Neue Steuerregel: Einfach keine Verluste mehr buchen?

eröffnet am 26.10.20 20:37:48 von
neuester Beitrag 26.10.20 22:16:13 von


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26.10.20 20:37:48
Mal eine Überlegung...Angenommen ich habe jetzt z.B. eine CFD Position die 500 Euro im Minus ist und möchte diese schließen. Stattdessen baue ich jetzt eine gegenläufige Position auf die die Verlustposition neutralisiert. Diese wird jedoch nicht geschlossen. Und so verfahre ich jetzt immer wenn ich eine Position schließen will. Ich schließe nicht, sondern baue eine gleich große Gegenposition auf.

Natürlich hätte ich irgendwann ein paar Trilliarden Euro an offenen, sich neutralisierenden Positionen offen, doch das kann mir ja an sich egal sein. Wann immer sich eine Möglichkeit ergibt könnte man evtl. sogar Positionen schließen, etwa dann, wenn die Position inzwischen wieder auf 0 gelaufen ist. Dann schließe ich diese Position und ihre Gegenposition.

So ließe sich vermeiden, dass Verluste gebucht werden und folglich hätte man auch die Bindingsteuer umgangen.

Aber: Geht das so? Die größte Gefahr sehe ich darin, dass der Broker evtl. die Positionen irgendwann bemerkt, sich denkt: "Hä? 5 Trilliarden Euro an sich ausgleichenden Positionen? Wat is dat denn? Das machen wir doch mal eben platt." Dann hätte man evtl. ein Problem.

Aber sonst werden ja so Verluste nie offiziell realisiert. Wie seht ihr das? Eine legale Möglichkeit das Problem zu lösen?

Zweite Frage wäre: Gelten offene Positionen zum Jahresende als realisierte Gewinne/Verluste?
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26.10.20 20:49:19
Wenn ich nochmal drüber nachdenke müsste man so auch die Gewinnpositionen neutralisieren. Dann hätte man am Ende des Jahres nichts als offene Positionen, jedoch keine einzige Positionsschließung und müsste ja dann nur die Differenz versteuern die durch die offenen Positionen entsteht. Es dürfte halt nie eine Position geschlossen werden außer diejenigen die gerade neutral stehen.
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26.10.20 20:59:49
Ist eine legale Möglichkeit, garantiert pleite zu gehen, so wie es die Bindingsteuer will...

Finanzierungskosten, Margin etc., irgendwann zwingt Dich der Markt oder Deine Liquidität, Verlust- und Gewinnpositionen zu schließen. Und dann macht dich die Steuer wegen Verlustverrechnungsbeschränkung kaputt. Nur Gewinne geht nicht und sicherlich kommt hier bald irgendwer, der dann sagt er würde nur 150% Gewinn machen und so bleiben ihm noch 22% über, aber dieses Verhältnis bekommt niemand! mittel- geschweige denn langfristig in der Praxis hin.
Und spätestens bei einem größeren Move wie im März ist man mit o.a. Strategie platt.

Kein Geschäft und keine private Vermögensverwaltung macht Sinn, wenn Verluste nicht gegengerechnet werden können.

Zur zweiten Frage: Nein. Aber vielleicht kommen die Politiker auch noch auf eine solche Idee, der Fantasie sind keine Grenzen mehr gesetzt. Und wer nur Gewinne besteuern darf und Verluste nicht berücksichtigt (Naturgemäß kommen Gewinne an der Börse immer auch nur in Verbindung mit Verlusten zustande), ist wirklich zu allem fähig.
Ab 2021 hat das Spielcasino eine ausgezeichnete Besteuerung. Da will Binding ja alle hinbekommen. Wer aber Jahre mit vorsichtigen Strategien sein hart erarbeitetes Geld an der Börse verwaltet hat, den diffamiert die Gesellschaft nun aber dank Binding als böser, finanzschädigender Zocker.
2 Antworten
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26.10.20 21:04:30
Antwort auf Beitrag Nr.: 65.502.499 von imagen am 26.10.20 20:59:49
Zitat von imagen: Ist eine legale Möglichkeit, garantiert pleite zu gehen, so wie es die Bindingsteuer will...

Finanzierungskosten, Margin etc., irgendwann zwingt Dich der Markt oder Deine Liquidität, Verlust- und Gewinnpositionen zu schließen. Und dann macht dich die Steuer wegen Verlustverrechnungsbeschränkung kaputt. Nur Gewinne geht nicht und sicherlich kommt hier bald irgendwer, der dann sagt er würde nur 150% Gewinn machen und so bleiben ihm noch 22% über, aber dieses Verhältnis bekommt niemand! mittel- geschweige denn langfristig in der Praxis hin.
Und spätestens bei einem größeren Move wie im März ist man mit o.a. Strategie platt.

Kein Geschäft und keine private Vermögensverwaltung macht Sinn, wenn Verluste nicht gegengerechnet werden können.

Zur zweiten Frage: Nein. Aber vielleicht kommen die Politiker auch noch auf eine solche Idee, der Fantasie sind keine Grenzen mehr gesetzt. Und wer nur Gewinne besteuern darf und Verluste nicht berücksichtigt (Naturgemäß kommen Gewinne an der Börse immer auch nur in Verbindung mit Verlusten zustande), ist wirklich zu allem fähig.
Ab 2021 hat das Spielcasino eine ausgezeichnete Besteuerung. Da will Binding ja alle hinbekommen. Wer aber Jahre mit vorsichtigen Strategien sein hart erarbeitetes Geld an der Börse verwaltet hat, den diffamiert die Gesellschaft nun aber dank Binding als böser, finanzschädigender Zocker.


Aber wenn ich einfach alle Positionen neutralisiere statt zu schließen, dann fallen doch garkeine Margingebühren mehr an, da der Broker die Position so behandelt als wäre sie nicht existent. Meines Wissens ist es nicht so, dass der Broker dann beide Positionen mit Gebühren versieht, sondern er sieht es quasi wie eine geschlossene Position. Also 1000 Euro kaufen und 1000 Euro verkaufen behandelt der Broker meines Wissens garnicht so wie zwei offene Positionen sondern er sieht die Positionen dann als nicht existent an.

Hauptproblem ist aus meiner Sicht die rechtliche Unsicherheit. Denn das Finanzamt könnte die Neutralisierung natürlich auch als Schließung bewerten und dann dementsprechend die Steuer verlangen. Trotzdem finde ich den Gedanken grundsätzlich interessant.
1 Antwort
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26.10.20 22:16:13
Antwort auf Beitrag Nr.: 65.502.565 von elmuchodingdong am 26.10.20 21:04:30
Zitat von elmuchodingdong:
Zitat von imagen: Ist eine legale Möglichkeit, garantiert pleite zu gehen, so wie es die Bindingsteuer will...

Finanzierungskosten, Margin etc., irgendwann zwingt Dich der Markt oder Deine Liquidität, Verlust- und Gewinnpositionen zu schließen. Und dann macht dich die Steuer wegen Verlustverrechnungsbeschränkung kaputt. Nur Gewinne geht nicht und sicherlich kommt hier bald irgendwer, der dann sagt er würde nur 150% Gewinn machen und so bleiben ihm noch 22% über, aber dieses Verhältnis bekommt niemand! mittel- geschweige denn langfristig in der Praxis hin.
Und spätestens bei einem größeren Move wie im März ist man mit o.a. Strategie platt.

Kein Geschäft und keine private Vermögensverwaltung macht Sinn, wenn Verluste nicht gegengerechnet werden können.

Zur zweiten Frage: Nein. Aber vielleicht kommen die Politiker auch noch auf eine solche Idee, der Fantasie sind keine Grenzen mehr gesetzt. Und wer nur Gewinne besteuern darf und Verluste nicht berücksichtigt (Naturgemäß kommen Gewinne an der Börse immer auch nur in Verbindung mit Verlusten zustande), ist wirklich zu allem fähig.
Ab 2021 hat das Spielcasino eine ausgezeichnete Besteuerung. Da will Binding ja alle hinbekommen. Wer aber Jahre mit vorsichtigen Strategien sein hart erarbeitetes Geld an der Börse verwaltet hat, den diffamiert die Gesellschaft nun aber dank Binding als böser, finanzschädigender Zocker.


Aber wenn ich einfach alle Positionen neutralisiere statt zu schließen, dann fallen doch garkeine Margingebühren mehr an, da der Broker die Position so behandelt als wäre sie nicht existent. Meines Wissens ist es nicht so, dass der Broker dann beide Positionen mit Gebühren versieht, sondern er sieht es quasi wie eine geschlossene Position. Also 1000 Euro kaufen und 1000 Euro verkaufen behandelt der Broker meines Wissens garnicht so wie zwei offene Positionen sondern er sieht die Positionen dann als nicht existent an.

Hauptproblem ist aus meiner Sicht die rechtliche Unsicherheit. Denn das Finanzamt könnte die Neutralisierung natürlich auch als Schließung bewerten und dann dementsprechend die Steuer verlangen. Trotzdem finde ich den Gedanken grundsätzlich interessant.


Der Broker nimmt aber "Finanzierungskosten" für die offenen Positionen. Deine Überlegungen sind ja nicht verkehrt. Du schließt keine Positionen. Bedeutet auch: Sie sind halt nicht geschlossen und auch nicht für den Broker. Zwar fällt keine Margin mehr an, aber leider die Swapkosten. Und wie der Vorredner geschrieben hat, ein garantierter Weg in die Pleite.

Außerdem muß ja seitens des Finanzamtes am ende des Jahres die offenen Positionen ja mitbewertet werden. Sonst würdest du ja nur noch Steuern zahlen, weil keine Verluste. Du hast aber Verluste, es spielt keine Rolle ob die realisiert sind oder nicht. Sonst könntest du ja nicht mal mehr die 10.000 verrechnen.

Anders formuliert: Du gehst ja nur eine Gegenposition ein, wenn du eine Verlustposition hast. Beide Positionen heben sich mit garantierten Verlust auf. Für eine Gewinnposition gehst du ja keine Gegenposition ein.

Beispiel Endergebnis zum Jahresende: 100 geschlossene Gewinnpositionen = 50.000,- EUR Gewinn und 50 offene Positionen die einen Verlust darstellen von 30.000,- EUR Verlust. Wenn diese nicht mitberechnet werden würden... weil noch offen... dann müßtest du ja auf die vollen 50.000,- EUR Gewinn steuern zahlen...


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