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Frage zur Rücknahme(pflicht) von Zertifikaten durch den Emittenten



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Hallo zusammen,

Vorweg zur Beruhigung: Ich habe nicht vor, mich ins finanzielle Unglück zu stürzen, und aktuell keinen Trade wie unten beschrieben im Auge – da ich aber nicht ausschließe, dass ich irgendwann in der Zukunft (wohl wissend des Risikos) vielleicht mal so eine Wette eingehen möchte, will ich zur Sicherheit für mich eine grundsätzliche Frage geklärt wissen, auf die ich trotz extensiven Googlens keine definitive Antwort gefunden habe.

Folgende Situation: Man kauft vor den Earnings eines Unternehmens eine hohe Stückzahl eines sehr spekulativen K.O.-Scheins mit hohem Hebel kurz vor den Knockout. Eine YOLO-Wette halt – in der Hoffnung, dass das Ding am nächsten Tag explodiert.

Angenommen, die Wette geht auf und das Szenario geht auf – an der Börse werden aber deutlich weniger Scheine gehandelt als man besitzt: Ist der Emittent in jedem Fall verpflichtet, seine Scheine (zu einem akzeptablen Spread) wieder zurückzunehmen? Ohne Wenn und Aber? (Jetzt mal die Geschichten von behaupteten oder tatsächlichen "technischen Schwierigkeiten" ausgenommen – es käme bei dem Verkauf dann wohl notfalls nicht auf Sekunden oder Minuten an ...)

Wie gesagt: Keine konkrete YOLO-Aktion im Moment geplant, aber ich will's für den Fall der Fälle einfach mal definitiv wissen ... Danke im voraus für eine Antwort!
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.473.690 von pstrube am 02.05.19 17:52:44Ich glaube es war bei mir mal der August 2015 da kam es zu einem Flash Crash ... sicher ist sowas nicht alltäglich ... Bei Emittenten kannst du das dann völlig vergessen wegen den schon erwähnten "technischen Schwierigkeiten" ergo setzte ich die Order in Stuttgart und es hat ne gefühlte Ewigkeit gedauert bis die Order ausgeführt wurde ...

Ich bin mir nicht mehr sicher wo ich das gelesen haben aber wenn du z.B. eine Ordersumme von 250.000 Euro oder mehr hast kann es auch sein, das die Order nicht angenommen wird.

Zu Eventtrades bzw. Earningtrades gibt es ja z.B. Andrea Haase auf go.guidants.com oder die "Monstertrades" von Der Aktionär

einen zu hohen Hebel würd ich nicht nehmen, weil die Ausschläge nachbörslich so stark sein können das du vielleicht ausgeknockt wirst und dann die Aktie doch noch steigt. ... Folge dem Haase dann siehst du ja welche Hebel er einsetzt und das die Trefferquote nunja auch nur pimaldaumen bei 50/50 steht
Die Emittenten haben überhaupt keine Pflicht, die Scheine zurückzunehmen. Nur halt am letzten Tag der Scheine muss der Innere Wert gezahlt werden.

Ich habe mit Optionsscheinen generell sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Du bist während der Laufzeit komplett in der Hand der Emittenten und mehr oder weniger komplett von denen abhängig. Bei mir war es so, dass das Underlying sich stark in "meine" Richtung bewegt hatte und der Schein dennoch fiel. Seitdem lasse ich von so einem ***** die Finger.
Hallo ihr beiden,

Herzlichen Dank für die Antworten – in sechsstellige Order-Dimensionen würde ich nicht vorstoßen, zumindest nicht beim Kaufwert ...

JuliaPapa: Ich war nach Google-Recherche davon ausgegangen, dass die Emittenten Rücknahmepflicht haben – ist dem nicht so? Gibt es da vielleicht auch einen formellen Unterschied zwischen Optionsscheinen und K.O.-Zertifikaten?

Ich hatte mir die problemlose Rücknahme auch dadurch erklärt, dass ich ja nicht gegen die Bank wette – so, wie ich es verstehe, gehen die ja zeitlich ein entsprechendes Termingeschäft ein, um sich abzusichern ...

Alles komplizierte Materie. Problem: Wenn man es dann in Praxis irgendwann ausprobiert, ist es ggf. zu spät ... Simulieren lässt sich die Rücknahme größerer Stückzahlen ja auch nicht wirklich.
Also ich handel die Dinger nur und ausschließlich.

Du schreibst: "Angenommen.....an der Börse werden deutlich weniger Scheine gehandelt, als man besitzt"........was genau meinst Du damit ?....Über 99% des KO-Schein-Handels laufen nicht über die Börse......sondern OTC......somit bekommt die Umsätze auch niemand öffentlich zu sehen !!

Warum sollte man KO-Scheine auch an der Börse handeln ??
......normaler OTC-Handel: KUNDE<=>EMI (schnell, hit and take, keine Extrakosten)
....Börsenhande:l (vor 1999 konnte man nur über Börsen handeln, da gab es keine OTC-Systeme) KUNDE>Börse(Makler)>EMI (dauert länger, kostet unnötig Maklerprovision, man wird unter Umständen vom Makler beschissen)
An Börsen handeln eigentlich nur Leute mit ausländischen Depots (nur deutsche Depots haben eine OTC-Anbindung !!!!) ....z.b. DEGIRO, LYNX...
oder Leute die keine wirkliche Ahnung haben...(sorry !!)

eigentlich nimmt der Emi alles zurück.........da wirst Du keine Probleme haben. Earnings kommen ja regelmäßig vor.

Earnings werden ja in der Regel nicht während des Börsenhandels veröffentlicht, somit ist das Open ja schon mit MIT GAP, also die große Bewegung (CLOSE=>OPEN) schon vorbei.....damit haben Emis in der Regel keine Probleme.

Problematisch sind eher GAPs im laufenden Handel (Flashcrashs etc.)....da streiken einige Emis gerne mal kurze Zeit. Ich konnte aber z.b. während des Flashcrashs 05/2010 die ganze Zeit mit BNP handeln, da war ich selber etwas erstaunt.

Nur sind die Emis nicht blöd.....in der Regel wirst Du vor Earnings keine billigen Scheine bekommen.......bei KO-SCheinen nah am KO wirst Du anstatt z.b. 12/13 cent-Kursstellung..... dann Kurse von z.b. 12/50 cent bekommen..somit könntest Du nur zu 50 cent kaufen. Scheininhaber können aber jederzeit fair verkaufen.

KO wird oft verteufelt......so schlimm ist das Zeug garnicht, man muss natürlich wissen was man tut und einige Emis sollte man eher meiden.......aber da macht jeder seine eigenen Erfahrungen.
Die handelbaren Stückzahlen siehst Du übrigens bei dem Kursen (OTC-Kurse, aber auch Frankfurt-Kursstellungen,STU+10%)

https://www.onvista.de/derivate/knockout/X-WAVE-UNLIMITED-CALL-AUF-DAX-XDAX-DE000DC348L4?custom=c

Da ein Beispiel......Du kannst am Stück also 80.000 Stück kaufen oder verkaufen (auch mehrmals nacheinander).....und das ist nachbörslich....kann gut sein, dass das von 9-17:30 100000 Stück sind.....Stückzahlen sind in der Regel kein Problem.
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.473.975 von Chris_M am 02.05.19 18:30:39
Zitat von Chris_M: Ich bin mir nicht mehr sicher wo ich das gelesen haben aber wenn du z.B. eine Ordersumme von 250.000 Euro oder mehr hast kann es auch sein, das die Order nicht angenommen wird.


Kann ich so nicht bestätigigen, jeder Emi hat da seine Eigenheiten.
In der Regel ist das Stückzahlabhängig........aber selbst bei größeren Stückzahlen kann man manuelle Quoteanfragen machen (ist ja ihr Geschäft, was sie evtl. nicht machen).....aber jeder Emi macht im OTC-Handel seine eigenen Regeln. Das spielt aber nur bei wirklich großen Summen eine Rolle, und ist oftmals nur schwer (im eigenen Handel mit großen Summen) herauszubekommen....das würde jetzt aber zu weit führen.

Also z.b. DB-Schein......80000 Stück zu 1,20 Euro kann ich kaufen/verkaufen.........warum sollte ich dann nicht auch 80000 Stück von nem Schein zu 15 Euro handeln können (=1,2 Mio. Euro)...für den Emi macht das keinen Unterschied.
Und nochwas......bezüglich großer Stückzahl......in der Regel nimmt der Emi immer Scheine in beliebiger Stückzahl zurück, die er vorher rausgegeben hat.

Ich habe schon gestörte Typen gesehen......die haben 600.000 Dax-KO-Scheine (einer WKN) gekauft.....danach hat der Emi dann keine Briefkurse mehr gestellt (also keine weiteren Stücke verkauft). Zurückgenommen hat er sie aber jederzeit.....er stellt also Kurse wie 1,50/--- ....somit ist das auch recht fair für alle Beteiligten.
Derivatehandel will ich nicht verteufeln. Er ist aber gehebeltes Glückspiel oder renditesenkende Absicherung. Ich kenne keinen Emi, der die Einlösung seiner Derivate je verweigert hätte. Technische Störungen ausgeklammert. Idealerweise verkauft der Emi zu jedem Schein einen Gegenschein. Wenn ein Emi pleite gehen sollte, dann nicht wegen eines Derivats, sondern wegen Mismanagement.

Gerade bei einem KO kann der Emi keinen Geldkurs unter dem inneren Wert stellen. Das erkennt jeder, und das dürfte zu Prozessen führen. Schwierig ist natürlich, wieviel Zeit man dem Emi zugesteht, auf veränderte Kurse der Basis zu reagieren.

Es kommt vor, daß der Emi keinen Briefkurs mehr stellt. Dann hat er alle Stücke verkauft. Bei Emission eines Derivats legt der Emi nämlich fest, wieviel Stück davon er "auf Lager" nimmt.
@Freak_dd & Co: Vielen Dank für all eure Infos – da fühle ich mich jetzt besser informiert. Werde mich natürlich trotzdem auch noch weiter selbst ins Thema einarbeiten, bis ich mich wirklich sicher damit fühle, was ich tue. (Und selbst dann steht in den Sternen, ob ich überhaupt jemals einen größeren "Zock" in dieser Richtung starten werde – falls jedoch ja, dann im vollen Bewusstsein der Risiken.)

Danke bis hierhin und allen ein schönes Wochenende!


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