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Volkswagen
Verkauf der Luxus-Marken dementiert



Das VW-Emblem an einem Phaeton


| 10.06.06, 19:03 Uhr |


VW hat einen Pressebericht zurückgewiesen, wonach in der Konzernführung aus Spargründen der Verkauf der Luxus-Marken Lamborghini und Bugatti sowie die Einstellung der Produktion der in Dresden gebauten Luxuslimousine Phaeton erwogen wird.



Von VW hieß es zu dem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ vom Samstag, dies sei „Unsinn“ und entbehre jeglicher Grundlage.

VW will am Montag Sondierungsgespräche mit der IG Metall über die Sparpläne des Konzerns führen. Die Zeitung berief sich auf Vorbereitungsgespräche in der Konzernführung. Entweder es würden jetzt „radikale Schritte auch nach außen sichtbar eingeleitet“ oder die Marke VW liefe Gefahr, „als Ganzes vom Markt zu verschwinden“, verlautete der Zeitung zufolge.

In Aufsichtsratskreisen sei zudem beklagt worden, dass VW sich mit den „PS-Monstern von Bugatti“ und den „Prestige-Flitzern von Lamborghini“ zwar „Glitter für das Image“ erkauft, darüber aber die Konzentration „auf das Auto für das Volk“ verspielt habe. Bei der anhaltend maroden Kosten-Nutzen-Bilanz des Phaeton sei es „besser, ihn eher gestern als morgen vom Markt zu nehmen“. Der Phaeton, mit dem VW gegen BMW und Mercedes antritt, wird in der eigens errichteten „Gläsernen Manufaktur“ in Dresden gebaut.

Restrukturierungsprogramm angekündigt

VW investierte Milliardensummen in den Kauf von Nobelmarken wie Bugatti und Bentley und in die Produktion des Oberklassenmodells Phaeton. Diese Luxuswagenstrategie war von Beginn an heftig umstritten. Der Phaeton erfüllte bislang nicht die Erwartungen und wird in den USA vom Markt genommen.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte bereits im Februar ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm angekündigt. Für Unruhe in der Belegschaft sorgte die Ankündigung der VW-Spitze, dass bis zu 20 000 Jobs von dem Umbau betroffen sein könnten. Um einige der relevanten Produktionsbereiche im Inland zu halten, müssten die Arbeitskosten mittelfristig um 15 bis 20 Prozent reduziert werden, berichtete die „Leipziger Volkszeitung“.


(jd/dpa)
Aggressiver Angriff auf Nike
Adidas will Weltmarktführer werdenveröffentlicht: 10.06.06 - 17:02 vorlesen lassen

Düsseldorf (rpo). Der Sportartikelhersteller Adidas, derzeit hinter Nike die weltweite Nummer zwei, will laut Adidas-Vorstand Erich Stamminger in den nächsten Jahren deutlich stärker wachsen als der Markt und Nike als Marktführer überholen. Adidas wolle Nike "so schnell wie möglich" ablösen, sagte Stamminger.
"Für mich steht fest, dass wir unseren Marktanteil, wo immer es geht, weiter ausbauen wollen", sagte er der "Wirtschaftswoche". "Und egal, wie schnell der Markt wächst: Wir wollen schneller wachsen", fügte er hinzu. Der Fußballmarkt werde durch die Weltmeisterschaft dauerhaft einen weiteren Schub bekommen. Zudem stünden Märkte wie China oder die USA erst am Anfang ihrer Entwicklung in diesem Sport.

Die größten Zuwachsraten für seine Sportartikel sehe adidas außer in den USA vor allem in China und Japan. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2010 in China allein mit der Marke Adidas eine Milliarde Euro Umsatz zu machen", sagte er. Derzeit wachse adidas dort jedes Jahr zweistellig. Wenn sich China und Japan so weiterentwickelten, liege dort 2010 hinter den USA der zweit- beziehungsweise drittgrößte Sportartikelmarkt der Welt.
Inflation und Zinsen Thema Nummer eins an Wall Street
Sa Jun 10, 2006 5:02 MESZ




New York (Reuters) - Die Furcht vor weiter steigenden Zinsen wird auch in der nächsten Woche das Handelsgeschehen an der Wall Street bestimmten.

Im Fokus der Anleger werden daher wichtige Inflationsdaten stehen, die ab Dienstag veröffentlicht werden. Zudem wird es eine Reihe von Reden von Fed-Mitgliedern geben, darunter auch eine des Chefs der US-Notenbank, Ben Bernanke. Anleger werden die Äußerungen genau auf Hinweise für die weitere Geldpolitik in den USA unter die Lupe nehmen. Die Furcht vor weiter steigenden Zinsen war jüngst auf Basis von Konjunkturdaten sowie Aussagen von Fed-Vertretern über einen hohen Inflationsdruck deutlich gestiegen.

"Inflation scheint derzeit das Schlüsselwort zu sein", sagte Peter Schofield von Knott Capital. "Bernanke scheint an einem Scheideweg zu stehen: Erst sprach er über eine Pause in der Zinserhöhungspolitik und nun scheint er vor der nächsten Fed-Sitzung für mehr Transparenz sorgen zu wollen", sagte er.

Die Fed trifft bei ihrer Sitzung am 28. und 29. Juni ihre nächste Zinsentscheidung. Die Chancen für eine weitere Erhöhung von derzeit fünf Prozent steht jüngsten Umfragen unter Volkswirten zufolge bei rund 80 Prozent. Anfang Juni lag sie noch bei 68 Prozent. Bereits vergangene Woche hatten Zinsängste das Aktiengeschehen bestimmt und für Volatilität gesorgt. Zudem bescherten sie dem Standardwerteindex Dow seine schlechteste Woche seit 14 Monaten.

Experten befürchten, dass steigende Inflationsängste durch den anhaltend hohen Ölpreis noch angetrieben werden, was zu höheren Zinsen führt und letztlich die für die US-Wirtschaft so wichtigen Ausgaben der Verbraucher drücken könnte. Sollten die Konsumenten tatsächlich "streiken", dürften sich auch US-Unternehmen für die nächste Zeit von zweistelligen Wachstumsraten verabschieden.

"Die entscheidende Frage wird nächste Woche an den Märkten sein: Wird die Fed die Zinsen weiter erhöhen und wenn ja, um wie viel?", sagte Hugh Johnson von Johnson Illington Advisors.

Das Arbeitsministerium wird am Dienstag über die Entwicklung der Erzeugerpreise im Mai Auskunft geben und am Mittwoch über die der Verbraucherpreise. Neben einer Rede von Bernanke vor Studenten am Montag werden zudem unter anderem Äußerungen der Fed-Präsidentin aus Cleveland, Sandra Pianalto, sowie ihres Kollegen aus Dallas, Richard Fisher, erwartet.

Die vergangene Woche hatten die drei wichtigsten US-Indizes bereits schwächer beendet: Der Dow verbuchte im Wochenvergleich ein Minus von 3,2 Prozent, der S&P verlor 2,8 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq gab um 3,8 Prozent nach.
Zocker bedrohen Finanzsystem


Das Volumen spekulativer Anlagen ist bereits fünfmal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt der ganzen Welt. Viele Experten befürchten ein Platzen dieser Blase. Doch die Notenbanken haben kein Rezept dagegen
Lloyd Blankfeins Aufstieg könnte zu einem Symbol werden. Der neue Chef der amerikanischen Großbank Goldman Sachs kommt aus der Handelsabteilung der Bank, einem Geschäftsbereich, auf den die Investmentbanker bislang stets herabblickten. Denn jahrelang waren sie es, die mit ihren Beratungsdiensten bei Firmenfusionen und -übernahmen einen Großteil des Gewinns einfuhren.


Doch das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. 2005 erwirtschaftete Lloyd Blankfeins Geschäftsbereich schon über die Hälfte des Bankgewinns, die Investmentbanker trugen gerade noch 15 Prozent dazu bei. Geschafft haben Blankfein und seine Kollegen das durch immer größeren Einsatz und immer riskantere Strategien. Das hat Goldman Sachs und den anderen Banken Rekordgewinne gebracht, könnte aber die gesamt Finanzbranche in Zukunft vor enorme Probleme stellen.


Das Wundermittel, auf das Blankfein und seine Kollegen in den vergangenen Jahren setzten, heißt Derivate. Darunter werden alle Finanzinstrumente mit Wettcharakter zusammengefaßt, also Optionen, Zertifikate, Futures, Swaps und wie sie alle heißen. Gemein ist ihnen, daß mit relativ geringem Einsatz enorme Gewinne zu erzielen sind - aber eben auch der Totalverlust möglich ist.


Das Marktvolumen der Derivate hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht und ist heute bereits fünfmal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt der gesamten Welt. "Das ist purer Wahnsinn", sagt Eberhardt Unger, Chefvolkswirt des unabhängigen Analysehauses Fairesearch. Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, spricht von einer "Risiko-Blase" an unseren Finanzmärkten.


Ursprünglich waren Derivate zur Absicherung gedacht. Unternehmen schützten sich damit gegen Schwankungen bei den Devisenkursen, Investmentbanker sicherten große Handelspositionen gegen plötzliche Markteinbrüche ab. "In den vergangenen Jahren sind Derivate jedoch zu reinen Spekulationsinstrumenten verkommen, die institutionellen Investoren nutzen sie auf ihrer Jagd nach immer höheren Renditen", sagt Unger.


Besonders augenfällig ist dies bei den Rohstoffmärkten. Allein seit Ende 2004 hat sich der nominale Wert der Derivate auf Öl, Metalle oder Gold mehr als verdoppelt. Es ist kein Zufall, daß genau in dieser Zeit der Rohölpreis von rund 40 Dollar je Barrel auf derzeit über 70 Dollar gestiegen ist. Zwar ist auch die Nachfrage nach Rohstoffen gestiegen, vor allem durch den Aufstieg Chinas. Um die gegenwärtigen Preise zu rechtfertigen, müßte Chinas Wirtschaft jedoch noch 27 Jahre lang im gleichen Tempo wie zur Zeit wachsen, hat Stephen Roach ausgerechnet. "Das ist sehr unwahrscheinlich."


Ein guter Teil des gegenwärtigen Rohölpreises basiert daher einzig und allein auf Spekulation. Und bisher ging die Zockerei auch gut. "Preisanstiege erzeugten weitere Preisanstiege", sagt Roach. Doch irgendwann könne diese Blase platzen. "Und das kann übel enden."


Erste Anzeichen dafür gab es in den vergangenen Wochen. Die Preise für Silber, Kupfer oder Gold sind seit Mitte Mai bereits um 15 bis 20 Prozent gesunken. Nur der Ölpreis verharrt auf dem extrem hohen Niveau. Offenbar wirken hier zur Zeit noch die geopolitischen Unsicherheiten entgegen.


Noch sind die Verluste allerdings verschmerzbar, vor allem vor dem Hintergrund der riesigen Gewinne, die in den drei Jahren zuvor eingefahren wurden. "Dramatisch könnte es jedoch werden, wenn irgendein unerwartetes Ereignis eintritt und die Lage an den Finanzmärkten sich ganz plötzlich ändert", sagt Eberhardt Unger.


Bestes Beispiel war der Anschlag vom 11. September 2001. Aber auch ein unerwarteter rasanter Anstieg des Eurokurses könnte ähnlich wirken. Zum Problem könnte dann werden, daß Derivate sehr illiquid sind. Die Investoren, meist Hedge-Fonds und große Banken, können diese Positionen nicht innerhalb weniger Minuten auflösen, ohne den Finanzmarkt in einen totalen Crash zu führen. Lassen sie ihre Wetten jedoch stehen, wenn ein Großereignis die Märkte erschüttert, müssen sie unter Umständen zusehen, wie sich ihr gesamter Einsatz in nichts auflöst.


Auch die Notenbanken werden angesichts dieser Risiken zunehmend nervös. Die Europäische Zentralbank warnte in ihrem jüngsten Bericht zur Stabilität des Finanzsystems vor dem "Kollaps eines größeren Hedge-Fonds oder einer Gruppe kleinerer", ausgelöst durch geopolitische Ereignisse, eine Vogelgrippeepidemie oder einen großen Betrugsfall. In einem solchen Fall könne es zu "bedeutenden Verlusten für Banken und andere Finanzinvestoren" kommen.


Ein Rezept, wie die Spekulanten stärker zu kontrollieren sind, präsentierten die Verantwortlichen in der EZB bislang allerdings ebensowenig wie ihre Kollegen in der US-Notenbank. Ihr größtes Problem ist, daß die meisten dieser Rendite-Jäger ihren Sitz auf den Cayman-Inseln, den Bahamas oder ähnlich exotischen Eilanden haben. Damit entziehen sie sich jeder Kontrolle. Frank Stocker




Artikel erschienen am 11. Juni 2006
Frau unter Jägern
Manager nennen sie oft Headhunter und Kopfjäger. Christine Stimpel sieht sich dagegen als Personalberaterin. Das ist für sie ein großer Unterschied. Denn unter dem schlechten Ruf aus früheren Zeiten und dem Streben nach schnellem Geld leidet die gesamte Branche noch heute
von Viktoria Unterreiner

Es gibt eigentlich nur eine Sache, die Christine Stimpel richtig auf die Nerven geht. Das sind Gesprächspartner, die ihr auf die Pelle rücken. Jeder kennt die Situation. Während man selbst immer weiter zurückweicht, rückt der andere immer näher. Der Abstand schwindet. "Nur irgendwann geht das nicht mehr, und dann wird's schwierig", sagt Stimpel.


Ansonsten fällt es schwer, sich irgend etwas vorzustellen, was Stimpel aus der Ruhe bringen oder gar aus der Reserve locken könnte. Die 45jährige leitet seit fünf Jahren die deutsche Niederlassung der Personalberatung Spencer Stuart. In der Position hat sie einige der wichtigsten Chefsessel Deutschlands zu vergeben. Unter anderem soll sie den Nachfolger für Ex-Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert gesucht haben.


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Dazu äußern darf sie sich jedoch nicht. Weder über Kunden, also Firmen, die Personal suchen, noch über Kandidaten, die dafür in Frage kommen. "Diskretion ist das oberste Gebot der Branche", sagt Stimpel, lächelt und zuckt bedauernd mit den Achseln. So leise und doch nachdrücklich wie sie die Absage formuliert, erinnert sie an die Leiterin eines Schweizer Mädchenpensionats. Ihren jungen Zöglingen könnte sie auf die Weise ebensogut erklären, daß es natürlich bequemer sei, die Teetasse mit beiden Händen fest zu greifen, daß sich dies aber einfach nicht gehöre. Die Mädchen müßten dann nicht nachfragen, denn das wäre zwecklos. Sie ließen es.


Die besten Chancen, Christine Stimpel zufällig über den Weg zu laufen, hat man am Eincheckschalter der Lufthansa. Den Blackberry in der Hand und das Telefon am Ohr wartet sie dort an mehreren Tagen der Woche auf ihren Flug, um Kunden und Kandidaten zu treffen. Montag in Frankfurt, Dienstag in München und ab Mittwoch immer so weiter sind keine Seltenheit. Denn ohne den Kunden vor Ort zu treffen, geht es nicht. "Die Firmen beauftragen uns nur dann mit einer Suche, wenn sie davon überzeugt sind, daß wir den Kandidaten für die Stelle mit ihren Augen auswählen", so Stimpel. Dafür muß sie wissen, welches Umfeld den Kandidaten erwartet, wer seine neuen Chefs und Kollegen sind.

15 bis 20 Aufträge für Dax-Unternehmen und große Mittelständler betreut sie ständig. Ihr Spezialgebiet ist die Chemie- und Pharmabranche, und das ist kein Zufall. Christine Stimpel ist promovierte Tiermedizinerin. Nach ihrem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat sie als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Mikrobiologie gearbeitet. "Daß die Arbeit im Labor nicht zu meinem Temperament paßt, habe ich mit Hilfe eines Personalberaters festgestellt, der mich lange und ausführlich interviewt hat", sagt Stimpel. Im Labor seien Ergebnisse erst nach Jahren zu erwarten, nachdem jedes Steinchen umgedreht ist, so Stimpel.


Ihre Stelle als wissenschaftliche Assistentin gab sie daher auf und fing bei dem amerikanischen Gesundheitskonzern Johnson&Johnson an, wo sie zunächst in der Forschung und später im Produktmanagement arbeitete. Nach fünf Jahren wechselte sie zur Werbeagentur Ogilvy&Mather und betreute dort weltweite Produkteinführungen in der Gesundheitsbranche, bis auch bei ihr der Personalberater anrief.


Fritz von Gadow war damals Deutschlandchef von Spencer Stuart und damit in der Position, die Stimpel heute eingenommen hat. Sie sei ihm empfohlen worden, so der Consultant, und Spencer Stuart suche einen Berater mit ihrer Erfahrung. "Mich hat nicht nur die Aufgabe interessiert, sondern vor allem Fritz von Gadow als Person überzeugt", sagt Stimpel.

Sie spricht deutlich, aber recht leise. Zwischen den Sätzen macht sie oft lange Pausen, um das, was folgt, besonders zu betonen. Gute Manieren sind ihr wichtig. "Aber man muß nicht nur zuhören können, sondern sich auch seine eigenen Antworten überlegen und nicht völlig wirr darauf losreden", sagt Stimpel. Richard Fudickar, Partner bei Boyden International, schätzt an Stimpel, daß sie nie laut werde, um ihre Ansichten zu vertreten. "Trotzdem geht sie ihren Weg geradlinig und konsequent."


Sie hat so gar nichts von der leicht verruchten Art mancher Personalberater, die den Ruf der Branche ziemlich heruntergezogen haben. Zu den Hochzeiten des Börsenbooms gehörte es für jeden Manager mit Ambitionen dazu, mindestens einmal in der Woche von einem Personalberater angerufen zu werden. Eine meist weibliche Stimme hauchte in den Telefonhörer, ob man gerade ungestört sprechen könne. Dabei wurde oft gar nicht mehr richtig abgefragt, ob der Angesprochene auch tatsächlich auf die Stelle paßte.


"Viele Personalberater laufen mit stolzgeschwellter Brust durchs Land, das ist bei Christine Stimpel angenehm anders", sagt Jens Baganz, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen. Er hat sie kennengelernt, als das Ministerium einen Geschäftsführer für die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung gesucht hat. "Sie ist auf eine sehr angenehme Art völlig unprätentiös", sagt Baganz.


Nach nur sechs Jahren bei Spencer Stuart wurde Stimpel zur Partnerin gewählt, seit 2001 leitet sie die deutsche Niederlassung. Damit hat sie sich gegen 11 Männer und eine Frau im eigenen Unternehmen durchgesetzt. Unter den Top-Personalberatungen in Deutschland ist sie die einzige Frau an der Spitze. "Zu einer Karriere gehört immer auch ein wenig Glück, man darf sich nicht einbilden, daß man nur durch Leistung oder persönliche Eigenschaften weiterkommt", so Stimpel.


Im vergangenen Geschäftsjahr erzielten Spencer Stuart in Deutschland einen Umsatz von zehn Millionen Euro, ein Plus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Als Deutschlandchefin muß Christine Stimpel darauf achten, daß ihr Unternehmen vom Aufschwung profitiert. Denn nach mehrfachen Personalveränderungen in der Geschäftsführung schien Spencer Stuart vor ihrem Antritt mehr mit sich selbst als mit den Kunden beschäftigt zu sein. Daß sie die Richtige ist, um wieder Ruhe einkehren zu lassen und die Augen aufs Geschäft zu lenken, bestätigen Manager, die mit ihr zusammengearbeitet haben. "Sie diskutiert hart und willensstark, ist dabei aber immer auf Ausgleich bedacht", sagt Hans-Dietrich Winkhaus, Mitglied des Gesellschafterausschusses bei Henkel.


Daß sie ihr Büro in Frankfurt nur selten sieht, stört sie überhaupt nicht. "Eigentlich braucht gar nicht jeder sein eigenes Büro. Dieses Festhalten hat viel damit zu tun, daß Mitarbeiter Angst vor Veränderung haben", sagt Stimpel.


Bei Spencer Stuart in Frankfurt hat sie es aber trotzdem gut getroffen. Von außen ist es zwar ein schnöder Flachbau, der aber in bester Umgebung am Main-Ufer liegt. Nur einige Häuser weiter ist das Kunstmuseum Städel, zum Bankenzentrum sind es Minuten. Hat man den eher karg gehaltenen Eingangbereich durchquert, empfängt den Gast im ersten Stock eine Umgebung wie in einem Design-Hotel. Stehlampen in Stimpels Büro sind weiß, ebenso die 30 Rosen auf ihrem Schreibtisch. Der Tisch ist aufgeräumt, kein Schnickschnack, nur ein Notebook und ein paar Papiere liegen herum.

Wenn sie Kandidaten für eine Stelle auswählt, achtet Stimpel durchaus auf Äußerlichkeiten. Ist seine Krawatte zu grell oder ihr Rock zu kurz? Passen die Schuhe und sitzt die Frisur? "Schließlich ist der erste Eindruck, den ich von dem Kandidaten gewinne auch der, den er auf den Klienten macht", so Stimpel. Das ist manchmal eine schwierige Gratwanderung. So sei es für einen Manager in der Automobilbranche natürlich durchaus in Ordnung, einen Porsche als Dienstwagen zu fahren, so Stimpel. "Für mich kommt das nicht in Frage, weil ich von unseren Klienten bezahlt werde und nicht den Eindruck vermitteln will, mit dem Honorar nicht sorgsam umzugehen", sagt Stimpel. Privat könnte sie sich den Luxus durchaus leisten. Mit ihrem schwarzen Mercedes Cabrio fahren sie und ihr Mann, der Chefarzt an der Deutschen Klinik für Naturheilkunde und Präventivmedizin im Saarland ist, am Wochenende gern übers Land. Gemeinsam steuern sie Golfplätze an, essen zu Mittag und schlagen ein paar Bälle, obwohl Christine Stimpel laut eigener Aussage "grottenschlecht Golf spielt". Mit einem Handicap von 54 ist das sicherlich nicht untertrieben. Ihr Mann ist begeisterter Koch, so daß Stimpel gern die Rolle des gemüseschnippelnden Hilfsarbeiters einnimmt. Am vergangenen Wochenende gab es hauchdünn geschnittenen Thunfisch, nur ganz kurz angebraten. Dazu Artischockengemüse mit Balsamico und Sojasauce. "An solchen Abenden kann ich am besten entspannen", sagt Stimpel. Bei Geschäftsessen gelingt ihr das nicht immer, obwohl sie mittlerweile Routine sind. Die Situation, in der einem Parmaschinken wie Fäden zwischen den Zähnen hängt und Essig auf die weiße Bluse spritzt, kennt sie nur zu gut. Sie hat daher für alle einen Tip: "Was immer geht, ist Carpaccio."
Risiken bei Immobilien in den USA nehmen zu


In Nordamerika haben die Häuserpreise ein Niveau erreicht, das manche europäische Fondsinitiatoren zum Ausstieg nutzen. Andere Investoren glauben dagegen an weiter steigende Preise und setzen auf neue Beteiligungsmodelle. Diese bieten neue Chancen, bergen aber auch erheblich größere Gefahren als die bisherigen Anlagekonzepte
Hämisch kommentierte die Tageszeitung "Chicago Tribune" vor knapp zwei Jahren den Kauf des Bürogebäudes 333 West Wacker durch den offenen Immobilienfonds der deutschen Gesellschaft Kanam. Von "Stupid German Money" sprach sie, schön dumm, wer soviel Geld bezahlt. Für rund 208 Millionen Dollar hatte Kanam seinerzeit das Gebäude erworben und war doch offensichtlich schlauer als gedacht. Kürzlich verkaufte das Unternehmen die Immobilie weiter und erzielte einen Gewinn in Höhe von rund 30 Millionen Dollar.


Auch andere Fondsinitiatoren machen derzeit Kasse. Ihnen genügt das aktuelle Niveau, und sie nutzen die hohen Preise, um die Immobilien früherer Fonds mit Gewinn zu verkaufen. Der Darmstädter Anbieter US Treuhand etwa hat kürzlich zwei Fonds aufgelöst. Für die Anleger ein gutes Geschäft. Die Zeichner des Fonds "Triple Outlet World" mit Einkaufszentren in Michigan, Virgina und Maryland erzielten ein durchschnittliches Ergebnis von jährlich 13 Prozent. Beim ebenfalls verkauften Shopping-Center in St. Augustine gibt es immerhin 7,5 Prozent pro Jahr.


"In den USA herrschen derzeit attraktive Bedingungen für Verkäufer von Immobilien. Wir möchten diese Situation im Sinne unserer Anleger nutzen und prüfen weitere Objekte", sagt US-Treuhand-Geschäftsführer Volker Arndt. Eine Strategie, die auch Marktführer Jamestown verfolgt. Dem Kölner Unternehmen gelang in New York die bislang größte Transaktion des Jahres. Für 1,25 Milliarden Dollar verkaufte der US-Fondsinitiator das Axa Financial Center in Manhattan. Im Herbst 2002 hatte er mit rund 800 Millionen Dollar das 13,7fache der jährlichen Mieteinnahmen gezahlt und erhielt nun 20,7 Jahresmieten dafür. Anleger bekommen mehr als 142 Prozent ihres eingesetzten Eigenkapitals.


Doch wohin mit dem Geld, zumal wenn die Gewinne in Dollar erzielt wurden, die amerikanische Währung in den vergangenen Jahren jedoch deutlich an Wert verloren hat? Wer sein Geld jetzt in Euro tauscht, verliert einen Teil seiner Gewinne. Wird das Geld dagegen wieder in den USA angelegt und steigt der Dollarkurs, können die Verluste ausgeglichen werden.


Viele Anleger sind daher geradezu gezwungen, ihr Geld wieder in den USA zu investieren. So verwundert es auch nicht, daß das ehemals Kanam gehörende Gebäude im Portfolio der US-Immobiliengesellschaft Hines, eines der ganz großen Player der Branche, landete. Sie packt das Objekt in einen Fonds - und an diesem sind auch wieder deutsche Anleger beteiligt. Partner ist der Düsseldorfer Initiator Ideenkapital.


"In zwei Jahren wird das Objekt noch mehr wert sein", sagt Vertriebsvorstand Michael Wilke. Wie er glauben auch einige andere Fondsinitiatoren weiter an steigende Preise für Immobilien in den USA. Allerdings müssen sie dabei neue Wege gehen. "Bei den aktuell hohen Preisen lohnen herkömmliche Fondskonstruktionen nicht", sagt Jamestown-Geschäftsführer Markus Derkum. Er bietet in Kürze eine Immobilienbeteiligung mit höheren Chancen, aber auch größeren Risiken an. Mit dem "Jamestown Co Invest 4" setzen Anleger Beteiligungskapital ein, um vor allem Projektentwicklungen im Südosten der USA zu finanzieren.


Die Story dahinter erscheint logisch. Die Ertragsmöglichkeiten beispielsweise von Ärztehäusern sind abgekoppelt von dem Auf und Ab des Büroimmobilienmarktes. Die Risiken sind allerdings auch beachtlich. "Wir raten konservativen Kunden daher, nicht die gesamten Rückflüsse aus aufgelösten Altfonds zu investieren, sondern nur einen Teil", sagt Derkum.



Währen Jamestown die Investitionsobjekte gemeinsam mit Profis vor Ort selbst aussucht, sammeln andere Initiatoren Kapital ihrer Kunden ein und stellen es US-Fondsmanagern zur Verfügung. Mit dem ersten Angebot dieser Art kam vor rund einem Jahr das Emissionshaus MPC auf den Markt und traf damit offensichtlich den Nerv der Zeichner. Kürzlich präsentierte der Initiator den Nachfolgefonds des Opportunity USA. Die Zeichner beteiligen sich über diesen Dachfonds an drei US-Immobiliengesellschaften. Ziel ist es, Objekte günstig zu erwerben, zu sanieren, hohe Mieterträge zu erwirtschaften und die Gebäude später mit Gewinn wieder zu verkaufen.


Bislang ging das Konzept der US-Fonds auf. Sie erzielten für ihre meist institutionellen Anleger Renditen jenseits der Zehn-Prozent-Marke. "Solche Erträge sind nur mit besonderen Strategien zu erzielen", meint MPC-Vorstandsmitglied Ulrich Oldehaver. Greifen die Experten bei der Auswahl daneben, sind Verluste nicht auszuschließen.


Andere Initiatoren konzentrieren sich auf das Thema Wohnen. Dieser Markt teilt die Experten jedoch in zwei Lager. Viele fürchten eine Überhitzung. So hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Feri die Prognosen für alle Wohnstandorte der USA soeben nach unten korrigiert. "Die Steigerungsraten vergangener Jahre werden sich nicht fortsetzen", sagt Feri-Experte Thorsten Schilling. Fakt ist aber auch, daß die demographischen Daten durchaus für Investitionen in Wohnimmobilien sprechen. Anders als in Deutschland und anderen europäischen Ländern nimmt die Bevölkerungszahl in den USA ständig zu. Bis 2050 rechnen die Prognostiker mit einem Anstieg der Bevölkerung um knapp 30 Prozent.


"Im Langfristvergleich verzeichnen US-Apartmentanlagen einen höheren Mietanstieg als Büro- oder Einzelhandelsimmobilien. Grund dafür ist vor allem das liberale Mietrecht in den USA", sagt Joachim Seeler, Chef des Hamburger Initiators HGA Capital. Er plaziert derzeit einen Fonds mit Wohnungen in Florida und Las Vegas, den "USA V Living in America".


Und was passiert beim nördlichen Nachbarn? Während mehr als die Hälfte der in einer Feri-Untersuchung befragten Anleger von Kanada-Fonds schwärmen, halten sich Anbieter zurück. Verantwortlich sind auch hier die gestiegenen Preise. Dabei sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit knapp drei Prozent Wachstum ähnlich gut wie in den USA. Die Arbeitslosigkeit im zweitgrößten Land der Welt erreichte mit einer Quote von 6,3 Prozent den tiefsten Stand seit 32 Jahren.


Doch parallel dazu sind die Preise am Immobilienmarkt auf ein extremes Niveau gestiegen. Begehrtester Standort ist Calgary mit Spitzenmieten von rund 470 US-Dollar pro Quadratmeter. Das sind knapp 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit liegt die kanadische Stadt nicht weit hinter dem derzeit teuersten Büro-Standort der USA. In New York zahlen Nutzer in besten Bürolagen 550 Dollar. Markus Gotzi




Artikel erschienen am 11. Juni 2006
Lager der Optimisten an den Börsen schrumpft


Analysten fürchten eine Inflation ohne Wachstum und sehen klare Verkaufssignale
Um Erklärungen für aktuelle Marktbewegungen sind die Börsenexperten normalerweise nie verlegen. Mal ist es der Ölpreis, dann sind es Konjunkturdaten aus den USA, dann wieder Wortmeldungen von Notenbankern. In der vergangenen Woche gerieten einige Analysten nun jedoch an den Rand ihrer Deutungsmöglichkeiten.


Die Europäische Zentralbank erhöhte am Donnerstag den Leitzins um 25 Basispunkte, exakt wie es erwartet worden war, andere Nachrichten gab es nicht. Doch die Aktienmärkte brachen ein. Der Dax verlor fast drei Prozent und schloß unter der Marke von 5400 Punkten, der Dow Jones fiel zeitweise bis auf 10 760 Zähler. Am Freitag setzte zwar eine Gegenbewegung ein, die Nervosität bleibt jedoch groß.


"Neue oder gar überzeugende Argumente für diese plötzliche und ausgeprägte Schwäche gibt es nicht", schrieb die Commerzbank etwas ratlos in ihrem offiziellen Börsenkommentar. Allerdings war in der vergangenen Woche unter den Meinungsäußerungen einiger amerikanischer Analysten und Volkswirte ein Wort wieder aufgetaucht, das schon seit Jahren nicht mehr zu hören war: Stagflation.


In den 70er Jahren hatten die westlichen Volkswirtschaften zuletzt mit hoher Inflation bei gleichzeitiger Stagnation des Wirtschaftswachstums zu kämpfen. Nachdem seit einigen Wochen bereits Inflation als neue Gefahr die Märkte beherrscht, sehen nun offenbar einige Experten auch das Risiko, daß zumindest das amerikanische Wirtschaftswachstum demnächst zum Stillstand kommt.


Hinzu kommt, daß seit der vergangenen Woche nun auch die Charttechniker eindeutige Verkaufssignale sehen. "Seit August 2004 hatten wir einen idealtypischen Hausse-Trend", sagt Achim Matzke, leitender Chartanalyst bei der Commerzbank. Zwar gab es seither auch immer wieder einzelne Konsolidierungsphasen. Dabei verließen die Kurslinien jedoch nie den eingeschlagenen Trendkanal, der eindeutig nach oben wies. "Zudem gab es dann immer wieder klare charttechnische Kaufsignale."


Seit dieser Woche ist dies nun anders. "Der Londoner Aktienindex FTSE hat den Trendkanal zu Beginn der Woche verlassen, der EuroStoxx am Donnerstag", sagt Matzke. Der Dax befindet sich zwar noch innerhalb seines Trendkanals, da jedoch die meisten anderen europäischen Indizes bereits herausgefallen sind, dürfte dies in Kürze auch beim Dax passieren. "Jetzt gibt es zudem eindeutige Verkaufssignale", sagt Matzke.


Die Fondsgesellschaften und einige Aktienstrategen sind inzwischen fast die einzigen, die weiter optimistisch bleiben. "Wir glauben, daß die jüngsten Korrekturen bei europäischen Aktien attraktive Kaufgelegenheiten bieten", sagt William Davies von Threadneedle Investments. Die Unternehmen seien günstig bewertet, und die wirtschaftlichen Aussichten blieben gut. "Die Rallye an den Aktienmärkten sollte weitergehen, sobald die wirtschaftlichen Aussichten klarer werden", sagt Davies.


Auch Rolf Elgeti, Volkswirt bei ABN Amro, ist noch nicht ins Lager der Pessimisten übergelaufen. "Die Märkte scheinen zunehmend besorgt, daß die Unternehmen die gegenwärtig hohen Gewinnmargen nicht halten können", stellt er fest. Steigende Zinsen könnten zu einem Rückgang führen. "Wir glauben jedoch, daß solche Befürchtungen fehl am Platze sind", sagt er. Auf die Gesamtwirtschaft bezogen, seien die Unternehmensgewinne nicht ungewöhnlich hoch, und er sieht die Wirtschaft weiter überdurchschnittlich wachsen.


Sicher ist indes, daß die Zeiten an den Börsen unsicher bleiben. Denn der Volatilitätsindex, der die Schwankungsbreite der Aktienmärkte mißt, ist mit einem Wert von 25 nach wie vor auf einem hohen Niveau. Vor Beginn der jüngsten Turbulenzen lag der Index, der auch "Angstbarometer" genannt wird, bei 13. Frank Stocker




Artikel erschienen am 11. Juni 2006
Warum Firmen auf Impfstoffe setzen
Der Kampf gegen Viren wird zum Milliardengeschäft für die Pharmaindustrie. Vogelgrippe und Krebs treiben die Nachfrage
Im Sommer herrscht Ruhe, doch diese Ruhe täuscht. Denn im Herbst, wenn die Zugvögel wieder auf die Reise gehen, wird sie nach Deutschland zurückkommen: die Vogelgrippe. Schon im Frühjahr hatten einfliegende Wildvögel deutsches Federvieh mit der aus Asien kommenden Seuche bedroht und mehr oder weniger panische Reaktionen bei Menschen und Behörden ausgelöst.


Zwar ist die Furcht gewichen, nicht aber die Gefahr: Das die Vogelgrippe auslösende "H5N1-Virus ist aus den Schlagzeilen, aber leider nicht aus der Welt", sagt Michael Herschel, Leiter der klinischen Forschung beim britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK). Tatsächlich schätzten Experten die Risiken durch die Vogelgrippe derzeit größer ein als im vergangenen Herbst. Als sicher gilt den Fachleuten: Eines Tages wird das Virus auf den Menschen überspringen und eine weltweite Krankheitswelle auslösen mit möglicherweise Millionen von Toten. Ungewiß ist nur, wann das passiert.


Deshalb hat der Alarmruf des Pharmazeuten nicht nur akademische Gründe. GSK fehlt es derzeit an Kandidaten für den Test einer Schutzimpfung gegen Vogelgrippe. Das Unternehmen hat einen Wirkstoff entwickelt, der die körpereigene Immunabwehr gegen verschiedene Varianten des neuen Grippevirus stimulieren könnte. Das neue Serum aber kann erst dann auf den Markt kommen, wenn seine Wirksamkeit und seine Verträglichkeit an 1000 Menschen erprobt worden sind. Doch bislang ist die Neigung der Kandidaten gering, für 80 Euro - mehr gibt es nicht - das Versuchskaninchen abzugeben. Immerhin hofft Glaxo, das Verfahren noch in diesem Jahr abschließen zu können, um dann die Zulassung für den neuen Impfstoff zu beantragen.


Erstaunliche Umsatzsprünge werden nun für den Impfmarkt vorhergesagt, der bislang den Unternehmen als uninteressant galt. Immerhin werden schon mit gewöhnlichen Grippeschutzimpfungen trotz weitreichender Impf-Abstinenz weltweit 3,5 Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt. Bei einem Überspringen des Vogelgrippevirus auf Menschen wird die Zahl drastisch nach oben schnellen.


Die drohende neue Seuche ist nur einer der Wachstumstreiber auf dem Impfstoffmarkt. Dessen Volumen wird von 9,5 Milliarden Dollar im Jahr 2004 nach Branchenschätzungen bis zum Jahr 2009 auf rund 20 Milliarden Dollar zulegen. Dabei kommen selbst Kinderkrankheiten, die in den Industrieländen längst als ausgerottet galten, zu neuen medizinischen Ehren. Eine kleine Masern-Epidemie in Nordrhein-Westfalen hat jüngst sogar die Gesundheitsbehörden in den USA alarmiert, die dringend rieten, nur geimpft die Reise ins Land der Fußballweltmeisterschaft anzutreten. Gegen weitere, typischerweise Kinder befallende Krankheiten kann nun mit der Sammelspritze vorgegangen werden. Das Pharmaunternehmen Sanofi Pasteur MSD bietet demnächst eine kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken an.


Doch richtig Schwung und damit höhere Gewinnmargen kommen in die Impfstoffe durch die Forschritte der Medizin. "Ein Grund für das Wachstum bei Impfstoffen ist sicher, daß wir heute die Entstehung von Krebs und anderer schwerer Krankheiten besser verstehen können als früher", sagt Jörg Reinhardt, Leiter der Impfstoffsparte beim Pharmakonzern Novartis.


Tatsächlich gibt es erste Erfolge bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Krebs. Am 8. Juni bekam der amerikanische Pharmakonzern Merck & Co. in den USA die erste Zulassung weltweit für einen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs. Der wird durch Viren verursacht, von denen nun einige schon beim ersten Angriff abgewehrt werden können. Allein für Deutschland wird das Marktvolumen für diesen Impfstoff auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt.


Merck wird mit dem Produkt nicht lange allein bleiben. Schon im März hat der britische Konzern GSK ebenfalls die Zulassung für einen einschlägigen Impfstoff beantragt. Das Unternehmen rechnet Anfang 2007 mit der Genehmigung. Geht es nach den Hoffnungen der Pharmaforscher, ist der Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs nur der erste Schritt zu weiteren Schutzimpfungen gegen Krebs.


Ein wenig beunruhigend ist allerdings die altertümlich anmutende Methode, mit der auch heute noch Impfstoffe produziert werden. Als biologische Brutstätte der Seren dienen gewöhnliche Hühnereier. GSK, das bis Ende 2007 die Produktionskapazitäten für Impfstoffe in seinem Werk in Dresden verdoppeln will, wird dann statt 180 000 Hühnereiern 360 000 brauchen. Und zwar täglich. Die allerdings dürfen eines auf keinen Fall sein: infiziert mit Grippeviren. Manfred Fischer




Artikel erschienen am 11. Juni 2006
"Airbus hat eine Menge Probleme"
Tim Clark, Chef der Emirates Airlines, über den neuen Airbus A380, wie er der Lufthansa möglichst schnell Konkurrenz machen will, und warum der amerikanische Flugzeugbauer Boeing im Kampf gegen die Europäer momentan die Nase vorn hat
von Das Gespräch führte Jens Flottau

Die Fluggesellschaft Emirates gilt als eine der größten Konkurrenten für Anbieter wie die Lufthansa. Mit Staatsgeld gegründet und aufgebaut, will das Unternehmen aus Dubai generalstabsmäßig geplant in die Weltspitze vorstoßen. Die Flugzeuge dafür sind schon geordert: Mehr als 30 Milliarden Dollar gibt die Gesellschaft in den nächsten Jahren dafür aus. Derzeit fliegt Emirates in Deutschland zwar nur Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf an. Schon bald aber sollen, wo immer möglich, auch Strecken wie Hamburg-New York abgedeckt werden.


Emirates-Chef Tim Clark macht das zu einer der einflußreichsten Figuren der Branche. Seine Kritik an der ersten Fassung des geplanten Jets A350 zwang etwa Airbus dazu, nun mehrere Milliarden in ein völlig neues Flugzeug investieren. Für Clark selbstverständlich: "Dafür sind die im Geschäft", sagt er.

Welt am Sonntag: Herr Clark, Emirates fliegt ab Herbst direkt von Hamburg nach New York. Continental und die Lufthansa tun das auch schon. Kann sich das für Sie lohnen?

Tim Clark: Jedes Jahr wollen über 200 000 Passagiere von Hamburg nach New York. Heute müssen fast alle umsteigen, in München, Frankfurt, London oder Kopenhagen. Selbst wenn wir nur einen Bruchteil von denen abbekommen, wird sich ein täglicher Flug lohnen. Wenn Sie sich mit der Hamburger Geschäftswelt unterhalten, dann haben die die Nase voll davon, immer erst anderswohin zu müssen, um dann zu ihrem Ziel zu kommen.

Ist der Flug von Hamburg aus eine Art Testfall für andere Ziele?

Clark: Ja, das kann man schon so sehen. Wir sind allerdings schon jetzt davon überzeugt, daß das funktionieren wird. Ich habe vor zwei Wochen in Dubai mit Leuten aus Berlin geredet. Ich habe sie gefragt, wie sie hergekommen sind, und sie haben alle gesagt, daß sie in Frankfurt und München umgestiegen sind. Das ist die gleiche Situation.

Aber noch haben Sie im wesentlichen ein Streckennetz mit Dubai als Zentrum. Können Sie damit in Europa gegen Lufthansa, British Airways oder Air France antreten?

Clark: Dubai wird immer das Zentrum des Streckennetzes sein. Aber wenn sich anderswo Gelegenheiten ergeben, werden wir uns die anschauen. Das können Strecken von Europa in die USA sein, oder zu jedem anderen Punkt der Erde. Wahrscheinlich in Asien. Wir werden weltweit antreten.

Was für Strecken kommen da demnächst noch in Frage?

Clark: Ich werde Ihnen nicht mehr verraten. Wir sind umgeben von Leuten, die uns nicht mögen, und wenn ich Ihnen mehr von dem sagen würde, was wir so alles planen, dann wären die alle sehr besorgt. Aber Hamburg ist nur der Anfang.

Emirates hat 45 Airbus A380 bestellt. Wo werden die alle hinfliegen? Auch von Frankfurt nach New York, gegen die Lufthansa?

Clark: Die A380 werden die Hauptstrecken von Dubai aus bedienen. Vergessen Sie nicht: Das Flugzeug hat eine Reichweite von 14 bis 15 Stunden Flugzeit. Damit erreichen wir die Ostküsten der USA und Australiens, ganz Europa und ganz Asien. Wir können von Dubai aus noch nicht zur US-Westküste fliegen. Aber Airbus wird bald eine A380-Version bauen, die das kann.

Emirates war einer der wenigen Kunden für die Frachtversion des A380. Jetzt haben Sie die Bestellung fallengelassen. Warum?

Clark: Airbus hat zwei Termine verpaßt, bis zu denen sie uns die technischen Details des Flugzeuges hätten nennen müssen. Für diesen Fall hatten wir uns darauf geeinigt, statt dessen Passagiermaschinen zu nehmen. Ich mache mir wirklich Sorgen wegen der Lieferzeiten des A380. Bis 2011 oder 2012 können Sie jetzt schon kein Flugzeug mehr bekommen. Wir hätten unsere Liefertermine für die beiden Frachter in 2009 verloren, wenn wir sie nicht in Passagierflugzeuge umgewandelt hätten. Aber wenn Airbus uns die technischen Details nennt und uns das Flugzeug gefällt, dann werden wir entweder zwei zusätzliche Maschinen bestellen oder die zwei wieder in Frachter umwandeln.

Sie bekommen Ihre Flugzeuge ja als erster ausgeliefert. Wird Ihr erster Eindruck Auswirkungen darauf haben, wie gut der A380 läuft?

Clark: Vor der ersten Auslieferung einer neuen Maschine warten alle Fluggesellschaften gespannt ab. Danach fangen die Erstkunden an, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Darauf wartet die ganze Gemeinde jetzt. Wenn, wie wir glauben, die A380 sich als gutes Flugzeug herausstellen wird, dann werden viele anderen ebenfalls bestellen. Und wir sind ausgeknockt, wenn wir nicht vorher gekauft haben. Airbus muß meiner Ansicht nach die A380-Produktion verdoppeln: Sie wollen etwa alle neun Tage einen A380 bauen. Das müßten sie in drei oder vier Tagen schaffen, um die Nachfrage zu befriedigen.

Klappt denn überhaupt der Auslieferungstermin? Schon jetzt hat Airbus die Markteinführung um sechs Monate nach hinten geschoben.

Clark: Airbus nennt uns immer noch April 2007 als Termin. Aber Hand aufs Herz: Ich glaube eher an Ende April oder Mai. Vielleicht.

Bei dem von Airbus geplanten Langstreckenjet A350 haben Sie und andere mögliche Kunden gewaltigen Druck gemacht, damit das Flugzeug überarbeitet wird.

Clark: Ja, wir waren kurz vor einer Bestellung, dann haben wir uns wieder zurückgezogen. Ich war nicht davon überzeugt, daß die A350 das Flugzeug des 21. Jahrhunderts sein würde, und Airbus hat das immer gewußt. Der Rumpf war ursprünglich okay für mich. Aber die anderen Airlines wollten ihn größer haben, und jetzt finden wir das auch besser so. Vor allem wollten wir einen neuen Flügel, damit das Flugzeug schneller und effizienter fliegt. Wir können nicht mit einer Tragfläche leben, die Mitte der 80er Jahre entwickelt wurde. Für Airbus war diese Kritik tatsächlich ein lauter Weckruf.

Und sieht es jetzt besser aus?

Clark: Wir brauchen viele von diesen Flugzeugen. Und wir wollen keine Zwischenlösung. Diese Nachricht ist angekommen.

Airbus will mit der A350 die Boeing-Flugzeuge 777 und 787 angreifen. Klappt das Ihrer Meinung nach?

Clark: Mit dem neuen A350 dürfte es nicht getan sein. Airbus hat eine ganze Menge Probleme. Der viermotorige A340 ist wegen seines Sprit-Verbrauchs problematisch, der A330 wegen der besseren Boeing-Konkurrenz 787. Für mich steht hinter der gesamten Produktpalette von Airbus, mit Ausnahme der A320 und der A380, ein großes Fragezeichen. Die A350 hat höchstens 340 Sitze, die A380 hat 550. Und dazwischen? Gar nichts. Wenn Airbus mit Boeing wirklich konkurrieren will, brauchen die noch ein weiteres neues Flugzeug.

Das dürfte für die Europäer sehr sehr teuer werden.

Clark: Ja, das ist für Airbus schwer zu verdauen. Aber wir haben für 33 Milliarden Dollar Flugzeuge gekauft. Deshalb müssen die Jungs uns die verdammten Dinger bauen, die wir brauchen. Und wenn es zehn Milliarden kostet. Dafür sind sie schließlich im Geschäft. Entweder sind sie im Geschäft oder nicht.


Artikel erschienen am 11. Juni 2006
Neue Ich-AGs werden zum Erfolg
Der staatlich geförderte Start in die Selbständigkeit schafft schon jetzt Jobs. Mit der Reform der Ich-AGs wird das künftig sogar bezahlbar
von Flora Wisdorff


Verschiedene selbst gemachte Marmeladen zeigt Astrid-Ines Schickram aus dem brandenburgischen Jacobsdorf

Flora Wisdorff Florian Kohn ist niemand, der schon als Kind davon träumte, Unternehmer zu werden. Heute ist er trotzdem sein eigener Chef. Kohn ist eine "Ich-AG". Der Studienabbrecher aus Essen begann mit 28 Jahren seine Ausbildung als "Fachkraft für Veranstaltungstechnik". Im März 2005 wurde er fertig. Und dann arbeitslos. Also machte der 31jährige sich mit den Fördermitteln der Arbeitsagentur selbständig. Kohn leuchtet heute Industriepräsentationen aus, Pressekonferenzen oder Hauptversammlungen. 600 Euro bekommt er jeden Monat als Zuschuß. "Wenn es gut läuft, verdiene ich bald 2000 Euro monatlich", sagt er. Steigt sein Jahreseinkommen nicht über 25 000 Euro, kann Kohn noch zwei weitere Jahre jeden Monat Fördergeld bekommen. 360 Euro im ersten und 240 im zweiten Jahr.


Mit dem Genuß dieses Privilegs ist es bald vorbei. Denn Ende des Monats wird die Ich-AG abgeschafft. Das viel gescholtene Förderinstrument, das 2002 sogar zum Unwort des Jahres wurde, verschwindet aus dem Katalog der Bundesagentur für Arbeit (BA).


Gründer wie Kohn bekommen trotzdem weiterhin Unterstützung. Ab August wird der sogenannte Gründerzuschuß Arbeitslosen auf dem Weg in die Selbständigkeit helfen. Und es sieht so aus, als ob diese reformierte Ich-AG die Probleme der ersten Variante lösen könnte. Denn daß geförderte Selbständigkeit gegen die Arbeitslosigkeit hilft, ist kaum noch umstritten. Jetzt wird das sogar bezahlbar.


Die Ich-AG war Anfang 2003 zusammen mit den anderen Hartz-Reformen eingeführt worden. Zunächst hatten alle Empfänger von Arbeitslosengeld und -hilfe Anspruch darauf. Sie brauchten lediglich eine Geschäftsidee. 2004 wurde der Zuschuß mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe auf Empfänger des Arbeitslosengeldes I (ALG I) beschränkt. Außerdem mußten potentielle Gründer nun einen realistischen Businessplan vorlegen.


Der neue Gründerzuschuß legt die Ich-AG mit dem Überbrückungsgeld zusammen, das arbeitslose Gründer schon seit 20 Jahren sechs Monate lang mit einem Zuschuß in Höhe ihres Arbeitslosengeldes fördert. Die neue Mischung sieht so aus: Existenzgründer, die noch mindestens drei Monate lang Anspruch auf das Arbeitslosengeld I haben und einen schlüssigen Businessplan vorlegen, haben Anspruch auf Geld vom Staat. Neun Monate lang gibt es das ALG I plus eine Pauschale von 300 Euro. Der Anspruch auf das ALG I erlischt dann mit der neuen Förderung. Wenn sie das Konzept für tragfähig hält, kann die Arbeitsagentur noch einmal ein halbes Jahr lang 300 Euro pro Monat gewähren.


Damit wird organisierter, was von Anfang an vernünftig war. Denn über den grundsätzlichen Sinn einer Existenzgründerförderung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bestehen kaum Zweifel. Schon das Überbrückungsgeld habe sich dabei bewährt, sagt Frank Wießner, der am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Wirkung der Existenzgründung untersucht. Ähnlich urteilte der erste Expertenbericht, der die Hartz-Reformen unter die Lupe nahm. Die von der Regierung beauftragten Wissenschaftler hatten die Erfolgsquote der Ich-AG's eineinhalb Jahre nach deren Einführung beurteilt. 80 Prozent derjenigen, die meist allein ein Unternehmen in der Dienstleistungsbranche gründeten und Geschäfte eröffneten, Autos reparierten oder zu freien IT-Experten wurden, hatten zu dem Zeitpunkt überlebt. Die Ich-AG zähle zu "den erfolgreichen Instrumenten der Arbeitsmarktpolitik", steht in dem Papier.

Neueste Daten bestätigen diesen Trend. Auch zweieinhalb Jahre nach Beginn der Förderung im Rahmen der Ich-AG ist mehr als die Hälfte der Empfänger noch nicht zurück in die Arbeitslosigkeit gekehrt, heißt es in Kreisen, denen erste Ergebnisse vorliegen.


Allerdings galt der Staatszuschuß nicht zu Unrecht lange als Dauersubvention für windige und unqualifizierte Geschäftsideen, die ohnehin niemals am Markt überleben. So berichteten die Industrie- und Handelskammern (IHK), die bei der Beurteilung und Beratung der Ich-AGs mit den Arbeitsagenturen zusammenarbeiten, auch von teils absurden Zuständen. Zu ihnen seien Leute gekommen, die weder kaufmännische Kenntnisse hatten noch in der Lage waren, ihre Geschäftsidee überhaupt zu erklären.


Nachdem die Ich-AG 2003 eingeführt worden war, waren die Eintritte in die Existenzgründungsförderung schlagartig angestiegen: von 125 000 auf 250 000. Daß die Deutschen über Nacht zu einer wahren Unternehmernation wurden, ist dabei eher unwahrscheinlich.


Auch Mitnahmeeffekte gehören zu den Problem der zunächst leicht zugänglichen Förderung. Empfänger wie die 39jährige Hamburgerin Silke Mühlenstedt trugen mit dazu bei, daß die Existenzförderung für den Steuerzahler mit 3,3 Milliarden Euro allein 2005 recht teuer wurde. Sie machte sich vor drei Jahren als "Clownin Lili" selbständig - hatte aber schon zuvor als professionelle Spaßmacherin gearbeitet.


Weil sie die Ich-AG-Zuschüsse bekam, mußte sie dann nicht mehr nebenbei als Telefonistin jobben. Mit solchen Empfängern müsse das System leben, sagt Viktor Steiner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die Frage sei nur, wie viele es davon gebe. Genau deshalb finden Experten es gut, daß das Förderinstrument nun verändert wird. "Daß gestutzt und gefiltert wird, geht in die richtige Richtung", sagt Wießner.


Trotzdem hätten die härtesten Kritiker der Ich-AG es gern gesehen, wenn der Rechtsanspruch auf die Förderung abgeschafft worden wäre. "Das ist der Pferdefuß an dem neuen Zuschuß", sagt Marc Ewers vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Ansonsten ist selbst er zufrieden. Die Zusammenlegung der beiden Instrumente schaffe mehr Transparenz und sei "ein guter und richtiger Schritt, der die Geschäftsidee mehr in den Mittelpunkt stellt und die Fehlanreize verringert", sagt er.


Die Urheber der Reform, die Arbeitsmarktexperten Klaus Brandner (SPD) und Ralf Brauksiepe (CDU), rechnen jedenfalls fest mit weniger Ausgaben. Spätestens in drei Jahren, wenn die alte Ich-AG-Förderung ausgelaufen ist, soll die Existenzgründung den Staat eine Milliarde Euro weniger kosten.

Mitarbeit: David Schraven und Sebastian Bertram


Artikel erschienen am 11. Juni 2006
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