Szenarien für Klimaprojektionen
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Der Alpenverein hat einen Blick auf die Emissionsszenarien genommen. Die fünf verschiedenen Szenarien für eine sozioökonomische Entwicklung führen zu unterschiedlichen Klimaentwicklungen.
Ich wollte demnächst auf weitere Punkte eingehen:
Die Szenarien für die Klimaprojektionen werden regelmäßig überarbeitet. Für die jüngste Generation der Klimamodelle und zur Produktion von Klimaprojektionen für den 7. IPCC-Bericht wurde ein neues Set von Szenarien vorgestellt. https://gmd.copernicus.org/articles/19/2627/2026/
In einem Factcheck von carbonbrief reagiert man auf die Behauptung Trumps, das IPCC hätte zugegeben, seine Szenarien (RCP8.5) wären falsch gewesen ("WRONG, WRONG, WRONG") https://www.carbonbrief.org/factcheck-trumps-false-claims-ab…
Das Thema Emissionsszenarien bewegt immer noch die Klimaleugnerszene. Aus den vorherigen Beiträgen war bereits ersichtlich: aus Sicht der Experten hat sich an den Feststellungen der Klimaforschung nichts geändert. Aber für die nächste Generation von Klimamodellen rechnet man mit einem Satz von Emissionsszenarien, die die Klimaschutzmaßnahmen der letzten 20 Jahre berücksichtigen. Dafür werden Szenarien interessanter, bei denen Emissionen stetig oder erst nach einem Überschießen früher oder später gesenkt werden. Die Änderung der verwendeten Szenarien bedeutet keinerlei Änderungen von Aussagen des IPCC und da kein Szenario als wahrscheinlich eingestuft wird, sondern jedes Szenario ermöglicht, zu zeigen, was passieren könnte, kann auch kein Szenario irgendwann falsch sein.
In den Medien hat man wohl gemerkt, dass man die Berichterstattung nicht neurechten Propagandisten und Boulevardzeitungen überlassen sollte, wenn es um den Klimawandel geht, weil sich dort Klimaleugner mit ihren Umdeutungen austoben.
Der Thread beschäftigt sich mit Emissionsszenarien für die Klimamodellierung. Man solle denken, das ist eine trockene Sache, nur etwas für Experten. Aber nein, da ist Drama, da ist Horror... glaubt man Klimaleugnern. Wir hatten schon mal die Diskussion über das RCP8.5-Szenario, also die Emissionen, bei denen man annimmt, es wird gar nichts zum Klimaschutz unternommen, die Treibhausgasemissionen steigen einfach lange Zeit immer weiter. Zugegeben - unwahrscheinlich. Aus der Perspektive vom Beginn des Jahrhunderts aber nicht unmöglich. Was wäre, wenn die Klimaleugner die politische Diskussion weltweit gewonnen hätten, und weltweit nur gegolten hätte, was Trump aktuell propagiert: "Drill, baby, drill" - fossile Brennstoffe verheizen, wie es nur geht? Die Kritik der Klimaforscher dazu war, dass manche im politischen Raum RCP8.5 mit einem "Wir machen so weiter wie bisher"-Szenario verwechselt hatten. Aber gemeint war es als ein "Was könnte man sich im schlimmsten Fall vorstellen"-Szenario. Für diesen Zweck legitim, wenn man im Hinterkopf hat, dass die Menschheit hoffentlich nicht so dumm sein wird.
Bei den Szenarien zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen und Strategien zur Bekämpfung der Treibhauswirkung werden oft die Treibhausgase in vielfache der Wirkung von CO2 umgerechnet, in sogenannte CO-Äquivalente.
Diese Umrechnung ist problematisch, weil die Treibhausgase unterschiedlich lange Lebensdauern haben. Wenn man nur in jedem Augenblick die gesamte Treibhauswirkung berechnen möchte, ist es natürlich einfach, jedes Treibhausgas in die äquivalente Wirkung von CO2 umzurechnen.
Das Problem entsteht, wenn man die Einsparung von Treibhausgasemissionen jetzt über solche Äquivalente in eine Minderung des Treibhauseffektes bis zum Jahr 2100 oder irgendein anderes Jahr umrechnen will. Ein Treibhausgas wie Methan wird nämlich vergleichsweise schnell in der Luft chemisch abgebaut (meistens durch Angriff von Hydroxyl-Radikalen HO), während CO2 sehr langlebig ist.
Das heißt, wenn ich jetzt die Emissionen von Methan um seine gewisse Menge zeitweilig verringere, dass es einer entsprechenden Menge CO2 gleichkommt, dann wird in wenigen Jahrzehnten von dieser Methaneinsparung nichts mehr übrig sein, weil bis dahin das Methan sowieso chemsich abgebaut worden wäre. Hätte ich hingegen CO2 eingespart, würde dies weiterhin klimawirksam sein, weil CO2 so langlebig ist, dass es auch in einigen Jahrzehnten kaum weniger vorhanden wäre.
Die CO2-äquivalente Menge von Methan jetzt ist kleiner als sie es wäre, wollte ich die Klimawirkung über 20 Jahre betrachten und noch kleiner, als wenn ich sie über 50 Jahre betrachte. Kurzfristig kann ich einen starken Treibhauseffekt über Methan einsparen. Aber langfristig nur wenig. Langfristig wirkt vor allem die Einsparung von CO2 auf den Treibhauseffekt und somit die globale Erwärmung.
Die Idee, weniegr CO2 einzusparen, weil man ja kurzfristig den gleichen Effekt mit der Einsparung von Methan erzielen kann, ist also langfristig eine schlechte Idee. Die Verwendung von CO2-Äquivalenten für Emissionsszenrien bedeutet genau diesen Fehler zu machen.
Im Detail erklärt das Zeke Hausfather in diesem Artikel:
https://www.theclimatebrink.com/p/using-a-20-year-period-for…
Bei Emissionsszenarien wird zu wenig berücksichtigt, dass Kompensationsmöglichkeiten für Emissionen vielleicht größer sind, als man gedacht hat. Ein Beispiel dafür ist die Aufnahme von klimaschädlichem CO2 durch städtische Grünanlagen. Ballungszentren können beim Emissionsgeschehen von vorrangiger Bedeutung sein. Zwei neue Untersuchungen zeigen, dass städtische Grünanlagen an manchen Tagen sogar mehr CO2 aufnehmen können als von den Städten emittiert wird, wenn die Grünanlagen nachhaltiger angelegt werden. Voraussetzung ist, dass Rasen und Wiesen in den städtischen Grünflächen möglichst wenig gemäht werden und vielfaltig bewachsen sind. Dann lagern die Grünflächen große Mengen Kohlenstoff ein - nicht nur in der Vegetation, sondern auch im Boden. Damit ist auch die Rolle der Gärten von Hausbesitzern höher anzusetzen - eine Wildblumenwiese lagert auf 100 qm 160 Kg mehr CO2 ein als der ständig gemähte Rasen. Ganz abgesehen von den brutalen Steingärten, die manche Hausbesitzer angeschafft hatten. Laut einer anderen Studie können im dicht besiedelten München die Stadtbäume und Grünanlagen 2% der städtischen Emissionen an CO2 aufnehmen. Die Stadtbäume machen dabei den Unterschied. Bei starkem Sonnenschein machen die Bäume München zeitweilig zur Kohlenstoffsenke statt einer CO2-Quelle.
Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat beschlossen, dass 7 Treibhausgase nicht mehr als zu regulierende klimawirksame Schadstoffe behandelt werden sollen. Die Entscheidung folgte einem absurden Spiel, eine neue wissenschaftliche Berichterstattung zum Problem zu verhindern, die eigentlich für dieses Jahr geplant war. Sie folgte auch auf die Erstellung eines Scheinwissenschaftsbericht zur Wirkung von Treibhausgasen durch 5 bekannte Klimaleugner, die dann aber vor Gericht als ungesetzlich angefochten wurde. Tatsächlich hatte sich die EPA dann auch gar nicht auf diesen Klimaleugnerbericht gestützt, sondern rechtliche Gründe angeführt.
Mit dem 27. Januar 2026 wird der Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen wirksam. Das hat zwei Auswirkungen. Zum einen werden die USA für sich keine Verpflichtungen aus dem Abkommen anerkennen. das wird dazu führen, dass die Emissionen der USA weniger schnell sinken als zuvor geplant. Das sollte dazu führen, dass die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 0,1 Grad stärker ausfällt. Auch wenn sich das nach wenig anhört, steigt die Stärke von Auswirkungen der Erwärmung überproportional, weil immer wieder Schwellen für bestimmte Auswirkungen überschritten werden, etwa weitere Regionen, in denen sich Wettermuster ändern. Solche veränderten Wettermuster (mehr Starkregen, weniger Regen, verstärkte Hitzewellen, Verlust von Wasserspeichern, etwa Gletscher, späteres oder verändertes Eintreten von Regen- oder Trockenzeiten) lösen teure Anpassungsmaßnahmen aus.
Die Emissionsszenarien können sich immer nur an den Rahmenbedingungen ihrer Zeit orientieren. Die ändern sich. Einfluss darauf haben vor allem zwei Größen. Politische Entscheidungen, wie sie durch Klimaabkommen ausgedrückt werden. Technische Entwicklung, etwa gewaltige Effizienzgewinne bei regenerativen Energieträgern.
Methan ist leider nicht aufgeschlüsselt nach
Viehzucht
Einen starken Einfluss auf Emissionsszenarien für den Klimawandel haben die realen Maßnahmen und Auswirkungen auf die Emissionen der verschiedenen klimarelevanten Gase. Dazu gibt es eine interessante Quelle, die zeigt, wie stark sich hier im Laufe der Zeit die Gewichte verschieben:
Wie erläutert, stellen die derzeitig verwendeten Szenarien zuerst einmal nur ein Spektrum möglicher Gesamtklimaantriebe dar, zu denen später auch eine "Geschichte" entwickelt wurde. Im aktuellen Satz von Szenarien ist eine gewisse Einteilung nach den dazu gehörenden sozioökonmischen Entwicklungen möglich. Dies erläutert Zeke Hausfather und findet dabei einen beunruhigenden Bezug zur aktuellen Politik.
Das RCP8.5-Szenario wird nur im Nachhinein als ein Szenario beschrieben, bei dem es einen hohen Ressourcenverbrauch gibt und gleichzeitig die Emissionen von Treibhausgasen nur gering kontrolliert werden. Ich erinnere noch mal daran: von der Konzeption her wird bei einem RCP-Szenario zuerst festgelegt, welcher Klimaantrieb zum Schluß erreicht wird und erst dann wird festgelegt, wie der zugehörige Emissionsverlauf aussehen muss. Die RCP-Szenarien waren nie als "Prognosen" der zukünftigen Emissionen gedacht. Darauf weist Hausfather hin und erklärt, dass aus diesem Grund ein RCP6.0-Szenario genausogut aus einem "business as usual"-Szenario resultieren könnte. In dem Kommentar vergleicht er die statistische Spannbreite von möglichen Treibhausgaskonzentrationen mit Emissionsgeschichten und daraus resultierenden Konzentrationen, die zu den RCP-Szenarien passen könnten. Dabei liegen die RCP8.5-Konzentrationen von Treibhausgasen oft um das 98%-Persentil, also am obersten Rand möglicher Konzentrationen. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit gering - es ist aber möglich.
Für die neuesten Klimamodelle für den 6. IPCC-Bericht, die CMIP6-Modelle, wurden die RCP-Szenarien mit Entwicklungen dazu näher beschrieben und bewertet. Hier wird noch mal klar, dass RCP8.5 wirklich am oberen Ende der möglichen Klimaentwicklungen steht. Aus Risikosicht ist aber genau das auch gewollt.

(Abbildung aus carbonbrief, wie oben verlinkt.)
Aber angenommen, die Treibhausgasemissionen wären weiter so gestiegen, wie in der Vergangenheit und es hätte keine Maßnahmen zum Klimaschutz gegeben, und auch sonst hätte es eher ungünstige Bedingungen gegeben, dann wären die Treibhausgaskonzentrationen wohl ungefähr so gestiegen, dass am Ende ein Klimaantrieb um oder nicht viel unter 8,5 Watt/m² herausgekommen wäre.
Die Frage also, ob man das Szenario als "business as usual" beschreibt, ist eine philosophische Frage. Meinen wir mit "business as usual" eine Zukunft, in der sich Klimaleugner durchsetzen, kein Klimaschutz erfolgt und auch sonst die Entwicklung ungünstig ist? Genau das sollte dann doch mit dem hohen Klimawirkungsszenario beschrieben werden? Oder sehen wir als "business as usual" an, was auf Basis der bereits erfolgen Entwicklung mit Klimaschutzmaßnahmen für die weitere Zukunft bei dann ausbleibendem Klimaschutz als eher wahrscheinlich anzunehmen ist? Dann wird "business as usual" zum einen sich nach und nach ändern, zum anderen gehört dann auch noch eine Wahrscheinlichkeitsannahme hinzu, bei der man ungünstieg Entwicklungen ausblednet. Für eine Risikoabschätzung wäre genau das fatal. Das ist so, als würde jemand in einer Fabrik auf einige Sicherheitsvorschriften pfeifen, weil ja wahrscheinlich sowieso nur selten ein Unfall passiert. Aber so mahct man doch keine Risikovorsorge. Dafür fragt man immer, was denn passieren könnte, wenn ein ungünstiegr Fall eintritt.
Hier ist also zusammengetroffen: ein Klimaforscher, der einfach nur korrekt sein und ein mögliches Missverständnis ausräumen wollte, dass ein hohes Klimaszenario nicht ein wahrscheinliches Szenario ist, sondern nur eines, das wir für eine Risikobetrachtung mitbetrachten wollen. Kein RCP-Szenario entstammt einem "business as usual Szenario", weil nie eines für die RCP-Szenarien festgelegt wurde. Und Klimaleugner, die das bewußt missversthen wollten als ein Eingeständnis, dass Klimaforscher Alarmisten wären, die ein unrealistisches Szenario als "business as usual" verkaufen wollten, wobei Klimaleugner unterstellen, mit "business as usual" wäre eine Prognose der wahrscheinlichsten Klimaentwicklung gemeint, falls wir ab jetzt keinen weiteren Klimaschutz betreiben. Das ist nur eine weitere Irreführung der Klimaleugner und ein bewußtes Verdrehen, wovon Hausfather geschrieben hatte.
Im 4. IPCC-Bericht hießen diese Szenarien, die eine richtige eigene vorgestellte Geschichte hatten, SRES-Szenarien. Zum 5. IPCC-Bericht änderte sich die Art, wie Szenarien angelegt wurden. Jetzt wurden sie nicht mehr nach dem Emissionsgeschehen eingeteilt, sondern nach dem Klimaantrieb, der im Jahr 2100 erreicht würde, angegeben als Leistung pro Fläche, also in Watt/m². RCP4.5 heißt also, ein Szenario, bei dem der Klimaantrieb bis auf 4,5 W/m² steigt, ein RCP8.5-Szenario enthält einen Klimaantrieb, der bis auf 8,5 W/m² steigt. RCP steht für "Repräsentativer Konzentrationspfad", was aber als Begriff etwas irreführend ist, weil ja die Konzentrationsentwicklung erst nachträglich erstellt wird und auch andere Größen als nur Konzentrationen von Treibhausgasen berücksichtigt werden.
Indem man die Szenarien so einteilt, behandeln sie im Grunde alle Klimaantriebe gleich, neben Treibhausgaskonzentrationen auch Landnutzungsänderungen und die Abkühlung durch Aerosol. Danach entwickelten Arbeitsgruppen zu jedem dieser Klimaantriebe eine Art Geschichte verschiedener wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungen, die es geben musste, damit am Ende diese Klimaantriebe herauskommen. Hier wurde also erst der Strahlungsantrieb festgelegt und dann dazu das Szenario entwickelt, während zuvor bei den SRES-Szenarien und früheren Szenarien erst eine Entwicklungsgeschichte entwickelt wurde und man dann am Ende irgendeinen Klimaantrieb erhielt.
Der Vorteil der RCP-Szenarien ist also, dass das, was am Ende die Klimaentwicklung bestimmt, die Klimaantriebe, viel systematischer und gleichmäßiger verteilt sind, während bei den früheren Szenarien Abstände zwischen den Klimaentwicklungen größer und kleiner sein konnten, abhängig von den Zufällen der ausgedachten Emissionsentwciklungen.
Es sollte aber absolut klar sein: kein Szenario repräsentiert eine Entwicklung, von der man weiß, dass sie besonders realistisch sein wird. Was am Ende realistisch ist, hängt ja von politischen Entscheidungen ab, die man bei der Erstellung der Szenarien gar nicht wissen kann.
Insofern sind Zuschreibungen wie "business as usual" oder Einhaltung der Pariser Verträge nicht korrekt. Die RCP-Szenarien sind unabhängig von solchen realen Entwicklungsmöglichkeiten entwickelt worden. Will man hingegen wissen, welche Auswirkungen denn eine bestimmte Politik hätte, kann man sich mit Hilfe der RCP-Szenarien einen passenden Klimaantrieb wählen oder sogar zwischen zwei Klimaantrieben interpolieren.
Weitere Erläuterungen dazu findet man auf Deutsch hier: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel/klimaszenarien…
Außerdem auf dem Bildungsserver: https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/RCP-Sze…
Zitat von for4zim: Aber die Welt ist nun einmal kompliziert und wer so tut, als könnte man sie auf wenige einfache Regeln zurückführen, will den Menschen auch nur etwas vormachen. Je realistischer ein Modell viele Eigenschaften der Welt beschreiben soll, desto mehr Aufwand muss man auch in das Modell stecken, und viele Dinge sind noch in der Forschung und Entwicklung. Jede Antwort führt zu weiteren Fragen.
Klimaleugner beziehen sich gerne auf Fortak 1971 als richtige Darstellung und blenden alles aus, was ihnen nicht gefällt (z.B.):
Zitat von Fortak1978,S.78: Allerdings setzen damit in unserem komplizierten System Erde-Atmosphäre Regelprozesse ein, die nicht einfach zu überblicken sind und es sind deshalb auch noch keine eindeutigen Schlüsse auf Klimaänderungen möglich.
Professionelle Falschinformationen basieren selten auf direkten Lügen, sondern eher darauf, die Wahrheit in einer irreführenden Weise zu präsentieren. Im Falle von Szenarien werden diese von Klimaleugnern normalerweise nicht verfälscht. Die Falschinformation beginnt vielmehr mit den Aussagen darüber, was Szenarien eigentlich sind und wozu sie dienen.
Wir können nicht die Zukunft vorhersagen. Niemand kann jetzt sagen, wie es in 50 Jahren um die Wirtschaft steht, welche Politik dann vorherrscht, welche Erfindungen man gemacht hat. Es kann auch niemand sagen, ob bis dahin und wann und wo Vulkane ausgebrochen sind oder ein Asteroid auf der Erde eingeschlagen hat oder ob es zu einer Pandemie oder einem großen Krieg kam. Das müsste man alles zusätzlich wissen, neben allen Fakten über das Klima an sich, um eine Klimavorhersage zu machen. Deshalb hat auch noch nie ein seriöser Klimaforscher versucht, das Klima vorherzusagen. Klimavorhersagen findet man nur bei Klimaleugnern, und die waren alle falsch. Klimaforscher machen Klimaprojektionen.
Klimaprojektionen sind „Was wäre, wenn“-Spiele. Sie sollen die Zukunft nicht vorhersagen, sondern einen Eindruck dafür geben, was alles möglich wäre. Was wären große Risiken, wie schlimm kann es werden, wenn wir die Dinge laufen lassen oder wie könnte es aussehen, wenn wir die Klimaentwicklung stark regulieren, was wären unsere Chancen. Die tatsächliche Entwicklung wird wahrscheinlich irgendetwas „dazwischen“ sein. Erst im Nachhinein kann man sagen, welches Szenario der eingetretenen Entwicklung am ähnlichsten war. Dann kann man auch sagen, welche Klimaprojektion am ehesten einer realen Entwicklung entsprach und erst dann kann man auch nachweisen, wie gut die Klimaprojektion war.
Deshalb ist die Antwort auf die Frage, welches Szenario denn das „Richtige“ ist, kein Szenario ist „richtig“. Noch nicht mal, wenn man alle Szenarien zusammennimmt, ist das „richtig“. Es ist nicht Aufgabe der Szenarien, jeweils „richtig“ zu sein, sondern sie müssen vielfältig sein. Alle Szenarien zusammen sollen es möglich machen, uns für jede Überlegung, was könnte vielleicht passieren und welche Optionen haben wir, die nötigen Daten für Antworten darauf zu liefern.
Will man also Falschinformationen zur Klimaforschung verbreiten, ist der einfachste Trick, so zu tun, als wäre ein Klimaszenario eine reale Vorhersage der Zukunft. Da sie das nicht ist, ist es natürlich leicht, nachzuweisen, wie „unrealistisch“ das Szenario wäre und dann daraus zu folgern, Klimamodelle wären „falsch“. Das heißt aber auch, wenn man einen Beitrag eines Klimaleugners findet, der „beweist“, dass Klimaprojektionen „falsch“ und „alarmistisch“ seien, dann sieht man da gerade nur einen Täuscher bei der Arbeit.
Heißt das jetzt, dass man Klimamodelle gar nicht überprüfen kann? Nein, das heißt das nicht. Für die Vergangenheit kann man Klimamodelle ja überprüfen. Und wenn man ein realistisches Szenario nimmt, nämlich die reale Klimaentwicklung der Vergangenheit, dann beschreiben Klimamodelle auch im Wesentlichen das, was passiert ist. Sie sind also weitgehend korrekt.
Ich sage das mit Einschränkungen, weil es stark davon abhängt, was man betrachtet. Klimamodelle sind recht gut darin, zu sagen, wie stark sich die global gemittelte Temperatur ändert. Sie sind weniger gut darin, zu sagen, wo es mehr oder weniger regnen wird oder wie schnell das Eis in der Antarktis abtaut oder wie sich die Bewölkung im Sommer über dem Nordpazifik ändert. Denn dafür ist der Schwierigkeitsgrad viel höher. Oft ist es auch so, dass ein Modell eine Sache recht gut kann (arktische Wettermuster beschreiben) und andere Sachen Schlecht kann (tropischen Regen beschreiben) und es bei einem anderen Modell umgekehrt ist. Klimaforscher betrachten daher verschiedene Modelle, vergleichen sie, diskutieren sie, und lernen, wann man welchem Modell mehr vertrauen kann.
Für Laien mag das unbefriedigend sein, dass man keine einfache Antwort bekommt, sobald man tiefer bohrt. Aber die Welt ist nun einmal kompliziert und wer so tut, als könnte man sie auf wenige einfache Regeln zurückführen, will den Menschen auch nur etwas vormachen. Je realistischer ein Modell viele Eigenschaften der Welt beschreiben soll, desto mehr Aufwand muss man auch in das Modell stecken, und viele Dinge sind noch in der Forschung und Entwicklung. Jede Antwort führt zu weiteren Fragen.
Dieser Thread behandelt Szenarien in der Klimaforschung und ihre Anwendung. Wer etwas anderes diskutieren will, ist in diesem Thread falsch.
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