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ich habe neulich eine interessante Studie über Aktienkorrekturen am US-Aktienmarkt über mehr als 300 Jahre gelesen
das Ergebnis war:
eine Korrektur von 10% kam im Schnitt 99x pro 100 Jahre vor, also quasi fast jedes Jahr
einen Kursrückgang von 20% gab es im Schnitt alle 4 Jahre
ein Kursrückgang von mehr als 33,3% ist sehr selten, im Durchschnitt alle 25 Jahre
man könnte nun einen Sparplan auf einen breiten Index (Achtung: keine Einzelaktien - die können bankrott gehen) z.B. MSCI World AC nehmen und einen Sparplan von z.B. 100 EUR folgendermaßen aufteilen:
50 EUR werden jeden Monat investiert
die anderen 50 EUR werden als Tagesgeld angelegt (Reserve)
fällt der Index um 10% wird 1/3 der gesamten Reserve investiert
fällt der Index um 20% wird ein weiteres Drittel investiert
fällt der Index um 1/3 wird die gesamte Reserve investiert
so trainiert man sich automatisch ein antizyklischen Verhalten an, den Markttiming ist sehr schwierig
Da fallen mir auch Zitate von Peter Lynch ein, ein erfolgreicher Fondsmanager dessen Bücher (besonders: Der Börse einen Schritt voraus sowie Aktien für alle - Neuauflage: So verdienen Privatanleger an der Börse) man unbedingt einmal gelesen habe sollte. Er sagte, die Investoren haben mehr Geld damit verloren sich auf einen Crash vorzubereiten, als mit dem Crash selbst. Ein anderes Zitat: "Niemand war je in der Lage, die Börse vorherzusagen. Es ist eine totale Zeitverschwendung. In der von Forbes veröffentlichten Hitparade der Reichen der Welt war noch nie ein Börsentiming Experte vertreten."



Interessant sind in diesem Zusammenhang Renditedreiecke von Aktienindizes:

DAX seit 50 Jahren
https://www.dai.de/files/dai_usercontent/dokumente/renditedr…

MSCI World seit 1972
https://www.dividendenadel.de/wp-content/uploads/2019/02/MSC…

Eurostoxx seit 1986
https://www.dai.de/files/dai_usercontent/dokumente/renditedr…

Wenn man sich die jeweilige Jahresperformance ansieht, gab es in der Vergangenheit deutlich mehr Kursanstiege über 30% als Kursverluste von 30%. Seit 2000 hatten wir aber 2 sehr schwache Jahre und nur ein sehr starkes Jahr. Als Statistiker müsste man im Gegensatz zu den Crashpropheten vermuten, es sind ein paar starke Jahre überfällig. Das hatte natürlich besonders im Eurostoxx auch fundamentale Gründe, aber man sollte mal die Wahrscheinlichkeiten richtig darstellen.



Dabei muss man besonders die Zinsentwicklung beachten. In dieser Woche wurden die Weichen für weitere Zinssenkungen gestellt. W. Buffett hat vor kurzem gesagt, wenn die Zinsen so niedrig bleiben sind Aktien "lächerlich billig". Anscheinend bleiben die Zinsen nicht nur so niedrig, sondern sinken sogar noch weiter. Negative Zinsen habe ich mir vor 10 Jahren nicht vorstellen können. In der Eurozone werden die Zinsen noch tiefer in den negativen Bereich rutschen. Trotzdem gibt es massive Kapitalabflüsse aus Aktien bzw. besonders aus Aktienfonds. (selbst hier im wiki) Aus meiner Sicht macht es wenig Sinn, in 10jährige Bundesanleihen mit -0,31% Rendite zu investieren, oder in Immos mit einem KGV von 50 oder deutlich mehr, wenn die man Instandhaltung abzieht. Risiken, wie die Mietpreisbreme oder Mietnomaden gibt es dort auch. Im Vergleich dazu erscheinen Aktien mit einem KGV von 10-17 je nach Markt regelrecht billig. Warum sollte man Aktien in so einem Umfeld nicht ein KGV von 25 zugestehen? Unvorstellbar ist es für mich nicht. Ich würde sicherlich vermuten, das auf Sicht von 10 Jahren ein Sparplan nach obigen Beispiel mehr bringt, als eine Lebensversicherung, die in Bundesanleihen mit negativer Rendite bei hohen Kosten investiert. Die niedrigen Zinsen könnten insbesondere Wachstumswerte beflügeln, weil zukünftige Erträge nicht mehr so stark abdiskontiert werden müssen. Die Zukunft bleibt unklar, aber es könnte ein Umdenken einsetzen, wenn nach weiteren Zinssenkungen es auch auf Girokonten und Sparbüchern negative Zinsen gibt. Unvorstellbar ist das nach dieser Woche nicht, und ob dann noch Aktien mit einem KGV von 12 gehandelt werden würde ich bezweifeln. Man sollte grundsätzlich breit diversifizieren, da die Zukunft unsicher ist. Das fast 90% der Deutschen überhaupt keine Aktien haben halte ich vor dem Hintergrund der Zinsentwicklung für riskant.



Sentiment: Fondsmanager bearish
https://finance.yahoo.com/video/fund-managers-most-bearish-s…
wer das Risiko scheut sollte short gehen, ich verkaufe im Moment nur, bis ich 60-80 % Cash habe, dann warte ich und kaufe erst mal kleinere Positionen- Aktien die massive Rücksetzer haben wie Lufthansa, Covestro oder Bayer.
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.851.836 von Profi2000 am 20.06.19 14:45:58
Zitat von Profi2000: wer das Risiko scheut sollte short gehen, ich verkaufe im Moment nur, bis ich 60-80 % Cash habe, dann warte ich und kaufe erst mal kleinere Positionen- Aktien die massive Rücksetzer haben wie Lufthansa, Covestro oder Bayer.


Ich habe natürlich auch keine Glaskugel. Die Wirtschaftsnachrichten und die Wirtschaftspolitik in der EU sind schon mies daher gibt es auch gute Argumente für fallende Kurse. Leider ist momentan fast jeder pessimistisch.
Dabei gibt es auch positive Argumente. Neben der Geldflut & den sinkenden Zinsen geht die Globalisierung doch weiter. Die Armut nimmt weltweit stark ab und immer mehr steigen in die Mittelschicht auf. Auf die enormen Chancen der Digitalisierung & Robotisierung braucht man wohl nicht mehr hinzuweisen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.851.242 von yoda8 am 20.06.19 13:44:29
Zitat von yoda8: ...
ich habe neulich eine interessante Studie über Aktienkorrekturen am US-Aktienmarkt über mehr als 300 Jahre gelesen
das Ergebnis war:
eine Korrektur von 10% kam im Schnitt 99x pro 100 Jahre vor, also quasi fast jedes Jahr
einen Kursrückgang von 20% gab es im Schnitt alle 4 Jahre


Wie wurde da denn gemessen?
Kalenderjahre mit 10% Rückgang sind doch sehr selten, laut Renditedreieck.
Oder sind da andere Zeiträume gemeint oder von High Watermark aus gemessen?
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.854.722 von honigbaer am 20.06.19 19:31:24ja, das ist natürlich immer vom jeweiligen ATH
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.851.242 von yoda8 am 20.06.19 13:44:29
Zitat von yoda8: eine Korrektur von 10% kam im Schnitt 99x pro 100 Jahre vor, also quasi fast jedes Jahr
einen Kursrückgang von 20% gab es im Schnitt alle 4 Jahre
ein Kursrückgang von mehr als 33,3% ist sehr selten, im Durchschnitt alle 25 Jahre
...
50 EUR werden jeden Monat investiert die anderen 50 EUR werden als Tagesgeld angelegt (Reserve)
fällt der Index um 10% wird 1/3 der gesamten Reserve investiert
fällt der Index um 20% wird ein weiteres Drittel investiert
fällt der Index um 1/3 wird die gesamte Reserve investiert
...


Das hieße ja denn, dass man von der Reserve 1/3 durchschnittlich 25 Jahre und ein weiteres Drittel durchschnittlich 4 Jahre zurückhält, um wieviel Prozent steigt der Index üblicherweise in 25 Jahren und in 4 Jahren?

Und dann müsste man natürlich noch ermitteln, ob nicht die Rückschläge gehäuft hintereinander auftreten.

Ich hatte ja auch mal so eine Idee, Sparraten einfach aussetzen, so lange die 200 Tagelinie des Index fällt und die Investition nachholen, wenn sie wieder steigt.
Dazu kann man nur sagen: GRAU ist jede Theorie

Wie schon ein Vorredner gesagt hat, du wartest 4 oder 25 Jahre bis ein grösserer Rücksetzer kommt.
Dass in der Zeit aber der ganze Markt viel mehr gestiegen ist müsstest du dann ja berücksichtigen.

Diese Strategie ging vielleicht noch in der Zeit vor 2009 als man für Tagesgeld/Festgeld noch vernünftige Zinsen bekam aber bei der Nullzinspolitik seit 10 Jahren und auch noch länger sieht das Ganze dann nicht mehr gut aus.
Antwort auf Beitrag Nr.: 60.857.464 von 1erhart am 21.06.19 07:37:20Da ja gerade 2018 und das 1.Halbjahr 2019 ein schönes Beispiel sind hier mal ein Ergebnis.

Im letzten Quartal haben ja gerade die grossen Techs einen starken Rücksetzer gemacht.
Also hätte man Ende 18 Anfang 19 das erste Drittel investiert.

Mein Aktiendepot hat seit Anfang 19 jetzt gut 40% zugelegt. Wie lange soll ich jetzt warten um das 2.Drittel zu investieren?

Und bis zum 3.Drittel werde ich wahrscheinlich schon gar nicht mehr unter den Lebenden weilen.

Und nach über 40 Jahren Börse weiss ich schon von was ich rede.


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