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CO₂-Steuer



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Eine CO₂-Steuer, die alle Verursacher gleichmäßig belastet, wäre ein marktgerechtes Instrument zur Steuerung der Emissionen. Dabei geht es nicht darum, zusätzliche Staatseinnahmen zu generieren, sondern sondern darum, die Umweltkosten der Emissionen einzupreisen und die Belastungen gerecht zu verteilen: Die Einnahmen sollten also an anderer Stelle zu Entlastungen führen.

Die externen Kosten der CO₂-Emissionen betragen nach Berechnungen des UBA 40 €/t_CO₂ (untere Grenze kurzfristig) bis 390 €/t_CO₂ (ober Grenze, langfristig). Ich habe mal die Brutto-Belastung durch eine mäßige CO₂-Steuer von 50 €/t_CO₂ berechnet:

Heizung (Öl): 15 Ct/l oder 1,4 Ct/kWh
Heizung (Gas): 10 Ct/m³ oder 1,1Ct/kWh
Treibstoff (Diesel): 15 Ct/l
Strom (Kohle): 4,8 Ct/kWh
Strom (Gas): 2,8 Ct/kWh
Strom (Mix 40% Kohle, 12% Gas): 2,2 Ct/kWh
Gesamteinnahmen bei den derzeitigen Emissionen (800 Mio t_CO₂): 40 Mrd.

Bisher wurde durch die Energiewende ausschließlich der Strom belastet; der Verkehrssektor und die Gebäudeheizung blieben außen vor. Da aber gerade die Stromkosten eine besondere Belastung für einkommensschwache Haushalte sind, wäre es sinnvoll, die Einnahmen vor allem zur Senkung der Stromkosten einzusetzen.
Das EEG verursacht Kosten von 26 Mrd/Jahr. Wenn man die mit den Einnahmen aus der CO₂-Steuer finanziert, würden nicht nur die Mehrkosten für den Fossil-Strom (2,2 Ct/kWh) ausgeglichen, sondern der Strompreis würde um ca. 4 Ct/kWh sinken. Die restlichen Einnahmen (14 Mrd) könnten zur Förderung des ÖPNV und zur Kompensation der Heizungsmehrkosten für einkommensschwache Familien verwendet werden.

Netto ergäben sich die folgenden Effekte (bei unveränderten CO₂-Emissionen):

Strom: würde um ca. 4 Ct/kWh billiger (-13%)
Treibstoff: 15 Ct/l teurer (+13%), auf die Gesamtkosten eines Autos bezogen <2% Mehrkosten
Heizung: Würde um 1,1-1,4 Ct/kWh teurer (Kompensation bei geringen Einkommen)
ÖPNV: könnte deutlich billiger und/oder leistungsfähiger werden.

Bei (gewollt!) sinkenden Emissionen (z.B. Rückgang der Kohleverstromung) sinken natürlich auch die Einnahmen und die Kompensationen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.269.979 von rv_2011 am 03.04.19 19:49:51Welches Papier sollte man kaufen, wenn man auf steigende Preise für CO2-Zertifikate setzt?
Und wo ist dieses Papier gelistet?
Das oben angegebene Papier stürzte im Kurs von 0,34 auf 0,20 inhalb von sieben Monaten ab und berappelt sich gerade innerhalb des Trendkanals.
Handelbar an der Börse Island und an einer öminösen European Climate Exchange London, zu denen wohl keiner der hier Mitlesenden Kontakt hat.
Nature: Wanted: a fair carbon tax

Starting next year, Prime Minister Justin Trudeau’s government will introduce a national ‘fee and dividend’ scheme that will place a levy on the carbon emissions of fuels and other products, but then refund the money to individuals and companies through tax rebates.

Most residents and businesses in Ontario, Saskatchewan, Manitoba and New Brunswick — the four provinces subject to the federal tax (other states have introduced their own versions) — will receive refunds that, the government says, will be greater than the carbon tax paid by the average family. According to the government’s estimates, some 70% of people will get back more in dividends than they pay in new tax. Only those that use a lot of fuel will end up out of pocket. It’s a bold move and one that will help to determine whether Trudeau remains in office after the general election scheduled for October.
FAZ: Bundesregierung lässt CO2-Abgabe prüfen

FAZ: Klimaschutz muss nicht teuer sein

[/quote]Der Kohleausstieg wird den deutschen Fiskus wohl 100 Milliarden Euro kosten. Hätte die Bundesregierung stattdessen einige Emissionserlaubnis-Zertifikate am Markt gekauft und vernichtet, wären die Steuerzahler mit drei Milliarden Euro weggekommen – und Deutschland könnte sogar noch sein Klimaziel für 2020 erreichen. Bei dieser Politik wären noch viele Milliarden übrig gewesen, um Strukturpolitik in den Kohleregionen zu finanzieren.
...
Deshalb könnte alles recht einfach sein: indem ein Mindestpreis auf den Ausstoß von Klimagasen in allen Branchen festgelegt wird, sei es in einem System mit handelbaren Emissionszertifikaten oder in Form von Steuern. [/quote]

Ja - man hätte sich mal ansehen sollen, wie die Briten den Kohleausstieg fast geschafft haben.
Da gibt nicht nur das Brexit-Desaster. ;)
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.277.743 von nickelich am 04.04.19 15:11:30
Zitat von nickelich: Die Annahme von RV, daß einkommensschwache Stromnutzer in der Zukunft weniger für die Kilowattstunde zahlen würden, ist in den Bereich der politischen Märchen einzuordnen.


Ich halte das ebenfalls für ausgeschlossen, aber es gibt ja immerhin die Möglichkeit auch für die "einkommensschwachen" seinen Verbrauch zu senken! Das tut nicht weh, man muss auch nicht erfrieren:eek:

Aber da es den genannten einen feuchten Dreck interessiert da die Kohle vom Amt kommt, bzw. so oder so die anderen Schuld an der Stromrechnung haben, dürften Sparappelle ungehört verhallen. Man muss jeden Fitzel Wäsche durch den Trockner jagen, und RTL-II muss den ganzen auf Kisten laufen....

Jeden neue Steuer bringt Verdruss, man muss anderen Anreize schaffen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.269.979 von rv_2011 am 03.04.19 19:49:51#1

ÖPNV: könnte deutlich billiger und/oder leistungsfähiger werden.

Du vergisst dabei die ländlichen Regionen! Dort ist ÖPNV im Grunde nicht vorhanden! Den so auszubauen das er für Dorfbewohner eine ernsthafte Alternative darstellt kriegst du nicht hin!

Und wenn man es hinbekommt, wird er unbezahlbar sein! In der Stadt kann man da sicherlich mit viel weniger Mitteln etwas verbessern, auf dem Dorf aber No way!
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.277.743 von nickelich am 04.04.19 15:11:30
Zitat von nickelich: Die Annahme von RV, daß einkommensschwache Stromnutzer in der Zukunft weniger für die Kilowattstunde zahlen würden, ist in den Bereich der politischen Märchen einzuordnen.
Sie haben offensichtlich nicht richtig hingeschaut: Die Einnahmen aus einer (sehr mäßigen) CO2-Steuer von 50 €/t (40 Mrd/Jahr) übersteigen die gesamten EEG-Vergütungen (26 Mrd/Jahr). Man könnte also die EEG-Vergütungen locker aus den Einnahmen bezahlen - und die Stromkosten würden für alle mit der EEG-Umlage geplagten Verbraucher um ca. 4 Ct/kWh sinken. Auch Sie brauchten nicht mehr über die hohen Strompreise zu jammern.

Der Haken: Der Verkehrsektor würde etwas höher belastet. Spritschlucker fahren würde teurer.
E-Autos würden auch wirtschaftlich attraktiver.

Auch das Heizen schlecht isolierter Häuser würde teurer - bei Öl mehr, bei Gas weniger.
Isolieren würde sich lohnen.

Was den ÖPNV angeht: Ich sehe da nur eine Zahl aus 2008. Damals betrugen die gesamten Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf 8,9 Mrd. - nur gut 20% der Einnahmen aus der CO2-Steuer.
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.277.926 von Doppelvize am 04.04.19 15:24:03Du hast Recht: Auf dem Land wird man auf den Individualverkehr nicht verzichten können. Die erforderlichen Reichweiten werden aber auch jetzt schon von E-Autos erreicht.

Bisher wurden die Kosten der Energiewende fast ausschließlich über die Stromrechnung bezahlt. Eine CO2-Steuer würde die Kosten gerechter verteilen.
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