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In Anleihen investieren – Erfahrungen?


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Bislang sind meine Ersparnisse in einem recht gut verzinsten Bausparvertrag gesteckt. Leider ist absehbar, dass das nicht ewig so weitergehen wird. Deshalb bin ich nun auf der Suche nach Alternativen, um mein Geld sinnvoll und mit möglichst geringem Risiko anzulegen.

So wie ich als absoluter Einsteiger das verstanden habe, handelt es sich bei Anleihen um Wertpapiere, was einem Unternehmen zur Finanzierung am Kapitalmarkt dient. Als Anleger erwirbt man Wertpapiere und erhält für die Laufzeit eine feste Verzinsung. Das klingt für mich erst einmal sehr gut, aber mir fehlen wie gesagt die tieferen Einblicke.

Hat vielleicht von euch schon jemand in Anleihen investiert und hat Erfahrungen, von denen ihr mir berichten könntet? Über Tipps, Lektüre-Empfehlungen und alles weitere wäre ich sehr dankbar.
Knackpunkt wird dabei immer sein, ob der Emittent in der Lage ist, seiner Verpflichtung nachzukommen.

Wird das Ausfallrisiko als hoch eingeschätzt, wird eine entsprechend höhere Rendite möglich.
Ratingagenturen sind bemüht, die Emittenten in Kategorien von einzuteilen, je nachdem, wie die Zahlungsfähigkeit beurteilt wird. Ein AAA Rating gilt dabei als besonders sicher, bis BBB- spricht man von Investmentgrade, also für Investitionszwecke geeignet. Ab BB+ und schlechter sind die Anleihen spekulativ. Man merkt hier schon, dass eine veränderte Einschätzung den Wert der Anleihe beeinträchtigen kann.

Ein weiterer Faktor ist die Laufzeit einer Anleihe. In der Regel wird man auf längere Laufzeiten (auch des gleichen Emittenten) einen höheren Zins bekommen. Eine Strategie kann daher zum Beispiel sein, Anleihen mit 6 oder 10 Jahren Laufzeit zu kaufen, um diese nach meinetwegen 4 oder 5 Jahren wieder zu verkaufen. Man profitiert dann vom laufenden Zins und davon, dass kürzere Laufzeiten gefragter sind. Der Wert der Anleihe schwankt aber natürlich auch noch mit dem marktüblichen Zins, dieser kann je nach Notenbankpolitik und Inflationserwartung hoch oder niedrig sein.

Für einen Marktüberblick sind sicher die Anleihenfinder oder Suchtools der Börsen Frankfurt und Stuttgart gut geeignet. Viele Anleihen scheiden aber schon wegen großer Stückelung (Mindestnennwert ist oft 150.000 Euro) für Kleinanleger aus, trotzdem gibt es eine große Auswahl.

Auf Euro sind die Zinsen derzeit niedrig, so dass man am Anleihemarkt kaum ein lukratives Papier finden wird. Vielleicht kommen auch wieder andere Zeiten. Höhere Renditen sind durchaus möglich mit mittelmäßig sicheren Emittenten, Griechenland gehört sicher dazu und dürfte sicherer sein, als kleinere Firmen im Inland, die ähnliche Renditen bieten.

Nachrangige anleihen bieten höhere Renditen, sind aber eher Aktien vergleichbar, also im Insolvenzfall die anderen Gläubiger bevorzugt bedient werden, das Risiko eines Totalausfalls also höher ist.

Wenn man sich bisher nicht mit Kapitalanlagen befasst hat, ist grundsätzlich der Erwerb von anleihen der erste logische Schritt. Leider sind die Marktbedingungen derzeit so, dass mit "sicheren" Anleihen nicht viel zu gewinnen ist. Und mit "riskanten" Anleihen hat man sofort ein sehr herausforderndes Finanzinstrument mit einem gewissen Totalverlustrisiko, so dass man derzeit eigentlich dringend raten muss, sich auch mit Aktienanlage auseinanderzusetzen.

Letztlich ist es so, dass 10%ige Kapitalgarantien mit schlechter Rendite erkauft werden müssen.
Ist man hingegen bereit, meinetwegen auf Sicht eines Jahres 10% Kapitalverlust zu akzeptieren, kann man beispielsweise mit Wetten auf die Entwicklung des DAX oder einzelne Aktien leichter Erträge erzielen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.270.097 von stichtag74 am 13.03.18 23:24:02Sorry, aber total falsches Timing (+):

1/ alle investierbaren Anleihen sind in einer Super-Blase!

2/ das wissen Anfänger meistens am allerwenigsten:
- keinen Fonds mit Anleihen kaufen (*) --> der hat eine Mindestanlage-Quote. Einen "investierbaren" Anleihenfonds mit 0% Anlage in Anleihen wird man kaum finden

=> was passiert dann in einem prinzipiell steigenden Zinsumfeld (auch im EURO-Raum --> siehe letzte Meldungen dazu)?

=> richtig, die Anleihen-Kurse fallen --> damit fällt der Fondskurs - unerbitterlich (es sei denn, man trifft ein Timing am Zinshoch.)

=> wir lernen: Anleihe-Fonds sind keine Buy and Hold-Instrumente.

Ja, Bill Gross ist mit Anleihen reich geworden => der "spielt" mit Anleihen aber auch schon seit Jahrzehnten hauptberuflich.


=> wenn du wirklich in sichere EURO-Anleihen (du sagtest nicht in welcher Währung ;) ) gehen willst, dann nur gestaffelt in Kurzläufer; maximal < 18m Restlaufzeit; und dann gestaffelt hochkaufen (also nicht gleich "all-in") und bei Fälligkeit umschichten, wieder in Kurzläufer:
- auch nicht alles in Unternehmensanleihen stecken
- ein bischen auch in EURO-Staatsanleihen gehen --> auch bei Negativzinsen, damit Du ein Gefühl für die Zinskurve bekommst:



Sonst bei Diversifizierung (gleichgewichtet bitte anfangs) und kontrolliertem Risiko:
* https://www.wallstreet-online.de/anleihen/a0e6fu-suedzucker-…

=> denke dran: "Qualitätsanleihen" in EURO von stabilen Unternehmen aus dem EURO/EU/EWG-Raum haben z.Z. bei den kürzeren Laufzeiten alle auch Negativzinsen!


=> Rest ist:
- Zockerei für Hedge Funds


(*) Ausnahmen gibt es immer, so wie auch auf WO sich lauter Millionäre tummeln :D

(+) das Auslaufen Deines gut verzinsten Bausparvertrages und die momentane Anleihen-Superblase hängen zusammen ;) => auch bei Anleihen liegt das Geld nicht auf der Strasse
Also dass man mit kurzlaufenden Anleihen etwas gewinnen kann, das wäre mir neu.
Auch wenn die Zinsstrukturkurve im Moment wenig Mehrertrag für längere Laufzeiten signalisiert, so wurden in der Vergangenheit aufgrund der stets rückläufigen Zinsen doch ganz ordentliche Gewinne mit längeren Laufzeiten erzielt. Wenn man von Griechenland oder Argentinien nicht kategorisch ausschließt, wird man auch hier erkennen, dass längere Laufzeiten höhere Renditen ermöglichen.
(Im USD Raum sowieso, aber von Wöährungsspekulation war vorerst nicht die Rede. Die derzeit etwa 2% höhere Verzinsung im USD erkauft man natürlichmit einem entsprechenden Währunsgrisiko.)

Die erwähnte Südzucker Nachranganleihe ist ja OK, dürfte aber ähnlich riskant sein, wie Staatsanleihen von Griechenland oder Argentinien.

Wir sind ja erstmal generell beim Thema.
Energiekontor zum Beispiel hat auch immer wieder Stufenzinsanleihen ausgegeben, die für Privatanleger lukrativ waren. Man kann schon etwas finden, wenn man sich umschaut.
Rendite ist hier nur mit Hochzinsanleihen und entsprechend Risiko möglich.
Anleihen v. Griechenland, Argentinien. Venezuela, Südafrika
bieten exorbitante Chancen bei entsprechend Risiko.
Das ist aber nur für den ausgebufften Profi.
Für den uninformierten Anleger würd ich von Anleihen
abraten, und wenn du absolute Sicherheit woillst,
kannst du auch Festgeld nehmen.
Rendite gibt's da aber nur sehr marginal.
stichtag74,
mit Anleihen brauchst du dich derzeit nicht zu befassen. Wie du ja erkannt hast, sind die früher dürftigen Bausparzinsen heutzutage attraktiv. Solltest du eine Anleihe mit höherer Rendite finden, ist die Rückzahlung bestimmt unsicher. Sichere Anleihen werfen ungefähr so viel ab wie Bargeld – nämlich nichts.

Ist dein BSV wirklich bis zur Bausparsumme vollgespart? Die Bausparkassen tun gern so, als ob der Vertrag mit der Zuteilung beendet werden müßte. Auch ein Vertreter wird niemals zum Vollsparen raten. Für einen neuen Vertrag bekommt er Provision.
Paragon, Accentro, Karlsberg, DEWB wären kleinere Emittenten, die ich jetzt nicht als "unsicher" einstufen würde. Die Rendite liegt bei 2,5 - 3,5% bei mehrjährigen Laufzeiten.

Kategorisch würde ich Ertragschancen nicht ausschließen. Verschiedene staatliche Schuldner bieten auf langlaufende USD-Anleihen auch mehrere Prozent Zins.

Man muss natürlich klar unterscheiden, Spareinlagen mit Sicherheit der Bank oder Bausparkasse und nordeuropäische Staaten bringen höchstens 1% und alles andere ist risikobehaftet. Wobei Bankeinlagen aber natürlich auch riskant sind. Andererseits ist 3 oder 5% Ertrag für Wertpapieranlagen nicht ungewöhnlich, das schließt auch Anleihen ein. Für unbedarfte Anleger ist die Gefahr wohl eher, dass die Anleihen mit ihrem Rückzahlungsversprechen eine Sicherheit suggerieren, die aber ähnlich der Sicherheit bei Aktien ist. Dort kalkuliert jeder bereit größere Schwankungen ein und reagiert vielleicht entsprechend. Bei den Anleihen geht zwar die meiste Zeit alles gut, nur unter Umständen tritt nur eine einmalige Wertschwankung zum Totalverlust ein, siehe Air Berlin oder genug andere.

Es wäre also zu klären, ob man bereit ist, sich Kapitalmarktrisiken auszusetzen, woran man fast nicht vorbei kommt, wenn man Renditen von 4% und mehr erwirtschaften will.

Die Frage nach den Details des Bausparvertrags und um welche Summen es geht ist aber auch berechtigt. Vielleicht trug die Wohnungsbauprämie bisher zum Ertrag bei. Sind die Einnahmen insgesamt unter dem Freibetrag / Sparerfreibetrag? Kommt prämienbegünstigtes VL-Sparen mit Fonds in Betracht? Bei kleinen Beträgen kann vielleicht sogar die Neukunden oder Freundschaftswerbeprämie der Discountbroker einen Ertragsbeitrag leisten.

Eine Kombination aus 90% Tiefstzinsanlagen und 10% DAX Call kann auch eine vernünftige Alternative sein. Wenn man erste Erfahrungen mit Risiko sammeln will, ist das allemal besser als 100% in den vielgepriesenen ETFs.
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.270.355 von faultcode am 14.03.18 00:53:36
die ~3% bei der Deutschen Rentenversicherung
..sind mir noch eingefallen.

Muss man natürlich untersuchen, ob so eine freiwillige Beitragszahlung zulässig, möglich und sinnvoll ist:

5.1.2018
https://www.finanztip.de/gesetzliche-rentenversicherung/frei…

2017-12
Rendite auf gesetzliche Rente schlägt derzeit jede Festgeld-Anlage
https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/experten-…

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navi…

http://www.statistiker-blog.de/archives/renditewunder-drv/49…
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.280.783 von faultcode am 14.03.18 19:59:50
gebrauchte deutsche Kapital-Lebensversicherung kaufen
..von einem "Qualitätsanbieter" ist mir noch eingefallen.
(keine fondsgebundene Lebensversicherung ;) )

Viele Einzahler schmeissen da immer noch hin - häufig aus externen Gründen.

Ich würde mir welche mindestens von der Allianz angucken.

Bei anderen Anbietern wäre zu untersuchen, ob deren Policen nicht irgendwann beim "China-Abdecker" landen werden.

2014:
http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/…


=> z.B.:
https://www.policendirekt.de/investieren-in-zweitmarktpolice…

=>

Antwort auf Beitrag Nr.: 57.270.097 von stichtag74 am 13.03.18 23:24:02Von Anleihenfonds kann ich nur abraten, ausgenommen vielleicht Fonds mit ausschließlich Wandelanleihen. Da kann man noch Überraschungen erleben.

Anleihen haben nicht immer einen festen Zinssatz, z.B. bei dem Postbankpapier (bzw. DB) WKN A0DHUM ist der Zinssatz variabel. Erklärt auf Börse Stuttgart letzte Zeile. Damit steigt die Rendite bei einem anziehendem Zinsniveau.

Nachrangige Anleihen Tier1 haben keine feste Laufzeit und können vom Emittenten meist mit Vorlauf von 30 Tagen gekündigt werden. Beispiel der Achtprozenter der deutschen Bank, WKN A0TU30, wo der Markt von einer Kündigung zum nächsten Termin ausgeht.

Den Einschätzungen von Honigbaer (Beitrag Nr. 2) zur derzeitigen Lage kann ich mich anschließen. Ein schlechter Zeitpunkt zum Anleihenkauf, da mit steigendem Zinsniveau absehbar sinkende Kurse. Sichere Anleihen größtenteils mit Negativverzinsung und Hochzinsanleihen sehr, sehr risikoreich. Das Währungsrisiko des USD (Beitrag 4) sehe ich ähnlich. CHF sehe ich jedoch hinreichend stabil zum Euro.

Zum Verstehen des komplizierten Spiels weise ich mal auf eine Anleihe der Depfa mit WKN A0E5WQ hin.
Der Emittent Depfa ist eine deutsche Bank mit gutem Rating.
Die in Irland emittierte Anleihe lautet aber auf türkische Lira (TRY).
Diese Null-Kupon-Anleihe (Zero Bond) können Sie zu ca. 72,75 % kaufen und sie wird zu 100 % am 23.6. 2020 zurückgezahlt, was einer Verzinsung von ca. 15,3 % entspricht. Eine Zinszahlung während der Laufzeit gibt es nicht.
Aber jetzt komm die TRY ins Spiel. Die Türkei meldet eine Inflationsrate von ca. 11 %, Deutschland 1,5 %. Die Differenz von 9,5 % müssen Sie von den 15,3 % abziehen. Blieben theoretisch immer noch 5,8% Rendite, wenn sich das Währungkursverhältnis nach Lehrbuch entwickeln würde. Leider unterliegt dieses aber auch politischen Strömungen. Wenn sich Erdogan mit Trump anlegt, gibt die TRY nicht nur zum Dollar, sondern auch zum Euro stärker nach.
Die kleinste handelbare Einheit ist 100.000 TRY. Sie müßten also mit über 20.000 € einsteigen. Das dürfte für Sie zuviel sein.

Wer immer eine hinreichend sichere Anleihe mit Verzinsung um 3 % und Restlaufzaufzeit unter 5 Jahren weiß, bitte hier posten!


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