Centrotec - Fundamentaldaten

eröffnet am 25.02.01 13:42:40 von
neuester Beitrag 18.01.21 18:20:20 von

ISIN: DE0005407506 | WKN: 540750
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19.01.21
Lang & Schwarz
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25.02.01 13:42:40
Ich habe mich an diesem Wochenende ein wenig mit Centrotec beschäftigt. Die Informationen reichen noch nicht aus, um einem fundierte Analyse zu schreiben; daher will ich einfach mal ungeordnet auflisten, was ich an Fundamentaldaten zusammengetragen habe. Ergänzungen sind willkommen!

Centrotec stellt spezielle Kunststoffteile her, insbesondere hochtemperaturbeständige Abgassysteme für Brennwert-Heizkessel und verschiedene Industrieanwendungen. Neu hinzu kommen diverse Kunststoffteile für Energiesparhäuser sowie Kohlefaserwerkstoffe. In allen Produktbereichen steckt jede Menge Wachstumsphantasie, u.a. durch Verordnungen in verschiedenen europäischen Ländern, die den Einsatz von Brennwertheizkesseln und von energiesparenden Hauskomponenten begünstigen.

Auf Basis der Planzahlen und unter Berücksichtigung einer Verwässerung um ca. 0,5 Mio. Stück durch Mitarbeiteroptionen ergibt sich beim Kurs von 11€ ein 2001er KGV von ca. 17. Es ist ein jährliches Gewinnwachstum vom 35% geplant, womit die Aktie bei KGV 17 deutlich unterbewertet erscheint.

Das Wachstum wird hauptsächlich durch eine Mammut-Akquisition erreicht: Anfang 2000 wurde der niederländische Mitbewerber Ubbink übermommen. Bei solchen Akquisitionen bin ich immer sehr skeptisch, vor allem am Neuen Markt. Zu viele Unternehmen haben sich dabei schon übernommen. Centrotec scheint aber genau zu wissen, auf was man sich hier einlässt: Bei der Bewertung des Übernahmekandidaten wurden keine Synergieeffekte eingeplant; die KUV-Bewertung dürfte nach meiner Schätzung bei ca. 0,35 bis 0,4 gelegen haben.

Nach der Akquisition sieht die Bilanz von Centrotec relativ ungesund aus. Vorher lag die Eigenkapitalquote bei über 60%, jetzt beträgt sie nur noch 24%. Das hat zwei Gründe: Zum Einen wurde die Akquisition komplett durch Fremdkapital finanziert - laut Centrotec, um eine bessere Eigenkapitalrendite zu erreichen (wenn`s funktioniert, ist das positiv). Zum Anderen hatte das übenommene Unternehmen selbst eine extrem ungesunde Bilanz mit hoher Verschuldung. Wenn ich die Zahlen aus dem Jahresabschluss 99 und den Neunmonatsbericht 2000 zusammenrechne, komme ich für Ubbink auf folgende Bilanz zum Zeitpunkt der Übernahme:

Eingenkapital: 7 Mio. DM
Rückstellungen: 6,9 Mio. DM
Bankschulden: 22,5 Mio. DM
Verbindlichkeiten aus L%L: 6 Mio. DM
sonst. Verbindlichkeiten: 12,1 Mio. DM

Bilanzsumme: 54,4 Mio. DM
Eigenkapital-Quote: 13%

gezahlter Goodwill: 19,4 Mio. DM

Mir gefällt gar nicht, dass weitere große Akquisitionen geplant sind. Centrotec sollte jetzt erst mal in Ruhe die Ubbink-Akquisition verdauen und nicht größenwahnsinnig werden.

Was mir sonst noch unangenehm auffällt:

- Es ist ein beachtlicher Verlustvortrag in der Centrotec-Bilanz vorhanden. Woher stammt der?
- Centrotec macht in den Quartalsberichten keine Angaben zum Auftragsbestand.
- Die Berichterstattung ist für meinen Geschmack zu euphorisch.
- Der Kurs ist nicht zusammen mit dem Neuen Markt gefallen, sondern der Einbruch bekannt verdächtig kurz nach der Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen. Offenbar waren viele Ubbink-Aktionäre von den Zahlen enttäuscht. Warum?
- Die Finanzberichte sind teilweise etwas schludrig. Im 99er Geschäftsbericht wird z.B. auf Seite 47 behauptet, die EK-Quote läge bei 65%; tatsächlich waren es jedoch nur 50%.

Was mir positiv auffällt:

- Es ist in letzter Zeit ruhig um Centrotec geworden. Der Kurs ist auf die Kaufempfehlungen diverser minderwertiger Börsendienste (GSC-Research, Prior etc.) hin eingebrochen. Damit dürften die zittrigen Hände weitgehend draußen sein; die letzten steigen sicher in den nächsten Tagen aus.
- Der Vorstand verfolgt bei den Akquisitionen und Beteiligungen eine klare Strategie und ist sich der Risiken bewusst.

Insgesamt ergibt sich für mich noch kein klares Bild. Ich sehe hohe Chancen bei hohen Risiken, nehme die Aktie in die Watchlist auf und werde weitere Informationen sammeln.
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25.02.01 15:05:30
Deine lesenswerten Ausführungen haben doch tatsächlich 12 Leute bewegt den Thread anzuklicken, bevor er von der ersten Seite fiel.
Ein Argument für Centrotec, oder?
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25.02.01 15:14:31
hey Mandrella, da hatten wir heute den gleichen Gedanken. Deiner guten Zusammenfassung kann ich nichts mehr hinzufügen. 540750 kommt bei mir auch auf die WL. Eventuell Kauf, wenn sich eine Bodenbildung abzeichnet.
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25.02.01 17:41:53
Ich schrieb:
> Offenbar waren viele Ubbink-Aktionäre von den Zahlen enttäuscht.

Das sollte natürlich heissen: "viele Centrotec-Aktionäre"
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25.02.01 21:48:50
Ich will nochmal die Produktbereiche sortieren.

Die Centrotec AG stellte bisher hauptsächlich High-Tech-Kunststoffeteile aller Art her, insbesondere solche mit hoher Temperaturbeständigkeit. Dieser Bereich nennt sich "engineered plastics", hat Umsatz-Wachstumsraten im niedrigen zweistelligen Bereich und ist abhängig von Konjunktur und Rohstoffpreisen (also von den Rohölpreisen). Es handelt sich also um ein zyklisches Geschäft.

Neu hinzugekommen sind vor einigen Jahren die Kunststoff-Abgassysteme für Brennwert-Heizkessel. In diesem Bereich, der neudeutsch als "gas flue systems" bezeichnet wird, ist Centrotec Pionier. Das jährliche Umsatzwachstum liegt hier aktuell bei 100% (!), und dieser Bereich macht macht mittlerweile die Hälfte des Umsatzes der Centrotec AG aus.

Die zum Jahreswechsel 99/00 übernommene niederländische Ubbink b.v. war bisher Vertriebspartner für Centrotec-Abgassysteme im europäischen Ausland. Durch die Akquisition wurde also die Wertschöpfungskette bei den Abgassystemen erweitert.

Ausserdem stellt Ubbink verschiedene Komponenten für Energiesparhäuser her, die nun das Centrotec-Produktsortiment ergänzen: Lüftungselemente, Dachkomponenten, Isolierkomponenten und Solarsystemträger. Über das Wachstum in diesem Bereich konnte ich keine Angaben finden. Dieser Bereich ist stark abhängig von politischen Entscheidungen und Subventionen bezüglich energiesparendem Bauen (riskant!) sowie von der allgemeinen Heizkostenentwicklung im Zusammenhang mit den Energiepreisen.

Die BOND-Laminates GmbH, an der sich Centrotec Ende 2000 mit 25% beteiligt hat, entwickelt und vermarktet kohle- und aramidfaserverstärkte Kunststoffe - ein vielversprechender neuer Werkstoff mit großem Potenzial. Zusammen mit Centrotec soll hier die Großserienfertigung aufgenommen werden. Der Umsatz- und Ergebnisbeitrag aus diesem Bereich dürfte bis jetzt noch vernachlässigbar sein.

Außerdem hat sich Centrotec an der B2B-Kunstoff-Einkaufsplattform ClickPlastics AG beteiligt. Dieser Bereich erwirtschaftet insgesamt noch leichte Verluste, und man sollte davon nicht allzu viel erwarten. Centrotec ist m.E. zu klein, um sich auf Dauer mit einer eigenen Handelsplattform durchzusetzen.
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25.02.01 22:33:52

Kursverlauf in Frankfurt im Vergleich zum Nemax All Share

Der Emissionspreis lag bei 76 DM; seitdem gab es einen 1:3 und einen 1:2 Split, d.h. der Preis betrug splitbereinigt 6,48 Euro.
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26.02.01 00:44:41
Ich hatte oben behauptet, Centrotec habe im 99er GB eine falsche EK-Quote angegeben. Das stimmt nicht - die zitierte Angabe bezog sich nicht auf den Konzern, sondern auf die AG, und war korrekt. Positiv ist mir noch aufgefallen, dass Centrotec bisher seine Planzahlen durchweg erfüllt oder übertroffen hat.
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26.02.01 01:33:57
Umsatz (Mio. DM)

Q1/98: 6,1
Q2/98: 6,7
Q3/98: 6,9
Q4/98: 6,8
Q1/99: 6,3
Q2/99: 6,8
Q3/99: 9,9
Q4/99: 14,3
Q1/00: 30,6
Q2/00: 30,7
Q3/00: 33,8
Q4/00: 24,9 (Plan)

Gewinn vor Steuern (Mio. DM)

Q1/98: -0,2
Q2/98: 1,0
Q3/98: 0,5
Q4/98: 1,5 (ohne IPO-Kosten)
Q1/99: -0,1
Q2/99: 0,5
Q3/99: 1,3
Q4/99: 2,2
Q1/00: 2,2
Q2/00: 2,5
Q3/00: 3,0
Q4/00: ca. 4,8 (Plan)

Hier sieht man, dass die Umsatzplanung von 120 Mio. DM in 2000 mit Sicherheit übertroffen wurde. 135 Mio. DM sind realistisch. Auch beim Gewinn kann man zumindest von einem leichten Übertreffen der Planzahlen ausgehen.
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26.02.01 10:39:43
Der bilanzielle Verlustvortrag stammt aus der Finanzierung eines Management Buy Out im Jahr 1990.

Die Steuerquote in 2000 ist relativ gering, da Verlustvorträge genutzt wurden. Außerdem hat man in den Niederlanden einen Steuersatz von ca. 30%, so dass für die nächsten Jahre wohl (dank Steuerreform in Deutschland) mit ähnlich niedrigen Steuern zu rechnen ist.

Laut Centrotec ist die Eigenkapitalquote bei Ubbink wesentlich höher, als ich oben berechnet habe. Ich finde allerdings keinen Fehler in meiner Berechnung. Findet ihr ihn?

Die Zahlen für das 4. Quartal sollen Mitte März veröffentlicht werden.
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04.03.01 15:59:40
Guten Tag
Ich wollte mich hier mal kurz einmischen. Ich bin Langzeitanleger bei Centrotec und bin ehrlich gesagt von dem Konzept und dem Markt überzeugt. Leider bin ich mittlerweile knapp über Kaufkurs. Aus gewissen Informationsbedarf habe ich einfach mal eine Mail an Centrotec geschrieben. Denn in den letzten Monaten habe ich nichts mehr gehört. Aber bald müssten die neuen (Plan)-Zahlen herauskommen
Franklin
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