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Langfristanleger und Optionen- wie passt das zusammen



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Nachdem wir bei Timburg den Thread belagert haben wäre es schön wenn sich die Protagonisten hier weiter unterhalten würden. Toll wäre es auch die bisherigen Beiträge hierher zu kopieren- ich kann es nicht:rolleyes:
Danke fürs Eröffnen @ungierig !

@FMath
Du hattest gefragt wegen den Modellparametern zur Optionsbewertung.
Für den Drift oder Trend verwende ich fixe Parameter. Vergangene Performance ist ja kein Indikator für zukünftige, daher finde ich es wichtig, dass man als Rendite einen Wert theoretisch ableitet statt empirisch. Ich zentriere daher meinen Renditevektor und addiere danach eine Tagesrendite dazu die aufs Jahr hochgerechnet 7% ergibt. Mit der Vorgehensweise würde ich übrigens nicht zum ersten mal bei einem Finanzmathematiker aneggen :)

Die Volatilität (und das ist bei weitem der wichtigere Parameter) kann man im Prinzip schon dynamisch modellieren. Ich habe z.B. auch mal GARCH-Modelle mit Kovariaten (0/1 Variable ob man einen earningsday betrachtet oder nicht) berechnet. Der Punkt ist, dass man i.d.R. den besten Modellfit für sehr einfache Modelle kriegt. I.d.R. hat man 1 bis 2 autoregressive Terme für die Varianz und über die Richtung des Kursverlaufs sagt die Historie sowieso nie was aus.

Der Vorteil von meinem Modell ggü. sagen wir einem GARCH-Modell ist, dass ich die Verteilungsform, also z.B. auch fat-tails handhaben kann. Die historische Form der Verteilung ist mMn keine schlecht Approximation für die zukünftige Form. Wenn man Aktien hat die regelmäßig überraschen und mehrere 3-sigma-Events im Jahr haben, dann muss man dem auch irgendwie Rechnung tragen und das machen parametrische Modelle mMn nicht hinreichen.

Ich habe auch mal überlegt ob ich aus den empirischen Renditen die Form der Verteilung ableite und mit einem GARCH-Modell einen Skalierungsparameter für diese Verteilung.
Der Punkt ist, dass die komplizierten parametrischen Modelle teilweise mit Kanonen auf Spatzen geschossen ist. Man kitzelt vielleicht noch irgendwo einen Funken mehr Präzision oder Robustheit in den Vorhersagen raus aber wichtiger ist mMn das man die richtigen Parameter im Modell hat. Daher finde ich den Ansatz mit der Simulation recht reizvoll (wenngleich rechenintensiv), weil man recht flexibel weitere Dinge einbauen kann, wie z.B.

- einen einzelnen Tag oder mehrere aus einer Renditenverteilung von earnings-days (anstatt dem default Pool) zu ziehen (habe ich bereits im Modell implementiert)
- Wochentage zu berücksichtigen (e.g. würde man Montags mehr Vola erwarten, da das Wochenende dazwischen liegt; ebenfalls gibt es je nach Aktie i.d.R. einen Wochentag wo die Vola höher ist, weil das der Tag ist an dem die IR kommuniziert. Das ist häufig Do oder Fr) (teilweise implementiert)
- Die Laufzeit korrekt berechnen durch Berücksichtigung von Ferien und Wochenenden (teilweise im Modell implementiert)
- Dividenden sauber berücksichtigen im Kontext von amerikanischen Optionen (die sind ja jederzeit auch vor dem Stichtag ausübbar, was die analytische Herleitung verunmöglicht soweit ich weiß). (teilweise implementiert)
- Makropolitische Events wie Wahlen, FED-Entscheide. Im Prinzip kann man alle Termine mit festem Datum gut im Modell verarbeiten (noch nicht implementiert)

Das ganze hat natürlich nie die Ästhetik von einem sauber hergeleiteten Modell, spielt aber im Prinzip auch keine Rolle :)

Würde mich über deine Gedanken dazu freuen!
Antwort auf Beitrag Nr.: 61.856.163 von fallencommunist am 06.11.19 20:33:09Dann treffen bei uns ja zwei Welten aufeinander:D, ich habe mir die Welt der Optionen angeschaut, einiges gelesen und gemerkt, zu viele Informationen sind nichts für mich:rolleyes:
Also schaue ich nach der Makrökonomie, Charttechnik und entwickle ein "Gefühl für die Aktie" um das Ziel 1-2 % Rendite auf das eingesetzte Kapital pro Monat zu erreichen.
Wichtig finde ich halt auch eine Risikominimierung , also bei fallenden Märkten weniger zu verlieren oder optimal auch zu gewinnen. Habe mein Delta lange Zeit negativ gehabt und damit die Delle im Mai ganz gut weggesteckt, allerdings brauche ich für die Performance auch (spekulative) Aktien
Antwort auf Beitrag Nr.: 61.857.327 von ungierig am 06.11.19 22:50:08
Zitat von ungierig: ... und gemerkt, zu viele Informationen sind nichts für mich:rolleyes:


Mehr Informationen bringen glaube ich auch nicht unbedingt mehr. Zumindest nicht die technischen Details und die ganzen Griechen. Wichtig ist denke ich die generelle Einsicht, dass Optionsverkäufer on average und long-term eine Prämie (Versicherungsprämie) vereinnahmen.
Dann ist wichtig, dass man das Risiko anständig managt und Dinge wie Dividendenzahlungen und Earnings auf dem Radar hat.
Im Endeffekt macht man mit folgendem Vorgehen fast dasselbe wie mein Modell (auch wenn der Weg dorthin deutlich anders ist):
- Watchlist mit Large-Cap Werten verwenden
- sortieren nach dem Perzentil der impliziten Volatilität (d.h. wie volatil ist die Aktie im vergleich zu früher?)
- die top ranked Werte genauer anschauen (kommen earnings?)
- Put mit ca. 10% aus dem Geld verkaufen

Übrigens noch zur Prämie und auch zu den von dir angestrebten 1-2% im Monat. Meiner Meinung nach ist die "theoretische Versicherungsprämie" die man on-average bekommt nicht identisch mit der "Prämie" die man durch den Verkauf bekommt (der Preis für den Put * 100).
Vielmehr denke ich der Preis für den Put setzt sich konzeptionell aus zwei Teilen zusammen:
a) dem fairen Wert für den Put. Es handelt sich ja um eine Option und Optionen haben einen Wert
b) die Kosten für die Versicherung die der Käufer über diesen Wert hinaus zu zahlen bereit ist.

Vereinnahmen werden wir in the long-run nur b). Daher braucht es mMn eine Schätzung für den fairen Wert a) um auch b) abschätzen zu können. Und da bin ich eben skeptisch ob die 1-2% realistisch sind. Mal ein Zahlenbeispiel.

- 10k Cash auf dem Konto
- jeden Monat verkaufe ich Puts für 200 (=2% bezogen aufs Kapital) = 2400 im Jahr
- aber nicht jeder Put verfällt wertlos. Sagen wir zwei mal muss man tief in die Tasche greifen und macht je 1k Verlust
- bleiben 400, also bezogen auf die 10k nur 4% im Jahr
- das ließe sich natürlich steigern mit Leverage, aber
- ich könnte auch mit Leverage long gehen, was on-average auch einen Ertrag bringt
- oder anders formuliert: bringt der verkaufte Put mehr Rendite als wenn ich mit dem "herumliegenden Cash" long gehe?

Hier mal ein Indiz auf den Erwartungswert. Nehmen wir einen at the money Put auf SPY, sagen wir 305 USD mit längster Laufzeit (JAN 22). Dann kriegt man Stand heute für die 305 USD Kapital (unleveraged) die man dafür bereit hält 30 USD. Da das etwas mehr als 2 Jahre sind sind das wohl so ca.:
(1+30/305)^(1/2.25) = 1.042579 also 4,2% p.a.

Aber (!) der Put hat ja einen realen Wert. Wie hoch der ist lässt sich relativ gut bestimmen, da es sich um so eine lange Laufzeit handelt. Mein Modell sagt 21.24 USD. D.h. was übrig bleibt sind nur
(1+(30-21.24)/305)^(1/2.25) = 1.012665, also ca. 1.3% Rendite p.a., da die Differenz on average als Tradingverluste anfallen wird.

Klingt jetzt erstmal ernüchternd. Man kann aber mMn schon argumentieren, dass man ein Vielfaches (z.B. das doppelte) vereinnahmen kann, weil man ein etwas geringeres Risiko hat als wenn man direkt die Aktie kauft und daher etwas hebeln kann (aber eben nicht viel mehr als Faktor 2 denke ich).
Zudem kann man spekulativere Dinge machen wo die Prämien höher sind als bei SPY. Für mich ist die Message hier, dass das Verhältnis zwischen a) und b) (siehe oben) etwa 2:1 ist. D.h. ~2/3 der Prämie ist das faire Wert der Put-Option und ~1/3 ist die Versicherungsprämie = unser langfristiger Erwartungswert.

Klingt das plausibel? Ich lasse mir da gerne widersprechen.
hmm, ein paar gedanken:
i) ich verstehe schon den ansatz, konzeptionell den fairen wert von der von den marktteilnehmern letztlich bezahlten wert zu trennen. aber stecken im fairen wert nicht auch subjektive empfindungen der marktteilnehmer (zb erhöhte volatilität in den letzten wochen)?
ii) wie modellierst korrelationen zwischen den branchen? bspw. einem smartphonehersteller und zulieferbetrieben?
Antwort auf Beitrag Nr.: 61.857.510 von fallencommunist am 06.11.19 23:33:47kurzer Zwischengedanke zu deinem Zahlenspiel mit den 10 K Einsatz und den 200 Puts schreiben: deutlich zu wenig in der Summe , ohne Ausreizung des SMA sind mindestens das Doppelte möglich meiner Erfahrung nach und nicht jeder Put wird bis zum Ende gehalten, ganz im Gegenteil, werde wohl mit dem 155er Put auf TTD erstmals den Verfall am 15.11. erleben:D, hätte gerne 10 Dollar pro Tag und Option und wenn ich die nach einer kleinen Zeiteinheit z.B. durch gute Zahlen erreicht habe gehe ich raus und schreibe eine andere Option. Genau so MUSS man raus mit Verlust wenn der Markt wie bei mir neulich beim ETF QQQ zu gut gelaufen ist.
@haowenshan
gute Fragen. Ich würde sagen (nach meiner Auffassung), dass die "subjektiven Empfindungen" nicht zum fairen (=objektiven) Wert gehören.
Vergleichen wir es mit einer Krankenversicherung. Dort zahlt man einen monatlichen Beitrag. Aus diesen Beiträgen kann die Versicherung die nötigen Leistungen auszahlen. Die Beitragshöhe bemisst sich also an den durchschnittlichen Kosten (= fairer Wert der Versicherung; mein Punkt a vom vorherigen Beitrag). Die Versicherungsgesellschaft verkauft ihre Versicherung aber mit einem Aufschlag (=der Gewinn der Versicherung; mein Punkt b).

Punkt zwei ist interessant. Du meinst z.B. wenn Firma A stark abhängig ist von Firma B, ich trade Optionen auf Firma A und es stehen die Quartalszahlen von Firma B an?
Da habe ich mir bislang wenig Gedanken gemacht. Was mir in den Sinn kommt:

- man könnte solche Aktien meiden
- man kann längerlaufende Optionen nehmen, dann fallen diese einzelnen Tage nicht stark ins Gewicht
- man könnte versuchen das zu modellieren.

Modellieren setzt voraus, dass man da zumindest eine Hand voll historische Daten hat. Nehmen wir mal Elringklinger als Beispiel. Sagen wir die sind abhängig von diversen Autobauern. Ich könnte nun die Publikationsdaten ("Datums") von VW, BMW etc organisieren und vergleichen wie hoch die Varianz bei Elringklinger an diesen Tagen ist vs. sonst. Das kann dann ins Modell einfließen. Die Frage ist, ob sich der Aufwand lohnt. Man müsste da jeden Case sehr individuell anschauen und quasi ein eigenes Modell für jede Aktie bauen. Für große Summen sicher eine interessante Idee!
Antwort auf Beitrag Nr.: 61.857.510 von fallencommunist am 06.11.19 23:33:47zweiter Gedanke natürlich gehe ich mit dem rumliegenden cash Long bzw. halte zur Hälfte eine Anleihe. Siehe Überschrift, primär bin ich auch Langfristanleger. Dann sind 1 % in schwachen Phasen und 2% i guten realistsch- nervt das Verschwindn on Bctab
Antwort auf Beitrag Nr.: 61.861.488 von fallencommunist am 07.11.19 12:18:43hmm, bez der Versicherungsanalogie - hab das auch gelesen, als ich mich die letzten tage mit optionen beschäftigt habe. ich weiß aber nicht, ob das so 100%ig zutreffend ist. bei einer versicherung geht man mE davon aus, dass die schadensereignisse (zb ein autounfall oder ein brand) un- oder wenig korreliert zueinander sind, zb zb geographisch, ein brand in norddeutschland ist unkorreliert zu bränden in griechenland) und zur abfederung des risikos können sie einen teil ihrer risiken an rückversicherungen weiterreichen.

ein schadensereignis für aktien, zb ein börsen-supergau zb terroranschlag, wirkt sich aber ziemlich auf alle aktien aus (gut, vielleicht bei consumables, lebensmittel, etc. etwas weniger), und ich weiß nicht, ob bzw wie man das bei einem statistischen ansatz beherrschen kann. du bist gleichzeitig auch rückversicherung

aber wie gesagt, ich bin mit optionen zu wenig vertraut, dachte bis vor ein paar wochen, das ist ohnehin nur gezocke (was als stillhalter sicher nicht zutrifft, ein Versicherungsgedanke ist ja da), wäre aber sehr zurückhaltend, daraus nur aus statistischen überlegungen ein geschäftsmodell zu machen, ohne die unternehmen genauer zu kennen. ich verkaufe nur covered calls und puts bei aktien, die mir aktuell etwas zu teuer sind und ich gegebenenfalls kaufen möchte.
Antwort auf Beitrag Nr.: 61.861.488 von fallencommunist am 07.11.19 12:18:43Für Strategie empfehle ich unbedingt einen Blick auf tastytrade, da rechnen wirklich Profis und das darf man bei dem Geschäft nicht vergessen, wir haben immer einen Gegenspieler
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selber bin ich heute aus meinem DIS Put mit 23 % Gewinn an einem Tag raus, für mich attraktiv gegenüber 100 % in 42 Tagen- meine Strategie ist speziell:D


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