste mir annähernd bekannte Aktie: Allianz, denn die Allianz Arena kennt ja jeder.
Den Trade verfolgte ich nicht, das benötigte Wissen für die Plattform hatte ich nicht.

Aber am selben Tag bombardierte ich Google auf ein Neues.
Diesmal sogar in größenwahnsinnigem Ausmaß mit "kann man von aktien leben". Auf "wertpapierforum.de" bekam ich eine oder keine Antwort, auf jeden Fall suchte ich kurz später "Unter 18 mit währung handeln / aktien kaufen". Eine Antwort gab gutefrage.net, sie lautete NEIN.




2.Desktop aufräumen...

Kennen Sie das?
Ist man in Eile und möchte eine wichtige Datei speichern, wählt man mitunter den Desktop als Speicherort, da man die Datei dann sofort griffbereit hat und nicht erst in Ordnern danach suchen will. Und dann nach etwas längerer Zeit sind mal so viele Dateien am Desktop, dass man sie aus Platzmangel in Ordner verschieben muss.

Und genau dabei fiel mir im November 2014, 4 Monate nach meinem ersten Kontakt zum Daytrading die Plus500 Software auf meinem Desktop auf.

Am 09. November suchte ich dann in Google nach "Forex Trading" und besuchte Seiten verschiedener Broker.

Am 10. November eröffnete ich ein Demokonto bei IG Markets und probierte mich erneut am Traden. Sogar Erklärungen für Orderarten recherchierte ich.

Ab 11. November registrierte ich abermals ein Spielgeldkonto bei GKFX.

Und am 12. November folgten die besten Google Suchanfragen meines Lebens, ein kleiner Auszug:
"forex trading empfehlungen"
"aktien empfehlungen"
"forex strategien"
"forex gewinn machen"
"forex wann kaufen"
"abends kaufen morgens verkaufen" - aufgerufen um 22:50 Uhr ;-)

Ja, Google wird es wissen.
Man braucht nur googeln und schon wird man mit Trading reich!
So oder so ähnlich habe ich es mir damals vorgestellt.

Und wenn ich Anfängern einen Tipp geben darf: Niemals nach Forex Strategien im Internet suchen. Wer noch unerfahren ist kann nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden.



3. Advent, Advent, eine Kerze brennt - aber bitte Heikin Ashi!

Ich hatte keine Ahnung vom Handel, aber war auf der Suche nach dem Aktienhandel. Ich weiß nicht mehr warum genau, aber ich wollte unbedingt Aktien traden.
Natürlich sind Währungen realistischer und vielleicht auch einfacher zu handeln im kurzfristigen Bereich, aber damals mussten es unbedingt Aktien sein - selbst wenn ich den Unterschied zwischen physischen Aktien und CFD's auf Aktien nicht verstand.

Bis Ende November war ich auf der Suche nach einem Demokonto zum Trading von Aktien, irgendwann gab ich die Suche auf bzw. gab mich mit einem Broker zufrieden.
Ich erinnere mich sehr gut, dass Trading 212 der erste Broker gewesen ist, bei dem ich länger als einen Tag ein Demokonto tradete. Weil die Plattform schlank und online abrufbar war, weil alles so einfach erschien.
Welch Gegensatz! Man nehme den komplizierten Börsenhandel mit all seinen Komplexitäten und verpacke ihn in eine ultra simple Plattform, sodass alles spielend einfach erscheint.
Es war der 01. Dezember 2014, an dem ich dort mein erstes Demokonto eröffnete.

Die Geschwindigkeit mit der ich das Trading lebte verdoppelte, wenn nicht verdreifachte, sich. Noch am selben Tag wollte ich von Tante Google wissen, wie man gegen den Trend handelt und wie man Gewinn macht.

Auch an Binären Optionen und "60-Sekunden-Strategien" kam ich vorbei - welch Glück, dass ich dort meine Zelte gar nicht erst aufgeschlagen habe.

Am 03. Dezember informierte ich mich dann auch mal darüber, was eigentlich ein Pip ist.

Youtube mit all seinen bösen Protagonisten des Börsenhandels war in Reichweite.

Am 05. Dezember lernte ich Indikatoren kennen. Ich wollte wissen, was Bollinger Bänder sind. Heute kann ich sicher sagen, dass ich den Indikator gewiss nicht in vollem Umfang verstanden habe. Die Berechnung dieser Dinger ist komplizierter als alle Formeln, die man in der Schule lernen könnte.

Am 07. Dezember suchte ich in Google nach Moving Averages und Fibonacci Strategien.

Um 20:47 Uhr den 10.12.14 traf mich wohl der erste Margin Call meines Lebens. Zumindest recherchierte ich eine Minute später, was das überhaupt sein soll.

Am 16. Dezember wollte ich dann auch mal wissen, wie man eigentlich einen Stop-Loss setzt...

Weitere Einzelheiten möchte ich der restlichen Welt erspart lassen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die ersten 3 Wochen des Dezember 2014 waren die ersten Tage meines Lebens, in denen ich statt den Kerzen auf dem Adventskranz die Kerzen von Trading 212 anstarrte.
Zurückblickend sehe ich mich selbst ohne Strategie, hätte besseres zu tun gehabt, aber empfand den Börsenhandel zum damaligen Zeitpunkt als fremd geglaubtes Paralleluniversum, in das ich nachmittags verschwand. Ich hatte dort zwar kaum Ahnung, fühlte aber neue Reize, die ich so in meinem Leben nicht erfahren hatte.
Einmal in das Leben der großen Zocker schnuppern.




4. Weihnachten? Feiertage? Kein Trading? - So 'ne Scheiße!

Und dann als sich das Jahr 2014 in seinen letzten Zügen befand, kamen die Weihnachtsferien. Zuvor hatte ich lediglich nachmittags nach der Schule vor den Charts gesessen. In den freien Tagen konnte ich es erleben, wie es sich wohl so anfühlt als professioneller Daytrader, den ganzen Tag traden. Dachte ich.

Aber wie es so oft ist in der Trading-Karriere: Es kam anders!

Geschuldet war dies dem Kalender. Wer legt so einen Scheiß auch fest?

2014 fiel der 24. Dezember auf einen Mittwoch - schön und gut. Die beiden folgenden Feiertage waren dann Donnerstag und Freitag. Und darauf folgte das Wochenende.

Die Börse hat immer offen.
Also zumindest unter der Woche.
...wenn kein Feiertag ist!!

Es führte also dazu, dass meine Weihnachtsferien am 24. Dezember begonnen, ich aber erst am 29. Dezember ans aktive Trading denken konnte, da bis dorthin der Handel nicht möglich war.
Und weil Silvester und Neujahr auch nicht aufs Wochenende fielen, waren es zwei weitere Tage ohne Trading.
14 Tage Ferien und nur an 5 Tagen hat die Börse offen.
Auch das muss die Börse einem erst einmal lehren!

Die Tage, an denen ich handeln konnte, verbrachte ich damit. Teilweise bis zu 8 Stunden vor dem Bildschirm. Ohne Strategie, aber mit Stop-Loss. Ungefähr so stellte ich mir es vor.

Was tat ich nun in den Weihnachtsferien?

Am 24. Dezember 2014 um 01:19 Uhr finde ich den Namen Kroum Petkov in meinen Google Aktivitäten - das lasse ich mal unkommentiert.

Am 26. Dezember 2014 spielte ich wohl mit der waghalsigen Idee, einen Kredit zum Handeln aufzunehmen und erste Züge eines Risikomanagements sind erkennbar.

Am 30. Dezember übermannte mich der Traum des Berufs Daytrader durch die bekannte Einstiegsdroge: Daytrader N24. Die Doku Reihe hat bereits Zehntausende zum Handel gebracht, in mir hat sie den Ehrgeiz erwachen lassen.

Die meisten Dinge im Leben sind gar nicht so weit entfernt, wie wir glauben. Bereits in den ersten Tagen des Jahres 2015 habe ich die Homepage von Michael Voigt besucht. Auch wenn ich zum damaligen Zeitpunkt die Bücher nicht annähernd verstanden hätte, den Weg dorthin hatte ich bereits gefunden.
Biographie, die Zweite
1. Lesen Lernen.

Nachdem ich in den ersten Monaten 2014 ausschließlich Google zur Wissenserweiterung nutzte, gelang ich Anfang 2015 zufällig zum Videokurs "Der Ultimative Trader" vom Hanseatic Brokerhouse.
Den Kurs als prinzipiell schlecht zu bezeichnen, wäre wohl falsch. Ich zum damaligen Zeitpunkt hätte genau das getan, aber wohl nur aus dem Grund, dass mir dieses Bildungsangebot nicht sagte, wo ich ein- und wo auszusteigen habe. Alles schön, aber nicht das wonach ich suchte.

Die Suche setzte ich wenige Wochen danach mit einem Buch von Giovanni Cicivelli fort. Giovanni hatte ich bereits in einer der Daytrader N24 Dokus gesehen. Er war mir sympathisch - also warum nicht mal sein Buch lesen?
Zugegebenermaßen erfüllte auch dieses Buch nicht meine Erwartungen. Alles schön und gut, aber hilfreiche Hinweise hielten sich in Grenzen.

Ich suchte nach Spannung, etwas Interessantem und landete bei Norman Welz und der Tradingpsychologie. Psychologie klang für den kleinen Jungen wie ein spannendes Thema. Mal eben die psychologischen Kniffe kennen lernen und schon weiß man, wie der Markt wann und besonders wo er hingehen wird. So stellte ich es mir vor. Im Kursverlauf der Börse gibt es so etwas wie die psychologische Komponente und wer es schafft, diese zu erkennen, der wird Geld verdienen.
Ganz theoretisch gibt es so etwas ja auch - die Dow Theorie welche sich aus Angst aus Gier ableitet - nur dafür war Norman Welz der falsche Autor und ich hätte den Zusammenhang wohl noch nicht verstanden.
Fazit: Interessante Dinge, von "Trinke kein Kaffee beim Traden", zur Glukose Versorgung der Hirnzellen bis zu Ganglien und Angstinstinkten - aber besser traden konnte ich nach dem Lesen dieses Buchs immer noch nicht!

Und dann kam das Buch: Michael Voigts großes Buch der Markttechnik. Alleine zum Lesen benötigte ich gut 3 Monate.
Es hat mir gefallen. In Philip habe ich mich wieder gefunden. Auch wenn ich die meisten der Fehler Philips nie gemacht hatte - besonders weil mir die Ernsthaftigkeit fehlte - konnte ich mich nur mäßig mit ihm identifizieren. Für wenige Wochen rückte das Trading an sich in den Hintergrund, ich beschäftigte mich viel mehr mit dem spannenden Meisterwerk der Markttechnik.
Aber eben weil ich mich nur noch mit dem Buch, also der Theorie, und nicht mit der Praxis beschäftigte, fiel es umso schwerer, danach irgendein Wissen aus dem Buch anzuwenden. Seit Weihnachten 2014 war ich in der FXCM Trading Station heimisch geworden und beschäftigte mich ausschließlich mit dem kurzfristigen Devisenhandel.
Voigts Buch ist schön, aber wenn man es weglegt und auf den Chart blickt, wird einem klar, dass das Buch mehr Märchenbuch als Realität ist. Die Trends sehen gedruckt so wunderschön, einfach und logisch aus - müssen sie ja auch zur Verständlichkeit. Umso hässlicher wird allerdings die Realität, die echten Charts. Je mehr Zeit man mit dem Trading verbringt, desto besser erkennt man Trends, desto realistischer wird man und lernt, dass das Buch eben doch kein Märchen ist, sondern die Charts nur der besseren Verständlichkeit wegen so dargestellt werden.
Ich hatte den Eindruck, im Forex Markt funktioniere das Traden so wie ich es wollte nicht und begab mich wieder auf die Suche.




2. Jetzt aber Traden Lernen!

Das große Buch der Markttechnik habe ich Juni 2014 dann auch hinter mir gelassen. Es ist eben keine Strategie, sondern ein Buch. Und dieses Buch enthielt viel, sehr viel, für mich mit meiner nicht vorhanden Erfahrung viel zu viel Wissen, als dass ich daraus ein Setup, geschweige denn eine Strategie hätte basteln können.
Während den Wochen des Lesens habe ich nicht getradet, danach auch nicht. Mir fehlte die Orientierung, mir fehlten die klaren Regeln. Besonders aber fehlte mir das Verständnis für die Trends, das Verständnis für Bewegung und Korrektur, Trendverschachtelung, und dass Trend eben nicht immer Malen nach Zahlen sind.

Ich hatte die Vorstellung, ich war fest davon überzeugt, dass je mehr Bücher ich lese, je mehr Videos auf Youtube ich mir ansehe, je mehr Zeit ich investiere, desto besser müsse ich auch im Trading werden. Ich strebte nach Fachwissen, ausschließlich. Nur nicht nach Erfahrung!

So gingen die Tage ins Land. Ich habe die Foren im Internet verschlungen, Fachartikel nach Fachartikel in mich hinein gefressen, jegliches Halbwissen auf die Goldwaage gelegt.
Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich mir wirklich einen Mentor, einen starken erfahrenen Mann an meiner Seite gewünscht, der mir bei jeder weiteren Wissensquelle erneut mit dem Rohrstock auf die Finger schlägt.


Wir alle haben Vorbilder. Wenn wir uns verändern, suchen wir uns auch neue Vorbilder. Und so benötigte ich natürlich auch ein Vorbild im Trading. Etwas, das Orientierung gibt, mir zeigt wo ich hin will, mit dem ich mich identifizieren kann. Die N24 Doku gab mir drei Trader zur Auswahl, nach denen ich streben konnte. Ich entschied mich für Birger Schäfermeier, der regelrecht als "Gott der deutschen Tradingszene" dargestellt wurde. Vom Office, Golf Spielen in Spanien bis zum Porsche, all-Inclusive Tradingprofi.

Den Tradingstil konnte ich nicht kopieren, ich kannte ihn einfach nicht. Aber die Software Ninjatrader, welche ich heute noch nutze, übernahm ich von ihm. Mitte 2015 konnte man im Ninjatrader noch keine Demokonten im Devisenhandel eröffnen, also musste ich mit dem vorhandenen Angebot zufrieden geben, dem Futureshandel. Bei Ninjatrader gab es zum damaligen Zeitpunkt wegen des kostenpflichtigen Datenfeeds nur 14-tägige Testphasen. Wie gut, dass man bei Ninjatrader damals keine deutschen Trash-Mail Domains kannte...

Im Nachhinein betrachte ich diesen Schritt zum Ninjatrader und damit auch zum Futurestrading als größten Fehler in meiner Tradingkarriere überhaupt. Futures sind weit komplexer als die Forexmärkte und dadurch, dass ich mir alle 14 Tage einen neuen Account besorgen musste, wurde der Verlust und die Historie auch alle 2 Wochen zurückgesetzt - daraus kann man nichts lernen.




3. 6 Wochen Daytrader sein - Ein Traum wird wahr!

Und so kamen die Sommerferien 2015. Bedeutete für mich 6 Wochen lang keine Schule, 42 freie Tage, 30 Handelstage.

Mit NinjaTrader habe ich mich auf Futures spezialisiert. Ich hatte zu damaligen Zeitpunkt keine Ahnung davon, dass es ja auch Futures auf Forexmärkte (zumindest alle Paare gegen den USD) gibt. Also tradete ich was ich kannte. Und das waren anfangs nun mal der Dax-Future, der Bund-Future, der Dow Jones Future, der S&P Future und der Nasdaq Future.
Ich war mir sicher, dass mit dem Börsenhandel ein spannendes, aufregendes Erlebnis vor mir lag. Also verzichtete ich ganz locker auf den Bund und den S&P, weil sich beide Märkte pro Minute im Schnitt nicht einmal zwei Ticks bewegten und mir dadurch viel zu langsam waren. Im Vergleich dazu war der Fdax mit seiner Tickgröße von 0,5 Punkten natürlich perfekt und wie für mich gemacht. Da sah dann der 1-Minuten Chart auch noch super spannend aus.

Ich tradete also Futures, fühlte mich wie der Größte Trader auf Erden. Und das auch nur weil der Chart mir mit jedem Punkt, den der Dax in meine Richtung lief, weitere 25 Euro Gewinn anzeigte.
Gewinnt man einen Trade, angenommen 100 Euro Profit, neigt man sehr schnell dazu, diesen Profit in Luxusgüter des echten Lebens umzurechnen. Habe ich mit einem Trade 100 Euro verdient, habe ich also eine neue Uhr verdient, kann einen Abend luxuriös Essen gehen oder all das machen, was eben 100 Euro kostet. Größenwahnsinnige Leute neigen an diesem Punkt dazu, zu sagen, dass sie ein Zehntel ihre neues Fernsehers oder ein Tausendstel ihres Sportwagens verdient haben.
Und dann gab es da noch mich. Ich rechnete zurück. Dax Punkte waren meine Geldeinheit. Alles unter 25 Euro war weniger als einen Punkt im Future des deutschen Aktienindex, also nichts wert.
Die Flasche Cola kostete nicht mal einen Dax Punkt - lächerlich! Der Lohn meiner Eltern war nicht mal 200 Punkte wert, und so rechnete ich weiter. Immer im Hinterkopf, dass der Dax bei gut 11.000 Punkten stand, sich jeden Tag mehr als 100 Punkte bewegte, also waren allen Geldsummen, denen ich in meinem Alltag begegnete winzig klein im Vergleich zum großen Dax-Future, der ja soo nah schien.

Das über Monate angelesene Wissen musste ich ja irgendwie nutzen, also begann ich damit. Ich war unter anderem über eine vor Jahrzehnten auf dem Tageschart in Aktien profitable Strategie von Larry Connors gestolpert, von der ich dachte, ich könnte sie im kurzfristigen Bereich einfach so anwenden - auf dem 20-Sekunden Chart im Dax-Future mit dem RSI. Natürlich ging dieser Versuch grässlich schief!
Und so probierte ich Strategie nach Strategie, System nach System, Markt nach Markt, Zeiteinheit nach Zeiteinheit. Selbstverständlich nicht lange und profund. Frei nach dem Motto "Was 3 Minustrades in Folge verursacht kann nur falsch sein" wechselte und wechselte ich meine Trading-Regeln. Ich war es ja so aus dem echten Leben gewohnt.

Nach mehreren Wochen des totalen Chaos warf ich alle Systeme mit allen Indikatoren und Werkzeugen weg, um nur noch den nackten Chart zu betrachten. Ich tradete mal aus Intuition, mal aus Lust und Laune, mal aus Bauchgefühl und ganz selten auch mal nach Markttechnik. Wobei ich unter Markttechnik zum damaligen Zeitpunkt ausschließlich den Einstieg am P2 verstand. Korrekturhandel hatte ich noch nicht begriffen.
Anbei ein paar Screenshots. Komischerweise habe ich Minustrades nie festgehalten...








4. Die Reifeprüfung

Oktober 2015, mein erster Kontakt zum Trading lag bereits mehr als ein Jahr zurück. Ich hatte mich in immer tiefere Zeiteinheiten hinein gegraben, zum Ende bis zu Sekunden-Charts. Und plötzlich wurde ich in der Schule mit dem Thema Börse konfrontiert, dem Planspiel der Sparkassen.

Im ersten Moment dachte ich natürlich "Hey, super", denn der Börsenhandel war ja etwas, von dem ich damals dachte, das ich es beherrsche. Zusätzlich hatte ich 99 Prozent aller anderen Teilnehmern eine Nasenlänge voraus.
Nur ist das Planspiel Börse halt kein Daytrading auf Sekundenbasis. Und man tradet auch nicht alleine, sondern muss in einem Team agieren, dass man sich im nicht immer selbst aussuchen kann. Wie erklärt man nun anderen gleichaltrigen, dass sie ziemlich wenig, man selbst aber ziemlich viel vom Börsenhandel versteht?
Kostprobe gefällig?



Das was ich zuvor mit dem 20-Sekunden Chart im Fdax gemacht habe, wollte ich dann auch mit Aktien auf Tagesbasis veranstalten. Ging aber kläglich schief. Ganz einfach, weil man beim Planspiel der Sparkasse nicht zu jeder Zeit kaufen und verkaufen kann, sondern Orders ausschließlich um 11 und 17 Uhr zu den Preisen von 10:45 Uhr und 16:45 Uhr ausgeführt werden. Das hat natürlich zur Folge, dass solche Orderarten wie ein Stop-Loss faktisch nicht existieren, da die Ausführung zu einem bestimmten Preis nicht garantiert ist. Wenn die Non-Farm Payrolls um 14:30 Uhr den Markt nach unten drücken, wird die Position erst um 17 Uhr zum Kurs von 16:45 Uhr aufgelöst - super!
Und gleichzeitig bietet sich nicht die Möglichkeit, Daytrading zu betreiben. Dieses Planspiel ist überhaupt nicht rückständig!

Unterm Strich war das Projekt mit dem Planspiel erfolgreich.
Am Ende hatte ich 30 Euro, die Erfahrung auf dem Tageschart zu traden und die Erfahrung, mich gemeinsam mit anderen Unwissenden abstimmen zu müssen, gewonnen.
Der Erfolg gehörte uns nicht, weil wir die richtigen Aktien im Depot, sondern ich die EZB-Sitzung auf dem Schirm hatte und wir somit wenige Tage vor Spielende keine Werte mehr im Depot hatten.









5. Das effektivste Investment meines Lebens

Mitte Dezember 2015 war es dann vorbei, das Planspiel Börse der Sparkassen.

Für mich ging es wieder mit voller Konzentration zurück ins Daytrading. Und erneut wollte ich einen anderen Ansatz ausprobieren. Diesmal: Bastler, Forscher, Tüftler und Mathematiker, der Erste.

Sah dann so aus:


Welch' super Idee!

Glücklicherweise hielt dieses Chaos, welches den Wald vor lauter Bäumen zu verbergen schien, nicht lange.

Weihnachten 2015 befand ich mich seit einem Jahr aktiv im Daytrading. Meine "Trading-Bibel", das große Buch der Markttechnik von Michael Voigt, hatte ich bereits gelesen und ich war auf der Suche nach mehr. So stolperte ich auf seiner Homepage über weitere Bücher, eine achtteilige Buchreihe.
Der Preis war Abschreckung genug und ich dachte nicht mal annähernd darüber nach, mir diese Bibliothek ins Haus zu holen. Aber es gab eine App zu den Büchern, in der man sich den ersten Teil der Buchreihe "Der Händler" kostenlos als Ebook und Hörbuch herunterladen konnte. Ich tat es und wurde überzeugt. Also investierte ich die 160 Euro für "Michael Voigts Trading Edition".

Mein Hauptfokus lag also auf dem Verschlingen der Bücher.
Mit dem Handel machte ich parallel weiter, indem ich mir Charts nahm und nach irgendeinem Regelwerk von dem ich mal gehört hatte tradete. Mal Markttechnik, mal irgendwas anderes, mal ein Kontrakt, mal 25 Kontrakte, mal Nasdaq, mal Fdax.
Da ich keine wirklichen Aufzeichnungen zu dieser Phase habe, welche bis März 2016 andauerte, ein paar schöne Bilder.

Biographie, die Dritte
1. Nach dem Sturm ist vor dem Orkan

Die Branche zwischen Börsen, Brokern und Buy-Orders liebt das Marketing, von dem es gute und böse Seiten gibt.

Und so kamen die Investment & Business Days 2 im März 2016. Wie auch schon bei der ersten Ausgabe der Live-Stream Veranstaltung registrierte ich mich viele Wochen im Voraus und konnte die Vorträge gar nicht erwarten. Immer noch auf der Suche nach dem heiligen Grahl sah ich mir nahezu alle Vorträge an, die ich zeitlich aufrufen konnte. Das hatte dann zur Folge, dass ich von jedem Referenten 10 bis 20 Minuten gesehen hatte. Wie All-you-can-eat beim Chinesen - von allem ein bisschen auf den Teller schaufeln.

Es gab dann doch tatsächlich den einen Vortrag, den ich mir ganz ansah. Der eine Vortrag, der mehr als 3 Stunden dauerte, die ich gespannt mit der Nasenspitze eine Haaresbreite vom Bildschirm entfernt jedem Wort lauschte, jeden Chart inhalierte, jeden Trade gespannt mitverfolgte.
Den Vortrag, ein Live-Trading von Orkan Kuyas, der mir ja schon von der zweiten Daytrader Doku bekannt war, habe ich privat aufgezeichnet, da Orkan bereits nach wenigen Minuten erwähnte, dass es von ihm keine Mitschnitte im Archiv der IB-Days geben würde.



EMA 20
EMA 50
EMA 100
EMA 200
EMA 300
SMA 200
Marketprofile
Keltner Channel
MACD
RSI
Ichimoku
Pivot Punkte
SuperTrend

All diese Indikatoren lagen damals bei Orkan Kuyas im Chart. Das totale Chaos, welches den Anfänger, wie ich es ja war, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen lässt. Aber Orkan hat in den 3 Stunden anhand von 4 Trades auf seinem Konto mehr als 1.000 Euro verdient. Für mich der Beweis, dass diese Art des Trading ja eigentlich funktionieren muss. Durch die vielen Indikatoren, die mich in ihren Bann gezogen hatten, hat man ja so viele Sicherheiten wie möglich...

Ich krempelte also mein ganzes Trading um, drehte mich um 180 Grad in die Gegenrichtung und verschönerte meinen Chart als säße Picasso Junior vor einem neuen Gemälde. Auch wenn Orkan bei dem Vortrag mehrmals erwähnt hatte, dass man nicht alle diese Indikatoren benötigt, um den Chart zu verstehen, ich wollte sein wie er, also musste alles so werden. Orkan hat in mir ein neues Leben, im Trading einen neuen, nie dagewesenen Ehrgeiz geweckt.




2. Erfolgreiches Trading - Ziel erreicht?

Neues Vorbild Orkan Kuyas. Alte Plattform. Alte Märkte. Neue Charts. Neue Indikatoren. Neue Strategie.

Der Feind eines jeden Traders ist die Zeit. Trading bedeutet Geduld haben und warten zu müssen. Doch es bot sich mir damals tatsächlich ein Weg an, diese Wartezeit zu überspringen und mit höherer Geschwindigkeit zu traden. Die Lösung: Market Replay Data.

Ninjatrader bot damals und bietet auch heute noch sogenannte "Replay Daten" an. Man kann also den aufgezeichneten Marktverlauf aus der Vergangenheit nochmals "abspielen" und darauf traden. Und das Beste: Die Abspielgeschwindigkeit ist variabel. Man kann also mit 10-facher und 100-facher Geschwindigkeit den Markt traden. Eine super Erfindung für mich damals. Der Faktor Geduld und Warten wird auf Null reduziert...

Ich tradete also eine Weile lang die Fdax Replay Daten von Anfang 2014 im Ninjatrader nach den Setups und Strategien, die ich bei Orkans Vortrag im Rahmen der IB-Days gesehen hatte. Erstmals musste ich konsequent ein gewisses Risikomanagement anwenden.
Ich nahm also ein fiktives Konto mit 100.000 Euro zur Hand, setzte pro Trade 0,8 Prozent als Risiko ein und hatte nach 130 Trades innerhalb eines Monats eine Rendite von mehr als 20 Prozent erzielt.

Aber emotional fühlte ich mich alles andere als ausgeglichen. Die Setups richteten sich hauptsächlich gegen bestehende Bewegungen. Mit jeder Order hatte ich Angst, in den Markt zu gehen, Angst zu verlieren. Es handelte sich nicht um den echten Markt, nicht um echtes Geld und trotzdem schoss mir das Adrenalin durch die Adern und ich bekam schwitzige Hände.

Ich tradete profitabel, äußerst profitabel. War ich nun am Ziel angekommen? Erfolgreicher Trader?







3. Die Performance ist das Eine

..., die Psyche das andere.

Ich tradete diese Tage gut, doch glücklich wurde ich nicht. Ich habe kein Glück gefunden, da das Setup mir nicht entsprach.

Ich entwickelte einen gewissen Hass auf mich selbst und ging soweit, dass ich öffentlich im Internet die Frage stellte, ob Trading eine Lüge sei.
Ich hatte soeben erfolgreich ein Konto getradet und war innerlich zutiefst zerstört, fühlte mich zutiefst angegriffen, obwohl ich doch eigentlich erfolgreich gewesen war. Paradox.


jzg456 schrieb am 28.04.16 07:09:17 Beitrag Nr. 1 ( 52.294.285 )

Liebe Community,
Den Betreff habe ich ganz begründet gewählt. Ich habe bei den letzten (März) IB-Days einen Vortrag von Jochen Schmidt gesehen, der genau darüber geredet hat, ob Trading eine Lüge ist. Er hat das eines Tages in sein Trading-Tagebuch geschrieben, und ich befinde mich mittlerweile, nach 2 Jahren sich mit dem Börsenhandel befassen, an genau dem Punkt. Ich glaube nichts mehr und habe praktisch keine Ahnung was ich im Zusammenhang mit Börse überhaupt noch tun soll.

Ich habe mir letztes Jahr alle Bücher von Michael Voigt gekauft. Das Große Buch der Markttechnik habe ich bereits Anfang 2015 gelesen, die Händler Bände kamen dann im letzten Sommer hinzu. Ich befasse mich seit 2 Jahren mit Trading, habe hunderte wenn nicht sogar tausende Stunden vor dem Schirm verbracht, aber das Gefühl nichts, wirklich gar nichts, erreicht zu haben. Mit den Büchern habe ich in der Mitte von Band 6 aufgehört, da mich irgendwann das ganze Wissen einfach erschlagen hat, ich wollte irgendwann einfach nur noch Traden, nichts anderes mehr.

Nach dem Lesen der Bücher habe ich dann begonnen nach Markttechnik zu handeln, es waren nur sehr gute Setups, dabei spezialisiert auf den Bewegungshandel bei eng aneinander liegenden Punkt 2s (Trade Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=o8AhWZls4to&list=PLYAEzThHWe3PkJKrDbgn9GObeahZ8f-jL&index=1). Ich habe schon immer mich nur auf Dax, Dow, Nasdaq, Euro, Öl und Gold konzentriert. Mit Lieblingsmarkt hat das, denke ich zumindest, nur wenig zu tun, da ich ganz gerne Märkte mit möglich kleiner Tickgröße und möglichst hohem Volumen habe, da ich denke, dass Punkt 2s dort besser funktionieren. Auf die kleine Zeiteinheit (Ticks) bin ich umgestiegen, da dort dann ja mehr Signale auftauchen.

Anschließend dachte ich mir, dass auf zeitbasierten Charts alles besser funktionieren muss, also habe ich so ziemlich alle Punkt 2s gehandelt, die ich auf dem 5-Minuten Chart so erkennen konnte. Dort war es aber leider oft so, dass ich mit Gewinnzielen arbeiten musste, dass das nicht eine totale Geldverbrennungsmaschine wird. Oft wurde ich eingestoppt und anschließend lief der Markt total gegen mich. Ich bin mir im Bezug auf Zeiteinheiten und Korrekturen in der kleineren Zeiteinheit bei der Bewegung im klaren, aber das konnte ich alles nicht profitabel handeln.

Ich weiß selbst nicht mehr genau wie, aber irgendwie bin ich dann davon, bzw. allgemein von der Markttechnik weggekommen, da man die Stopps doch oft weit weg legt, und wenn man 6 Märkte beobachte doch nur wenige Signale auftreten. Ich habe dann erstmal totales Durcheinander gehandelt und bin irgendwie auf die ersten IB-Days gestoßen. Dort habe ich dann Orkan Kuyas gesehen und war begeistert, da mit seiner Charttechnik doch großartige CRVs möglich sind. Ich habe nach einem Monat mit Disziplin dann auch in 120 Trades 27% auf den Demo-Account gemacht (Ich habe bis jetzt alles nur auf Demo gehandelt, da ich keine 18 bin). Ich fand die Strategie und alles toll, aber es war eben nicht mein Stil. Ich bin immer gegen den die Bewegung eingestiegen und hatte immer Angst, dass mein Stopp Loss im nächsten Moment geholt wird. Zum Ende hin bin ich dann eingestiegen und hatte sofort Angst ausgestoppt zu werden. Trading ist damit richtig zu einer Last geworden.

Ich habe mir dann wieder eine neue Strategie gesucht, mit Range Charts in Bewegungen einsteigen und die dann mit engem Trailing Stopp handeln. Wirklich erfolgreich ist das nicht geworden. Ich hatte eher zu viele Einstiege. Meine Trends habe ich dabei mehr mit einem EMA, als markttechnisch bestimmt. Auch dort habe ich dann 3-Range-Charts im Nasdaq z.B. gehabt, sodass es verdammt kurzfristig war. Nach wenigen Verlusttrades in Folge habe ich mir dann immer wieder die Frage gestellt, ob Trading in solch einer kurzfristigen Zeiteinheit denn überhaupt möglich sei. Im Nachhinein kamen mir viele Bewegungen deutlich vor, bei meinen eigenen Einstiegen ist der Markt dann aber nie so gelaufen. Auch durch die teilweise vorhandene Lücke im Orderbuch bin ich durch Slippage immer wieder dumm eingestoppt und rausgeworfen worden. Ich hatte dann wiederum das Gefühl, dass Trading so gar nicht klappen könnte.

Jetzt neige ich dazu zu einem Tradingansatz zurückzukehren, den ich bereits vor dem Lesen der Voigt Bücher verfolgt habe. Der Handel von "Umkehrstäben", die über dem oberen und unteren Bollinger Band ihr Hoch bzw. Tief haben. Auch in dem Fall sehr kleine Zeiteinheit. Das ist irgendwie auch nicht schlecht wenn man es sich so ansieht, aber beim Backtesting, und damit habe ich nun auch schon 10 Stunden verbracht, kommt bei mir nie was Positives raus, wenn man mal die in Realität doch häufig auftretende Slippage berücksichtigt. Abgesehen davon habe ich nicht ein Mal Kommissionen mit eingerechnet.

Ich habe das Gefühl nun so tief gefallen sein, wie ein Trader nicht tiefer fallen kann. Ich habe das Ziel mit Trading eines Tages mal ein schöneres Leben zu haben, ohne Schule bis 18, im Anschluss Studium bis 25, Familie mit 30, und irgendwie ein ziemlich unglückliches Leben zu leben bzw. leben zu müssen (ich sehe es aktuell leider an meinen eigenen Eltern).

Nun stelle ich mir die große Frage was ich denn in dieser Situation überhaupt noch tun soll. Aktuell ist es mein tiefstes Verlangen einfach nur noch zu traden, und das dann auch erfolgreich. Denn ich habe das Gefühl alle Zeit hat nichts gebracht.

Ich stelle mir die Frage der Diversifikation - ist es zwingend notwendig Aktien zu handeln (bzw. Cfds darauf) oder kann man auch mit ca. 5 Märkten sinnvoll markttechnisch erfolgreich werden (oder allgemein an der Börse)? Mein Problem an den Aktien Cfds sind die hohen Gebühren, die das ganze erst ab einem Konto von 50.000 und aufwärts Sinn ergeben lässt.

Ich habe durch die letzten 2 Jahre so viel im Internet gelesen und allgemein gehört, dass ich echt nicht mehr weiß was ich denn jetzt noch tun soll. Um all das abzulegen müsste ich ja eigentlich auch das Fachwissen wegwerfen, da das ja alles irgendwo zusammenhängt. Ich weiß auch nicht, ob mein Scheitern nicht in meinen falschen Erwartungen, an das Trading nach Markttechnik oder an etwas, das ich noch gar nicht kenne, begründet ist. Ich weiß, dass ich in meiner aktuellen Situation eigentlich nichts weiß.


An dieser Stelle vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen haben, diesen elend langen Text zu lesen. Ich hoffe ihr haben einen hilfreichen Rat für mich.

Trading ist eine Lüge - Ich bin verzweifelt | wallstreet-online.de - Vollständige Diskussion unter:
https://www.wallstreet-online.de/diskussion/1230868-1-10/trading-luege-verzweifelt
Biographie, die Vierte
1. Lass' mal die Welt verarschen #01 - Das Projekt Nasdaq Pivot Scalper

Ich will erfolgreich sein. Ich will erfolgreich sein. Ich will erfolgreich sein. Ich will erfolgreich sein.
(Trading Tagebuch, den 01. Juni 2016)

Ja, ich wollte erfolgreich sein. Um alles in der Welt. Juni 2016 befand ich mich seit gut 18 Monaten im Trading. Auch wenn ich wusste, dass man den Börsenhandel gewiss nicht innerhalb von einer Woche oder einem Monat erlernen kann, hielt ich die Zeitangabe, innerhalb von 1,5 bis 2 Jahren profitabel zu werden, immer für realistisch. Ich hätte also am Ziel sein müssen, war es aber nicht.

Die Bücher von Michael Voigt habe ich zum damaligen Zeitpunkt nebenbei gelesen, das Wissen technisch aber nicht angewendet. Klar hatte ich den Handel aus der Korrektur sinngemäß verstanden, empfand es aber als zu langweilig, immer auf Korrekturen zu warten und mich anschließend in der tieferen Zeiteinheit einstoppen zu lassen. Es war mir nicht spannend genug.
Auch mit Orkans Charttechnik stand ich auf Kriegsfuß, seitdem ich das Konto im Replay profitabel nach vorne getradet hatte, dafür aber die mentale Kehrseite des Tradings erleben musste.

Also suchte ich selbst nach neuen Setups, wollte das Rad neu erfinden, den vom Himmel fallenden heiligen Grahl auffangen. Klar wusste ich, dass es ihn nicht gibt. Trotzdem glaubte ich fest daran, dass die für mich bestimmte Strategie noch auf mich wartete und ich ihr nahe, sehr nahe war. Neue Templates erstellen, andere Farbkombinationen für die Candles, schrille Farben für die Pivot Punkte, gestrichelte Linien mit Farbpunkten anstatt langweiliger Bollinger Bänder. Alles schön und gut, nur keine Setups, keine Stopps, keine Strategien, kein Trading. Den Spaß hatte ich mit der Software, nicht mit dem Trading.

Irgendwann - wie auch immer es geschah - kam ich auf die Idee, die von Orkan bereits bekannten Pivot Punkte, die generell als Widerstand und Unterstützung gesehen werden, zu erweitern. Während
Orkan die Pivots kalkuliert anhand des letzten Tages benutzte, wollte ich mehr als nur die 7 Linien pro Tag. Ich wollte in schnellerem Rhythmus handeln. Immer darauf zu warten, dass der Markt an eine der Linien läuft, war mir persönlich zu langweilig.
Anfangs zeichnete ich Fibonacci Retracements zwischen die Pivot Punkte, was allerdings kaum erfolgreich war, also verwarf ich diese Methode schnell wieder. Es folgte eine Reduzierung der Periode, anhand welcher die Pivots berechnet werden. Ich nutze folgend also nicht mehr die Pivot Punkte, kalkuliert anhand der Schlusskurse des Vortages, sondern anhand der letzten 4 Stunden Periode, anhand der letzten Stunde, sogar 15-Minuten Pivots nutzte ich. Alles ausschließlich im Nasdaq Future.

Und plötzlich fühlte ich mich super. Enge Stopps, immer 1:1 als CRV. Teilweise scalpte ich nur für 4 Ticks. Im Demokonto ist das schön und toll, im Live-Konto hingegen der letzte Scheiß, da die fehlende Liquidität zu Slippage führt und die Gebühren immens hoch wären. Für mich in der Situation aber egal.
Ich tradete einige Tage erfolgreich, wollte die Welt umarmen und ihr anschließend mein Meisterwerk zeigen, alle am Erfolg Teil haben lassen. Also eröffnete ich einen Youtube Channel zu dieser Thematik, wo ich plante, meine aufgenommene Handelsessions zu posten. Selbstverständlich so, dass alles nach einem Live-Konto aussah. Wer will schon einem jungen Demotrader beim Handeln zusehen?

2 Tage lief dies einigermaßen gut, ich war im Plus. Und anschließend folgte ein Tag mit 4 Verlusttrades in Folge. Aber ich wollte keine solchen Tage mehr mit roten Zahlen, wollte nur erfolgreich sein und nicht mehr.
Also postete ich dieses Video nicht, sondern nahm ein alternatives Video auf. Dazu wurden einmal mehr die alten Market Replay Daten zur Hand genommen. Und schon waren die negativen Trades weg und die Zahlen waren wieder grün.
Ich nutzte diese Market Replay Daten zu meinem Vorteil und setzte mich die folgenden Tage gegen 17 Uhr an den PC, betrachtete den stattgefundenen Marktverlauf und entschied im Nachhinein, wo ich meine Trades setzte, spielte die Market Replay Daten ab und hatte erfolgreich mich selbst beschissen. Dieses Video postete ich im Internet und hatte somit auch noch den Rest der Welt beschissen. Aber ich war glücklich.

Natürlich hielt auch dieses Glück nicht lange. Man gewöhnt sich daran, ist irgendwann zu faul, überhaupt noch solche gefaketen Videos aufzunehmen und wirft den Youtube Kanal mit den 130 Abonnenten weg. Selbstverständlich war der Link zum Channel längst in Foren und Facebook Gruppen gepostet, die halbe Trading-Welt darüber informiert.
Die Videos habe ich aus Frust gelöscht, einzig Screenshots sind Überbleibsel aus dieser Zeit.








2. Heiliger Boden unter den Füßen und ein langer Sommer

Mit eigenem Trading wurde ich nicht erfolgreich.
Anderen Leuten erfolgreiches Trading vorzutäuschen machte mich auch nicht glücklich.
Trading erfüllte für mich den Sinn und Zweck eines Hobbys nicht mehr!

Ich warf es anschließend nicht weg, aber die ganze Thematik nahm einen deutlich niedrigeren Stellenwert als zuvor in meinem Leben ein.

Im Februar 2016 hatte ich erfolgreich an einem Börsenspiel teilgenommen, wobei ich mich eigentlich nur ein einziges Mal angemeldet hatte. Den Link zu dem Wettbewerb hatte ich zufällig im Internet gefunden. Über Regeln, Preise, den Zeitraum usw. hatte ich mich nicht informiert. Lediglich registriert, angemeldet und ein paar Öl-Aktien gekauft.

Einige Wochen später flog dann eine Mail, getarnt als Spam, in mein Postfach. Ich hatte den dritten Platz insgesamt belegt, in einer der drei Spielwochen am besten performt und mehrere Preise gewonnen. Ein Buch von Voigt, 50 Euro Amazon und einen VIP-Besuch der Börse. Wer sagt da schon nein?


Also ging es für mich - der Gewinn hatte leichte Verspätung ;-) - im Juli 2016 nach Frankfurt. Besuch einer der Partnerfirmen, VIP Führung durch die Räumlichkeiten der Börse und ein schickes Abendessen. Der 22. Juli 2016 - ein Tag, den ich nie vergessen werde.

Obwohl ich mich im Trading bis zum damaligen Tag in sehr unebenem Terrain befand, fühlte mich durch diesen Erfolg bestätigt, hatte das Gefühl in der richtigen Spur zu sein.


Es folgten wieder 6 Wochen Sommerferien, die für mich lange werden sollten. Trading fand ich nicht mehr so spannend und interessant, wie es mal war. Genauer genommen fand ich es unglaublich langweilig und eintönig, schon wieder Stunden vor sich verändernden roten und grünen Kerzen zu sitzen.

Ich tradete also nur nebenbei, wenn ich mal gerade so Lust dazu hatte. Ein paar Auszüge folgen.






3. Lass' mal die Welt verarschen #02 - Mein eigenes Buch

Die Gier nach Geld lässt uns irrational werden.

Alle anderen schienen an den Märkten ihr Geld zu verdienen. So viele waren erfolgreich, nur ich nicht. Wer da draußen sein Geld nicht durch eigenen Handel verdiente, dem gelang dies wenigstens durch Seminare, Online Ausbildung, Coachings...

Und genau das wollte ich dann auch.
Ich veröffentlichte also mein erstes Buch, bzw. meine ersten 2 Bücher. Um Kosten zu sparen nur als Ebook über einen Self-Publishing Verlag.

September 2016 erschienen die Publikationen, nähere Infos möchte ich der restlichen Welt ersparen.
Lange dauerte es nicht, dann nahm ich die Dinger wieder aus dem Netz.







4. Ein letztes Aufbegehren

Ich hatte es satt.

Aber gab mir selbst, gab dem Projekt Trading nochmal eine allerletzte Chance.

Auf dem Youtube Channel von WH Selfinvest hatte ich ein Video von einem holländischen Trading Coach gesehen, der ausschließlich saubere Trends zu traden schien. Mit Heikin Ashi und Range Charts in meinem Lieblingsmarkt, dem Dax, sahen alle Marktbewegungen so geschmeidig wie ein Leopard aus.



Ich wollte es noch mal probieren, ein letztes Mal, einen letzten Versuch.

Es endete im nichts, in der Bedeutungslosigkeit, im Versagen, im Konflikt mit mir selbst.

ENDE

Die gymnasiale Oberstufe spannte mich zeitlich ein, sodass für Träumereien um das Trading kein Platz mehr war. Ich akzeptierte es und zog den Stecker. Dunkelheit.
Biographie, die Fünfte
Memoiren der Abwesenheit #01

03. März 2017

War eigentlich schon eine schöne Zeit

Plötzlich von einem Tag auf den anderen eine neue Welt endeckt zu haben. Das Gefühl, dass von einem auf den anderen Moment das Leben einen Sinn hat.
Ich habe so dafür gebrannt, es ist zum Lebensziel geworden, eines Tages mal Trader zu sein. Damit seine Brötchen zu verdienen.
Dabei ist es viel zu sehr Traum, viel zu sehr Vorstellung geblieben. Durch das Betrachten von roten und grünen Kerzen (und Dojis) Geld verdienen, so ein einfacher Weg, es wäre schon schön gewesen, so einfach, fast schon zu einfach.
Ich war damals 14, dachte die Welt gehört mir, nur weil ich vom Trading träumte. Ich lebte fürs Trading, morgens in die Schule und nachmittags vor den Charts sitzen. Das Wochenende dahinleben, um Montag Nachmittag wieder vor den Charts zu sitzen.
Aber als das Bedürfnis des Chart-Betrachtens dann befriedigt war, wurde quer und durcheinander irgendwas gemacht, aber ganz gewiss nicht getradet. Ich hatte ja nicht mal einen eigenen Echtgeld-Account.

Ich habe in einem Kreis gelebt. Eine Strategie finden bzw. sich ausdenken, für kurze Zeit sich im siebten Himmel fühlen, weil beim Betrachten vergangener Charts die Strategie fast immer aufgegangen wäre. Dieses trügerische Gefühl "Ich habe es geschafft", dabei war es alles eine Illusion.
Dann nach ein paar Trades kam dieses Gefühl der Planlosigkeit, die ersten Zweifel an dieser "Strategie".
Und drittens das Gefühl versagt zu haben. Der Moment wenn man dann wieder denkt: Trading ist eine Lüge, man kann da kein Geld verdienen, alles ist Zufall, Glück. Und dann kam irgendwo ein Gegenbeweis, selbst wenn es nur ein YouTube-Channel von Koko P. war und schon war man wieder im siebten Himmel, der Phase in der man denkt, man hat die Strategie gefunden.

Wie viele tausende Stunden habe ich vor dem PC gegessen und letztendlich nichts daraus gelernt. Selbst habe ich mir mit dem selbst ernannten Ziel des "Trader werdens" nur etwas vorgemacht. Aber ich war glücklich, zumindest wenn ich das Gefühl hatte, eine Strategie entdeckt zu haben. Damit kamen dann auch immer die Träume vom Leben als Trader mit dieser Strategie. Wie rosarot und schön alles sein könnte, eines Tages...

Trading hat knapp 3 Jahren meines Lebens einen Sinn gegeben. Nach außen hin, enge Freunde und Familie, aber habe ich nie das Trading und wie ich dafür brenne gezeigt, Angst vorm Verlieren?
Dass die Erwartungen an sich selbst zu hoch sind?

Trading war wie meine Droge.
Ich habe viel über mich selbst gelernt.
Vielleicht auch von anderen eine Art gelernt, Dinge rational zu betrachten. Gewisse Arbeitsmuster und Verhaltensmuster von Menschen, die nicht nur an der Börse, sondern im ganzen Leben vorhanden sind.

Im Nachhinein kann ich sagen: "Hätte ich das ganze besser mal einfacher gemacht. Nicht immer so kompliziert. So einfach, dass es jeder versteht, auch ich selbst."

Trading war meine Droge. Ich bin daran gescheitert, kaputt gegangen, Ich habe versagt. So kontrovers es klingen mag, Ich hatte Spaß daran.




Memoiren der Abwesenheit #02

09. März

Und wieder sitze ich da, im tristen Zimmer bei Regen draußen und der düsteren Nacht des Frühlings. So schön und sonnig der Tag war, so trist ist mein Abend. Mal wieder nen Blick auf die Kurse werfen, mal wieder Charts ansehen. Betrachten was man verpasst hat, welche Chancen man ausgelassen hat, wann man versagt hat oder doch lernen für die Zukunft? Es ist und bleibt doch ersteres.

"Heute morgen um 09:42h hätte ich am 200er gleitenden Durchschnitt verkauft, und da ein ganz klares Longsignal, wer das nicht erkennt ist doch dumm", schießt mir durch den Kopf. Sieht wieder alles so einfach aus, im Nachhinein betrachtet, und dass ich das mache ist wohl das einzige was dumm ist.

Das Gefühl des Tradens, das Verlangen nach dem "Drücken" (wie Orkan Kuyas immer gesagt hat zum planlosen Handel der Anfänger und mit dem Trading Unvertrauten) habe ich schon lange nicht mehr. Und doch, irgendwie komme ich nicht ganz davon weg.

Erst gestern wieder Investment-Business Days einen Vortrag angesehen, über die super Setups des Handels. Gold, Russel, Dax, S&P, Nasdaq, alles klingt mittlerweile mehr wie der Name eines Hundes, der Name eines Rennpferds, auf das man setzt für mich, als dass ich tatsächlich materielle Dinge damit verbinde, maximal die roten und grünen Kerzen des Full HD Bildschirms meines Acer Notebooks.

Während Ich das hier schreibe, ticken die Kurse. Dax einen Punkt hoch, einen Punkt runter, einen halben wieder hoch und für die nächsten 20 Sekunden tut sich nichts. Der Handel ebbt ab, Frankfurt hat zu, nur noch die Amis sind am Werk und ziehen den deutschen Leitindex mit.

Jede Eingabe auf der Tastatur, jeder Buchstabe, es könnten alles Trades sein. Doch ich weiß nicht was ich jetzt traden soll, an welche der dutzenden Strategien der letzten 3 Jahre ich mich nun halten soll, ob ich überhaupt irgendwann noch mal einen Trade abfeuern soll. Mein Inneres sagt mir: "Tu es nicht, du hast eh keine Zeit mehr fürs Traden. Nur Freitag nachmittags frei, also einmal im Monat traden, am ersten Freitag zu den NFPs."

Eine Selbsthilfegruppe gescheiterter Trader, das wäre jetzt wahrscheinlich das Richtige für mich. Aber bei dem Kult, bei dem Selbstverständnis, welches im Internet zum Traden mittlerweile herrscht: Undenkbar, dass sich so etwas finden lässt. Alle Minustrades werden unter den Tisch gekehrt, niemand darf scheitern, alle verdienen das große Geld (nur ich nicht!), so wirkt es zumindest.

Immer wieder denke ich an mein Posting auf wallstreet-online "Trading ist eine Lüge - Ich bin verzweifelt", weil sich seitdem, seit April letzten Jahres, irgendwie nichts verändert hat.

Aber vielleicht ist all das gar keine schlechte Entwicklung, vielleicht sind diese Erkenntnisse auf dem Weg nach ganz oben notwendig, leider weiß es wohl keiner. Immer wieder kann ich nur zu anderen sagen: "Lernt aus meinen Fehlern, mir zumindest ist dies nie gelungen"




Memoiren der Abwesenheit #03

28. März

Nein, ich bin nicht gegangen. So etwas ist und bleibt wohl nicht möglich. Wenn man einmal diese Welt erkundet hat, sich einmal dazu hingezogen gefühlt hat, das Gefühl, das Hobby, die Passion, sie kann nicht auf ewig verloren gehen. Es war wohl nur ein temporäres Gefühlstief, die Depression meines persönlichen Konjunkturzyklus des Tradings. Aber ich bin wieder dort, wo ein jeder Neuling und Anfänger steht. Ich habe aufgeräumt, nicht mein Bücherregal, die Indikatoren auf meinem Chart, sondern in meinem Kopf. Einfach mal alles vergessen, was ich bereits gelernt habe und versuchen das Trading neu zu lernen, aber alles anders aufnehmen, aus einer genaueren, erfahreneren Perspektive.

Was hat mich geleitet, was waren meine Gedanken beim Trading in der Vergangenheit? Im Nachhinein ist alles so klar, alles so deutlich und einfach. Auch wenn man sagt "Im Nachhinein weiß man es immer besser", eigentlich ist man als neuer Trader doch immer der Meinung, Recht zu haben. Völlig egal und unabhängig davon, was einem irgendwer sagt. Letztendlich hat man doch nur das Ziel des Geld Verdienens, des Reichwerdens durch den Börsenhandel im Kopf, so sehr man sich noch einredet, dass man es nur aus der Liebe zu Charts täte.

Ich wurde von der Gier geleitet. Nicht etwa die Gier der Geldvermehrung, denn es waren ja nur Demokonten. Es war die Gier, Wissen anzureichern, mit vielen Indikatoren den Markt verstehen und das obwohl ich so oft gehört hatte, dies ist nicht möglich. Unterbewusst zumindest war es das Ziel. An manchen Tagen habe ich bis zu 50 Trades in den Markt gefeuert - Wieso? Ich wollte alles so schnell wie möglich. Wie ich mit 14 Jahren bereits professionellster Trader der Welt sein wollte, so versuchte ich auch als Schnellster Tradingerfahrung zu sammeln. Replay Accounts, mehrere Tage innerhalb von Minuten nachzuhandeln, damit unter simulierten und falschen Bedingungen das Traden erlernen, wolte ich damals. Aber ich habe nur das Handeln auf dieser Simulation gelernt. Denn im echten Trading in Echtzeit, muss man auf Einstiegssignale warten, das gibt es im Replay nicht, denn man beschleunigt einfach die Abspielgeschwindigkeit. An dieser tollen Trainingsübung namens "Market Replay" bin ich dann auch gescheitert. Hatte ich nicht gerade alle Zeit der Welt, hat mich das Warten umgebracht, mich zu unsinnigen Trades außerhalb meiner Strategie verführt. Es war diese falsche Perfektion, diese Blindheit vor Größenwahnsinn.

Natürlich erkenne ich im Nachhinein wieder wo meine Fehler waren, aber irgendwann will ich mal im voraus mehr Fehler vermeiden als ich im Nachhinein jemals erkennen könnte.
Blicke ich auf den heutigen und gestrigen Marktverlauf, sehe ich die Tradingmöglichkeiten, die deutlich sind anhand meines Handelsansatzes, die man nur mit Warten hätte erreichen können, doch geschafft habe ich es nicht. Diese 9 heiligen Buchstaben, überall stehen sie geschrieben, überall werden sie einem um die Ohren geworfen, aber genau erklärt wurden sie nie. Was diese "Disziplin" denn nun bedeutet musste ich selbst erfahren, es hätte mir wohl kaum einer beibringen können, in meiner Traumwelt, in meinem Denken an das professionelle Trading. Ich hatte von den psychologischen Fallstricken gehört, und trotzdem bin ich reingefallen, weil die Naivität überwiegte.

Den Markt habe ich als meinen Gegner betrachtet, den ich mit so wenigen Messerstichen wie möglich ums Leben bringen musste. Dabei sollte ich mit ihm zusammenarbeiten, mich darüber freuen wenn er zu meinen Gunsten läuft.

Liebes Trading: So hart es doch ist, Danke das es dich gibt.

An das eigene psychologische Ich: Das Gleichgewicht zu finden und die Balance nicht zu verlieren ist so verdammt hart.
Biographie, die Sechste (harte Kost)
1. Rückkehr, um der Rückkehr den Rücken zu kehren

Wenn du etwas liebst, lass es los. Wenn es zu dir zurückkommt, gehört es dir. Wenn es nicht zurückkommt, hat es dir nie gehört. (Unbekannt)

Trading, den Börsenhandel, die Charts, die tausenden Stunden, die Erfahrungen - Oktober 2016 habe ich alles los gelassen.

Und so kam er zurück. Der ganze Mist, das ganze Gedöns, alles.

Anfang April 2017 erhielt ich eine E-Mail. Bei einem Börsenspiel hatte ich ja bereits ein Jahr zuvor mitgemacht und den dritten Platz belegt. Auf das Börsenspiel folgend findet jeweils im April eine dazugehörige Abschlussveranstaltung statt, wo sich die besten Teilnehmer treffen, sich austauschen können, an Workshops und Fachvorträgen teilnehmen können.
Nachdem sich auch ein guter Freund von mir, den ich erst durchs Traden kennen gelernt hatte, dort angemeldet hatte, tat ich es ihm gleich.

Zwar musste ich feststellen, dass weder die Mehrheit an Teilnehmern, noch die Mehrheit an Referenten auch nur annähernd Ahnung von charttechnischem Trading hatte und die Veranstaltung als solches nichts als Werbung für eine Uni sein sollte, trotzdem war es mal wieder das Gefühl vom "Eintauchen" in eine fremde Welt.

Und so kam ich, mit den Erinnerungen der Reise als Motivationsschub im Gepäck, zurück ins Traidng, zurück an die Märkte, zurück nach Hause. Ich war nicht mehr aufzuhalten. Wollte alles besser machen, alles anders machen. "Was beim ersten Mal nicht geklappt hat, wird beim zweiten mal auch nicht funktionieren" waren meine Gedanken.
Also Metatrader 4 statt Ninjatrader 7. Forex statt Futures. JFD Brokers statt NinjaTrader Brokerage. Markttechnik statt restlicher Mist.

Ich hatte nicht ein klares Setup, sondern tradete von Allem, was die Markttechnik erlaubte, ein bisschen.




Die Euphorie aber hielt nur wenige Tage, ehe ich mich wieder gefrustet, völlig leer gesaugt, am Boden zerstört, erschöpft aus dem Markt zurückzog und alle Programme, die nur annähernd etwas mit dem Börsenhandel zu tun hatten von meinem Laptop verbannte. Der innere Zorn wuchs mit jedem Tick des Marktes, jedem Pip, jeder Sekunde.

Auf Waffen folgten Waffen.

Nun kam die Kriegserklärung. Börse, Trading, Forex, Spekulanten: Meine Feinde




2. Die dunkelsten Stunden meines Lebens

Die folgenden Zeilen bitte ich mit Vorsicht zu genießen.

Die das Dunkel nicht fühlen, werden sich nie nach dem Lichte umsehen.
Henry Thomas Buckle



Es ist Mai 2017. Ich kann auf 30 Monate Erfahrung zurückblicken, 2,5 Jahre Börsenhandel, tausende Stunden meines Lebens habe ich damit verschwendet. Unter dem Eindruck einer Dokumentation habe ich versucht ein erfolgreicher Trader zu werden. Habe Bücher gelesen, habe Videos auf Youtube gesehen, wie andere Netflix habe ich Webinare konsumiert. Mein Wissen um die roten und grünen Kerzen, die unzähligen Indikatoren, die Futuresbörsen, die Forexmärkte, die Broker, die Plattformen hatte unbeschreibliche Dimensionen angenommen.

Und doch stand am Ende nichts.
Nicht außer verschwendeter Zeit, die für dieses absurde Hobby drauf ging.

Mir selbst und den Märkten habe ich nochmal eine aller letzte Chance gegeben, mich erfolgreich werden zu lassen. Ich bin gescheitert, und damit auch das Projekt Trading. Die Niederlage schmerzte, ich nahm sie persönlich, sah mich als Versager.
Dies fusionierte mit schulischem Stress und dem damit verbundenen Leistungsdruck der gymnasialen Oberstufe - ich geriet in eine Schieflage.

Plötzlich schien das Leben sinnlos zu werden. Trading, das ich über mehrere Jahre zu meiner Lebensaufgabe gemacht hatte, rückte in weite Ferne. Der Erfolg im Trading schien unerreichbar geworden zu sein. Ich wurde gezwungen, mich auf andere Dinge zu fokussieren, mich mit anderweitigen Themen auseinanderzusetzen, die ich mir nicht aussuchen konnte. Aus dem Trading gab es den Ausweg: die Flucht. Aus dem echten Leben gibt es diesen nicht - streng genommen zumindest. (***) Zum Reden hatte ich niemanden. Es wäre wohl zu wild gewesen, einer Person aus meinem näheren Umfeld zu gestehen, dass mein Vorhaben Trading gescheitert war, sich alles in Luft aufgelöst hatte. Ich war zu feige, wollte mir den Misserfolg nicht eingestehen, wollte nicht als Looser dastehen, hatte Angst.

Durch mein eigenes Versagen im Börsenhandel begann ich "dem Zocken" gegenüber eine abneigende Haltung einzunehmen. Ich kannte kaum Leute, die handelten und erst recht niemanden, der im Zocken gescheitert war.
Die gymnasiale Oberstufe in Bayern bringt einen sehr umfangreichen Lehrplan mit sich, der generell zur Allgemeinbildung beitragen soll. Neben dem Standard von Goethe in Deutsch bis zur Integralrechnung in der Mathematik werden in Nebenfächern exotische Themen wie politische Musik besprochen.
Mein Musiklehrer setzte dieses Thema um, indem wir rechtsextreme Lieder analysierten. Selbstverständlich war das Behandeln solcher Musik auch präventiv angedacht, die negative Bewertung solcher Werke blieb nicht außen vor.

Aber wenn du dann plötzlich meinst, deine eigenen Erfahrungen in einem Lied wieder zu erkennen, kann sich alles blitzschnell ändern. Börsen, Banken und Spekulanten wurden in einem Stück für jegliches Leid und alle Misstände verantwortlich gemacht. Rückblickend ist dies inhaltlich natürlich falsch, ich habe es damals aber nicht erkannt.
Ich fühlte mich verstanden. Jemand dachte und fühlte genau das Gleiche wie ich. So schlimme Dinge in dieser Ideologie noch vorkamen, ich blendete es aus. Es zählte für mich lediglich, dass ich nicht alleine war mit meiner neuen Einstellung, mit der neuen Haltung zum Börsenhandel.

Dieses Lied wurde zu meinem neuen Freund. Und ganz langsam, schleichend auch der Rest dieser perfiden Ideologie. Ohne es zu merken, fühlte ich mich Tag für Tag ein bisschen stärker zu ihr hingezogen. Aus dem einen Lied wurden weitere Lieder der gleichen Band. Aus der einen Band mehrere Bands. Von Lied zu Lied wurden die Texte aggressiver. Die Texte und die Musik passten zu meinem Lebensgefühl. Ich hatte einen Hass auf Alles entwickelt. Weil ich selbst versagt hatte.
Ich den Hass auf alles, die Rechtsextremen den Hass auf alles nicht-rechtsextreme. Diese beiden Arten des Hasses begünstigten einander und formten aus mir einen ganz bösen Menschen, vor dem ich rückblickend Angst habe. Ein Mensch, für den ich mich schäme.

Ich verschloss mich selbst. Wie ich zuvor nicht gezeigt hatte, dass ich mit Trading mein eigenes Versagen herbeigeführt hatte, so verkörperte ich auch nicht die rechtsextreme Ideologie, welche ich angenommen hatte. Innerlich spürte ich zutiefste Verabscheuung gegenüber allen Menschen, besonders jedoch der Ideologie entsprechend gegenüber allem "nicht-rechtsextremem". Gezeigt habe ich dies aber nicht. In der heutigen Gesellschaft werden rechtsextreme Weltanschauungen ja als negativ und Schwäche angesehen.

So ging ich mit der neuen Haltung durchs Leben, wurde aber nicht mal ein kleines Stück glücklicher. Mein nächster Ausweg, mein nächster Anker, der mir helfen sollte, war der Alkohol - eine verheerende Entscheidung.
Ich wollte frei sein, ausschließlich frei sein. Weg von diesem Leben, weg von den Erinnerungen an das Trading, weit entfernt von diesem Gefühl, versagt zu haben. Der Alkohol gab mir genau dieses Gefühl, zu vergessen. Alles erschien plötzlich leicht, die Gedanken waren frei, grenzenlos.
Ich schaffte es an Orte zurück, die ich, seitdem ich mit Trading gescheitert war, nicht mehr erreicht hatte. Mein eigener Horizont wurde erweitert, meine Gefühlswelt neutralisiert, der Reset-Knopf meines Gedächtnis gedrückt.

Alkoholmissbrauch stand auf meiner Tagesordnung. So lebte ich Tage vor mich hin.


Frust vom Trading, Rechtsextremismus und Alkohol. Diese 3 Faktoren begünstigten einander und formten aus mir ein abscheuliches Ungeheuer, eine tickende Zeitbombe.

Aber auch eine rechtsextreme Ideologie beginnt irgendwann zu wackeln.
Die Vorstellungen und Richtlinien dieser perfiden Ideologie kreisen um den eigenen Alltag. Die Gedanken drehen sich dauernd darum, die Programmatik ist das eigene Mantra.
Doch es gibt Dinge, es gibt Situationen, die dieses Lebensgefühl verdrängen können. Der Rechtsextremismus spricht Emotionen an. Emotionen können den Rechtsextremismus besiegen.
Für mich geschah dies durch ein Schlüsselerlebnis. Am 7. Juli 2017 befand ich mich in Brighton an der britischen Südküste. Es war ein Abendspaziergang am Seeufer mit rubinrotem Wolkenhimmel, ein Stück Paradies auf Erden, eine unverwechselbare Schönheit. Ein Moment der mir bis heute in die Erinnerung gebrannt ist. Ein Moment der einzigartig war und auf ewig bleiben wird. Ein Moment, in dem meine Gedanken mal nicht bei jeglicher rechtsextremer Weltanschauung waren, sondern in der echten Welt. Ein Moment, in dem ich die Welt nach langer Zeit mal wieder ohne "Filter" gesehen habe.
Plötzlich bewegten sich längst eingerostete Zahnräder tief in mir.

So langsam und schleichend wie ich mich dem Rechtsextremismus hingegeben hatte, so schleppend entfernte ich mich dann auch wieder.
Eine neue alte Liebe in mir erwachte erneut - die Liebe zu den Büchern von Michael Voigt.
Dieser Mann hat einen gewaltigen Anteil daran, dass ich heute kein Neonazi bin, sondern eine Perspektive habe und den Artikel dieses Blogs hier verfasse.
Biographie, die Siebte
1. Das "erste" Tradingkonto

So kämpfte ich mich wieder aus der Misere.
Wollte alles anders machen und tradete tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben längerfristig auf einem und dem selben Konto - nachdem ich 3 Jahre lang nur gezockt hatte.

Ich eröffnete Mitte Juli ein Konto bei GBE Brokers.
Ursprünglich plante ich, ausschließlich aus der Korrektur in Richtung des übergeordneten Trends zu handeln. Als Risiko pro Trade entschied ich mich für 1,5 Prozent des Kontos, was vor Gebühren ungefähr 20 Euro waren.

Die meisten Trades entsprachen meiner vorgenommenen Strategie. Ungefähr die Hälfte aller Positionen war fachlich inkorrekt, besonders weil ich nach Minustrades immer wieder dazu tendierte, die Verluste mit schnellen, kurzweiligen Trades zu neutralisieren. In der Regel mit Ausbruchstrades im 1- oder 5-Minuten Chart.
Trotzdem kann ich heute positiv auf die Zeit zurückblicken.






2. Auf einer Bühne mit den Stars

Im September 2017 bekam ich dann eher durch Zufall und Glück eine große Chance. Es bot sich mir die Möglichkeit, bei einer bekannten Veranstaltung einen Vortrag zu halten. Auf professioneller Ebene, live vor der Kamera, mit mehr als 1.000 Zuschauern – ein Traum ging für mich in Erfüllung.

Aber genau so schnell, wie man plötzlich in diesem Traum lebt, ist er auch schon wieder vorbei.
Normales Leben – 60 Minuten Vortrag – Normales Leben.
Was bleibt, sind die Erinnerungen, die Fotos, die Erfahrungen, der Eindruck, die Aufzeichnung des Vortrags und die Motivation, eines Tages wieder auf dieser Bühne zu stehen, noch einmal dieses überwältigende Gefühl zu spüren, das vielleicht nie wieder so wie beim ersten Mal sein wird.

Neben dem eigenen Vortrag bot sich mir noch die Möglichkeit, im Backstage-Bereich eine ganze Menge interessante Leute und große Persönlichkeiten kennen zu lernen. Unter anderem einen sehr bekannten Trading-Coach, der sich mehr als eine Stunde Zeit nahm, um sich zu unterhalten und auszutauschen.
Solche Dinge sind unbezahlbar, die kannst du dir nicht kaufen.

Aber auch dieser Ausflug nach Frankfurt hatte ein Ende und es ging zurück in die Realität. In das Leben, wo das eigene Individuum in der Masse untergeht. Keine Bühne mehr, auf der man alleine steht und die Aufmerksamkeit hunderter Menschen auf sich ziehen kann.




An einem Freitagnachmittag im September 2017

Niemand hat gesagt, dass die Zeit langsam vergeht. Niemand hat gesagt, dass wir ewig Zeit haben.
So schnell wie der Ritt auf der Euphoriewelle, ausgelöst durch den Auftritt als Redner, begann, war er auch wieder vorbei und ich zurück im Leben, mit zwei Füßen standfest auf dem Boden der Tatsachen.

Die ersten Tage nach der Veranstaltung verbrachte ich mehr mit Träumen als dem Börsenhandel. um so viel wie möglich in Erinnerung zu behalten und ins eigene Trading mitzunehmen, um alles rauszuholen. Besonders das Gespräch mit einem Coach hatte Eindruck hinterlassen. So sehr, dass ich anfing, mir alle Webinare, alle Artikel und Analysen im Internet, alle Vorträge und Youtube-Videos der besagten Person anzusehen.

29. September, nachmittags gegen 16:00 Uhr:
Ich sah mir eines der Webinare an, die ich mir zwischenzeitlich auf einer Youtube-Playlist gesammelt hatte. Nach 90 Minuten gespannt vor dem Laptop einer fremden Stimme zuhören synergierten sich alle in den letzten 3 Jahren aufgebauten Kräfte. Plötzlich gingen Lichter in mir auf, längst verrostete Zahnräder wurden in Bewegung gesetzt, mir wurden die einfachsten DInge klar, die ich jahrelang nicht erkannt hatte. Ich fand Dinge, nach denen ich nie gesucht, nach denen ich nie gefragt hatte. Dieser Mann, der vor langer Zeit ein Webinar aufgenommen hatte, besaß die Macht, in mir ein neues Pflichtbewusstsein gegenüber meiner eigenen Person und insbesondere meinem eigenen Trading entstehen zu lassen.
Erst mit diesem Webinar, diesem Nachmittag, der für meine restliche Karriere in diesem Business ein Schlüsselerlebenis bleiben wird, wurde mir mein eigener Werdegang mit allen unrunden Ecken und Kanten, allen Fehlern, allen Malen die ich mich selbst (und teilweise auch den Rest der Welt) um die Wahrheit gebracht hatte, klar.
Plötzlich verstand ich, dass Mensch und Trading zusammen passen müssen. Und dass ich mit dem Trading, das ich versuchte zu betreiben, einfach nicht kompatibel war. Dass es so kommen musste, wie es schlussendlich gekommen ist. Mit allen Höhen und Tiefen.
Wenn dieses Wort auf eine Situation in meinem Leben zutrifft, war ich in diesem Moment geflasht. Von einem Moment auf den anderen hatte es ein fremder Mensch, der mich kaum kannte, geschafft, Berge zu versetzen. Mich zu einer Veränderung anzustoßen.

Im ersten Moment dominierte der Fluchtinstinkt. Ich suchte das Weite. Ging dorthin, wo es ruhig war. In den Wald, wollte bei mir sein. Wollte das begreifen, das verstehen, das nachvollziehen, was soeben mit mir geschehen war.

Und ich entschied mich, mein Leben zu ändern...
Meine Tradingstrategie
Strategie, die Erste!

Natürlich nicht das erste Regelwerk, nachdem ich handeln werde, aber das Erste auf diesem Blog hier. Ich kann nicht garantieren, dass ich dieses nicht auch mal in den nächsten Wochen / Monaten austauschen werde, deswegen nenne ich das ganze einfach mal "Strategie I".

Worauf basiert "Strategie I"?
Ich stütze mich mit meinen Glaubenssätzen und dadurch auch mit meiner Strategie auf die alte gute Dow-Theorie, die Charles Dow 1884 entwickelt hat. Auch wenn dies gut 133 Jahre her ist, wage ich zu behaupten, dass der Grundgedanke auch heute noch gegeben ist, da der Preis sich aus Angebot und Nachfrage zusammensetzt und somit immer noch zwingend Bewegung und Korrektur im Markt vorhanden sein müssen. Markttechnik, Elliot und alles weitere bauen auf den Grundgedanken von Dow auf, deswegen werde ich nur vom Ursprung reden und nicht den Abänderungen / Weiterentwicklungen davon.

Im allerersten Post hatte ich es schon mal erwähnt: An der Börse ist der erfolgreich, der die Wahrscheinlichkeiten auf seiner Seite hat. Genau das möchte ich auch haben, alles andere ist prinzipiell erst mal egal.
Im Trading groß geworden bin ich mit der Dow-Theorie, also habe ich genau diese genutzt, kombiniert mit meinen eigenen Erfahrungen im Trading, um mir die Strategie zu erarbeiten.

Ausgangslage des Setups:
Ich möchte einen jungen und frischen Trend, der sich in der Korrektur befindet. Es sollte sich maximal um den dritten Korrekturarm handeln, dieser muss mindestens um 50 Prozent der vorherigen Bewegung korrigieren, damit ich meine Orders - und damit auch mein Risiko! - in den Markt setze.

Somit gibt es für mich genau vier verschiedene Ausgangslagen. Nur wenn ich eine dieser Marktphasen im Chart sehe, werde ich aktiv. Alles andere interessiert mich für meine Strategie nicht.


Abb. 1: die vier Marktphasen, welche ich als Voraussetzung für mein Regelwerk ansehe.


Für mein Regelwerk möchte ich die in der Bewegung vorhandene Dynamik ausnutzen. Es ist davon auszugehen, dass dort ein Tick in die Richtung des Trends - wenn auch nur minimal - wahrscheinlicher ist als ein Tick gegen die Richtung des Trends.
Aus subjektiver Erfahrung heraus - nicht wissenschaftlich, nicht objektiv, nicht nachgewiesen! - werden anlaufende Bewegungen oft im Bereich zwischen dem 61,8er und dem 76,4er Retracement (beide nicht eingezeichnet in Abb.1) umgekehrt und die Korrektur fortgesetzt.
Schafft der Markt hingegen die Bewegung zurück in den Bereich zwischen 80,00% und 100,00% der vorangegangenen Bewegung, ist eine Trendfortsetzung äußerst wahrscheinlich. Außerdem sinkt in diesem Bereich die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt in der tieferen Trendgröße korrigiert. Zusammengefasst: Hier entsteht die größte Dynamik im Markt.

Und genau das möchte ich mir zunutze machen. Ich steige mit insgesamt fünf Positionen ein und nutze jeweils ein CRV von 1. Dies nutze ich, da ich ja annehme, dass der Markt wahrscheinlicher meinen Take Profit erreicht als meinen Stop-Loss. Somit wäre ich - zumindest in der Theorie bis hierhin - profitabel.


Abb. 2: Die 5 Orders mit Zusätzen, welche ich im Markt platziere.


Ich setze also insgesamt 5 Orders in Trendrichtung. Diese Aufträge werden jeweils an den dicken, durchgezogenen Fibonacci-Levels gesetzt, also bei 78, 83, 88, 93 und 98 Prozent. Die Entfernung von Stop-Loss und Take Profit beträgt jeweils 8 Prozent. Diese beiden Orders sind in Form von gestrichelten Linien in Abb. 2 gekennzeichnet. Farblich gleiche Linien gehören zueinander.

Ich setze also folgende 5 Orders in den Markt:
Einstieg bei 78,00; Stop-Loss bei 70,00; Take Profit bei 86,00
Einstieg bei 83.00; Stop-Loss bei 75,00; Take Profit bei 91,00
Einstieg bei 88,00; Stop-Loss bei 80,00; Take Profit bei 96,00
Einstieg bei 93,00; Stop-Loss bei 85,00; Take Profit bei 101,00
Einstieg bei 98,00; Stop-Loss bei 90,00; Take Profit bei 106,00

Wichtig: Alle Trades werden mit dem gleichen Risiko pro Trade eröffnet.
Die Orders bleiben im Markt stehen, bis sie entweder ausgeführt werden oder der Markt den Trend bricht. Ansonsten besteht kein Grund, einzugreifen. Mit der Einstiegsorder werden auch die Stop-Loss sowie die Take Profit Order in den Markt gelegt, sodass kein ständiges Beobachten der Märkte notwendig ist. Ein- und Ausstieg geschehen also automatisch.

Welche Märkte und welche Zeiteinheiten?
An sich trade ich mittlerweile nur noch den Forex-Markt. In diesem gilt es, sich für diese Strategie passende Währungspaare mit hoher Liquidität und niedrigen Spreads zu suchen. Außerdem ist ein ECN-Broker mit variablen Spreads + Komission zwingen notwendig.
Ich agiere aus Zeitgründen ausschließlich im Stundenchart und höher.

Die 28 von mir beobachteten und ausschließlich gehandelten Währungspaare sind die Majors und Minors.



Alle meiner Trades werden hier veröffentlicht.
Bedeutet ein Beitrag pro Tag mit meinen offenen Orders, am jeweiligen Tag neu eröffneten Orders und am vergangenen Tag abgeschlossenen Trades. Außerdem wird es Wochen- und Monatsauswertungen geben. Zusätzlich allgemeine Diskussion zum Trading, meinem Werdegang, usw.



Soweit vielen Dank für's Interesse.


Allen viel Erfolg und eine gute Handelswoche
wünscht devisenhaendler2000
Tagespost 14.11.17
Abgeschlossene Trades:
keine


Neue Orders:



Bestehende Orders:
keine
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